6.-12.8.: Dauercamping in Raahe

Morgens kommen wir nicht so richtig in Fahrt, haben uns für heute den Marktbesuch in Oulu vorgenommen und wollen die Kinder noch einmal richtig im Sand auslüften. Doch es kommt weder zum einen, noch zum anderen. Zunächst diskutieren wir (wie schon länger) mit Clara, warum sie nicht oben im Aufstelldach schlafen darf. Unsere Antwort ist immer, daß sie dann nur runterfällt und sich ensprechend weh tut (unkontrolliertes Hampeln und Hüpfen) oder schlimmeres passiert. Vom Arztbesuch mit Paul war sie schwer beeindruckt und will das lieber nicht. Heute sind wir aber kurz alle oben und Clara kommt als letzte runter, leider etwas zu schnell. Während ich den Paul an Ann weitergebe, fällt mir Clara schon in den Rücken und rutscht dann auf den Beifahrersitz weiter wo sie unsanft landet. Passiert ist nichts, aber es hat sie ziemlich erschreckt. Als positiven Nebeneffekt sind wir jetzt erst einmal die Diskussionen los. Der Tag fängt also schon mal gut an, und das noch vor dem Frühstück.
Dank des guten Wetters essen wir draußen im Zelt. Es ist sonnig, nur hat der Wind zugenommen und wird teilweise etwas böig. Das Zelt ist aber nur an 4 Heringen festgemacht und die stecken im Sand. Nachdem wir auf einen anderen Standplatz umgezogen sind wollte Markus noch ein paar mehr reinschlagen, da wir aber nicht wissen ob wir abbauen und dann in die Stadt gehen oder das Zelt stehen lassen, haben wir es nicht eilig mit dem "windsicher" machen. Das rächt sich umgehend, denn auf einmal fliegt uns, das heisst Ann, Markus wickelt gerade Paul, das Zelt um die Ohren. Ann läßt alles fallen und stürmt hinterher. Weit kommt es nicht, knirscht beim Aufprall unschön und bleibt ziemlich schief liegen. Wir schauen uns das genauer an, diagnostizieren 3 Beinfrakturen und sind erstmal stimmungmäßig ebenfalls am Boden. Wo bekommen wir jetzt in Finnland die 3 gebrochenen Stangen für das Vorzelt her? Ohne Vorzelt haben wir ein Raum-, Wetter- und Komfortproblem und müssen unsere Sachen nachts mit der Plane abdecken. Wir haben einfach zu viel dabei (zwangsläufig) um diese mit uns nachts im Auto unterzubringen. Markus macht erst einmal eine Liste der kaputten Teile, inklusive Bestellnummer bei Brandrup. Clara wird jetzt natürlich nicht mehr entsprechend ihres (gefühlt doch sehr schweren) Sturzes gehätschelt und darf auf dieser Liste NICHT malen. Sie schmollt erstmal und verlegt sich auf Paul ärgern.


