Trámites: Claras Staatsangehörigkeit(en)

Chilenische und deutsche Bürokratie in Chile 

September/ Oktober 2009 

Wer in Chile geboren wird, ist automatisch Chilene, so auch Clara. Und derjenige, der nach der Geburt mit dem "comprobante del parto" (Geburtsnachweis) der Clinica beim Registro Civil auftaucht, wird als
Vater eingetragen, sofern er das wünscht. Die Zustimmung der Mutter wird dabei vorausgesetzt, und damit ist in Chile auch die Vaterschaftsanerkennung erledigt. Markus hatte das bereits am 3. Lebenstag von Clara erledigt und war ziemlich aufgeregt, ob er denn ihren Namen auch richtig übermitteln würde.

Um ihre Staatsangehörigkeit offiziell zu machen, bedurfte es einfach einer erneuten Fahrt zum Registro Civil in Vitacura: Nummer ziehen am “Preferente” Schalter (Alte, Schwangere und Kinder unter einem Jahr) und warten bis der Bearbeiter des Preferente Schalters aus der Kaffeepause wieder auftaucht. Tat er nicht, also erbarmte sich irgendwann eine andere Bearbeiterin und winkte uns zu sich. RUT (Personennummer) angegeben, Clara schlafend aus dem Maxicosi gefischt, sie öffnete kurz und kooperativ die Augen und schon war das digitale Foto gemacht (bei den modernen Digitalkameras hätte man allerdings den Rote-Augen-Unterdrückungsmodus einstellen können). Dann noch den winzigen Daumen auf den digitalen Fingerabdruckerfasser gedrückt und gleich die Gebühr von umgerechnet etwa 5 Euro (!) bezahlt. Zehn Tage später konnten wir das Carnet schon abholen. Das Foto ist zwar etwas blass, der Fingerabdruck dafür ziemlich schwarz, eigentlich nur ein Fleck ohne jegliche Linien (ob den jemand lesen kann), aber so einfach können “Trámites” für Chilenen in Chile sein.

Der weitaus schwierigere Schritt erwartete uns als nächstes: Wie beantragen wir für Clara einen deutschen Reisepass?
Zunächst lesen wir uns durch die Infoseiten der deutschen Botschaft im Internet. Auch für Leute, die des Lesens mächtig sind, sind die Angaben nicht ganz einfach zu verstehen: Namensfeststellung, Sorgerecht, Vaterschaftsanerkennung, Geburtseintragung, Passantrag, irgendwie in dieser Reihenfolge. Nichts für Leute, die es eilig haben. Versuche, telefonisch Auskunft in der Botschaft zu bekommen, scheiterten schon am Telefonisten. Mit “Lesen Sie die Informationen im Internet”, “Nutzen Sie das email-Kontaktformular” und schließlich leicht genervt “Ich kann Ihnen auch die Durchwahl geben, aber da geht sowieso niemand ran” wurden wir abgeblockt. Das Kontaktformular hatte ich bereits vor Wochen einmal ausgefüllt, aber nie eine Antwort erhalten. Einen Termin konnte man uns auch nicht geben, man müsste vorbeikommen, Nummer ziehen, nachfragen, wiederkommen. Es wohnt aber nicht jeder Deutsche in Vitacura um die Ecke. Soviel zum Bürgerservice.
 
Um endlich den Prozess ins rollen zu bringen, ließen wir erst einmal die Passfotos von Clara machen. Dazu benötigt man einen zertifizierten Fotografen, der sich mit den komplizierten Schablonen und Richtlinien für die Fotos auskennt. Wir sprachen also mit der wiederum im Autositz schlafenden Clara bei einer solchen Fotografin vor. Diesmal wachte sie aber nicht freiwillig auf, und jegliche Versuche sie aufzuwecken scheiterten zunächst. Die Fotografin zog eine beeindruckende Show ab, das hat sie wohl schon öfter bei solchen Gelegenheiten gemacht. Irgendwann bemüßigte sich Clara, die Augen einen Spalt zu öffnen. Diverse Motivationsversuche seitens der Fotografin und lahme Arme meinerseits später, hatten wir drei Aufnahmen im Kasten. Die Fotografin suchte das kleinste Übel aus und retuschierte am Computer noch ein wenig die Pickel und die glänzende Nase weg. Leider reichte der Träger des Strampler ein wenig über das Kinn - wenn da die Botschaft mal nicht zu pingelig ist. Aber die Fotografin beruhigte uns: bei so kleinen Kindern sei man tatsächlich etwas kulanter. Anscheinend eilte der Ruf der Botschaft auch hier schon voraus. 

