Entre Volcanes

Im Tal der Vulkane

15.-17.02.2008

schlafender Vulkan

Freitag

Nachdem der Vulkan Llaima seit seinem Ausbruch am 1. Januar immer mal wieder gespuckt und geraucht hatte, beschlossen wir spontan am Wochenende in die Gegend zu fahren, in der Hoffnung das nächtliche rote Glühen einmal aus der Nähe sehen zu können.
Freitag um 15 Uhr brechen wir auf und legen die 670 Kilometer dank einem Agatha Christie-Mordfall im CD Spieler ohne größere Langeweile zurück. Kurz vor 22 Uhr überqueren wir die Grenze zur IX. Region La Araucania und kündigen uns telefonisch beim Andenrosenwirt an. Auf den restlichen 60 Kilometern in Dunkelheit hoffen wir allerdings vergeblich auf einen glühenden Llaima, wir sehen statt dessen nur einige rote Warnlichter auf Sendemasten. In der Andenrose essen wir wie immer sehr gut und fallen kurz darauf ins Bett. Wir bewundern noch neidisch die doppelverglasten Scheiben, erst nachdem man sie geöffnet hat hört man den rauschenden Fluß vor dem Haus. In unserer eigenen Wohnung macht es ja keinen großen Unterschied, ob die Fenster auf oder zu sind und momentan leiden wir unter der sommerlichen Partyaktivität der Nachbarn.

