Cajón de Maipo

...ein eher kurzer Ausflug

22.02.2009

Nach so viel Wanderaktion der letzten Wochen beschließen wir, zur Abwechslung per Auto ein uns bisher unbekanntes Seitental des Cajón de Maipo südöstlich von Santiago zu erkunden. Also sind wir diesmal sogar früh unterwegs und durchqueren den gesamten geteerten Teil des Cajóns bis zum Abzweig nach Las Melosas. Der Weg führt an einer Central Hydroelectrica entlang, die das Wasser hoch auf einen Berg pumpt, um es dann durch drei große Röhren wieder hinunterschießen zu lassen um dadurch Strom für eine Mine oder einige Dörfer zu gewinnen. Kurz darauf passieren wir die Mine Erfurt, aber hier stehen nur ein paar staubige LKW herum, keine Anzeichen von größerem Bergbau oder sonstigen Arbeiten.
Wer die wohl gegründet hat?
Ziemlich schnell verengt sich das Seitental und wird zu einer schmalen, tiefen Schlucht, deren Felsen sehr ausgewaschen sind. Vor einer Brücke erwartet uns wieder einmal das ermutigende Schild "Puente en mal estado" (etwa: baufällig, schlechter Zustand). Fragt sich, was jetzt vom Autofahrer, dessen Ziel auf der anderen Seite des Flusses liegt, denn sonst wäre er ja nicht hier, erwartet wird. Umkehren? Aussteigen und zu Fuß weiter? Schnell rüberbrettern? Lieber nicht, denn die beiden hölzernen Planken sollte man mit den Reifen schon treffen. Markus fährt bei solchen Gelegenheiten immer extra langsam um sich einen ausgiebigen Blick in die Tiefe zu genehmigen. Auf der anderen Seite steigt er aus und schickt mich nochmal alleine rüber, für's Foto. So baufällig war sie also doch nicht. Das Schild, dass nur Fahrzeuge bis 2 Tonnen die Brücke nutzen dürfen, steht übrigens gut versteckt auf der anderen Seite, falls man auf dem Rückweg ein paar Felsbrocken für den Garten eingeladen hat. Wir sind im Jeep allerdings auch ohne Gartensteine schwerer, und das obwohl wir heute nur die leichten Wanderschuhe anhaben.
alte Brücke
Drüben wird das Tal wieder etwas breiter und wir passieren ein großangelegtes Refugio für erholungsbedürftige Carabineros. Dann teilt sich die Straße hinter zwei großen, geöffneten Toren. Rechts wieder ein typisches Schild: "Propiedad privada - No entrar - No cazar". Also Privatbesitz, betreten verboten und jagen auch verboten. Bei nicht betreten würde sich das jagen aber von selbst ausschließen. Oder bedeutet es, wenn man sowieso schon verbotenerweise eintritt, dann bitte wenigstens die Hasen in Ruhe lassen? Links über die Brücke heißt es nur "Propiedad privada" ohne zusätzliche Verbote. Also weniger verboten. Wir sind unschlüssig. Wenn man nicht weiter fahren darf, wären die Tore doch zu, oder? (Markus Theorie)
tiefe Schlucht
Zwei Angler, die ihren Traktor für den Sonntagsausflug am Straßenrand geparkt haben, sagen, die linke Straße führe weiter, die rechte höre nach ein paar Kilometern auf. Ein entgegenkommender Pickup mit zwei nach Minenarbeitern aussehenden Insassen sagt, die rechte Straße wäre sehr schön und links ginge es nicht weiter. Da die vermeintlichen Mineros dank Helm und hochgeklappter Schutzbrille mehr wie eine Autorität auf diesem Gebiet wirken, fahren wir durch das linke Tor, hinter dem man nicht jagen darf, und Markus behauptet, der Felsbrocken, der vor dem Tor liegt, sei doch auch schon ewig nicht mehr bewegt worden.
Der schmale Feldweg führt zwar durch ganz hübsche Landschaft, immer neben einer Gaspipeline her, aber als wir einen vorbeireitenden Gaucho mit einem Gasco-T-shirt (chilenische Gasgesellschaft) nach dem weiteren Weg fragen, sagt er, dass er an einem Fundo ende und man dort nicht weiter dürfe.
Endstation Staustufe
Also kehren wir um und nehmen den anderen Weg. Hier fahren wir entlang eines wassergefüllten Kanals, der teilweise unterirdisch neben dem Fluss her geführt wird. Ob das Wasser für eine Mine oder in diesem Tal nicht vorhandenen Landwirtschaft bestimmt ist, finden wir nicht heraus. Dafür endet der Weg genauso schnell an einem Tor, hinter dem wir eine große Staustufe im mittlerweile wieder breiten Fluss sehen.
Leitplankenpause
Heute haben wir also kein Glück. Wir picknicken als Tageshighlight die mitgebrachten Frikadellen am schattigen Straßenrand und machen uns auf den langen Weg zurück nach Santiago.

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