El Colorado

12.08.2007

El Colorado
Ein zweiter Besuch in den Bergen steht an. Nachdem es Freitagnacht dort oben noch einmal kräftig geschneit hat und für das Wochenende gutes Wetter vorausgesagt war, machen wir uns als stolze Besitzer nagelneuer Schneeketten am Sonntag auf in die Berge. Diesmal lassen wir uns etwas mehr Zeit. Wir sparen schließlich locker eine Stunde an der Schneekettenausleihstation im Tal und oben in den eventuell verschneiten und vereisten Kurven beim anlegen. Das Schneekettenerlebnis vom letzten Ausflug ist noch immer ein wunder Punkt in Markus' Erinnerung und ich kann mich nun beruhigt zurücklehnen, denn um unsere blitzblanken und überaus einfach zu handhabenden Ketten auszuprobieren wird er schon beim ersten Eiskristall auf der Fahrbahn bereitwillig anhalten.
leergefegte Hänge
Leider erreichen wir Farellones ohne nennenswerte Glätte auf der Straße und biegen diesmal links ab nach El Colorado, einem weiteren der vier Skigebiete oberhalb Santiagos. In Farellones scheinen sich die Anfänger zu tummeln und auch El Colorado scheint nicht mit dem Valle Nevado vergleichbar zu sein. Ein kahler Berg an dem die Skipisten durch Bretterzäune von einander getrennt sind, vielleicht soll hier der Wind daran gehindert werden den Schnee wegzufegen. Auf den umliegenden felsigen Bergkuppen sieht man bereits, daß sich durch den Wind kaum Schnee hält, obwohl etwa 5 Meter pro Winter hier fallen.
heute ohne mich im Lift der Boarder
Wir parken auf dem fast menschen- und autoleeren Parkplatz und Markus stiefelt gleich zum Lift. Da ich immer noch mit den Überresten eines heimtückischen Virus zu tun habe bin ich heute nur Zuschauer und Gesellschafterin. Heute herrscht tatsächlich gutes Wetter, fast überall blauer Himmel, Sonne und angenehme Wärme. Ich sehe Markus bei den ersten Abfahrten zu, dann verabreden wir uns erst wieder zum Mittagessen; bis dahin mache ich es mir im Auto mit einer Thermoskanne Tee und meinem Buch gemütlich.
El Colorado Lifte im Nebel
Gegen Mittag drehe ich eine Runde um Fotos zu machen, denn es zieht sich zu und bald wird es wohl aus sein mit der guten Sicht. Auf dem Rückweg zum Lift beschließe ich neben der Anfängerpiste die Abkürzung durch den Tiefschnee zu laufen. Es sind nur gut fünfhundert Meter durch den Schnee aber nach jeweils 10 Schritten komme ich ins Schwitzen und Schnaufen und der Treffpunkt scheint endlos weit entfernt. Ob das nun an den Überresten meines peruanischen Grippevirus liegt oder an den knapp 3000 Höhenmetern auf denen wir uns befinden weiß ich nicht. Aber auf halber Strecke überlege ich, den Umweg über den Parkplatz anstelle des Tiefschnees in Kauf zu nehmen, oder ich könnte mich auch einfach fallenlassen und hoffen, daß mich die Pistenwache aufsammelt. Ich komme mir vor wie bei einer Aconcagua-Besteigung. Nach diversen Pausen im Kampf mit den weißen Massen erreiche ich endlich völlig außer Atem den Treffpunkt, Markus hat schon die ganze Umgebung nach mir abgesucht. Wir gehen zur beiderseitigen Erholung ins eins von drei winzigen Restaurants und essen eine erstaunlich leckere Pizza zu fast schon europäischen Preisen. Wenigstens wird Unterhaltung in Form eines vom Vorabend übrig gebliebenen Skifahres geboten, der mehrmals im Schlaf von seiner Bank zu fallen droht.
irgendwo da unten liegt Santiago Wolkenberge über den Anden
Am frühen Nachmittag hat Markus genug Schnee gesehen und wir machen uns auf den Heimweg. Vorher postieren wir das Auto noch vor der schönen Schnee-Berge-Wolken Kulisse und machen ein paar Fotos. Auf Markus' Geheiß fahre ich immer tiefer in die Schneewehe um einen besseren Winkel zu bekommen bis das Unvermeidliche passiert und alle Räder trotz Allradantrieb durchdrehen.
Posing vor Kulisse die Schneekette!
Aber jetzt kommt die Stunde unserer Schneeketten! In wenigen Minuten sind sie ganz ohne wunde Finger angelegt, und fährt Markus das Auto souverän aus dem Schneeloch. Die Zuschauer, die schon erwartungsvoll auf das kommende Schauspiel gewartet haben, gehen enttäuscht weiter und wir drehen noch kettenrasselnd (aber ganz leise) eine Ehrenrunde auf dem Parkplatz.
braun-weißer Gegensatz Hier fehlen nur noch die Blätter
Auf dem Rückweg durch die Serpentinen ins Tal kann man gleich erkennen, welche die Sonnenseite der Berge ist: während auf der einen Seite die üblichen kahl-braunen Berghänge vorherrschen ist die sonnenabgewandte Seite noch dick verschneit. Sieht irgendwie bizarr aus: rechts noch Winter, links fehlen nur noch die Blätter an den Bäumen um das Frühjahr einzuläuten.



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