Valle Nevado

08.07.2007

der Geburtstagsboarder
Markus wollte immer schon einmal an seinem Geburtstag boarden gehen. Also standen wir zu völlig unfeierlicher Zeit an diesem Sonntag auf und saßen bereits um 7:30 im Auto auf dem Weg ins Valle Nevado. Um Santiago herum gibt es mehrere Skigebiete: Valle Nevado, El Colorado und La Parva liegen gleich nebeneinander, alle maximal 45km von unserer Haustür entfernt, und das auf 3025m Höhe (höchster Punkt liegt auf 3670m). Noch bevor es richtig hell wurde überholten wir schon die unzähligen Minibusse, die an den Skiverleihen auf Mitfahrer warteten und glaubten uns als eine der ersten auf der Straße. Ab 8 Uhr wird die Zufahrt ins Skigebiet einspurig geregelt, das heißt man darf nur noch rauf, ab 14 Uhr nur noch runter. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen, denn uns kamen noch genügend Autos entgegen.
Straße ins Valle Nevado verschnee-eiste Bäume
Nach den letzten verstreuten Häusern unten im Tal zweigt man rechts ab und nun schraubt sich die Straße in 39 Kurven bis Farellones hinauf. Bevor man hier einbiegt sollte man für die obligatorische Schneekettenkontrolle vorsorgen. Da wir noch keine eigenen Ketten besitzen mußten wir uns daher welche leihen. An einigen Bretterbuden hielten also all die unvorbereiteten an, während die Profis schon vorbeizogen. Wir erhielten einen Sack mit zwei Ketten, die wir hier noch nicht anlegen wollten. Es war noch keine Flocke zu sehen. An der Polizeikontrolle interessierte sich dann komischerweise niemand mehr dafür, alle wurden gelangweilt vorbeigewunken. Naja, das hätten wir uns ja fast denken können.
allgemeines Kettenanlegen fluchen über zu große Ketten
Nach etwa 25 Kurven, die wir schon in Kolonne fuhren, wurde es dann doch glatt und am Straßenrand hielten schon einige Autos um die Ketten anzulegen. Ich fand, man könne das lieber zu früh als zu spät erledigen, also machte auch Markus sich etwas widerwillig an die Arbeit. Aus dem Sack förderte er zwei riesige, rostige Ketten zutage die es nun um die Hinterreifen zu wickeln galt. Eine ließ sich einigermaßen überreden und besaß auch einen Verschluß. Die zweite wurde schon durch mehrere Stücke Draht zusammengehalten und stellte sich nach ausgiebigem Probieren als zu groß heraus. Markus versuchte alles, sie irgendwie um den Reifen zu wickeln und wir schafften es schließlich mit Draht den fehlenden Verschluß zu ersetzen. Ob das halten würde? Nachdem wir mittlerweile von zig anderen abgehängt worden waren, schepperten wir im wahrsten Sinne des Wortes los. Im Vorbeifahren ernteten wir schon mehrere besorgte Blicke auf unsere Ketten. Also wieder angehalten und nachgezogen. Besser wurde es jedoch nicht. Wir konnten es verantworten, knappe 20 km/h zu fahren und wurden natürlich permanent überholt.
gefrorene Schneeverwehungen ziemlich kalt hier oben...
Markus' Laune hatte leichte Schlagseite erlitten und ich mußte mir mit einem verfrühten Picknick im Auto Mühe geben, sie wieder zu heben. Und wir hatten noch etwa 20 km zurückzulegen. Mittlerweile hatte es zu schneien begonnen und es war ziemlich neblig. Hinter Farellones, dem letzten Ort vor den Skigebieten, war die Straße nicht mehr vereist sondern verschneit und wir hätten dank Allrad die Ketten wieder abnehmen können. Allerdings wußten wir ja nicht was uns noch erwartet, also schlichen wir weiter, begleitet von lautem Gerassel das sich anhörte als würden die Ketten von innen gegen das Auto schlagen. Irgendwann nahmen wir jedoch entnervt die drahtgesicherte Kette wieder ab und fuhren mit einer einzigen weiter, mit Allrad und neuen Reifen waren wir auf die Art immer noch den meisten um Längen voraus.
gefrorener Baum gleich geht's los