Samstag

Beim Frühstück bekommen wir einige Vorschläge zum wandern und für 4x4 Touren. Die Ruta Interlagos zum Llaima ist jedoch seit dem Ausbruch gesperrt und das rote Glühen sieht man nur ab und zu. Wir hatten es uns schon fast gedacht. Um nach Cherquenco zu kommen, wo die Fotos in der Zeitung entstanden sind, müssten wir also einen riesigen Umweg fahren und eigentlich haben wir gestern schon genug im Auto gesessen. Statt dessen nehmen wir Kurs auf die Reserva Nalcas, die ein Stück weiter in Richtung argentinischer Grenze liegt und laufen dort zu einem Aussichtspunkt.
Aussicht auf das Tal des Río Lonquimay Blumen in der Reserva Nalcas
Der Weg verläuft allerdings durch den einzigen Teil der Reserva in dem Conaf Waldbau betreibt, um mit dem Holz die Schilder, Zäune und Häuser des Parks zu bauen. Daher fühlen wir uns gleich auf einen deutschen Forstweg versetzt. Der Aussichtspunkt ist nicht sehr spektakulär, dafür finden wir einige hübsche Blumen am Weg.
Blüte einer Schlingpflanze gelbe Gesichter
Wir überqueren einen Zaun und der Wald wechselt abrupt von Pinienmonokultur in Mischwald und nach einem weiteren Zaun in den ursprünglichen Naturwald, der die größte Vielfalt besitzt und wo verständlicherweise bevorzugt Blumen, Hummeln und Vögel wohnen. Nach gut zwei Stunden sind wir wieder am Auto und da wir "nur" durch den weniger schönen Teil des Parks gelaufen sind müssen wir auch keinen Eintritt zahlen. Man entschuldigt sich schon fast für den unschönen Anblick der langweiligen Pinien in Reih und Glied.
Für den Nachmittag haben wir vom Wirt eine handgezeichnete Karte für eine Fahrt zu den beiden Vulkanen Tolhuaca und Lonquimay bekommen. Dank genauer Kilometerangaben kann also nichts schiefgehen. Bei Km 5,1 biegen wir vom geteerten Camino internacional auf einen Weg nach rechts ab und finden uns kurz darauf auf der bisher schlechtesten Piste Chiles.
Bodefreiheitstest Carpintero negro
Ab Km 16,7, direkt hinter einer staatlich geförderten Fischfarm, wird es sogar noch schlimmer. Wir rumpeln über eine Art felsigen Trampelpfad der gerade Platz für unser Auto bietet, bis zu einem geschlossenen Tor. Wir lassen uns von dem Schild "camino privado" nicht abschrecken und passieren. Rechts und links schaben und kratzen Bambustriebe und Brombeerhecken am Auto entlang, die selbst auf den Scheiben feine Linien hinterlassen, an den Lack wollen wir lieber nicht denken. Bald ist selbst der erste Gang ohne Gas zu schnell, wenn wir nicht ständig aufsetzen wollen. Wir schalten schließlich in die Untersetzung und rechnen uns aus, wie lange wir auf diese Weise für die restlichen 8 km brauchen. An einer Steigung werden wir rechts von einer Hummel und links von einem Schmetterling überholt. Danach wälzt sich gemächlich unsere eigene Staubwolke vorbei. Also lieber Fenster schließen und Klimaanlage einschalten, immerhin entdecken wir bei diesem Tempo einen hämmernden Carpintero (Specht).
erster Blick auf den Lonquimay Araukarienwald und Laguna Blanca
Irgendwann erreichen wir doch noch den Abzweig und der Weg wird ein wenig besser. Der Wald lichtet sich und links thront der Vulkan Tolhuaca mit seinem zerfetzten Kraterrand auf 2806m. Darunter hängt ein Gletscher und dessen Abfluss speist die Laguna Blanca, auf die wir nun, araukariengesäumt, einen tollen Blick haben.
Escorial del Diablo Lavadünen
Noch ein paar Kurven weiter und wir sind auf dem Escorial del Diablo, der Teufelshalde, und genauso sieht es hier auch aus. Wir sind direkt in der Zielgeraden der Lava des Vulkans Lonquimay (2865m), man erkennt diverse Schichten aus verschiedenen Ausbrüchen. Genau zwischen den beiden Vulkanen, die immer noch als aktiv gelten (der letzte Ausbruch des Lonquimay fand 1988 statt -> Crater Navidad), fühlt man sich doch etwas unbehaglich, zumal der Krater des Lonquimay ganz nah scheint. Hier ganz in der Nähe soll ein Luxushotel mitten in der "Wildnis" entstehen, ein deutsches Projekt, das uns ein wenig gewagt erscheint. Allerdings sind im Fall eines Ausbruchs die Logenplätze garantiert.
das Ende der Lavahalde
Die Aschepiste ist nun um einiges besser und wir erklimmen ein paar Serpentinen, und nähern uns immer mehr dem Vulkankegel. Dahinter erwartet uns das Ende einer weiteren großen Lavazunge, die uns relativ neu erscheint und neben der das Auto doch eher klein wirkt.
Ann mit Vulkan der Lonquimay zum greifen nah
Noch ein paar Kurven weiter ist ein Stück des Wegs abgerutscht und wir parken, um zu Fuß noch ein bißchen weiter zu laufen. Hier hat man einen schönen Blick auf ein von Araukarien eingerahmtes Tal, und erkennt neben dem Lonquimay den Krater Navidad, den wir vor fast einem Jahr schon einmal genau von der anderen Seite aus gesehen haben.
Lavafelder des Lonquimay
Wir kehren um, noch einmal zum greifen nah am Kegel des Lonquimay vorbei, und fahren zurück bis zum Abzweig der Laguna Blanca. Auf den wenigen hundert Metern bis dorthin erwartet uns ein äußerst schlechtes Stück Weg, aber da wir unser Auto noch nie so ausgiebig auf Bodenfreiheit und Geländegängigkeit erprobt haben, wollen wir es wissen. Ich schlendere voran um den Zustand zu prüfen und Markus schleicht im Schneckentempo hinterher. Die herumliegenden scharfkantigen Lavabrocken sind auf Dauer der sichere Reifentod. Ein paar Fetzen hängen mittlerweile auch schon von unseren herunter.
Laguna Blanca Fußbad unter dem Vulkan
Endlich sind wir da, parken im Schatten und laufen zum See, wo wir picknicken und kurz erwägen, schwimmen zu gehen. Das Wasser ist gar nicht so kalt, dafür aber der Wind. Außerdem lädt der Strand aus Lavabrocken auch nicht gerade zum Baden ein, also beschränken wir uns auf das Abkühlen der Füße. Dann machen wir uns auf den Rückweg, die Anderose ist zwar nur etwa 25km entfernt, dafür benötigen wir aber fast zwei Stunden. Dort angekommen liegen wir noch ein bißchen im Liegestuhl, bevor es Essen gibt, und unterhalten uns mit den anderen deutschen Touristen.

