Ankunft der ersehnten Kartons

Am 2.11. bekam ich nachmittags einen Anruf von einer Dame aus der Customsabteilung von NCR. Ich solle Markus dringend ausrichten, er solle seine emails lesen. Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten, da sie genauso viel englisch sprach wie ich spanisch, und sich der Wortschatz nicht deckte, verstand ich soviel, daß unsere lang ersehnten Kisten am folgenden Tag um 12 Uhr eintreffen sollten.
An diesem Freitag fand aber auch meine erste Spanischstunden im Goetheinstitut statt, von der ich so wenig wie möglich verpassen wollte. Unsere bisherigen Erfahrungen mit chilenischen Anlieferern jeglicher Art hatten uns gelehrt, daß "irgendwann am Montag" soviel bedeutet wie "gegen 21 Uhr" und (nach ungeduldigem telefonischen Nachfragen) "der LKW wird gerade beladen" soviel wie "jetzt dauert's nur noch 2-3 Stunden" Daher war mein Plan, bis kurz vor 12 zum Spanischkurs und dann ab ins Taxi und nach Hause. Früher kommt sowieso niemand!

Als der Kanonenschuß Punkt 12 vom Cerro Santa Lucia ertönte, machte ich mich also entspannt auf den Weg (die chilenische obligatorische Verspätungsviertelstunde habe ich schon übernommen) und traf gegen 12:25 zuhause ein. Kein LKW vor dem Haus und keine Kartons in der Lobby! Trotzdem fragte ich den Conserje, ob sich denn schon jemand gemeldet habe. Zu meiner größten Überraschung hieß es, die Kisten seien schon hier, stünden oben vor der Wohnungstür und obendrein sei der LKW schon um 11 Uhr hier gewesen! Unglauben pur meinerseits! Damit konnte ja nun wirklich keiner rechnen! Eine ganz neue Erfahrung!
Also gingen wir zusammen hoch, er zeigte mir die vollzähligen Kartons auf dem Treppenabsatz und half mir dann, sie in die Wohnung zu schleppen, da sie sonst den Fluchtweg versperren würden. 15 Minuten und einige Schweißausbrüche später konnte ich endlich unser Hab und Gut in unserer Wohnung willkommen heißen.

Da standen sie also vollzählig und auf den ersten Blick waren nur 2 beschädigt. Eine etwas aufgerissen und eine andere etwas mehr. Einige sahen etwas zerdrückt aus, aber das sollte kein Problem sein. Komischerweise dauerte das Auspacken von 10 Kartons nur einen Bruchteil der Zeit die wir gebraucht haben, alles einzupacken. Bisher habe ich nichts gefunden, was durch den Transport gelitten hat, nur die Elektrogeräte müssen noch getestet werden. Auch die Kleidungsstücke, Handtücher und Bettwäsche rochen nicht muffig sondern müssen nur mal ausgeschüttelt werden, nach 39 Tagen im Karton haben sich die Falten eingegraben... Obwohl wir alles einzeln in eine Armee von Plastiktüten, Müllbeuteln und Gefrierbeuteln verpackt hatten waren die Kartons keiner Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen.

Die Wiedersehensfreude war bei jedem einzelnen Gegenstand groß aber über den Staubsauger habe ich mich fast am meisten gefreut und ihn sein neues Heim gleich ausführlich beschnuppern lassen. Der chilenische Innenausbau ist allerdings für einen durchschnittlichen deutschen Staubsauger mit 1400 Watt nicht unbedingt geeignet: es lösten sich schon Fußleisten, Plastikverkleidungen und kleinere Teile des Parketts, sogar der schwarze Staub auf den Fußleisten konnte nicht widerstehen! Aber egal - alles besser als weiterhin fegen (was dem Angebot in den Läden nach zu urteilen hier gebräuchlicher ist als saugen)!


Ach so- was wir beim nächsten Umzug per Seecontainer definitiv anders machen:

- wir nehmen uns eine Umzugsfirma, die besser Bescheid weiß!
- wir schreiben keine detaillierten Inhaltslisten mehr für die Kartons (es hätte auch eine allgemeine Bezeichnung genügt, z.B. "Kleidung" oder "Küchenartikel")
- wir lassen uns vorher über die SAG Untersuchung aufklären, wobei man alle Gegenstände aus Holz separat deklarieren muß (ist schwierig wenn die Sachen schon vor 3 Wochen verpackt wurden, man hat ja nicht jeden einzelnen Gegenstand bildlich vor Augen)
- wir zerbrechen uns nicht mehr den Kopf über die genaue Wertangabe der Gegenstände (siehe Punkt 2, es genügen Gesamtsummen)
- wir fragen nochmal genau nach wie es mit der Versicherung ist (da haben wir jetzt unterschiedliche Aussagen gehört, aber keine war so unbefriedigend wie die Lösung unserer Spedition/ Versicherung.

Aber zum Glück ist ja alles gutgegangen... :-)
da sind sie! der Verpackungsberg wächst


Im folgenden übrigens noch ein Beispiel für chilenischen Innenausbau, man bemerke: unten ist das Balkonfenster zu, oben bleibt ein Spalt. Das könnte man als Verbesserung des Raumklimas interpretieren, oder einfach nur als ganz schlechte Arbeit!
Das war der schlimmste Schaden Zwangsbelüftung...