Eine Woche später arbeiteten wir uns erneut durch die Onlineinformationen, druckten seitenweise Formulare und Anleitungen aus, füllten aus und suchten Unterlagen zusammen. Ein Packen Druckerpapier war für die deutsche Bürokratie schnell verbraucht. Einige Unterlagen mussten noch übersetzt werden, natürlich von Übersetzern aus der Liste der Botschaft, die aufgrund dieser wichtigen Zertifizierung gleich ihren Gebührensatz angepasst hatten. Zu guter Letzt brauchten wir von allen Originaldokumenten noch zwei Kopien. Schließlich rafften wir uns auf und fuhren mit den gesammelten Werken zum Konsulat. Nach der Vorsprache waren wir immerhin schlauer: Zunächst galt es, die Namensfeststellung inklusive Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtsregelung zu beantragen. Gleichzeitig wird die Geburt im Standesamt in Berlin eingetragen und auf Antrag werden deutsche Geburtsurkunden ausgestellt. Dummerweise fehlte uns ein Formular, der Auszug aus dem Geburtenregister Chiles. Den wollte man uns im Registro Civil aber nicht geben. Gibt es nicht, hieß es, aber eine Kopie der chilenischen Geburtsurkunde hat man uns angedreht. Das Problem war bei der Botschaft schon bekannt, wir bekamen eine Kopie als Beispiel mit und die Angestellte taute zum ersten Mal ein wenig auf. Beim nächsten Besuch auf dem Registro Civil waren wir auf alles gefasst - aber oh Wunder, plötzlich wusste der Bearbeiter (obwohl der gleiche wie beim letzten Mal) gleich wovon wir sprechen, gar kein Problem. Da war wohl zwischenzeitlich noch jemand hier, der das Formular brauchte…

Beim nächsten Besuch in der Botschaft, diesmal ohne Markus, gab ich meinen Stapel Papier ab und bekam den Bescheid, dass nach “nur” etwa 3 Monaten der Namensantrag durch sei und wir anschließend zur Unterschrift vorsprechen dürften. Erst danach sei der Pass zu beantragen. Gut, das wir es nicht so eilig haben und innerhalb fast aller südamerikanischen Länder Clara auch mit ihrem chilenischen Personalausweis reisen darf. Die Ausstellung eines Reisepasses dauert übrigens weitere 3 Monate. Seltsam, dass der chilenische Pass in 8 Werktagen fertig ist. Der ist schließlich auch nicht handgeschrieben. Und überhaupt: was machen wir mit den Fotos? Wenn der Pass endlich fertig ist, ist Clara bereits 4mal so alt wie zur Zeit der Aufnahmen.

Noch ein Wort zu den Kosten:
Aufnahme der Geburtsanzeige durch die Botschaft: 25-40 Euro
Beurkundung der Geburt durch das Standesamt: 60-100 Euro
Urkunden: die erste 10 Euro, jede weitere 5 Euro
Namensführungsantrag: 25-60 Euro
Passantrag 50,50 Euro
...und falls der Pass nicht rechtzeitig fertig sein sollte, fallen natürlich zusätzliche Gebühren für einen Expresspass an.

Wir werden von den Fortschritten berichten!
 
PS: als nächstes steht im Dezember übrigens unsere 3. Visaverlängerung an. Dank chilenischer Tochter dürfen wir uns nun um die Permanencia (5 Jahre gültig) bewerben, aber es sollte niemand meinen, dass dieser Trámite nun einfacher oder schneller über die Bühne gehen wird.






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