27.8.-2.9.: Helsinki und Inselhüpfen in Åland

Eigentlich wollten wir ja gar nicht nach Helsinki. Aber da wir nun einmal hier vorbeikommen, kann man die Hauptstadt auch nicht einfach außer Acht lassen. Außerdem haben wir schönes Wetter. Wir fahren vormittags mit der Metro (große Aufregung bei Clara) in 18 Minuten direkt zum Hauptbahnhof und schlendern zum Markt, wo wir Mittag essen. Leider sind die Stände und auch die Preise hier doch viel touristischer als in Joensuu, und eben jene kehren hier auch nur ein. Es gibt allerdings noch die Zeltcafés zwischen den Ständen als Besonderheit, und hier trinken wohl auch Finnen ihren Kaffee, wir übrigens ganz leckeren von "Presidentti". Clara besteht auf einen ebensolchen Papp-Henkelbecher für ihren Kakao, da kann sie jetzt ziemlich starrsinnig sein, ihr toller Plastikthermobecher wird strikt abgelehnt.


Danach statten wir der Markthalle einen Besuch ab und kaufen noch eine Tüte Backwerk als Nachtisch. Da uns das Boot nach Suomenlinna gerade vor der Nase wegfährt schauen wir uns noch ein bißchen die Straßen und kleinen Läden hinter dem Marktplatz an, bis es losgeht. Suomenlinna ist eine riesige Festungsinsel, auf der man historische Gebäude und neue Cafés, Parks, Gallerien und Läden abbummeln kann, nebenbei ist es auch Unesco Weltkulturerbe. Da Clara mal wieder keinen Mittagschlaf halten konnte und auch Markus allmählich die Füße weh tun, schauen wir uns nur einen Teil der Insel an und treffen auf dem Rückweg zum Boot sogar noch 2 Chilenen aus Punta Arenas.


Eigentlich macht die Stadt einen ganz netten Eindruck, nicht zu groß und gut zu Fuß zu erlaufen. Aber mit 2 kleinen Kindern ist das einfach zu anstrengend, da müssen wir wohl noch einmal wiederkommen. Bis wir mit Boot und Metro wieder zurück sind, ist es schon reichlich spät und wir müssen leider noch einkaufen, da wir nichts mehr zu essen haben. Clara gerät an ihre Unberechenbarkeitsgrenze und man muß sie am besten sicher auf der Schulter parken, P schläft schon lange in der Trage. Der Campingplatz hat sich heute ziemlich geleert, auch hier ist wohl Saisonende. Nur die vielen Esten bleiben, die hier wohl arbeiten und günstig wohnen.


Morgens scheint die Sonne und wir haben keine Lust zum Packen, bzw. mal wieder keinen Plan. Nach einigem faulenzen im und vor dem Auto und auf dem Spielplatz, überreden wir die Tochter zu einem dringend fälligen Mittagschlaf, der aber hauptsächlich zur absoluten Geduldsprobe für den Vater wird. Bis sie einschläft, ist Paul oben mit mir meist schon wieder wach. Wir schauen uns anschließend den kleinen Badestrand an, der aber nicht sehr einladend ist, außer uns und einer Herde Wildgänse ist auch niemand hier. Also geht es nach einem weiteren Einkauf im angrenzenden Supermarkt mit Clara zum anderen Spielplatz des Campingplatzes, wo wir auf zwei weitere Elternzeitler mit 3 Töchtern treffen. Die jüngste und damit der Grund für die Elternzeit ist gerade mal 3 Monate alt und reist schon seit 6 Wochen durch Schweden. Wir tauschen uns fachmännisch aus, und diskutieren einmütig die Vorteile des DVD Players für die Rückbank. Auch die beiden reisen ohne Plan und mit einem 21 Jahre alten Reiseführer. Es wird schon ziemlich spät und ist damit Zeit fürs Abendessen. Heute geht es aber früher ins Bett, zumal Markus und ich vom gestrigen Stadtbummel mit Kindern auf dem Buckel noch etwas geschafft sind. Immerhin haben wir das Wetter und die fast sommerlichen Temperaturen nochmal ausnutzen können. In der Nacht wecken uns mehrfach die Züge der Wildgänse die pünktlich zum kühleren Herbstwetter die Reise in den Süden antreten. Jetzt klappen in Finnland endgültig die Touristischen Bürgersteige hoch, wie wir auf der nächsten Etappe sehen werden. Es wird Zeit abzureisen, nach Süden den Wildgänsen hinterher!

