Trámites, 4. Teil: die Passtasche 

März / April 2010 

Wir warten und warten und natürlich meldet sich niemand vom Konsulat. Das war damals mit Markus´ Pass schliesslich auch nicht anders. Anfang März rufen wir entnervt noch einmal bei der Botschaft an und fragen nach der Namensfeststellung und dem Pass. Und tatsächlich - er ist da! Soviel kann man uns sagen, aber aufgrund des Erdbebens ist man noch nicht dazu gekommen, die "Passtaschen" auszupacken. Die liegen nun seit über einer Woche auf irgendeinem Schreibtisch und warten. Wir werden vertröstet: man wird uns nächste Woche anrufen, wenn es soweit ist. Ob es einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit des Botschafters bedarf?
Natürlich meldet sich die nächsten 2 Wochen niemand. Also fahre ich mit Clara eines Mittwochs vorbei. Die Pförtner kennen mich schon, der Warteraum ist rappelvoll und eine überaus erboste Dame aus Viña del Mar zetert lautstark und nach Meinung aller, die mithören dürfen, völlig berechtigt über nicht vorhandene Effizienz und Behördenwillkür. Ich höre mir das eine halbe Stunde lang an, dann füllt Clara lautstark ihre Windel (darauf warten wir bereits einige Tage) und ich gebe entnervt auf. Am Schalter für die Weiterverteilung hat sich seit 30 Minuten nichts getan, die Dame ist verschollen und ich habe noch 11 Nummern vor mir. Es ist nicht unser Tag. Die Pförtner verabschieden mich mitleidig. Die Botschaft ist wohl der einzige Ort Chiles ohne "Fila Preferente" für Schwangere, Kleinkinder und sonstige Gebrechliche. Schade, dass Claras Windel nicht bis auf den Boden übergelaufen ist...

Am nächsten Morgen sind wir früh da, eine halbe Stunde nach Öffnung, und haben nur 9 Nummern vor uns, sowie eine entspanntere Atmosphäre als gestern. Da war die Aggression schon richtig greifbar. Als wir dran sind, sucht die Dame am Weiterverteilschalter, die nun auch wieder aufgetaucht ist, den Pass, und regt sich auf, dass ich zu erwähnen vergass, dass Clara in ihrem Register unter B und nicht unter K (wie im chilenischen Carnet) zu finden ist. Aber das ist wohl die Rache derjenigen, die zu lange warten mussten. Mitleid habe ich keins.
 
Und der Geburtseintrag und die Urkunden? Ja, das läuft, man wird sich melden. Wir lächeln nur müde. Leider hat Clara keinen Durchfall in petto.
 
PS: Unseren Freunden wurde zu gleichem Thema mitgeteilt, die Prozedur könne bis zu 24 Monaten dauern. Gut, dass wir uns zur Zeit nicht über die Verwendung unserer Steuergelder ärgern müssen!

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