Parque Nacional Conguillío

oder: ein herbstlicher Osterausflug

5.-8.4.2007

der Llaima hinter Araukarien

Donnerstag

6 Monate in Chile und noch immer haben wir keine Araukarien gesehen, jedenfalls nicht mehr als ein oder zwei vereinzelte, die sich wohl eher aus Versehen bis in unsere Region verpflanzt haben. So machen wir uns also nachmittags, dem Osterverkehr als einsame Vorhut voraus, auf die Panamericana nach Süden, etwa 650km in den Nationalpark Conguillío. Durch die VI. (Bernardo O'Higgins) und VII. (del Maule) Region ist uns die Ruta 5 nun schon ausreichend bekannt. Landschaftlich interessanter wird es erst wieder in der IIX. (Bío-Bío) und IX. Region (Araucaria). Leider wird es jedoch jetzt schon dunkel und trotz freier Straße biegen wir erst nach knapp 8 Stunden bei Victoria von der Ruta 5 ab und nehmen die letzte Etappe nach Curacautín und dann über den üblichen Schotter nochmal 45km in den Park auf uns.
viel Stamm, wenig Äste sonderbare Auswüchse
Dank des hellen Mondes und bei sternklarem Himmel erkennen wir bald die unheimliche Silhouette des Vulkan Llaima (3.125m), nur etwa 3-4km entfernt, in dessen Nähe wir heute übernachten wollen. Laut Reiseführer ist dies der aktivste Vulkan Chiles und ich hoffe, daß er mit dem nächsten Ausbruch noch 3 Tage wartet. Gegen den hellen Himmel erspähen wir auch schon die ersten Araukarien am Wegrand. Durch dichten Wald über eine tief eingeschnittene Erdpiste finden wir kurz nach Mitternacht zwar nicht die beiden Campingplätze, aber dafür einen großen Parkplatz direkt am Lago Conguillío, völlig verlassen wie es scheint und bauen das Auto zum Zelt um. Kaum liegen wir unter den Daunendecken, gegen die wir die Schlafsäcke eingetauscht haben, beginnt der mittlerweile übliche nächtliche Verkehr, zwei Autos parken nacheinander und verlassen den Parkplatz später wieder. Was die hier um 3 Uhr morgens machen bleibt uns ein Rätsel.