 
Abfahrt aus Helsinki und weiter geht es nach Åland. Auf dem Weg aus der Stadt fahren wir auf dem Ring bis fast ans andere Ende und besuchen das Landhaus dreier finnischer Architekten, das heute als Museum dient. Immerhin hier trifft man noch auf den ein oder anderen Besucher. Clara läuft souverän in ihren Plastiküberschuhen und begutachtet jeden Winkel des Hauses, besonders die Kinderzimmer. Dann gönnen wir uns noch einen Kaffee mit Pulla (Teilchen) und lassen Helsinki endgültig hinter uns.


Bis kurz vor Turku sind wir unentschlossen wie wir fahren sollen, da es einfach zu viele Möglichkeiten gibt. Man kann auf die Ålandinseln mit einer der großen Fähren fahren, die dort einen Zwischenstop nach Stockholm einlegen, oder die Schärenringstraße von Norden oder Süden fahren. Wir nehmen die südliche Schärenringstraße und stürzen uns recht ahnungslos ins Fährenvergnügen. Die scheinen auch nicht mehr so häufig zu fahren wie in der Saison und Åland ist wohl nur bei finnischen und schwedischen Touristen beliebt, denn unsere Reiseführer schweigen sich ziemlich aus. Alle Fähren sind auf der Ringstraße umsonst, die gehören netterweise auch zum finnischen Straßennetz.


Wir kommen ohne Probleme und mit nur 2 Fähren bis nach Galtby auf Kyrklandet, von wo aus die Fähre nach  Åland geht und lassen unterwegs noch einen Campingplatz links liegen der zwar einladend, aber auch schon geschlossen aussieht. Am Fähranleger der Ålandtrafiken stellen wir fest, daß die Fähre tatsächlich nur 1 Mal am Tag fährt, um 6:30 am Morgen! Wir überlegen, ob wir das überhaupt schaffen können und stimmen überein, daß es schon allein wegen dem Gepäck nur mit einem Bed&Breakfast möglich ist so früh an der Fähre zu stehen. Und das muss auch noch auf der selben Insel liegen, sonst schaffen wir es nicht. Wir rufen direkt auf der Fähre an und fragen den Kapitän nach einem Platz für Morgen. Nach einer längeren Belehrung, daß die Überfahrt bis auf die Hauptinsel sehr teuer sei (116 Euro), aber wenn wir zum Übernachten einen Zwischenstop einlegen, dann kostet sie wesentlich weniger (27 Euro). Dadurch soll wahrscheinlich der Tourismus angekurbelt werden. Wir beratschlagen uns noch einmal und machen uns auf die Suche nach einem B&B. Kyrklandet gibt in der Beziehung nicht viel her und 2 davon liegen auf der anderen Seite. Wir fahren zum nächstgelegenen, das sieht sehr vielversprechend aus, ist aber leider ausgebucht. Wir werden um die Ecke verwiesen, haben aber auch dort kein Glück. Ann steht dort im Haus und wartet: das Radio läuft, der Computer ist an und der Kaffe dampft noch in der Tasse, aber keiner da (aufs Klo wollte sie nicht schauen). Wir rufen die Nummer an der Haustür an, sie sind aber ebenfalls ausgebucht und verweisen uns an ein gelbes Haus 500m die Straße runter. Wieder ist niemand vor Ort, aber im Nachbarhaus bekommen wir die selbe Antwort: Ausgebucht!
Also zur letzten Station, es handelt sich um ein ziemlich neues Resorthotel. Uns begrüßen 6 nackte Männer, nur mit Handtuch bekleidet vor der Rezeption stehend. Wenn Finnen aus der Sauna kommen sind sie ziemlich ungehemmt! Wir bekommen ein Zimmer für gerade mal 90 Euro, müssen aber leider das Frühstück fahren lassen da um 5:45 noch keiner da ist.


