3.9.-6.9.: Dänemark und dann schnell heim

Morgens sieht das Wetter wieder gnädiger aus und es ist wirklich wärmer. Wir vertrödeln den Morgen mit frühstücken und Spielplatz und unterhalten uns mit einem anderen deutschen Pärchen während Clara auf dem Trampolin hüpft. So kommen wir recht spät los und gehen mit Clara auf dem Laufrad in Richtung Dorf, um etwas einzukaufen und überhaupt erst einmal dänische Kronen zu ziehen. Nach einer ganzen Weile merken wir, daß wir den Plan etwas falsch interpretiert haben, denn bis ins Dorf sind es über 6km - definitiv zu weit für die Tochter, die sowieso schon ihr Pulver auf dem Spielplatz verschossen hat. Also wollen wir stattdessen den Küstenpfad zurück, kommen aber wegen einer kleinen Steilküste nicht zum Strand hinunter. Mißerfolg auf ganzer Linie, also zurück, und wir finden statt dessen einen Mirabellenbaum und einen anderen hübschen Pfad am Strand entlang zurück.


Im Campingladen kann man glücklicherweise mit Karte zahlen und so gönnen wir uns auf die Anstrengung hin ganz unpädagogisch ein Eis vor dem Mittagessen. Der anschließend geplante Mittagschlaf findet trotz aller Bemühungen von 75% der Besatzung nicht statt und so packen wir die Kinder ein und spielen eine Runde Minigolf auf der fast schon golfplatzartigen Anlage. Der P wird immer am Abschlag abgelegt und Clara ist Schriftführerin, Ballmädchen und fischt imaginäre Bälle aus dem Wasser. Gar nicht so einfach hier, vor allem, wenn immer just bei meinem Abschlag die Tochter etwas ganz Wichtiges kundgeben muß.
Nach einer Runde über die anderen Spielplätze (hier wird den Kindern echt was geboten) geht es zurück zum Zelt und wird essen die letzten schwedischen Köttbullar (Fleischklößchen) mit Preiselbeermarmelade und Kartoffelpü.


Die letzte Nacht war wieder etwas anstrengend dank Paul, der stündlich irgendwelche Befindlichkeiten hatte. Kurz vor 8 ist endgültig Schluß, aber Markus schnappt sich die beiden und geht eine extra lange Runde unsere bestellten Brötchen holen, sodaß ich noch fast eine Stunde schlafen kann. In der Nacht hat es dicke aber sehr vereinzelte Tropfen geregnet aber jetzt sieht das Wetter schon wieder ganz gut aus. Wir ziehen nach dem Frühstück ins Spielzimmer ein, wo Clara vollauf beschäftigt und auch Paul streckenweise ganz zufrieden ist. Hier haben die Planer mal mitgedacht und die armen Eltern können sich mit kostenlosem surfen die Zeit vertreiben. Gegen Mittag geht es zum Essen zurück und einträchtig halten wir danach wohlverdienten Mittagschlaf. Als gegen 4 endlich alle wieder wach sind, nehmen wir den platzeigenen Pool in Angriff, der tropisch warm, baby- und kinderfreundlich und zudem noch so gut wie leer ist. Wir haben zwar nur noch eine Stunde bis Schließung aber mehr vertragen die beiden sowieso nicht. Paul dreht nach anfänglichem Zögern auf und planscht kräftig los und Clara wird im knietiefen Wasser in ihren Schwimmflügeln auch ziemlich mutig und rutscht am Ende sogar die Wasserrutsche ohne Schwimmflügel runter. Bis wir alle endlich wieder getrocknet draußen stehen ist es schon Zeit für das Abendessen, in der Hoffnung, die beiden heute einmal früher ins Bett zu bekommen. Nach einem Pfannkuchenwettessen (es blieb unentschieden) und einem Spülmarathon liegen beide um 9 Uhr im Bett! Heute war aber endgültig unser letzter Tag hier, es ist zwar ein schöner Platz zum Faulenzen und Kinder beschäftigen, aber uns allen geht die Wäsche aus, entweder wir waschen oder fahren allmählich heim!


Zum waschen war es gestern Abend schon zu spät, außerdem hätten wir dänisches Geld in die Automaten werfen müssen, das Vorhaben war also von vornherein zum Scheitern verurteilt. Also geht es heute weiter. Auf touristische Besichtigungen haben wir alle keine große Lust mehr, obwohl es hier in der Gegend eine Menge zu tun gäbe. Aber nach fast 3 Monaten ist uns allen mehr nach faulenzen und in den Tag leben. Es ist schon eine Herausforderung, den nächsten Tag in den Grundzügen zu planen. Heute Nacht gab es bei Paul Schichtwechsel, da er wieder stündlich aufwachte und ich bin nach unten zu Clara gezogen. Als wir aufwachen ist oben noch nichts zu hören und so schleichen wir uns raus und wandern am Strand entlang zum Brötchen holen. Typisch, heute ist strahlend blauer Himmel und wärmer als die letzten Tage! Allerdings ziehen beim Frühstück schon Wolken auf und der Wind macht es ungemütlich. Markus schafft es, Clara mit einem dänischen Jungen zu verkuppeln, der den ganzen Morgen schon auf seinem Elektro-Hummer um die Klohäuser kurvt. Wenig später sieht man Clara schweigsam aber interessiert, während der Junge ihr Kofferraum und Motorraum vorführt. Ich renne mit der Kamera los, um dieses Bild für die Götter festzuhalten, aber da fährt er auch schon ohne sie davon. Ich übernehme wieder die Aufgabe des Verkupplers und lasse sie auf dem Beifahrersitz zusteigen (nach 20 Minuten guten Zuredens), woraufhin sich beide ganz vorbildlich anschnallen, Clara trägt ja auch noch Helm vom Laufrad fahren. Dann düsen sie von dannen, sogar unter dem Beifall der Putzfrau, die sich das Ganze schon von Anfang an anschaut. Markus und ich haben also freie Hand beim Abbau, denn der P schläft in der Trage. Leider geht, kaum daß wir diesen Frieden genießen, dem Hummer die Batterie aus. Aber die beiden spielen, von mehreren Kommunikationsmißverständnissen abgesehen, ganz friedlich weiterhin aneinander vorbei. Der Junge erzählt pausenlos und Clara, die sowieso kein dänisch versteht, sitzt schweigend daneben, bis er leider zum Mittagessen gerufen wird.