Freitag

hier noch ganz klein... ...und hier richtig groß!
Wir wachen bei strahlendem Sonnenschein auf und sehen am anderen Seeufer die teilweise schneebedeckte Sierra Nevada und überall auf den Berghängen - endlich - unzählige Araukarien! Nach Frühstück und Inspektion der Umgebung stellen wir fest, daß wir gar nicht so allein waren: nebenan im Wald versteckt liegt der Campingplatz und Trupps von Anglern machen sich vollausgerüstet auf den Weg zum Seeufer. Wir fahren den Weg zum Conaf-Häuschen zurück und merken, daß wir auch am Abend voher durch dichten Araukarienwald gefahren sind. Der erste Wanderrundweg ist schnell gefunden, bezeichnenderweise heißt er Las Araucarias und wir können uns kaum losreißen, jede ausladende Baumkrone will fotografiert werden. Ein paar kleinere Exemplare heißen uns stachelig willkommen!
ein stachliges Willkommen ein Araukarienkindergarten
Wir haben die Qual der Wahl zwischen Rundfahrt und Wanderung und entschließen uns das unerwartet schöne Wetter zum fotografieren auszunutzen. Heimtückisch hat sich jedoch mittlerweile eine Wolke um den Llaima geschlungen und so machen wir erst einmal eine Rundfahrt durch den Park. Unterwegs kaufen wir frisch gebackenes Brot (hier existiert eine sehr touristenfreundliche Infrastruktur) und finden den wohl schönsten Picknickplatz mit Blick auf den See.
Picknickidylle immer wieder grüßt der Llaima
Mittlerweile hat sich der Park gefüllt, das Osterwochenende (im Gegensatz zu daheim wird am Montag bereits wieder gearbeitet) nutzen viele Chilenen zum campen und picknicken mit der gesamten Familie. Pick-ups mit bis zu 12 (gezählten!) Personen und unzähligen Kühlboxen fahren vor. Man muß sich aber keine Sorgen machen, auf den Wanderwegen ist man weitgehend allein, hierher verirren sich fast nur noch Ausländer.
überdimensionierter Tannenzapfen Mittelpunkt des Parks - der Volcán Llaima
Zwischen unzähligen fotogenen Araukarien hindurch schlängelt sich die Straße zur nächsten Station, der Laguna Arco Iris, die von der Lava aufgestaut wurde, die Bäume die hier einmal standen liegen nun als eindrucksvolle weiße Gerippe am Grund des Sees. Bei entsprechender Sonneneinstrahlung und Windstille erscheint das Wasser leuchtendgrün und blau. Leider war uns trotz wiederholten Besuchs die Windstille nicht vergönnt, wir werden wohl noch einmal wiederkommen müssen.
die Laguna Arco Iris Reste des letzten Ausbruchs
Wir durchqueren ein Lavafeld und eine graue Aschewüste und umrunden teilweise den Llaima, der inmitten dieser Einöde thront. Am anderen Ende des Parks bewandern wir einen weiteren Weg durch schönen abwechslungsreichen Wald und über das Ende des Lavafeldes. Wir begegnen nur 3 Kühen, die aussehen wie frisch für uns gestriegelt.
eine schöner als die andere Pause am See
Es ist schon später Nachmittag und wir suchen uns einen Platz für die Nacht. Da wir grillen wollen müssen wir zum Campingplatz zurück, hier gibt es Feuerstellen. Mittlerweile ist der große Platz gefüllt mit chilenischen Familien, die ersten Feuer rauchen schon. Sogar ein Auto mit österreichischem Kennzeichen parkt schon mittendrin. Mit Glück besetzen wir einen der letzten Plätze und heizen unser eigenes Feuer an, es gibt gegrillte Steaks mit Gemüse, um unsere neue Kühlbox und den chilenischen Grillklapprost mit Stiel zu testen. Wir essen im Licht des Rückwärtsgangs bevor die Kälte uns ins Auto treibt, und beglückwünschen uns noch einmal zu den Daunendecken.
hübscher Lavawanderweg ein einsames Bäumchen