Da wir inzwischen alle ziemlich k.o. sind, gehen wir einfach ins Restaurant und essen dort. Clara zeigt aber schon deutliche Schlafdefizite und Aufregungserscheinungen und wir sind auch recht müde. Kaum im Zimmer drehen die beiden Kleinen auf dem ungewohnt großen Bett kräftig auf und auch die kollektive Dusche kann sie nicht so recht stoppen (normalerweise ist eine warme Dusche für Clara und Paul ein zuverlässiger "Ausschalter"). Clara braucht noch ewig bis sie endlich Ruhe gibt in ihrem Zelt und der arme P ist auch sehr unruhig. Wir richten alles für morgen, damit wir die Sachen nur noch ins Auto werfen müssen und stellen den Wecker auf unglaubliche 5:15 Uhr.
Paul schläft in der Nacht eigentlich so gut wie gar nicht. Das Hotelzimmer hätten wir uns an sich sparen können und den P tragend draussen übernachten können. Er ist so ziemlich alle Stunde wach und lässt sich nur schwer wieder hinlegen. Als der Wecker losgeht fühlen wir uns wie gerade erst ins Bett gegangen. Immerhin sind alle geduscht und Clara hat gut geschlafen. Frühstück fällt für die Eltern aus, Clara bekommt eine Milch und Paul auf der Fahrt ein Gläschen. Die Sonne traut sich gerade erst über den Horizont und wir sind die einzigen die unterwegs sind, von ein paar Rehen abgesehen die uns ungläubig aus den Feldern anstarren. Markus entdeckt eine Elchkuh, die ruhig auf einer Wiese steht und erst argwöhnisch wird als wir umdrehen um sie genauer anzuschauen. Sie bleibt ungewöhnlich lange stehen und geht erst weg als ihr Kalb zu ihr zurück läuft, das hatten wir im Gras gar nicht gesehen. Da hat sich das frühe Aufstehen doch schon gelohnt, haha!


An der Fähre angekommen stürzt sofort der Einweiser auf uns zu, der hat wohl schon gewartet auf die einzigen Ausländer. Er fragt uns nochmal, ob wir bis zum letzten Hafen fahren wollen, wir haben uns die Karte aber in der Nacht nochmal angeschaut und nehmen lieber die vorletzte Insel. Die hat noch eine 2. Fährverbindung zur Hauptinsel und kostet nur 13 Euro. Wir lösen also nur bis Överö auf Föglö und kommen mit dem günstigen Tarif weg. Vor uns stehen noch 3 LKW und wir haben nach einem Blick auf die Fähre so unsere Bedenken ob wir da überhaupt noch drauf passen, aber alle kommen mit.
Auf der Fähre haben wir Pech und alle Sofaecken sind schon belegt. Das soll sich rächen da man dort am besten schlafen kann, was alle anderen Passagiere auch gleich tun. Clara hält es auch nicht mehr lange aus und legt sich nach dem Frühstück eines belegten Brötchens mit Spiegelei, Wurst und Salat hin. Allein die Wurst hat gut 100g pro Brötchen, es reichen 2 um die ganze Familie für die Überfahrt zu ernähren, dazu kommt der obligatorische Kaffee. Clara belegt eine Seite unseres Tisches zum Schlafen und Markus nimmt Paul, damit die arme müde Mutter noch eine halbe Stunde Schlaf findet. Das ist nicht einfach, da die Fähre immer wieder wilde Zacken fährt und dabei der ganze Schiffskörper in die Schräglage gerät. Die Aussicht auf die Schärenlandschaft ist aber auch ein Grund warum man nur schlecht in den Schlaf findet. Das Meer ist übersäht von kleinsten bis Mittelgroßen Inseln. Teilweise mit kleinem Wald und einer Hütte drauf. Die Fähre muss im Zickzack um das ganze herum und fährt dabei einige Male ziemlich nah an den kleinen Inseln vorbei.


