Monumento Nacional El Morado

06.01.2007

Tal des Cerro Morado mit Wanderweg links

Ohne Auto ist es schwierig etwas in der Umgebung Santiagos zu unternehmen. Mit den Bussen kommt man, wenn überhaupt, nur mit sehr viel Zeitaufwand in die Nationalparks, und ein Auto zu mieten um es 200km entfernt den ganzen Tag auf einen Parkplatz zu stellen schien uns auch eher teuer. Daher beschlossen wir einen Ausflug über eine Agentur zu buchen und damit unser Glück zu versuchen.
Fueguinos.cl bot für diesen Samstag eine Wanderung im Monumento Nacional El Morado an, mit Verpflegung und allem drum und dran, nur laufen mußte man selber. Um 7:20 wurden wir abgeholt, der Minibus kam sogar zu früh, das war uns hier bisher noch nie passiert. Mit dabei waren Guide, Fahrer und Verpflegerin (Freundin des Guides), dazu eine aus Prag stammende Amerikanerin mit Sohn, ein pensionierter Franzose aus Tahiti mit seiner Cousine und wir beide. Schon auf der Fahrt kamen wir alle ins Gespräch und es ließ sich ganz gut an.
Da wir am Vorabend auf einer Geburtstagsfeier eingeladen waren hingen wir allerdings dank der für uns ungewohnten Uhrzeit etwas in den Seilen. An Schlaf war wegen der schlechten Straßen leider nicht zu denken...

Nach knapp 2 Stunden Fahrt in Richtung Anden erreichten wir den ersten Haltepunkt El Volcan, ein mittlerweile fast verlassenes Dorf in dem früher eine Mine zum Kupferabbau betrieben wurde, heute leben hier nur noch etwa 15 Menschen. Hier gab es ein Frühstück auf dem Dorfplatz, mit karierter Tischdecke, Kaffee, belegten Broten und Muffins. Nach kurzer Runde durch das Dorf fuhren wir die Straße weiter durch San José de Maipo und von dort über Schotterpisten auf denen wir alle zweimal aussteigen mußten, damit der Minibus nicht in den Bächen stecken blieb, die wir durchqueren mußten.

Bachquerung

Ziel war das Dörfchen Baños Morales auf 1900m Höhe, von wo aus die Wanderung in ein grünes Hochandental bis zum Glaciar San Francisco startete. Einige der umliegenden Berge schimmern hier richtig grün wegen des Kupfergehalts, der früher auch abgebaut wurde. Lukrativer ist es jetzt aber im Norden in der Atacamawüste.
der Aufstieg allein auf weiter Flur

Die erste Stunde des Weges führte relativ steil in etwa einer Stunde zu einigen Mineralquellen die ziemlich eisenhaltig aus dem Boden sprudeln und den Boden orangerot färben. Man kann das Wasser zwar trinken, es schmeckt aber viel zu metallisch.
Sprudelquelle schmeckt eher eisenhaltig...

Von nun an führte der Weg nur noch leicht ansteigend entlang eines Gebirgsbachs der aufgrund des restlichen schmelzenden Schnees allerdings schon fast reißend zu nennen war. Hier würde man besser nicht hineinfallen wollen.
schlängelnder Gebirgsbach Laguna Morado mit Zeltplatz

Eine weitere Stunde später erreichten wir die Laguna El Morado, an der man auch zelten kann. Hier machten wir eine ausgiebige Mittagspause mit Blick auf Lagune und Gletscher im Hintergrund. Ein paar kleinere Wolken spendeten ab und zu willkommenen Schatten, mittlerweile war es mal wieder ganz schön heiß geworden. Die Lunchpakete von fueguinos.cl waren reichlich bemessen und ziemlich gut. Zum Glück leerte sich unser Rucksack hier beträchtlich, denn auf dem Rückweg war ich dran mit Tragen!

Hier trafen wir auch auf eine Gruppe Schulkinder, die aus einem der ärmeren Stadtteile Santiagos hierher zum wandern gebracht worden waren. Einige von ihnen hatten noch nie Schnee aus der Nähe gesehen, wie einer der Begleiter erzählte, da ihre Eltern es sich nicht leisten können eine Fahrt in die Berge zu unternehmen.

Mittagspause am See satt und erholt

Nachdem sich alle wieder in die Schuhe gezwängt hatten liefen wir noch eine weitere halbe Stunde bis zum Gletscher des Cerro Morado. Das untere Ende des Gletschers liegt auf ca. 2700m, der Cerro an sich hat 4647m. Trotz des Schnees und des eisigen Bodens auf dem wir herumliefen war es immer noch ziemlich warm. Der Gletscher kühlte die Luft nicht ab, da der warme Wind aus dem Tal heraufzog.
Gletscherwandern im Hochsommer Suchbild: Ann allein auf dem Gletscher

Nach einer halben Stunde Aufenthalt auf dem Gletscher ging es den gleichen Weg zurück bis zum Auto. Jetzt strahlte die Sonne die Berge so an, daß sie in vielen verschiedenen Farben leuchteten, was wir morgens noch nicht hatten sehen können.
Auf der Rückfahrt hielten wir noch in San José de Maipo an, um dort einen letzen Snack im überdachten Hof eines kleinen Restaurants einzunehmen bevor wir gegen 21 Uhr wieder in Santiago eintrafen.

Die Guides hatten viel interessantes zu erzählen gehabt und auch die anderen Mitwanderer waren durchweg nett. Die beiden Tahiti-Franzosen hatten erst wenige Tage zuvor den Parque Nacional Torres de Paine in 7-tägiger Wanderung bezwungen, er keuchte trotz diverser körperlicher Beschwerden tapfer den Berg hoch und seine Cousine, auch nicht jünger, schien sich an Steigung und Hitze überhaupt nicht zu stören. Die beiden Amerikaner hatten sich die Tour wohl etwas leichter vorgestellt und litten unter der Sonne. Unten am Auto hatten sie mich noch belächelt, da ich mich unter Hut, langen Ärmeln und einigen Lagen Sonnencreme versteckt hatte, hinterher beneideten sie mich, da sie ziemlichen Sonnenbrand davon getragen hatten.

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