Samstag

Morgennebel über dem Lago Conguillío
Trotz diverser Großfeuer ist über Nacht zum Glück nichts abgebrannt und wir wollen einen Wandertag einlegen. Leider hat der Laden noch nicht auf und so machen wir uns mit Notreserven ausgerüstet auf den Pfad "Carpintero" (Specht). Bald schon merken wir warum, denn wir beobachten etwa 10 große Spechte, die sich unter Geschrei und Geklopfe über die Maden in den Bäumen hermachen. Die Männchen haben einen leuchtendroten Kopfschmuck.
Markus hinter Gittern Markus mit großem Baum
Ein gehetzter Chilene fragt kurz darauf, ob wir einen Specht gesehen hätten. Eigentlich war es eher schwer, sie zu über-sehen! Markus findet auch für ihn einen Specht im Baum und dankbar joggt er zu seiner warten Familie am Parkplatz zurück. Wir bewundern die ausladenden Baumriesen, abwechselnd Araukarien und Coigues, die sich in Stammumfang und Höhe gegenseitig zu übertreffen versuchen. Unten wächst leuchtendgrüner Bambus. Der Wald wird nur noch von der "Madre Araucaria" überragt, die einen unglaublichen Stammumfang hat.
La Madre Araucaria
Unterwegs treffen wir auch einen Trupp kleiner Vögel, die sich überhaupt nicht stören lassen und dicht um uns herum im Bambus herumhüpfen. Nach über 3 Stunden gelangen wir zur Laguna Captrén und umrunden diese mit tollem Blick auf den Vulkan, jetzt hat er seine Mütze abgelegt. Hier sieht es dank anderer Baumarten auch schon eher herbstlich aus, denn die Araukarien und Coigues sind immergrün und da kommt keine Herbststimmung auf.
die Laguna Captrén Laguna Captrén
Am Ende des Wegs haben wir keine Lust auf die staubige Straße zurück, und gucken uns eine Mitfahrgelegenheit aus. Wenig später sitzen wir auf der Ladefläche eines Pickups, der uns die 8 km zu unserem Auto zurückbringt. Am See verkauft jetzt ein echter Pehuenche (indigenes Volk im Süden Chiles, ähnlich der Mapuche) mit wenigen Zähnen und ungewöhnlichen Kopfrechenkünsten Artesania und wir vervollständigen unsere Sammlung mit einer kleinen Trommel, einem Holzfisch und einem in Holz geritzeten Puma.
pinker Pilz glasklarer Bach
Jetzt hat der Laden doch noch offen, wir kaufen Brot und picknicken an der Playa Linda zwischen weißgebleichten Baumgerippen. Ich habe noch Lust zu wandern und überrede Markus zu dem Pfad "Contrabandista". Ein vorbeifahrender Ranger mahnt unnötigerweise an den Rückweg zu denken, da es schon früher Nachmittag und der Weg für 2 bis 3 Stunden angelegt ist. Nachdem wir uns mehrere Steigungen hinauf und hinunter gekämpft haben und Markus immer langsamer wird, kehren wir um und haben für heute genug gewandert.
Picknick an der Playa Linda und immer wieder grüßt der Llaima...
Nach zwei sparsamen Nächten im Auto haben wir uns wieder ein Hotel verdient und verlassen den Park. Wir sind uns aber einig, daß er zu den bisher schönsten in Chile zählt und wir auf jeden Fall wiederkommen wollen. Ich fotografiere schnell noch ein paar Araukarien in der Abendsonne, man kann einfach nicht genug bekommen!
die letzten Araukarien... ...im Abendlicht
Der Weg zum Hotel führt über Curacautín, als ich an einem unscheinbaren Abzweig einen Wegweiser für eine vermeintlich Abkürzung entdecke. Diese Schotterstraße ist allerdings nicht in unserer Karte eingezeichnet, das sollte uns zu denken geben, aber in unserer Vorfreude schieben wir alle Zweifel beseite. Wie unvorsichtig, wie wir eine lange staubige Stunde später feststellen sollen. Markus meint schon daß nach jedem Haus die Straße ein paar Zentimeter schmaler wird. Er soll recht behalten...
flammender Sonnenuntergang
Nachdem der Sonnenuntergang in Dunkelheit umgeschlagen ist und wir auf immer holprigerer Straße über kleinere Bachbetten längst den letzten Wegweiser passiert haben, führt der Weg abenteuerlich entlang eines steinigen Flußbetts und endet dann abrupt an einem großen verschlossenen Tor. Hier ist nicht das Hotel Andenrose! Mal wieder fluchend über chilenische Straßen, Karten und Wegweiser machen wir uns auf den Rückweg und kollidieren noch fast mit einem völlig unbeleuchteten Ochsengespann auf stockfinsterer Straße. An dem einzigen in Frage kommenden Abzweig versuchen wir nochmal unser Glück, leider nicht lange genug. Die noch schlechtere Straße schreckt uns ab, aber wie sich nachher herausstellt, trennten uns nur noch 500m von der Gaststube!
die Andenrose Zufahrt zur Andenrose
Zurück an der Hauptstraße und über eine äußerst gut ausgebaute Schnellstraße sind wir 15 Minuten später an der Andenrose, der Besitzer hat noch ein schönes großes Zimmer für uns und bayrischen Schweinsbraten mit riesigen Knödeln auf dem Herd. Nach einer Dusche und dem Essen haben wir schon fast den Umweg vergessen. Anscheinend hatte ihm mal wieder jemand das letzte entscheidende Schild abmontiert. Allerdings wäre es auch mit Schild keine Abkürzung gewesen...

