Wohnungssuche

Wir sind ja jetzt schon seit einer Woche im Hotel und haben den Behördenkram soweit erledigt. Als nächstes steht die Wohnungssuche an.
Vorneweg, es ist nicht so wie in Deutschland:
Zeitung aufschlagen, Makler/Vermieter angerufen, anschauen, überlegen, Vertrag anschauen und unterschreiben, einziehen.
Die Maklerin, Ulrike oder Uli aus Österreich, erklärt uns das ganze Prozedere erst einmal.
Also die Wohnungen findet man auch über die Zeitungen wie bei uns, wobei wir Glück haben, da gerade Monatsanfang ist. Meist wird aber zusätzlich ein Schild ins Fenster gehängt, also lohnt sich auch der Gang durch die Straßen um etwas zu finden.
Die Angaben zu den Wohnungen sind für uns jedoch etwas verwirrend. Es werden häufig nur die Anzahl der Schlafzimmer angegeben sowie der Preis.
Das wars. Doch dazu später mehr.
Es gibt fast immer Einbauschränke, was uns sehr entgegen kommt.
Eine Küche ist eigentlich immer drin, jedoch fehlt normalerweise der Herd und der Kühlschrank.
Die Mietverträge laufen normalerweise über ein Jahr und werden dann jeweils verlängert.
Der Vertrag wird beim Notar, mal wieder mit Fingerabdruck, unterschrieben.
Der Mieter an sich darf kein Zauderer sein, hier ist Schnelligkeit gefragt. Die Wohnungen stehen selten länger als ein paar Tage leer und es ist üblich, sofort bei Besichtigung und Gefallen eine Anzahlung der ersten Miete auf den Tisch zu legen, um die Wohnung für sich zu reservieren.
Es ist nicht so einfach die richtige Wohngegend zu finden. Mitten in der Stadt wollen wir, nach der Woche Hotel, schon mal nicht wohnen. Immer wieder wird das Thema Sicherheit genannt. Diese Gegend sei nicht sicher, die andere schon gar nicht. Von einem alleinstehenden Haus hat uns jeder von abgeraten, zu unsicher... Wenn ich mir die teilweise schon enormen Gitter vor den Fenstern anschaue kann ich mir das auch gut vorstellen. Die findet man teilweise noch in 5. Stock? Ob chilenische Einbrecher zu den besten Fasadenklettern der Welt gehören ist mir nicht bekannt. Vielleicht können sie ja fliegen??
Sicherheit findet man anscheinend nur in Wohnblocks, wovon es viele und einige ziemlich hässliche gibt. Hier sitzt unten am Eingang (7X24h) grundsätzlich der "Conserje" und lässt niemand Fremden rein, schon gar nicht unangemeldet. Er nimmt auch die Post an und meldet den Besuch per Haustelefon an. Dieser darf dann in der Einganghalle auf der allgegenwärtigen Sitzgruppe warten bis er abgeholt oder raufgelassen wird. Ein fetter Zaun oder ein Gitter ums Haus ist obligatorisch. Alles ist aber abhängig von der Lage und dem Wohngebiet. Wir waren ja schon mal gespannt.

Wir wollten 2 Dormitorios, höchstens die 3. Etage, kein Haus mit mehr als 8 Etagen und einen Balkon, keine große Straße und die Laufnähe zur Metro.

Am nächsten Tag hatten wir dann schon 4 Termine zur Wohnungsbesichtigung. Eine Kollegin von Uli, Karen, hat uns begleitet um die Sprachbarrieren zu umgehen. Es war von 70 bis 140 qm alles dabei. Alle liegen in Providencia, einem besseren Wohnviertel Richtung Anden.

Die erste Wohnung war eine erste Einweisung in die Sicherheitsfeatures des Hauses. Der Conserje hat uns reingelassen, allerdings nicht ohne zu sagen, daß er das eigentlich gar nicht dürfe. Weil aber Karen mit der Besitzerin telefoniert habe gehe das schon in Ordnung. Dafür besaß diese Wohnungstür 4 Schlösser. Scheinbar ist die Anzahl der Schlösser proportional zur qm Anzahl...?!
Da fühlte ich mich gleich ganz sicher ;-)
Wir hatten gleich mit der Größten angefangen und waren von den 140 qm ein bißchen erschlagen. Beide Balkone hatten Glasscheiben zum zuschieben, und qualifizierten sich dadurch eigentlich schon nicht mehr als Balkon. Allerdings brauchte man sie als Lärmschutz. Dummerweise lag die Wohnung an einer lauten Hauptverkehrsstraße (Avenida Providencia) und fiel auch sonst eher durch verblichenen Glanz auf, bis auf einen ganz netten Holzfußboden.

