Cerro San Ramón

Eine (Tor)tour in 2 Etappen (von Gastschreiber Markus)

20.-21.02.2010

Der Cerro San Ramón ist mit seinen 3.250m von unserer Wohnung aus sehr gut zu sehen, er geht also schon fast als Hausberg durch.
Schon länger spielten Christian und ich mit dem Gedanken, die Tour auf den Cerro Provincia zu erweitern und mit einer Übernachtung den Cerro San Ramón in Angriff zu nehmen. Laut Karte handelt es sich um eine ca. 30km lange Tour und es sind mindestens 2.250m Höhenmeter zu überwinden. 
Wir treffen uns Freitagabend zum Packen, als Ann auf Mütter-ohne-Kinder-Abend ist, und dank der 5 Liter Wasser, die wir jeweils mitnehmen, kommen die Rucksäcke auf stattliche 20kg. Ann beneidet uns gar nicht und ist froh, daheim zu bleiben.


Samstagmorgen um 8:30 stehen wir am Ausgangspunkt, der Puente Ñilhue auf dem Weg in die Skigebiete. Diese erste Etappe kennen wir schon, da sie uns auf den Cerro Provincia führt. Die gefürchteten Anstiege wollen wir gleich früh am Morgen hinter uns bringen, damit wir von der Mittagssonne nicht zu stark gebraten werden. Mit uns sind noch andere Gruppen unterwegs, die wollen aber nur ein kleines Stück auf den "Alto del Naranjo", machen dort ihre Fotos und drehen dann wieder um. Wie schon das letzte Mal sind wir danach mehr oder weniger allein unterwegs. Das nächste Stück ist recht flach und wir kommen gegen 11 an den letzten Anstieg vor dem Provincia. Auf gerade mal 2km Wegstrecke müssen wir fast 800 Höhenmeter rauf und auf einmal ist der Rucksack furchtbar schwer geworden.  
Der Aufstieg streckt sich gefühlt auf 100km und die Sonne dörrt uns regelrecht aus. Ich habe schon gegen 15 Uhr über 2 Liter getrunken und glaube nicht mehr dran, dass die Wasservorräte reichen. Im Sommer gibt es dort oben nicht einen Tropfen und mein Körper kommt mir wie ein Sieb vor, alles was ich oben reinschütte, dringt sofort über die Haut wieder raus und nimmt noch ein paar Tropfen extra mit. Christian ist eindeutig besser trainiert als ich, ich hätte nachts heimlich noch etwas Gepäck umladen sollen, um das auszugleichen.  

Oben auf 2.700m angekommen gehen wir erstmal in die Schutzhütte und finden dort eine gute Seele, die uns noch eine Flasche Wasser überlässt. Wir ruhen uns aus und schlafen sogar ein wenig.
Leider müssen wir feststellen, dass die Karte nicht allzu genau ist was die Höhenlinien betrifft. Wir müssen 300 hart erkämpfte Meter wieder runter um danach wieder steil auf 2.800m auf einen Bergrücken zu gelangen. Das hört sich eigentlich harmlos an, macht aber somit unsere 2000 Höhenmeter für heute voll und meine Batterie leer.
Wir suchen uns auf dem Bergrücken einen Zeltplatz und werden auf dem "Morro del Tambor" fündig, mit einem herrlichen Blick auf fast gesamt Santiago 2km unter uns. Wir haben heute gerade mal 14km geschafft. Das Zelt ist schnell aufgestellt und wir kochen unser Abendessen mitten im Sonnenuntergang. So langsam sind die Lichter unten immer deutlicher zu sehen und der rote Himmel verdunkelt sich zunehmend.     
  

Es wird empfindlich kalt und wir wärmen uns erstmal im Zelt auf, um später noch mal den Blick bei völliger Dunkelheit zu geniessen.
Wir schlafen beide ziemlich gut, bis um Punkt 2 Uhr morgens der Wind einsetzt und am Zelt und meinen Nerven zerrt.
Ich bin jedoch froh, nicht auf ein lokal hergestelltes Zelt angewiesen zu sein, sondern mich in schwedischer Qualität sicher fühlen zu können.


Pünklich zum Sonnenaufgang um 7 werden wir wach und richten uns langsam zum Abmarsch, kommen aber erst gegen 8:30 los. Der Wind hat dem Dunst über Santiago den Garaus gemacht und die Sicht ist fantastisch. Weiter geht es immer langsam bergauf, immer mit dem Blick auf Santiago zur Rechten und den richtigen Bergen "la Paloma" (4900m), "el Plomo" (5430m), "Marmolejo" (6100m) und dem "Volcán San José" (5850m) zur Linken. Bei einer angenehmen Temperatur ist das Wasserproblem auch erstmal vergessen.


Am Ende einer leicht ansteigenden Ebene sagt Christian plötzlich: "Oh, da steht ja das Refugio", damit hatten wir noch lange nicht gerechnet. Und wir finden auch gleich noch grosse Schneefelder, die unser Wasserproblem beseitigen. Bei so viel Glück sehr gut gelaunt, machen wir erstmal ausgiebig Pause, schmelzen uns 2 Liter Wasser und gehen danach ohne Gepäck die letzten Meter auf den Gipfel des San Ramón.  Wir treffen noch 2 junge Chilenen, die ebenfalls im Refugio Pause machen, und lassen uns Tips für den Abstieg geben.
Es ist bereits 13:30 und wir müssen uns so langsam beeilen, es warten noch 2.200m Abstieg und mindestens 13km Strecke (es sollten dann 18 km werden).


Wir nehmen eine Abkürzung, die uns zwar schnell nach unten bringt, aber nicht ganz ohne ist. Es geht steil hinunter durch ein Geröllfeld. Dann endet der offizielle Weg auf einmal und wird durch eine Unzahl von Viehpfaden ersetzt die sich munter verzweigen.
Wir sind froh, hier abzusteigen und nicht die Strecke in entgegengesetzter Richtung zu gehen. Von oben lassen sich die vielen Pfade besser überblicken und man hat wenigstens eine kleine Chance, den richtigen zu wählen. Von unten kommend bietet sich diese Möglichkeit nicht und man wird sich zwangsläufig verlaufen.
Wir kommen an Los Azules vorbei, einer Ebene mit einigen blaugrün schimmernden Hügeln, und dann am Plateau El Manzano. Dort steht eine Hütte und auf den Weiden grasen Pferde und Kühe.
Wir steigen weiter ab über einen Bergrücken und haben unter uns immer den "Estero el Manzano" zum Greifen nahe. Es sind aber noch fast 3km, bis wir ihn endlich erreichen und wieder Wasser auftanken können.
Von diesem Punkt ab geht es nur noch leicht bergab, immer wieder den Estero kreuzend (insgesamt 8 Mal) und die letzten Kilometer liegen vor uns. Christian hat Probleme mit seinem Knie und wir sind froh bald da zu sein.
Dann erreicht uns ein Anruf von Ann: Der Schrankenwärter lässt sie nicht vorbei, da ab 17:30 niemand mehr passieren darf (sie stand um 17:36 am Tor). Wir werden also nicht am Picknickplatz abgeholt, sondern müssen die Strecke bis zum Tor auch noch laufen.
Wir laufen noch 2km extra, dann erbarmt sich der Sack von Wärter doch noch (mittlerweile ist es fast 8 Uhr) und lässt Ann passieren. 

Nach gerade mal 38,6 km sammelt sie uns endlich ein.

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