Laut Fahrplan sollen wir um 10:30 ankommen. Um 10:20 wacht Markus von seinem Kurznickerchen auf und verbreitet Hektik, die Ladeluke geht schon auf und wir sitzen immer noch oben und unsere Siebensachen (mehr waren es wirklich nicht) sind weit entfernt von gepackt. (Anm. Ann: bei soviel Schlafmangel kann mich das heute nicht mehr aus der Ruhe bringen). Wir hetzen mit Kindern und Rucksäcken unterm Arm zum Auto und sitzen gerade so drin als die ersten schon rausfahren. Doch die 2 Lieferwagen vor uns bewegen sich nicht und wir kommen nicht raus. Markus schaut raus und stellt fest, daß wir gar nicht im richtigen Hafen sind... und der Pott einfach Verspätung hat. Jedenfalls sind jetzt alle wach und wir können die restlichen 30 Minuten auf dem Schiff nutzen um uns über die Insel in einem eigens zusammengestellten Ordner kundig zu machen.
Wir verlassen die Fähre und fahren die einzige Straße der Insel. Da es schon gegen Mittag geht und das Frühstück für unsere Verhältnisse doch recht früh war, überlegen wir ob wir eine kurze Pause einlegen. Da der Campingplatz aber nicht mehr weit ist, direkt hinter der nächsten Fähre, wollen wir erst dort zu Mittag essen. Das war übrigens eine gute Idee da, die Fähre nur für 35 Minuten nach Anlegen der großen Fähre in Betrieb ist. Danach muss man sie per Knopfdruck anfordern und wir können uns vorstellen, wie der Fährmann 15 Minuten entfernt wohnt, erst seinen Kaffee leer trinkt, seine Uniform sucht, dann den platten Reifen seines Fahrrads aufpumpen muss... die Überfahrt dauert nur etwa eine Minute, da man fast eien Stein nach drüben werfen könnte.
Der Campingplatz ist verlassen, an der Rezeption hängt ein Zettel das er bereits zu hat und wenn man trotzdem übernachten will dann soll man zwecks weiterer Instruktionen anrufen. Wir essen also nur gemütlich unser Mittagessen, lassen Clara ein wenig rumrennen und machen uns dann auf den Weg zur Hauptinsel. Eigentlich schade, daß die Inseln schon im Winterschlaf versinken, denn es ist wirklich schön hier.
Auf dem Weg studieren wir die Wettervorhersage und es ist wieder eine "steife Brise" angesagt, die kennen wir aus Norwegen und entscheiden uns auf der Wind abgewandten Seite der Insel zu übernachten. Doch erst ist noch eine allerletzte Fährfahrt für heute nötig. Wir überbrücken die Stunde warten mit Einkaufsbummel im einzigen Inselladen und Kinderlüften (Ann) und schlafen im Auto (Markus). Die Fähre soll eigentlich 13 € kosten, aber niemand kassiert. Da wir die einzigen Ausländer sind haben sie sich den Aufwand bestimmt gespart und die Einheimischen dürfen umsonst fahren. Wir sind so verwirrt ob der Anzahl der Fähren, daß wir gar nicht mehr nachfragen. Einen Kaffee weiter treffen wir auf der Hauptinsel ein, P hat überhaupt keine Lust mehr zu fahren, da der Schlafmangel allmählich Nachwirkung zeigt, und so sucht Markus einfach einen Campingplatz aus, der dank Dauercamper geöffnet ist. Außer uns gibt es nur 2 weitere bewohnte Wagen und so haben wir die Küche und alles andere mehr oder weniger für uns allein. Ann pilgert mit P zum Anmelden im Konferenzzentrum 500m die Straße hoch und wird gleich gefragt, wieviele Duschen auf die Waschkarte geladen werden sollen. Da wir letzte Nacht im Hotel wenigstens alle die Dusche ausgiebig genutzt haben, ist es ihr leicht peinlich zu sagen, dass wir keine brauchen. Wir hängen ein bißchen ab, schlafen (C+P) oder dösen (M+A) ein bißchen vor uns hin, dann ist es auch schon Zeit zu essen. Wir kochen in der Küche und essen seit langem das erste Mal wieder draußen in der Sonne. Danach ist Zapfenstreich für die Kinder, die mehr oder weniger widerspruchslos einschlafen, weit vor der Zeit. Leider können wir den langen Feierabend nicht genießen sondern gehen heute auch früh ins Bett, der Tag war lang und keiner weiß wie die Nacht mit dem P wird.