Also direkt weiter zur 2.. Die lag verkehrstechnisch zwar nicht so ideal, dafür in einer uns viel zusagenderen Gegend, grün, mit kleinen Häusern, Gärten und einem kleinen Park. Als erstes fielen uns die hellgrauen Wände zum dunkelbraunen Laminatboden auf, ungewohnt, aber ganz hübsch und frisch renoviert. Auch diese Wohnung hatte 2 Schlafzimmer, dazu gehören automatisch 2 Bäder. Ein Bad hatte direkt einen kleinen Garten vor dem Fenster: Ann wollte schon mit dem Einpflanzen anfangen.
Dazu kommt noch eine Besonderheit die es in Deutschland wohl eher selten in einer 90 qm Wohnung zu sehen gibt. Ein kleines Zimmerchen, incl. Dusche/Wc, für die Hausangestellte! Die scheint in dieser Gegend wohl zum Inventar zu gehören. Wir haben schon auf dem Weg dahin mehrere mit kleinen Kindern gesehen oder auf Einkaufstour, leicht zu erkennen an der Kittelschürze. Auch eher unbekannt bei uns ist die hier sogenannte Loggia: Ein kleiner Balkon mit Spülbecken und Platz für die Waschmaschine direkt hinter der Küche. Hier wird üblicherweise auch die Wäsche aufgehängt. Wer dies auf dem Balkon tut bekommt Ärger mit den Nachbarn, das schickt sich nicht für Providencia ;-)

Die Dritte war mit einem dunkelbraunen Teppich ausgelegt, der mich direkt an "Fozzybär" erinnert hat, eher unspektakulär und abgewohnt, obwohl gerade die Maler zugange waren. Als besonderes Feature gab es im Eßzimmer zwei kleine in die Wand eingelassene Vitrinen. Dummerweise waren die Wände so dünn, daß im Nebenzimmer dadurch zwei "Kästen" etwa 20cm aus der Wand ragten, das war die Rückseite der Vitrinen... Aus dieser waren wir schnellstens wieder draußen. Erwähnenswert ist nur, daß die eben beschriebene Hausangestellte in Kittelschürze uns in die Wohnung gelassen hat.

Die Vierte wurde uns als einzige direkt von der Vermieterin engepriesen. Die Arme hat gar nicht mehr aufgehört auf Karen einzureden, immer mit Seitenblick auf uns. Die Wohnung roch bereits muffig und wir hätten hätten alle Lampen im undefinierbaren Stil übernehmen müssen. Einzig die Küche war relativ neutral und ausreichend ausgestattet. Der Blick auf die Anden war ganz nett, wenn er nicht zum größten Teil von anderen fiesen Betontürmen verdeckt war. Selbst als wir die Wohnuung bereits verlassen hatten war die Vermieterin noch munter am erzählen um uns die Vorzüge der Wohnung näher zu bringen, besonders die Sicherheit, da schräg gegenüber ein Kommissariat lag und abends die Carabineros die Straßen kreuzten. Aber da sie im 6. Stock lag, umgeben von Betonsilos kam sie sowieso nicht in Frage.


Hier ein paar abschreckende Beispiele für Betonsilos, heute aufgenommen vom Cerro Santa Lucia, einem Park auf einem Hügel inmitten der Stadt:






Ann hatte sich bereits in die 2. Wohnung verliebt, ich war mir noch unschlüssig und wollte mich nicht schon nach 4 Wohnungen festlegen.
Wir verabredeten uns also mit Karen für frühestens Dienstag, da Montag Kolumbustag = Feiertag ist. Der ist bei uns ja auch eher unbekannt. Wieder zurück im Hotel hatte Ann mich dann kurzerhand überredet doch die 2. zu nehmen. Wir also umgehend Uli angerufen, doch die konnte uns nur auf Dienstag vertrösten.


Mal sehen ob wir sie noch bekommen. Ann sitzt auf Kohlen........