Als Provisorium müssen also erst einmal die Stangen irgendwie ersetzt werden. Auf der Insel ist das schwer möglich, also ist Abfahrt angesagt, was wiederum mit Packen verbunden ist. Aus dem lockeren Tag wird nichts. Markus lässt noch die verbliebenen Rohrenden von den Bauarbeitern um die Ecke absägen, damit wir eventuell mit Holzstäben was basteln können. Dazu stört er diese bei ihrer Mittagspause, erklärt mit Händen und Füßen was genau gemacht werden muss und lässt die Späße in Finnisch über sich ergehen. Englisch oder Deutsch spricht niemand und Finnisch werden wir wohl nicht mehr lernen. Aber um 13:00 holt er die Teile ab und alles wurde so gemacht wie gewünscht.
Also alles ins Auto und einen Baumarkt suchen. Wir fahren zurück Richtung Oulu und haben erstmal Pech mit der Fähre. Sie fährt uns knapp vor der Nase weg. Wir nutzen die Wartezeit zum Paul stillen. Drüben finden wir schnell einen riesigen Bauhaus Baumarkt und Markus darf allein los, da Clara immer noch schläft. Er ersteht eine Vaatetanko und eine Pienotsmetallisaha (das zu finden ist gar nicht so einfach) für gerade mal 10 Euro gesamt und behauptet, damit könne man die Stangen wunderbar ersetzen. Und im Vorbeigehen ist ihm noch eine neue Fußmatte als Ersatz für die liegengelassene in den Wagen gefallen (Anm. Ann: leider in der Tarnfarbe grün auf grünem Rasen, mal sehen, wie lange die hält). Guter Dinge gehen wir in den großen Supermarkt um Proviant für die nächsten 3 Tage zu kaufen. Aus dem Einkauf wird ein langer Einkauf und wir kommen erst um 17:30 wieder raus und fragen uns mal wieder wo uns die Stunden abhanden gekommen sind (Anm. Ann: in Finnland existieren diesbezüglich Zeitlöcher, kaum liegen die Kinder gefühlt früh im Bett und wir jubilieren, stellen wir fest, es ist schon wieder 23 Uhr). Zum Glück sind es nur 50 Kilometer bis zum nächsten Ziel. Leider haben wir noch keinen Campingplatz im Visier. Ann recherchiert während der Fahrt und der Fahrer versucht aus den Verkehrsschildern schlau zu werden. Wenn man sich nicht auf einer großen Straße befindet, werden nur noch Nahziele angegeben und das sind oft Stadtviertel. Diese stehen wiederum nicht in der Karte und das GPS hat gerade leere Batterien. Außerdem haben wir immer noch die große Baedeker Skandinavien Karte und sind froh, daß der Ort überhaupt eingezeichnet ist. Aber trotz allem und mit ein paar Umwegen kommen wir am Campingplatz an. Die Kinder müssen direkt gelüftet werden und Clara versucht unsere italienische Nachbarin im gleichen Alter zum Fußballspielen zu überreden (Anm. Ann: ich versuche sie zu verkuppeln). Sie kann sie dafür aber nicht erwärmen und wird mit Händchenhalten und Pfützentreten abgespeist. Das findet Clara heute langweilig und so können sich die beiden nicht richtig einigen. Die Italienerin wird dann von ihrer Mutter reingerufen und Clara steht allein mit dem Ball da. (Am nächsten Tag bei Abfahrt der Italiener winken sich die beiden aber begeistert zu).
Markus hat unterdessen die 3 Stangen ersetzt und jetzt nur noch das Problem, einen abgebrochenen Rest Stange aus einer Eckverbindung zu bekommen, was er aber bis zum Essen nicht schafft und es deshalb auf Morgen verschiebt. Es gibt mal wieder Spagetti mit Lachs, der ist aber nicht so gut wie in Norwegen...Nach dem Essen wundern wir uns ein weiteres Mal in welchem Zeitloch die Zeit heute wieder geblieben ist und kommen wie immer spät ins Bett. Sollten wir jemals wieder zuhause sein, werden wir gar nicht wissen, wie wir die ganze eingesparte Zeit nutzen sollen! (Man bedenke jeder Klo-, Küchen-, Pipitopfausleer- und Wasserholgang dauert mehrere Minuten).


Nach dem Frühstück beginnt es zu tröpfeln und dann legt es richtig los. Ohne Vorzelt ist das ungünstig und Markus bereut schon, heute morgen um 1:00 nicht noch weiter gebastelt zu haben, es war aber schon stockfinster (Mitternachtssonne ade). Der Platz leert sich zügig, nur wir bleiben hier, da wir auf das Paul-Proviant-Paket von meinen Eltern warten, das postlagernd hierher geschickt wurde. Es regnet sich richtig ein und wir faulenzen im Bus. Keiner hat Lust, etwas zu tun und wir üben uns im Mittagschlaf, was ausnahmsweise auf allen Seiten gut gelingt.
Wir halten uns mit Essens- und Teepausen bei der Stange, spielen Spiele und Clara darf ausgiebig ihre Serien schauen. Als Highlight des Tages spielen wir unter den ungläubigen Blicken der Rezeption nachmittags im Regen eine Runde Minigolf, das hatte die Tochter sich gewünscht, ist dann aber ziemlich schnell fertig damit und überläßt es uns, die Runde zu beenden. Da wir eh schon nass sind, laufen wir noch eine Runde über den Platz und zum Ministrand (der Platz liegt direkt am Meer, was man aber durch die Schärenlandschaft nicht bemerkt), aber der Wind pfeift uns um die Ohren (zum Glück wird er weiter oben am Auto durch die Kiefern gebremst) und wir klappern noch ein paar Sammelstellen für Blaubeeren und Johannisbeeren ab, bevor es zum Pfannkuchenessen in die Küche geht. Noch nicht einmal zur Post haben wir es heute geschafft...


