Cerro Pochoco

Ausblick auf ein winterliches Santiago

05.07.2008

Die Wettervorhersage für das Wochenende ist bescheiden, und unsere Motivation, große Wandertouren zu unternehmen, ebenfalls. Wenn das Bett morgens um zahlreiche Grad wärmer und verlockender ist, als das kalte Wohnzimmer, dann bleibt man eben länger liegen.
Als es gegen mittag draußen etwas heller und freundlicher wird, gehen wir aber doch noch zu Plan B über und notieren schnell die Anfahrtsbeschreibung zu einem Samstagnachmittagsspaziergang auf den Cerro Pochoco, "nur" einen Stadtteil weit entfernt. Trotzdem sind wir eine knappe halbe Stunde mit dem Auto dorthin unterwegs.
das östliche Ende Santiagos Blick auf die Stadt
Am hintersten Ende von Las Condes, wo die Häuser auf schmalen Terrassen klemmen um nicht den Hang hinunter zu rutschen, steht das kleine Observatorium Cerro Pochoco am Fuß des namensgebenden Berges, der immerhin etwa 1.900m mißt (wie immer variieren die Angaben von 1.804 bis 1.990m - mir persönlich kam er allerdings eher noch höher vor). Wir parken also auf dem winzigen Parkplatz und lassen unser Auto in den vertrauenerweckenden Händen des herumlungernden Cuidador, der uns gelangweilt und höchst überflüssigerweise in die größte aller Parklücken einweist. (Das alles übrigens trotz einem erst vor wenigen Tagen aufgebrochenen Beifahrerschloss. Seltsamerweise wurde nichts entwendet - wie auch, es lag wie immer offensichtlich nichts im Auto. Muy chileno haben wir es daher auch nur deaktivieren lassen, statt es - ganz deutsch - zusammen mit allen anderen Schlössern zu einem exorbitanten Preis auszutauschen. Dank des elektrischen Türöffners hatten wir das Schloss tatsächlich noch nie zuvor benutzt, es wird uns also nicht fehlen, den nächsten Dieb aber zu unserer Schadenfreude am aufbrechen der Tür auf diesem Wege hindern.)
schmal, steil, aber schattig der Weg zum Gipfel

Gleich hinter dem Parkplatz windet sich der steile Pfad, nicht markiert aber ausreichend ausgetreten, ohne Umschweife nach oben. Laut Beschreibung "ein leichter Spaziergang für die ganze Familie" - hier stelle ich mir im Nachhinein Oma und die Enkel vor - sollten wir in zwei entspannten Stunden den Gipfel erreicht haben. In der Realität hindern uns, bzw. hauptsächlich mich, meine sich dem Ende zuneigende Erkältung und der ziemlich sandig-rutschig-steile Weg am flotten Aufstieg, sowie zwei Busladungen Jugendlicher, die von oben an uns vorbeirutschen, da die mitgebrachten Besenstiele die Funktion von Wanderstöcken in diesem Fall nicht zweckmäßig erfüllen. Nach fast einer Stunde, und dankbar für jede Pause, erreichen wir einen etwas flacheren Kammweg, der nach Westen die smogverhangene Stadt, und rechts und links zwei Andentäler überblicken läßt. Hier wird es zwischen struppigem Gebüsch angenehm kühl, voher liessen eine schwache Wintersonne und eine kräftige Steigung uns ins schwitzen kommen.
Markus hoch über 6 Millionen Einwohnern Kakteen und Berge
Nach dem Kammweg erwartet uns ein weiterer, kletterintensiver Aufstieg mit absteigenden Bustouristen, und schließlich erklimmen wir nach einer weiteren halben Stunde auf halbem Weg zum Gipfel eine große Felsenansammlung, die sich geradezu als Picknickplatz aufdrängt. Wer das alles in der vorgegebenen Zeit schafft, ist definitiv nicht zum Familienspaziergang hier! Wollten wir den Gipfel noch ersteigen, hätten wir mindestens zwei Stunden früher loslaufen müssen.
Santiago unter Smog endlich Futterpause!
Dankbar für die gute Ausrede lassen wir uns zu Tee, Marmorkuchen und selbstgebackenem Brot mit Nusssalami nieder und genießen die etwas verhangene Sicht auf Santiago. Als die Sonne Anstalten macht, sich hinter die Berge zu verziehen, wird es ziemlich kühl und wir machen uns an den nur unwesentlich leichteren Abstieg. Das lose Geröll auf dem Pfad lädt immer wieder zu Rutschpartien auf dem Allerwertesten ein, die es möglichst zu vermeiden gilt. Immerhin sind wir nicht die letzten, die wieder unten ankommen, zwei Autos warten noch auf ihre Besitzer. Wir entlohnen den müden Cuidador mit 200 Peso und machen uns auf den wohlverdienten Heimweg. Das Sofa ruft!

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