Cerro Pochoco, zweiter Anlauf

Gipfelsturm mit Verstärkung

03.08.2008

Trotz des Regens der vergangenen Tage ist für heute Sonne angesagt. Beim ersten Blick aus dem Fenster zeigt sich aber noch ein tiefhängender Nebel, der sich erst allmählich auflöst. Nach dem Frühstück schaut aber tatsächlich die Sonne aus dem blauen Himmel und wir packen schnell unsere Sachen.
Den Cerro Pochoco haben wir vor etwa einem Monat schon einmal in Angriff genommen, sind aber wegen späten Aufstehens, allgemeiner Unlust und trübem Wetter nur bis zu einem auf halbem Weg gelegenen Aussichtsfelsen gelangt. Heute starten wir früh, und das auch noch mit Verstärkung: Team Viña ist gestern abend bereits von der Küste her angereist und bezwingt heute mit uns zusammen den Gipfel.
Die Aussicht ist bedeutend besser als beim letzten Mal, der Regen hat den Smog gründlich weggewaschen und rundrum alles begrünt. Nach dem ersten schweißtreibenden Anstieg erreichen wir bald den Aussichtsfelsen vom letzten Mal, dann schraubt sich der Weg hinter dem Berg herum in Richtung Gipfel, wobei wir einen schönen Blick auf die verschneite Kordillere bekommen. Eine letzte Klettereinlage zerrt an den Muskeln und der Blick nach unten zumindest bei den weiblichen Teilnehmern unserer Expedition auch ein winziges bißchen an den Nerven. Wie immer bevorzugt die Spur der Chilenen den direkten Weg, steil hinauf zum Gipfel, anstatt mit ein paar Serpentinen den Wandergenuß zu verlängern.
Oben auf einem kleinen Plateau haben wir eine tolle Aussicht auf Santiago und ein Kondor zieht ungerührt von dem Trubel seine Runden immer weiter hinauf. Im Vorbeifliegen macht er ein zischendes Geräusch wie ein Segelflugzeug, er ist aber auch fast so groß. Nach einem kleinen Picknick geht's wieder hinunter, dank der steilen Stücke dauert das fast so lange wie der Aufstieg. Zumindest bei uns, es geht aber auch anders.
Wie wir feststellen wird auch hier die Disziplin Bergjoggen praktiziert: von hinten überholen uns viele im Laufschritt und rennen regelrecht die steilen und rutschigen Wege wieder nach unten. Ein übermotivierter Vater treibt seinen lustlosen Nachwuchs lauthals zu Höchstleistungen an, während Mutter ein Stück zurück den Berg hinunter schnauft. Mir ist das joggen an sich schon zuwider, daher würde ich nicht im Traum daran denken, mir auf diese Weise die Kniegelenke abzunutzen. Markus merkt an, dass er durchaus auch schneller sein könnte, wenn er nicht seine Bremse hinter sich hätte. Aber wir haben es ja nicht eilig.


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