Die Wetterapp verheißt Besserung und tatsächlich hört es am Vormittag auf zu regnen, die Temperatur ist aber wieder auf den norwegischen Standardwert abgerutscht (12°C). Wir laufen in den Ort, der zum Glück nur eine halbe Clara-Fuß-Stunde entfernt ist und bewundern die fast komplett aus originalen Holzhäusern bestehende Innenstadt. Einzig die beiden "Einkaufstraßen" haben 70er Charme. In vielen Häusern steht ein Hundepärchen aus Porzellan im Fenster, das auch im finnischen Tourismusführer erwähnt ist, leider bleibt uns das sprachlich ein Rätsel. Die Post ist schnell gefunden, aber man benötigt dort die Paketnummer, die wir dummerweise vergessen haben. (An sich sollte in dieser kleinen Poststelle ein Paket aus Deutschland das einzige sein...) Wir kehren im Café nebenan ein und probieren erstmals das finnische Lounasbuffet, ein günstiges Mittagessen, hier für unschlagbare 7 Euro pro Nase, im Gegensatz zum viel teureren abendlichen Restaurantbesuch. Für den Nachmittag nehmen wir noch eine Runde Teilchen mit.

 
Am Platz halten wir wieder erfolgreich kollektiven Mittagschlaf, bis Paul alle außer Clara weckt. Markus nutzt die Gunst der Stunde und läuft nochmals zur "Posti", aber dort sagt man, daß man mit der deutschen DHL Paketnummer nichts anfangen könne. Das kann ja heiter werden! Wir sehen uns schon in einer Endlosschleife täglich in die Posti pilgern, auf immer gefangen in Raahe. Glücklicherweise ist der Campingplatz und alles nötige fußläufig, zudem ist er ganz schön, sauber und unschlagbar günstig mit 16 Euro pro Tag. Nicht auszudenken, wenn wir für jede Fahrt zur Posti das Auto umbauen müßten, und das auch noch ohne Vorzelt, denn das steht auch noch nicht. Als Tageshighlight grillen wir Würstchen in der platzeigenen Grillhütte, die sogar Holz bereithält, und Clara ist ausgelastet mit Feuermachen und Wurst am Spieß ins selbige halten. Um wenigstens einen Anschein von Ordnung und Pflichtbewußtsein zu wahren, waschen wir noch 2 Maschinen Wäsche, da hier auch die Waschmaschinen erfreulich günstig sind.


Das Wetter ist auf dem aufsteigenden Ast, leider nicht die Temperaturen. Wir sind wieder in der norwegischen 12-Grad-Falle. Aber Markus schafft heute das noch vor kurzem undenkbare: das Vorzelt steht wieder! Guter Dinge kümmern wir uns morgens noch ausgiebig um die Wäsche und laufen dann mit Clara auf dem Laufrad los. So ist sie bedeutend schneller, dummerweise muß man dafür auf dem Rückweg meist Tochter UND Laufrad tragen. In der Posti weiß man wieder von nichts und behauptet, ein DHL Paket müssen wir bei DHL erfragen. Das ist ja schlimmer als damals in Chile, da hatte es nach anfänglichen Schwierigkeiten immer ziemlich gut funktioniert mit den Paketen. Aber als ich das Wort "poste restante" fallen lasse, zucken sie immerhin verständnisvoll zusammen und suchen in einer anderen Ecke. Nach allgemeiner Konsultation der Listen ist aber leider immer noch nichts da. Damit benötigt das Paket schon mehr Zeit als das schnellste, das in Chile nach 8 Tagen ankam. Und das in Europa...
Wie gestern essen wir auch heute unseren Lounas im Café nebenan und da heute Donnerstag ist, gibt es echt finnische Erbsensuppe mit Senf (das hatte unser Reiseführer schon erwähnt). Als Nachtisch gibt es finnische Pfannkuchen, somit sind alle satt und zufrieden, als wir das Café verlassen und noch im Supermarkt einkaufen. Aufgrund der Uhrzeit ist Clara schon wieder müde und wir gehen heim, Laufrad, Tochter, Sohn und Einkäufe auf den Rücken gebuckelt... Elternzeit juchee! Nach einem Tee mit Kuchen und einer Runde fernsehen für die Tochter gehen Markus und Clara Blaubeeren sammeln und Paul und ich halten Mittagschlaf. Zum Abendessen gibt es heute nur kalte Küche und trotz aller guten Vorsätze klappt es wieder nicht mit dem frühen Feierabend.