Überraschenderweise haben alle gut und ausgeschlafen, Paul schläft sogar bis 9 Uhr, als wir anderen schon lang wach sind, und ist ziemlich gut drauf. Heute ist übrigens Hochzeitstag, Markus hatte sich Erinnerungen im Kalender gestellt und ich habe es total vergessen (gestern wußte ich es aber noch!). Wir frühstücken gemütlich und warten auf den Regen, der für den Vormittag angekündigt ist. Dann wird Markus hektisch und meint sich zu erinnern, daß wir gestern den Plan gefasst hätten, heute die Fähre nach Schweden zu nehmen. Ich erinnere mich da anders, aber da das Wetter die nächsten Tage nicht Outdoor-fähig ist, packen wir also. Eine Stunde vor Abfahrt (der Anleger ist gleich um die Ecke) stehen wir eingebucht in der Reihe und warten. Wir picknicken im Auto, da keiner mehr Lust hat bei dem Wetter raus zu gehen. Dann geht Markus mit den beiden zu Fuß über die Gangway und ich fahre den Karle ins Schiff, wobei ich feststelle, daß unser Auto das höchste in der Schlange ist und die Frau bei der Buchung sagte, daß es nur 2,40 hoch sein dürfe, aber wir haben ja noch die Dachbox. Der Einweiser schaut und winkt nur gelangweilt, ich warte jeden Moment darauf stecken zu bleiben und dann paßt es doch. Wir treffen uns im Schiff und gehen auf Erkundung. Viel gibt es nicht obwohl die Fähre recht groß ist. Auch der Dutyfreeshop gibt nicht viel her, aber im Café finden wir ein Kinderspielzimmer, damit sind 50% der Brut beschäftigt, die anderen 50% schlafen und die Eltern können entspannen. Die 2 Stunden scheinen uns ziemlich lang und wir sind froh, als wir zu den Autos können. Drüben sieht alles schon viel schwedischer aus und so grün, als hätte es hier nur geregnet. Wir lassen Grisslehamn gleich hinter uns und nehmen Kurs auf Stockholm, daran wollen wir heute mindestens noch vorbei. Eigentlich eine kurze Etappe, aber leider geraten wir mitten in einen elend langen Stau, es ist dummerweise auch Freitag nachmittag, aber das ließ sich nicht ändern. Trotzdem schleichen wir bestimmt 40km im ersten Gang dahin und es wird einfach nicht besser. Der einzige Campingplatz von dem wir wissen, liegt genau hinter dem Stauende. Uns fällt noch ein, daß wir gar keine Kronen haben und steuern ein Einkaufszentrum an. Kronen gibt es, aber keinen einzigen Supermarkt, dabei ist es schon spät und wir haben nichts mehr zu essen. Also weiter, die Kinder sind verständlicherweise genervt, Clara kann man mit DVD, Musik und Früchteriegeln im Zaum halten, aber der P ist müde, hungrig und äußerst schlecht gelaunt.


Plötzlich löst der Stau sich in einer vorgetäuschten Baustelle auf, nicht ohne vorher noch "aus 2 mach 1 Spur" zu spielen und nach einer Brücke gibt es plötzlich weder Baustelle noch Stau, und weiterhin 2 Spuren - als wäre nie etwas gewesen! Unsere Laune wird dadurch auch nicht gesteigert, daß der Campingplatz zwar da aber zu ist. Er steht fast komplett unter Wasser und die Rezeption hat ausgerechnet heute schon um 16 Uhr zu. Niemand ist aufzutreiben und auf dem Rückweg zum Auto legt Markus sich auf dem rutschigen Weg mit Clara und dem Schirm auf den Schultern fast noch hin. Ich bin eigentlich gegen Hotelübernachtungen, da der P die Aufregung immer so schlecht verträgt, aber es bleibt uns wohl nichts übrig. Mittlerweile ist es stockdunkel und dank Zeitumstellung noch später als sonst. Das nächste Hotel findet sich in Nyköping und ist ein Best Western. Markus fragt nach dem Preis und ist eigentlich nicht bereit, 160 Euro zu zahlen. Nach weiterer Nachfrage kann er das Zimmer anschauen und immerhin ist es richtig groß und Frühstück, Internet und Schwimmbad sind dabei. Also rein, nochmal zurück in den Maxicosi verträgt Paul bestimmt nicht und ich will endlich ankommen. Clara schläft wieder im Zelt, Paul in der Ritze und wir gönnen uns noch ein feudales schwedisches Öl (Bier). Bei der Aufregung eines Hotelzimmers sind beide Kinder kaum zum schlafen zu bringen, aber das kennen wir ja schon. Dank Zeitumstellung sind es nun doch "erst" 22 Uhr, als beide schlafen. Markus legt sich gleich daneben und ich surfe noch ein bißchen im Internet.