Sonntag

Wir schaffen es, früh aufzustehen und kommen um kurz nach 9 los. Auf dem Rückweg zur Ruta 5 wollen wir noch den Nationalpark Tolhuaca besuchen. Bei dem für den sonst regnerischen Süden ungewöhnlich heißen Sommerwetter wollen wir lieber so spät wie möglich losfahren und hier noch das schöne Wetter ausnutzen. Der Park ist zwar nach dem Vulkan benannt, liegt aber ein ganzes Stück weiter westlich. Nichts erinnert an Lava, hier gibt es nur dicht bewaldete recht steile Hügel.
Salto de la Culebra spärlicher Wasserfall
Der uns empfohlene Wanderweg führt zunächst zum Salto de la Culebra, der momentan aber nur verschämt dahinplätschert, so wenig hat es in letzer Zeit geregnet. Dann geht es gleich steil bergauf durch dichten Wald, bis wir nach etwas über einer Stunde erst an einen schönen Aussichtspunkt über die Wälder und den Lago Malleco am anderen Ende des Parks kommen, und dann an die Laguna Verde.
Aussicht ins Tal zwei Blümchen
Der einzige Picknickplatz ist von einem Zelt belegt und wir schlagen uns auf einem überwucherten Pfad durch die Büsche, bis wir einen umgestürzten Baumstamm im Schatten finden, wo wir eine Weile sitzen und den Blick genießen.
Laguna Verde in voller Pracht
Gut, dass wir so früh unterwegs waren, allmählich kommen immer mehr Wanderer hier oben an. Der Rückweg ist um einiges schneller, da es nur bergab geht. Zurück am Auto machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Picknickplatz.
Laguna Verde unser Picknickbaum
Einige Kilometer weiter liegt der Camping- und Grillplatz des Parks, für den wir Eintritt zahlen müssten, wir finden aber auf dem außerhalb gelegenen Gruppenzeltplatz ein schattiges Plätzchen. Wegen der Sommerferien sind sogar einige Zelter unterwegs, obwohl uns der Übernachtungspreis von 8000 Peso (11 Euro) abschrecken würde, das ist für Chile richtig teuer. Nach einem Mittagschläfchen raffen wir uns auf und packen ein. Es ist schon später Nachmittag und wir haben noch 650 km vor uns.
Auf dem Heimweg beschließen wir, im etwa halbwegs bei Quillón gelegen Casino Familiar einzukehren. Das Casino wurde 1984 von der ehemaligen Colonia Dignidad eröffnet, die sich heute Villa Baviera nennt und mit den damaligen Zuständen wohl nichts mehr zu tun hat. Das scheinbar originale Freistaat Bayern Schild ist vorsichtshalber hinter Glas angebracht.
Willkommen in Bayern Freistaat Bayern mitten in Chile
Trotzdem wirkt hier alles wie aus vergangenen Zeiten übrig geblieben und die Mitarbeiter haben einen ziemlich deutschen Akzent. Auf der Speisekarte gibt es unter anderem einige deutsche Klassiker, und so bestellen wir Gänsebraten mit Sauerkraut. Die Kellner tragen Trachtenimitationen und sind bemerkenswert aufmerksam und organisiert.
altmodische Liegestühle Markus mit langvermißtem Erdinger
Von hier aus kann man sich sogar im Kleinflugzeug auf das Gelände der ehemaligen Colonia Dignidad fliegen lassen. Dort wird heute Turismo del campo angeboten, mit Übernachtung, Grillplätzen, Reittouren und Fahrten über das Gelände im Unimog. Wir kaufen noch selbstgemachten Apfelsaft und beeilen uns dann zurück auf die Ruta 5. Kurz nach Mitternacht sind wir endlich zuhause.

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