 
Mittlerweile sind aber auch wir fast schon abfahrtbereit. Wir erreichen zügig den Hafen von Rodby und kaufen ein Ticket für unsere vorerst letzte Fährfahrt (und eine der teuersten) dieses Urlaubs. Unspektakulär geht es in 45 Minuten nach Fehmarn, wo wir überlegt hatten, zu bleiben. Paul ist aber beim wieder einsteigen ins Auto eingeschlafen und auch die Tochter bedarf noch dringend ihres Mittagschlafes. Wir lassen ihn schlafen und fahren weiter, Fehmarn kennen wir ja schon. Wir sehen sogar davon ab, die gute Sanddornmarmelade auf dem Marktstand in Burg zu kaufen und lassen Fehmarn schnell hinter uns. Auf der Brücke zum Festland weht ein sehr starker Wind und lässt den Windsack waagerecht stehen. Wir mussten gleich an die beiden aus Lüneburg denken die immer dem Wind nachfahren während wir meist davor geflüchtet sind. Nach hartnäckigem Sträuben schläft Clara kurz vor Lübeck endlich ein und verpennt sogar den Freitagsstau um Hamburg herum.


Wir suchen eine Unterkunft in der Nähe von Bremen, sind dann aber so schnell an Bremen vorbei, daß wir uns dagegen entscheiden und noch weiter fahren. Wir lüften die beiden Kinder auf einer Raststätte gründlich aus und Clara darf zum erstem Mal in ihrem Leben in einen Burgerking. Dort ist sie von der Krone, der Spielecke und ihrer Schatzkiste (der Karton des Kindermenüs) so angetan, daß sie die Krone die restliche Fahrt nicht mehr absetzen will und ihre Kiste auf dem Schoß standhaft verteidigt. Da wir nur noch 3 Stunden von zuhause entfernt sind fahren wir einfach durch und sind nach einem letzten Tankstop, bei dem Ann aus Versehen den Superpower-Diesel für 21 Cent mehr tankt und wir uns wundern, warum der Preis auf einmal von angeschriebenen 1,46 auf 1,67 gesprungen ist. Die haben eine komplette Zapfsäule nur mit dem unnützen Sprit und wir fallen nach 2 Monaten fern der Heimat direkt darauf herein. Da wir nur für 20 Euro tanken, reicht es jetzt wegen der letzten 10 Kilometer nicht bis vor die Haustür, und wir müssen vor Köln nochmal kurz raus, Pinkelstop der Tochter inklusive. Clara hält die ganze Zeit durch und verfolgt gespannt die nächtliche Autobahnfahrt (allerdings mit deutlichen Schlafmangelerscheinungen und dementsprechenden Stimmungsschwankungen). Gegen 23 Uhr kommen wir endlich daheim an, lassen ALLES außer uns selbst im Auto und gehen unsere Wohnung begutachten. Clara verschwindet direkt in ihrem Zimmer und ist angesichts der Menge an Spielzeug sofort begeistert und Paul mischt kräftig mit. Mitternacht haben wir dann alle im Bett und vergessen sogar unser Urlaubsabschiedsbier, das wir eilig in den Kühlschrank gestellt haben. Paul scheint sich noch an die Wohnung zu erinnern da er ohne Probleme in seinem Bett schläft, fast die ganze Nacht, und auch Morgens nicht allzu verwundert ist.


Die nächsten Tage sind mit auspacken, waschen und allgemeinem Aufräumen gefüllt. Das Auto wurde komplett leer gemacht und der Schrank ausgebaut. Die Dachbox wurde nach 6 Jahren das erste Mal gereinigt (innen) und unser Zelt ebenfalls ordentlich geschrubbt. Mit 2 Kindern dauert das alles sehr lange und ist mit einem mittleren Chaos verbunden. Wir haben dabei noch Glück da Clara immer mal wieder für eine halbe Stunde in ihrem Zimmer verschwindet und allein vor sich hin spielt. Nach 3 Tagen haben wir das Gröbste überstanden und versuchen, einen geregelten Tagesablauf hinzubekommen. Das fällt zur allgemeinen Überraschung den Kindern am leichtesten, da Clara als wäre nichts gewesen am 2. Tag schon wieder in den Kindergarten geht und Paul die Bewegungsfreiheit und die Ruhe zuhause sichtlich geniesst und gleich die ersten Krabbelversuche startet, denn im Auto kam er auch ohne an alles ran.