Clara verkündet aus dem Zelt, daß sie schon ausgeschlafen ist (7 Uhr schwedisch = 8 Uhr finnisch) und so geben wir auch auf, denn Paul hat sie mit ihrer Ansage gleich mit geweckt. Samstags gibt es auch schon ab 7.30 Frühstück und wir sind wie zu erwarten die Ersten. Das macht aber nichts, so haben wir das ganze gute Buffet für uns und stören niemandem mit Claras aufgeregten Buffetrundläufen und Pauls Gekrähe. Als nächstes erscheint eine Familie mit 2 etwas älteren Kindern, die durften wohl auch nicht ausschlafen. Nach einem ausgedehnten und üppigen Frühstück verlagern wir uns mit Kaffee in die Kinderspielecke und Clara ist erstmal beschäftigt, während der P die Aufregung mit einem Nickerchen ausgleicht. Danach nehmen wir den Hotelpool in Beschlag, denn wir haben Clara schon seit Reisebeginn versprochen, daß sie ihre Schwimmflügel ausprobieren darf. Leider ist der Pool auch nur unwesentlich wärmer als die Ostsee. Clara ist nicht zu bremsen, es ist einfach unglaublich, wie sich der Aufgeregtheitspegel noch steigern kann, aber der Anblick des Pools und der Wasserspielzeuge sind einfach zu viel. Ich muß sie einfangen und nachdrücklich in die Umkleide schleifen, um sie wenigstens schwimmfertig zu machen. Während Paul dann recht abgeklärt und nur ein wenig skeptisch wegen dem kalten Wasser bei Markus auf dem Arm sitzt, hat Clara plötzlich Respekt vor dem Wasser, das gibt sich aber etwas mit der Zeit. Als wir endlich alle geduscht und angezogen und gepackt im Auto sitzen (leider läßt das Wetter keinen Gebrauch der Boulebahn und des Spielplatzes zu), ist es noch nicht einmal 12 Uhr! Da haben wir heute aber eine positive Zeitreise gemacht! Dank der schwedischen Autobahnen kommen wir fix voran und beide Kinder schlafen sich erst einmal aus. (Den Eltern wird das ja frühestens zuhause vergönnt sein.) Um ähnliche Übernachtungsnotstände wie gestern zu vermeiden steuern wir heute schon früher einen Campingplatz an. Der erste am südlichen Ende des Vätternsees sieht im Internet vielversprechend aus, (aber das tat der von gestern auch) ist aber auch größtenteils verlassen, zu weit weg vom See und überhaupt in einer etwas zweifelhaften Gegend. Wir beschließen weiter zu fahren und erst einmal Essen zu kaufen. Ein Maxi-ICA Supermarkt kommt da genau richtig. Allerdings ist der Maxi eher ein Giga, denn er ist so groß und auch voll, daß wir schon völlig überfordert sind. Paul tut das einzig richtige und schläft in der Trage ein und ich verliere Clara bei der Babynahrung, da ich auf der falschen Regalseite suche und sie auf der anderen schon von 2 Verkäuferinnnen betüdelt wird. Allerdings habe ich Clara schon öfter in skandinavischen Supermärkten kurzfristig aus den Augen verloren, habe sie aber immer sofort am Geheul lokalisieren können, hier war es aufgrund der Fülle an Leuten aber einfach zu laut.   
Wir fahren weiter und picknicken bei der nächsten Gelegenheit, bevor wir den heutigen Campingplatz ansteuern, der vielversprechend inmitten einer guten Wohngegend an einem kleinen See liegt. Leider hat die Rezeption schon um 16.30 Feierabend und ein Zettel besagt, man solle sich installieren und bei einem Nachbarn die Klo-/Dusch-/Wasser-/Küchenkarte ausleihen. Falls man denn zu dieser Nebensaison noch Nachbarn hat! Da es heute aber keine Alternative gibt, bleiben wir und finden immerhin einen Wasserhahn und können unser Kabel beim Nachbarn glücklicherweise unter den eigentlich abgesperrten Stromkasten zwängen. Da die Sonne scheint hängen wir ein wenig auf der Wiese am See ab, Clara ist da beschäftigt, bis es kühl wird (der Sommer ist auch hier einfach vorbei). Zum Essen gibt es kalte Küche, da keiner nach dem späten Picknick Hunger hat und Markus sich etwas angeshclagen fühlt. Kochen könnten wir sowieso nicht, da wir Hemmungen haben, wegen jedem Pipigang etc. irgendwen nach der Karte zu fragen. Das heben wir uns lieber für die wirklich wichtigen Gänge auf. Wir gehen alle recht früh ins Bett, da Paul in der letzten Zeit nicht gut schläft können wir jede Stunde gut gebrauchen. Außerdem ist es hier unten schon ziemlich früh stockdunkel, nur merkt man, daß man im dichtbesiedelten Schweden ist, denn das ganze Seeufer ist mit Lichtern bevölkert. 


