Einkaufen und "getting around" in Santiago


Mit dem Einkaufen ist es hier manchmal etwas schwierig. Wir sind aus Düsseldorf ja sehr verwöhnt, man musste nur aus der Tür fallen um kurzfristig zu entscheiden worauf man gleich Hunger hat. Hier muss man planen!
Der nächste grosse Supermarkt mit riesiger Auswahl (gehört zur Kette des deutschen Ehrenbürgers, man erinnere sich) ist ca. 20-25 min zu Fuss entfernt.
Hin mag das ja unter dem Aspekt körperlicher Ertüchtigung noch gehen. Zurück mit 7 Tüten und dem obligatorischen 5 Liter Kanister Wasser bleibt nur das Taxi. Das kostet umgerechnet 1,50 Euro plus Trinkgeld je nachdem wie weit der Fahrer beim Tüten ein- und ausladen hilft. Im Supermarkt gibt es unter anderem deutsches Brot (es heisst sogar so), Veltins (made in Alemania) und Warsteiner (made in Argentina, aber authentisch!), Jacobs Krönung, Hengstenberg Senf, Dr. Oetker Apfelpfannküchleinmischung, Schwartau extra etc., sowie natürlich genug einheimische Leckereien, und wer will hier schon Jacobs Krönung trinken, wenn Markus kolumbianischer Kollege uns mit säckeweise Kaffeebohnen versorgen kann...

Beim Verlassen des Supermarkts muss man (ich) nur hilflos schauen, dann winken schon die Taxifahrer aus der Entfernung, sobald man zurückwinkt, braust einer los, hilft beim einladen und ab geht's nach Hause. Dort erspäht mich gleich der Conserje und sprintet los, den hauseigenen Einkaufswagen zu holen, reisst die Tür auf und hilft beim einladen. Dann drückt er sogar im Lift noch auf den richtigen Knopf um mich nach oben zu befördern.

Pech hat man nur, wenn man dabei eines der parfümierten Taxis erwischt. Die gibt es auch und wir hatten bereits zweimal das zweifelhafte Vergnügen. Die hinteren Polster riechen nach ganz schrecklichem Rasierwasser und man selbst danach auch. Da bleibt nur eins: komplett umziehen und alles in die Wäsche; der Geruch ist so penetrant, er lässt sich nicht auslüften.

Bus fahren ist dahingegen viel interesstanter. Markus ist noch nicht restlos überzeugt, aber wenn man das System einmal durchschaut hat ist es eigentlich ganz einfach. Meistens ist auch das Entertainment im Fahrpreis inbegriffen. Unterwegs steigen Leute zu, die dann entweder etwas verkaufen (Eis, Süssigkeiten, Haushaltsartikel, etc.), singen oder Gitarre spielen. Letzte Woche hatte ich innerhalb einer Fahrt die Möglichkeit, Verbandsmaterial und Erdnüsse zu kaufen und dann mehrere Kilometer einem singenden Gitarrespieler zu lauschen, der wirklich gut war. Wenn Haushaltsartikel verkauft werden, zählt der Verkäufer vorne im Bus erst mal sämtliche Vorteile und Verkaufargumente auf.
Es darf aber immer nur einer zusteigen, der Fahrer nickt entweder oder schüttelt den Kopf, wenn die Verkäufer an die Tür kommen. Jedenfalls wird die Fahrt dadurch viel kurzweiliger als eine Metrofahrt.

Allerdings, da es keinen Fahrplan gibt, muß man die Busse anhand der mageren Informationen auf dem Schild auswählen und sich beim Streckenverlauf erst einmal überraschen lassen. Ich sitze dann immer mit Stadtplan im Bus und verfolge dort die neue Route, in der Hoffnung, dort vorbei zu kommen, wo ich hin will. Auf diese Art habe ich schon mehrere Supermärkte mehr oder weniger knapp verfehlt und mußte dann unter Umständen kilometerweit laufen.
Sollte man das Pech haben, den Stadtplan zuhause vergessen zu haben, bleibt nur die Hoffnung auf eine Metrostation entlang der Strecke, dort gibt es die einzigen Umgebungspläne, und man kann entweder per Metro ans Ziel gelangen oder weiß zumindest ungefähr wohin man laufen muß. Von Markus ernte ich dann meistens verständnisloses Kopfschütteln, er würde sich gleich ein Taxi nehmen. Das ist aber viel zu einfach, finde ich, erstens kennt man sich auf diese Art irgendwann ziemlich gut aus, zweitens ist es viel spannender und drittens wäre es nicht im Sinn der Sache, an irgendeinem Punkt ein Taxi zu nehmen wenn man sich versucht per Bus zurecht zu finden!

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