Wie wird man "Einheimischer"?

Die ganze Prozedur beginnt bereits am Flughafen wenn man noch vor der Zollabfertigung durch die Immigracion geht. Wir waren uns sicher, daß wir keine Tarjeta de Turista benötigen: falsch gedacht! Also wieder zurück und schnell das Formular ausgefüllt. Wir durften sogar wieder direkt an den Schalter zurückkommen worüber wir ganz froh waren, da sich inzwischen die Halle mit dem Rest des Fluges gefüllt hatte und das Ende der Schlange schon außer Sichtweite lag.
Wir mussten, entgegen der Erklärung der Botschaftsangestellten, beide Ausfertigungen des Visums abgeben. Obwohl wir uns nicht sicher waren ob die Dame das Dokument nicht gerade zum erstem Mal gesehen hatte. Aber ihr Kollege hatte uns die nächsten Schritte und Adressen aufgeschrieben und nach einigen Stempeln waren wir auch schon fertig. Wir haben noch nachgefragt was mit den Visa passiert und bekamen zur Antwort, daß diese automatisch weitergeleitet würden. Wir warfen uns einen skeptischen Blick zu, aber unser Spanisch reichte nicht für eine Diskussion an der Immigracion.

Der nächste Schritt war die Extranjeria (Ausländerpolizei). Die Extranjeria liegt direkt am Mercado la Vega, einer eher unschönen Gegend mitten in Santiago hinter dem Rio Mapocho, und machte natürlich um 14 Uhr schon zu. Allgemein kann hier gesagt werden das sämtliche Behördengänge am besten direkt morgens früh erledigt werden, zu einer Uhrzeit, zu der 99% der Chilenen noch unter der Dusche stehen. Wir hatten Glück und sind recht schnell dran gekommen. Aber nach uns platzte die Wartehalle fast vor Leuten.
Zuerst ist eine Nummer zu ziehen und 800 Peso pro Person zu bezahlen. An der Wand ist sehr modern eine Anzeige angebracht welche die Nummern und den zuständigen Platz anzeigt. Ich wollte nicht wissen wie wir dagestanden hätten wenn alle Nummern durch einen prähistorischen Lautsprecher gekrächzt worden wären. Der Bearbeiter war ein recht netter Polizist, der uns allerlei Fragen gestellt hat; bei der Frage nach der aktuellen Adresse sind wir ganz schön ins Schleudern gekommen, da wir zwar das Hotel, nicht aber die Adresse gewusst haben. Gott sei Dank liegt es direkt an der Plaza San Francisco (und heisst auch so). Hätte der Polizist nicht so genuschelt und sein Radio etwas leiser gestellt, hätten wir auch nicht ständig nachfragen müssen. Wir mussten noch 2 Fotos abgeben und haben eine Bestätigung für die erfolgte Registration bekommen. Und das wars auch schon. In solchen Institutionen ist man allerdings froh wieder draußen zu sein!

Als nächstes kommt die Odyssee der Bilder. Für das Carnet (Cédula de identidad - Personalausweis) sind 2 Fotos notwendig. Diese müssen mit Namen und Passnummer aufgenommen werden. Soweit die Theorie. Wir hatten schon Bilder machen lassen, diese waren aber erstens nicht besonders schön, Ann mit Antennen im Haar und unvorteilhaftem Hintergrund, und zweitens auch ohne Namen. Also sind wir erstmal zurück zum Hotel zum hübsch machen und dann nochmal los um in richtiger Aufmachung gute Fotos machen zu lassen. Das hat dann nochmal eine Stunde gedauert, da zuerst viele andere vor uns dran waren und dann der Drucker kein Fotopapier mehr hatte. Es ist auch unglaublich, daß trotz (oder wegen) so vieler Angestellter niemand den Laden organisieren konnte oder eine Arbeit mal zu Ende führt. Ein Angestellter war nur damit beschäftigt, Stempel auf die Fototüten zu setzen und konnte dabei natürlich nicht viel anderes machen. Man muß schließlich Prioritäten setzen!
Nun hatten wir also schon 2 Sets Fotos, aber wie sich herausstellte, werden die gar nicht mehr benötigt, da im Registro Civil mittlerweile Fotos vor Ort mit Digitalkamera gemacht werden...

Wie bekomme ich das Carnet?
Anschließend sind wir an der Moneda (Präsidentenpalast, siehe Fotos)vorbei zu einem eher unscheinbaren Gebäude (Registro Civil) gegangen.

Hier mussten wir direkt wieder umkehren, da wir keine Kopie des Reisepasses hatten. Das haben wir erfahren als wir die obligatorische Nummer in Empfang nehmen wollten. Der Nummernverteiler hatte eine Kopie worauf stand welche Dokumente notwendig sind. Leider konnte er uns den Text auch nur vorlesen, aber nicht erklären oder gar Fragen beantworten. Zudem gibt es keinen Copyshop direkt am Gebäude, so mussten wir wieder zurück um einen solchen Laden zu finden um die Kopien machen zu lassen.
Dann wieder zurück und eine Nummer ziehen. A08. Es ging dann auch recht fix und wir sind zusammen zu dem angesagten Schalter gegangen um dann festzustellen das jede Person eine Nummer braucht. Also ist Ann gleich wieder eine Nummer ziehen gegangen. A34! Es kam zu einigen Problemen wegen dem ö in Könnecke. Jetzt habe ich ein komisches Dach auf meinem Namen. Ann hatte Glück und heisst jetzt einfach Brauning. Ich darf mich jetzt ewig mit einem falschen Buchstaben rumschlagen. Jetzt wollte ich die Fotos anbringen -falsch gedacht! Es werden von jedem direkt Fotos mittels modernster Technik vor Ort gemacht. Der ganze Aufwand also umsonst... Da meine Brille anscheinend zu viel gespiegelt hat musste ich vor, zurück, zur Seite und meine Brille verrücken bis die Bearbeiterin endlich zufrieden war. Zudem wurde noch eine alte Schreibtischlampe aktiviert um den Blitz weglassen zu können. Man kam sich vor wie beim Verhör in einem schlechten Film.

Danach kamen die Fingerabdrücke – alle 10! Meine Bearbeiterin war leider etwas unkoordiniert mit den „Fingerfarben“ und hat die Finger fast ganz eingefärbt. Die Farbe ging dann auch eher schlecht wieder ab, trotz einer nach Lösemittel stinkenden Creme und gerade mal 3 pro Person zugeteilten Küchentüchern zum abputzen. Das Waschbecken am hinteren Ende des Raums wurde verschwiegen aber Ann hat es mit ihrem Adlerblick trotzdem sofort gesehen. Da die Prozedur einen ganzen Vormittag beansprucht hat sind wir anschließend erstmal zu "FRITZ" gegangen und haben uns einen „traditionellen“ deutschen Burger mit Avocadomus und Schweinebraten reingehauen. Immerhin war Sauerkraut dabei. Da kamen richtige Heimatgefühle auf, vor allem wegen der bayerisch-grünen Filzhüte und Kopftücher der Angestellten! Im Angebot gab es übrigens den Burger "Bremen" mit extra Avocado - den werden wir das nächste Mal probieren!


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