Zum Glück kann Markus von den Nachbarn die Zweitkarte leihen, denn morgens sind für alle diverse Gänge nötig. In der Nacht hat es entgegen der Vorhersage angefangen zu regnen, also Abfahrt, hier bleiben wir nicht, obwohl der Platz ganz schön ist. Bis wir gegen 11.30 abreisen ist noch niemand von der Rezeption aufgetaucht, obwohl die ab 8 Uhr besetzt sein sollte, aber wohl nicht sonntags. Da wir sowieso etwas pikiert waren, als zahlungswillige Camper vor sämtlich verschlossenen Türen zu stehen, haben wir also kein schlechtes Gewissen, ohne weitere Kontaktaufnahmeversuche abzureisen. Auch heute kommen wir ungewohnt schnell voran, in zwei Stunden machen wir mehr Strecke als an manchen Fahrtagen in Norwegen. Allerdings ist es auch weniger malerisch.  Paul will heut enicht recht schlafen und ist ziemlich unwillig, also machen wir einige Extrastops, den ersten zufällig an einem Gasthaus, wo man geräucherte Fische, Elch-, Ren- und Bärenfleisch kaufen kann (nebenan ist ein Elchpark, vielleicht werden da hin und wieder einige ausgemustert?). Später halten wir an einer Tankstelle, an der Clara sich als Reifenventilbedienerin und Scheibenwäscherin betätigt. Da das Wetter sich einfach nicht bessert nehmen wir kurzerhand die Brücke über den Öresund, vielleicht ist Dänemark noch wärmer und sonniger! Wie immer planlos, jetzt ohne dänische Kronen (dafür mit einem Sack voll schwedischer und norwegischer), Campingführer oder Karte sucht Markus im Internet einen Campingplatz und wir finden einen in einer wirklich malerischen Gegend mit vielen kleinen alten Gutshöfen mitten auf dem Land. Clara bekommt noch einen ausdauernden Wutanfall, da sie wegen verschiedener "Delikte" keine DVD mehr schauen darf (erst heute Abend), worüber die restliche Fahrt etwas anstrengend wird. Der Campingplatz entpuppt sich als riesige Camp-Freizeit-Maschinerie, schön am Meer gelegen und mit allem, was sich Kind und Camper so wünschen. (Hier stehen bestimmt noch 200 Wohnwagen und wir freuen uns zunächst, das man in Dänemark auch außerhalb der 3 Sommermonate campt, aber dann stellen wir fest, daß alle heute am Sonntag Abend nach Hause fahren und wir doch wieder nur mit wenigen hartgesottenen zurückbleiben.) Wir bekommen einen riesigen Stellplatz auf dem unser Karle recht verloren wirkt und begutachten gleich mal Spielplatz, Servicehaus mit Kinderbad (das läßt Claraherzen höher schlagen, bei dem Anblick muß sie sofort Pipi) und vollausgestattete Küche wie im Showroom, sowie Strand, zu dem unser eigener Trampelpfad führt, und den Abenteuerklettergarten. So wird es schnell wieder spät und ich gehe kochen (in der Küche läuft sogar ein Fernseher mit englischen Sendungen, welch ungewohnte Zivilisation - und das Beste ist: ich muß ihn weder mit Clara noch mit anderen Leuten teilen!) während Markus eigentlich das Vorzelt aufbauen wollte aber der P ihm einen Strich durch die Rechnung macht. So können wir den Rest des Pflichtprogramms erst erfüllen, als die Kinder schon in den Betten liegen und es draußen stockdunkel und fast Mitternacht ist. Nach finnischer Zeit ist es sogar schon fast 1 Uhr, irgendwas machen wir da falsch! Die Wettervorhersage meldet eigentlich Sonne und 20 Grad für die nächsten Tage, aber am späten Abend beginnt es leicht zu nieseln.