Concón

Ein Tag im Zeichen des Pelikans

05.08.2007

Pelikan
Immer noch herrscht Winter in Chile und aufgrund äußerst usseligen Wetters, kurzen Tagen und den Überresten einer Erkältung lockt uns der Gedanke an ein Campingwochenende nicht sehr. Daher bietet sich ein Ausflug ans Meer an, die Küste kennen wir schließlich immer noch nicht gut. Sonnenhungrige Massen auf der Straße nach Viña del Mar sind nicht zu erwarten also machen wir uns am Sonntagmorgen gemütlich auf den Weg. Ein kurzer Halt in unserem bevorzugten Pan Amasado-Lokal und bald darauf verlassen wir auch schon die Panamericana.
immer wieder frisches Brot
Unser Ziel Concón liegt knapp 20km nördlich von Viña del Mar, sozusagen von Santiago aus direkt nach Westen. Der weitere Weg führt durch das Örtchen La Cruz, welches nur aus Avocadoplantagen und Avocadoverkaufsständen zu bestehen scheint, und dann über die Ruta 60, die rechts und links von strahlendgelb blühenden Bäumen flankiert wird. Ein Hauch von Frühling?
blühende Bäume
Concón liegt an der Mündung des Rio Aconcagua, die ein Vogelparadies sein soll. Heute, an einem nebelig-grauen Tag sehen wir allerdings nur ein paar gelangweilte Kormorane und Möwen, die dem Wetter trotzen. Vielleicht muß man hier im Frühjahr wiederkommen. Der Strand ist bis auf ein paar Reiter verlassen und so wenden wir uns den wichtigen Dingen des Tages zu und suchen ein Restaurant. Entlang der Straße befinden sich zahlreiche Fischrestaurants, dazwischen auch Stände in denen Fisch und Meeresfrüchte direkt verkauft werden. Das Schild am Ortseingang hatte uns Concón als das gastronomische Zentrum dieser Region ans Herz gelegt, also fahren wir noch ein Stück weiter durch den Ort, mal sehen was es hier alles gibt.
ein verfrorener Markus Ausläufer des Aconcaguatals
Am anderen Ende befinden sich noch weitere kleine Restaurants gleich am Wasser, und zu unserem Erstaunen sitzen überall auf den Dächern riesige Pelikane aufgereiht wie hungrige Zuschauer in Erwartung eines Bissens. Bisher konnten wir noch nie ein gutes Pelikanfoto machen, da sie sich meistens gerade außerhalb der Reichweite unserer Kamera auf dem Wasser aufhalten.
Pelikane auf Restaurant malerisch aufgereihte Pelikane
Wir halten also auf dem nächstbesten Parkplatz an und fotografieren ausgiebig. Bis auf einige Meter kann man sich ihnen nähern bevor sie flüchten. Praktischerweise stehen wir gerade vor einem einladend aussehenden Restaurant, und wenn hier schon Pelikane auf dem Dach sitzen dann ist das Qualitätsbeweis genug.
die hungrige Schar
Mitten beim Essen beobachten wir von unserem Panoramaplatz am Fenster einen Aufruhr auf dem Wasser: sämtliche Pelikane die bisher faul auf dem umliegenden Felsen gesessen haben erheben sich umständlich und schwimmen oder fliegen zu einer bestimmten Stelle auf dem Wasser. Es formt sich ein Schwarm aus etwa 25 Tieren, die von Geisterhand dirigiert ähnlich wie in einem Ballett hin und her schwimmen. Das Geheimnis lüftet sich schließlich: ein Seelöwe hat einen Fisch gefangen und taucht ab und zu auf um Luft zu holen. Dabei wird er permanent von dem Rudel hungriger Pelikane verfolgt, die versuchen ein Stück der Beute für sich zu beanspruchen.
Pelikanballett hier scheint es was zu futtern zu geben
Zwischen Vorspeise und Hauptgang versuchen wir draußen abwechselnd ein Foto des Seelöwen zu schießen, erwischen aber immer nur den kleinen dunklen Kopf als Punkt auf dem Wasser bevor er wieder abtaucht. Dafür taucht nun ein Pinguin im Wasser auf, der nur wenige Meter vor den Felsen herumschwimmt. Leider ist er zu schnell für die Kamera. Der Ausblick aus dem Restaurant ist besser als jedes Fernsehprogramm.
abtauchender Seelöwe
Der Seelöwe treibt sich nach verspeisen des Fischs immer noch vor den Felsen herum in der Hoffnung auf Nachschub, anscheinend hat der Koch, der unter unserem Restaurant die Fische für das Mittagessen zerlegt ihm großzügig einen zugeworfen. Vielleicht lockt er damit auch einfach noch mehr Gäste vor die Panoramafenster.
die Bucht von Concón Felsküste zwischen Concón und Reñaca
Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zu den Dünen von Concón. Nach kurzer Fahrt an der schönen Felsküste entlang die schon hier und da von 20-stöckigen Apartmenthäusern "gekrönt" wird erreichen wir die Düne und verstehen auch sofort, warum sie im Reiseführer als "vom Immobiliengeschäft bedroht" beschrieben wird.
idyllische Düne Wolkenberge über Apartmenttürmen
Früher war es hier sicher sehr idyllisch und viele alte Häuser sind auch noch erhalten, aber überall boomt der Bau von chilenischen Urlaubsträumen: riesige hochgezogene Türme rücken der Düne im wahrsten Sinne des Wortes auf den Leib und graben ihr den Sand ab. Ringsherum sind Baugrundstücke bereits abgezäunt und werben unnötige Plakatwände mit Bildern der zukünftigen Monster. In maximal 3 Jahren wird die Düne wohl abgetragen und halb Santiago die spärlichen Urlaubstage in den 25 Etagen der Hochhäuser verbringen. Warum hat sie sich auch die beste Lage direkt am Wasser ausgesucht?
der Seelöwenfelsen zur Krönung noch zwei Geier
Halbwegs entschädigt für diesen Anblick werden wir am Mirador del Lobo Marino, einem Aussichtspunkt an dem man etwa 25 große Seelöwen auf einem Felsen im Wasser beobachten kann. Sie liegen auf jeder annähernd geraden Fläche, brüllen sich an und bewegen sich scheinbar nur um sich bequemer zurecht zu rücken, was sie auf erstaunlich elegante Weise tun. Passenderweise steht hier auch eine Seelöwenstatue aus Metall. Eine gewisse Ähnlichkeit kann man den beiden Lobos nicht absprechen.
zwei Lobo Marinos
Für einen Nachmittag am Meer haben wir also eine beachtliche Ausbeute gemacht. Pelikane aus nächster Nähe, ein unerwarteter Pinguin und Seelöwen, von denen wir immer dachten sie wohnten weiter südlich. Nach einiger Recherche wissen wir aber jetzt, daß der südamerikanische Seelöwe bis in den Norden Perus verbreitet ist und bis zu 2,50m groß wird. Der Pinguin wird wohl ein Humboldtpinguin gewesen sein, der sich hier im gleichnamigen Strom herumtreibt. Die Pelikane haben wir als die etwa 1,25m großen peruanischen oder braunen Pelikane enttarnt, sie reichten uns auch fast bis zur Hüfte.
chilenische Klon-Ferienhäuser


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