Baños de Colina

27.05.2007

Die einzigen Naturthermen in der Nähe Santiagos, die man auch in der kalten Jahreszeit besuchen kann, sind die Baños de Colina im hinteren Teil des Cajon de Maipo. Es gibt zwar noch einige anderen Thermen, die aber um einiges kühler sind und daher eher etwas für den Sommer. Das Wasser der Termas de Colina kommt mit einer Temperatur von etwa 70°C aus dem Berg. Wir hatten schon mehrfach vor sie zu besuchen, aber es gab wie immer widersprüchliche Angaben zu Öffnungszeiten und Zufahrt, und ans Telefon ging auch niemand. Diesen Sonntag hatten wir uns also vorgenommen, auf gut Glück hochzufahren. Die Termas liegen auf 2.550 m Höhe, am Rand eines kleinen Andentals, ungefähr 100 km von Santiago entfernt. Ein ganz normaler chilenischer Badeausflug also!
das da hinten ist die Straße Blick zurück, rechts Eingang zu El Morado
Schon die Anfahrt ist sehenswert. Den Cajon de Maipo kennen wir schon von zwei Ausflügen bis nach Villa del Valle. Danach führt die Straße weiter, stetig bergauf durch das immer enger werdende Tal. Nach 16 weiteren Kilometern, vorbei an einer Mine, die zumindest in dieser Jahreszeit nicht in Betrieb ist und zwischen immer schroffer werdenden Felshängen hindurch, erscheint die Straße nur noch als Ansammlung etwas flacherer Steinbrocken.
vorbei an der Mine der Schnee kommt schon näher
Die Schneefallgrenze kommt immer näher und es sieht schon ganz schön ungastlich aus! Mal wieder beglückwünschen wir uns zu unserem Jeep und bemitleiden alle Besitzer tieferliegender Autos. Ein paar Kurven weiter wird das Tal wieder etwas breiter und wir bezahlen an einer Hütte den Eintritt, der uns mit 5.000 Peso recht hoch erscheint. Derjenige der das Tor bedient, scheint hier ganz allein zu wohnen, das wäre definitiv nichts für mich. Stromkabel haben wir auch keine gesehen…
wo soll hier das Bad sein? kalt, windig, ungastlich!
Nachdem wir die Schranke passiert haben, sehen wir gerade noch auf dem oberen Parkplatz den Bus einparken! Soviel zum Thema Jeep - wie fast immer auf unseren Touren: wenn wir nach den unwegsamsten Straßen auf den Parkplatz rollen, ist der Bus schon da! Wie er das geschafft hat, und vor allem in welcher Zeit, bleibt uns ein Rätsel.
immer weiter Richtung Schnee auch wenn's nicht so aussieht, hat's ziemlich gerüttelt!
Kurz vor den Thermen steigen wir aus und laufen zu einem Eisberg (wie es scheint): Wasser, das mit Druck durch einen dicken Schlauch fließt hat hier ein Loch gefunden und spritzt wie aus einer Düse hoch hinaus. Rings herum hat sich daher ein fest gefrorener Eisberg gebildet, wenn man vom Wind falsch erwischt wird, steht man plötzlich in feinem Schnee- und Eisregen. Hier ist es ganz schön kalt! Und das obwohl wir schon unsere Winterausrüstung angezogen haben!
Parkplatzhöhe Eisberg
Mit unseren Badesachen wandern wir hoch zu den Becken. Ob wir hier wirklich die Hüllen fallen lassen wollen??? Ein Blick aufs Thermometer zeigt knappe 8°C, dazu weht ein leichter Wind. Die Rentnergruppe aus dem Bus hat es sich schon in den Becken bequem gemacht. Also ziehen auch wir uns in der Umkleidekabine zähneklappernd um und lassen uns zu Wasser.
Markus auf dem Weg ins Freibad die Anlage mit Umkleide und Sonnendach
Wir fangen erstmal klein an, mit dem untersten Becken. Das Wasser oben fließt mit knapp 70°C ins oberste Becken, in dem es nur ganz hartgesottene kurz aushalten, und auch nur bis zum Knie. In jedem weiteren Becken wird es etwas kühler, sodaß jeder seine Idealtemperatur findet. Im untersten ist es schon angenehm badewannenwarm. Das Wasser ist trüb und der Boden und die Seitenränder sind von einer dicken Schicht ganz feinen weißlichen Schlamm bedeckt, der sich eher glibbrig anfühlt, und das Becken ist etwa 80cm tief.
Heilschlamm? der 15-Uhr-Tee
Nach einiger Akklimatisierung beschließen wir doch einen wärmeren Pool zu wählen. Im nächsten bleiben wir dann über eine Stunde sitzen, so angenehm ist es. Das Panorama ist auch ziemlich beeindruckend, ringsrum weiß bepuderte schroffe Berge, dazu ein bedeckter Himmel, nur ab und zu Sonne, aber das paßt richtig gut. Wir sind mitten in den Anden, nur einige Kilometer weiter befindet sich schon die Grenze zu Argentinien, allerdings gibt es hier keinen Grenzposten, vielleicht ist es nur ein alter Schmugglerpfad.
Waren da nicht Pinguine?
Nach ausgiebigem Bad gehe ich gegen 16 Uhr schon mal raus und ziehe mich um. Das kostet allerdings ziemliche Überwindung, der Weg bis zur Umkleidekabine ist einfach 15m zu lang, es wird a...kalt! Nachdem ich fertig angezogen rauskomme und noch die nassen Füße abtrocknen muß und nach den Socken wühle, sind meine Füße innerhalb weniger Minuten blau vor Kälte.
sogar mit Massagedusche und hier kommt es raus
Ich mache noch ein paar Fotos, dann ist Markus auch angezogen und wir schauen uns noch kurz die Quelle an, wo das heiße Wasser aus dem Berg fließt. Anschließend machen wir uns auf den Heimweg bevor es dunkel wird. Die Strecke fährt man lieber im Hellen. Nach einem hübschen Sonnenuntergang und weiteren Fotos treibt uns der Hunger nach Hause.
Abendstimmung angeleuchtete Zacken
noch 80km nach Santiago

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