Sonntag

Salto de la Princesa
Nach einem sehr guten Frühstück und letztem Plausch mit Hans verlassen wir die Andenrose und fahren zum Vulkan Lonquimay. Unterwegs besichtigen wir noch den hübschen, aus 40m Höhe herabfallenden Wasserfall Salto de la Princesa. Die gut ausgebaute Straße, der Camino Internacional der im weiteren Verlauf nach Argentinien führt, bringt uns zum Abzweig ins Skigebiet Corralco und zur Reserva Nacional Malalcahuello.
der Volcán Lonquimay der Lonquimay
Am nicht besetzten Conaf-Häuschen vorbei führt eine staubige Piste hinauf zum Vulkan Lonquimay (2865m) und zum Krater Navidad. Die Straße führt zunächst vorbei an schönen Araukarien, man kann sich einfach nicht sattsehen an den grünen Baumriesen vor aschegrauer Lavalandschaft, und dann als Aschepiste durch sämtliche Dunkelgrauschattierungen mit den zackigen Lavaformationen, scheinbar ins Nichts, aber immer weiter bergauf.
Mondlandschaft
Hier hat man ein unglaubliches Panorama: der kegelförmige Vulkan Lonquimay, daneben der beeindruckende Krater Navidad (letzter Ausbruch Weihnachten 1988), das riesige schwarze Lavafeld, dahinter der zerklüftete Vulkan Tolhuaca (2806m), der unweigerlich an Herr der Ringe erinnert, und weitere schneebeckte Vulkane und Andengipfel reihen sich bis zum Horizont ins Blickfeld. Am anderen Ende des Tals sieht man wieder grüne Wälder, die gleich am Rand des Lavafelds beginnen, als wäre nie etwas gewesen...
der Lonquimay Wälder zwischen Lava
Nach ausgiebigem Fotografieren trennen wir uns schweren Herzens von dieser Aussicht und kehren zum Camino Internacional zurück. Das Osterwochenende geht dem Ende zu und viele Argentinier in vollbesetzten Autos machen sich auf den Heimweg, wir auch. Auf dem Weg zur Ruta 5 picknicken wir an der Straße und treten dann die Heimfahrt auf der Panamericana an. Zunächst freuen wir uns noch, weitgehend allein zu sein, nach einigen Stunden wird der Verkehr immer dichter, bis uns an der drittletzten Mautstelle vor Santiago, wir sind noch gut 200km entfernt, der erste Stau als Vorbote empfängt. Hier stehen wir nur 20 Minuten in der Schlange, bei der nächsten Mautstelle ist es schon eine knappe Stunde Schritttempo und wir ahnen Böses für den restlichen Weg.
grünes Tal in Aschelandschaft Markus mit Vulkan
Ein Blick in die Karte offenbart, daß es zwischen Rancagua und Santiago ein einziges, winziges Nadelöhr gibt: die Ruta 5, die Mautstelle und den Tunnel - die einzige realistische Möglichkeit nach Hause zu kommen. Es gibt die Alternative 1: Umweg über Landstraßen an der Küste entlang, etwa 3-4 Stunden Fahrt, dafür die Heimkehrer aus Valparaíso. Alternative 2: eine in der Karte verzeichnete Schotterstraße, die alte Paßstraße, um den Tunnel herum, aber unbeleuchtet und nach dem Abenteuer Andenrose wollen wir gar nicht wissen, in welchem Zustand. Wir fügen uns in unser Schicksal, und beim Anblick von mit bis zu 8 übereinandergestapelten Personen in Kleinwagen (Fahrer, Beifahrer mit 12-jähriger Tochter auf dem Schoß, hinten Tante, Onkel und weitere Kinder, zum Teil auch sich gegenseitig auf dem Schoß sitzend, dabei den Kopf einziehend weil das Auto an sich schon klein ist, und das eventuell seit mehreren Stunden...) freuen wir uns über das Platzangebot im Jeep und die Tatsache, diesen mit niemandem teilen zu müssen.

Gegen Mitternacht, nach über 11 Stunden Fahrt treffen wir zuhause ein und fallen nach Herunterladen der knapp 500 Fotos sofort ins Bett.
3-fach Ann mit Vulkan
Vulkanpanorama
Panorama Conguillío

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