Das letzte Stück wand sich die Straße steil durch weitere zwanzig Kurven bis ins Valle Nevado. Die Sicht war nun fast null und alle anderen trauten sich auch nicht mehr schneller zu fahren. Es waren auch nur noch ganz mutige ohne Schneeketten unterwegs. Endlich waren wir oben und hatten für die 45km gute zwei Stunden gebraucht. Auf dem Parkplatz bekamen wir von der Jeep-Promotion-Gruppe erst einmal einen Rucksack geschenkt. Sie hätten auch Markus' Board mit einem Gepäckwagen bis zum Lift gefahren, aber das schafften wir gerade noch selber. Ich lieh mir die Ausrüstung und wir kauften noch die Liftkarten, dann ging es los.
Churros statt Bratwurst gefrorene Wimpern
Leider war es so nebelig, daß man auf der Piste nur etwa 20m weit sehen konnte. Außerdem bestand die Pistenmarkierung aus vereinzelten Bambusstöcken, die in den Schnee gesteckt waren. Markus verschwand auch einmal kurz einen kleinen Abhang hinunter, da er nicht mehr erkennen konnte, wo denn die Piste aufhörte. Mittags wurden dann die oberen Lifte geöffnet und wir hatten einige Male Glück, die Sonne kam raus, die Sicht war schön und man konnte endlich die umliegenden Berge erkennen.
endlich blauer Himmel Andenpanorama
Insgesamt war es jedoch eher trüb, daher aber auch angenehm leer. Man hatte den Eindruck, daß hauptsächlich Ausländer (vor allem Brasilianer) unterwegs waren. Da die Brasilianer nicht gerade für den Wintersport bekannt sind war man eigentlich nur von Anfängern umgeben, was mich wenig störte, so fiel ich wenigstens gar nicht auf.
Markus auf dem Weg nach unten Tiefschnee ganz für uns allein!
Nach einem Stop im Pistenrestaurant fuhren wir die letzten beiden Male und machten uns dann auf den Rückweg zum Auto. Es war mit 16 Uhr noch relativ früh und wir rechneten nicht mit viel Verkehr. Da hatten wir uns allerdings getäuscht. Die Schlange begann oben am Parkplatz und alle schlichen dem langsamsten hinterher, der sogar noch langsamer war als wir auf der Hinfahrt. Das konnte ja heiter werden! Zu allem Überfluß schien keiner der Fahrer in ihren teuren Vans und Geländewagen die Motorbremse zu kennen. Die Bremspedale wurden oben am Berg einmal getreten und dann nicht mehr losgelassen bis wir sicher (?) unten im Tal waren. Dementsprechend stank es ziemlich bald nach heißen Bremsbelägen und den Fahrer vor uns mußten wir schon auf seinen qualmenden Bremsen aufmerksam machen. Von ganz oben sah man eine beeindruckende Blechschlange durch alle 39 Kurven bis hinunter ins Tal. Wir brauchten mindestens genauso lange runter wie rauf, weil jetzt auch noch alle in irgendwelchen Kurven die Ketten wieder abnehmen mußten. Das allerdings sahen die beiden Carabineros, die mit Ferngläsern genau deswegen oben postiert waren und in einem solchen Fall mit dem Pickup (ohne Ketten!) den Berg hinunter schossen (alle überholend) und dann unten mehr oder weniger für Ordnung sorgten. Am beeindruckendsten war hierbei der Polizeihund, der ganz begeistert, mit weiß gefrorenen Wimpern und fliegenden Ohren hinten auf der Ladefläche balacierte.
hungrige Bergbewohner verschneite Kakteen
Wir vertrieben uns die Zeit indem wir die hungrigen Hunde der Umgebung, die anscheinend ihre nachmittäglichen Stammplätze eingenommen hatten, mit unseren Brotresten fütterten und ausgiebig im Vorbeifahren Fotos der schön vereisten Bäume machten. Unten angekommen gaben wir die Schneeketten zurück und ließen uns diesmal nicht erweichen, wir wollten die Hälfte des Geldes zurück, da wir ja schließlich auch nur mit einer fahren konnten. Nach einiger Diskussion schafften wir es tatsächlich mit vereinten Spanischkenntnissen uns einen Teil zurückerstatten zu lassen. Der Verleiher hatte wohl gemerkt, daß er die nervigen Ausländer anders nicht mehr loswerden würde.
fahren Kühe Schlitten? noch 6 Kurven bis runter...

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