Calera de Tango

Ein Botanikspaziergang

07.09.2008

Am Samstag haben wir zwei Neuentdeckungen gemacht. Einmal waren wir endlich im Globe Italia, einem Importeur italienischer Produkte wie Büffelmozzarella, Parmesano, Kaffee und ähnlichem, und in dem man sich wirklich wie beim Italiener fühlte. Anschließend statteten wir dem Laden der Villa Baviera einen Besuch ab, von dem wir das Gerücht gehört hatten, er verkaufe jetzt auch echte deutsche Qualitätswurstwaren. Tatsächlich haben wir Bratwurst, Knackwurst und Leberkäse gefunden, vom Metzger Kämpf aus Quilpué, die alle das Wochenende nicht überlebt haben. Zusammen mit der langgehegten Dose Mildessa Sauerkraut und dem guten Hengstenberg Senf (dem körnigen) fielen sie uns am Sonntagabend zum Opfer. Dazu tranken wir übrigens Cusqueña, ein gerade für beste Qualität prämiertes peruanisches Bier, das die meisten chilenischen Biere im Geschmack um Längen schlägt.
grüne Hügel mit Funkturm Hügel in flacher Ebene
Um uns das ganze auch zu verdienen fuhren wir am Sonntag nach Calera de Tango, ein eher ländliches Örtchen eine halbe Stunde südlich von Santiago. Vorbei an stinkenden Hühnerställen gelangten wir zum Einstieg der Tour, und ließen uns von dem üblichen "Propiedad privada" nicht abschrecken. Das hügelige Gebiet erhebt sich ziemlich plötzlich aus der ansonsten platten Ebene und ein Fahrweg führt bis zum Gipfel, auf dem einige Antennen stehen. Mit Fernsicht auf die Kordillere war an diesem Tag nicht viel los, also bewunderten wir die üppig-grünen Böschungen, in denen nach den vielen winterlichen Regenfällen einiges an blühenden Blumen zu finden war. Selbst Orchideen und fleischfressende Pflanzen waren vertreten.
Da Botanik-Marke jede neue Blüte untersuchen und fotografieren mußte, kamen wir nicht allzu schnell voran, zudem es auch noch jede Menge Vögel und Águilas (Adler) zu beobachten gab. Als letztes entdeckte ich zwei lebende Blätter (oder Stöcke?), die sich in einem Busch wenig erfolgreich zu verstecken versuchten.
braunes Stöckchen grünes Stöckchen
Kurz vor dem letzten Anstieg entdeckten wir dieses Schild, das vor dem Betreten des angrenzenden Grundstücks warnte. Markus fühlt sich von solchen Verboten grundsätzlich magisch angezogen, auch wenn es von der eigentlich geplanten Route abweicht (das Gras ist immer irgendwo grüner...). Da das Schild damit drohte, jeden der das Gelände betritt als cuatrero zu behandeln, liess er sich hinreichend verunsichern, davon abzusehen. Wir beschlossen, das Wort lieber erst im Wörterbuch nachzuschlagen.
Felder im Dunst die Ebene von Calera de Tango
Nach gut zwei Stunden erreichten wir schließlich den Gipfel und den Funkturm, wo wir uns wohlverdient zum Picknick niederließen.
Funkturm Gipfelpicknick
Der Langenscheidt übersetzte cuatreros mit Viehdieben, obwohl es weit und breit kein Schaf und keine Kuh, noch nicht mal einen streunenden Hund zu sehen gab. Auf dem Rückweg trafen wir allerdings auf zwei eher zwielichtige Gestalten, die auf ihren Pickup einen Käfig mit einigen hungrigen Jagdhunden geladen hatten, und die sich wahrscheinlich nicht so leicht von einem Schild abschrecken lassen.
Markus, el cuatrero


Zurück zur Startseite