Heute durchbrechen wir die Endlosschleife und machen einen Ausflug nach Oulu, den wir damals wegen des Zeltunfalls nicht haben machen können. Auf dem Weg ins Zentrum finde ich einige ungesicherte WLAN Netze, sodaß wir schnell einen Parkplatz suchen, um endlich den vorletzten Bericht hochladen zu können. Wir sind ja seit der Bärenrunde schon netzlos, also seit über einer Woche und bis wir hier wegkommen wird sich das auch nicht ändern. Wie sich später herausstellt, gibt es in ganz Oulu kostenlosen Internetzugang, der war aber für die Bilder zu langsam und wir haben zum Glück einen schnelleren gefunden. Danach schlendern wir zum Markt, auf dem hauptsächlich alle Arten von Beeren, Obst und Gemüse verkauft werden, an allen Ständen zum gleichen Preis. In der angrenzenden Markthalle gibt es das übliche an Fisch, Fleisch etc. und wir decken uns nach reiflicher Überlegung mit verschiedenen Piraakkas (Piroggen) ein, die wir am Ufer des Oulujoki essen, der hier ziemlich großräumig ins Meer mündet. Nach einem kurzen Spaziergang landen wir auf einem Inselchen mit Seemannsmuseum, in dessen Fenster ebenfalls die Raahe-Hunde stehen. Also hinein und dem Mysterium auf den Grund gegangen: stehen die Hunde mit Blick nach draußen ist Herrchen auf See, schauen sie nach innen, ist er zuhause. Sehr praktisch, auch für Liebhaber oder Einbrecher übrigens! Clara wird noch mit einem Eichhörnchen beglückt, daß sich verlaufen hat und nun im Museum ihr fast über die Füße läuft.


Die Innenstadt ist sonst nicht sehr beeindruckend und hat auch schon bessere Tage gesehen. Wir fahren weiter zum flußaufwärts gelegenen Teerbrenner-Freiichtmuseum, das in allen Reiseführern angepriesen wird und wundern uns schon über den fast leeren Parkplatz. Dabei ist, wie wir feststellen, freitags sogar freier Eintritt. Aber die Finnen haben heute anderes zu tun, denn das Museum liegt völlig verwaist da, außer ein paar Schafen und einer schnell flüchtenden Pilzsammlerin ist niemand da. Leider heben wir uns wir das Café für den Rückweg auf, nachdem wir zwar einige nette alte Gebäude besichtigt haben und dem Waldarbeiter-Fallenpfad durch das Unterholz gefolgt sind (inklusive Mückenplage, die haben sich geradezu auf uns gestürzt) aber das war ein grober Fehler, denn nun hat es schon zu. Clara spielt noch in einem Kinderhaus und ist untröstich, als es von dem bösen Mann auf em Fahrrad zur Schließung abgeschlossen wird.


Wegen entgangener Kuchen- und Spielfreuden pflücken wir uns noch Johannisbeeren aus dem Garten und kaufen am Eingang ein Säckchen Lakritz, daß sich aber schnell als ungenießbare Teerbrocken entpuppt. Ach ja, zum Thema Teer gab es hier außer einer alten Grube nichts zu sehen, da hatten wir uns etwas mehr versprochen, denn damals war hier das Teerbrennerzentrum schlechthin in Finnland. Etwas ernüchtert machen wir uns auf den Heimweg und stellen fest, daß der Status des Pakets sich auf "im Zielland angekommen" geändert hat (an Tag 7 nach Aufgabe), leider hat Posti aber für heute schon zu. Unterwegs kaufen wir noch etwas ein und grillen am Campingplatz wieder Würstchen am Stock, leider reicht Claras Geduld aber nicht für den gesamten Vorgang und stillsitzen ist heute überhaupt nicht ihr Ding. In letzter Zeit läuft sie abends zu Topform auf während sie tagsüber immer nur "MÜDE" ruft. Auch Paul ist hinüber, so gehe ich ihn schon mal ins Bett bringen und bekomme nachher noch ein paar Stücke der letzten Wurst beim Stillen ans Bett gebracht.


Die Sonne scheint und es ist schon 15 Grad warm! Nach dem späten Frühstück verfallen wir in Hektik, da wir nicht wissen, ob Posti nicht samstags schon um 12 schließt. Markus und Clara sausen mit dem Laufrad los, ich mit Paul hinterher, werde aber abgehängt. Als ich endlich an der Post eintreffe, stellt sich heraus, das diese heute GAR NICHT auf hat. Haben die finnischen Postibeamten es aber gut... Damit sitzen wir nun mindestens bis Montag hier fest. Immerhin kann uns das Touristenbüro einen Laden nennen, wo man die Seemannshunde kaufen kann. Mit je einem Eis und einer Ladung Piraakkas im Gepäck ziehen wir dorthin und finden sogar ein Pärchen. Da Clara mit Laufrad, Eis, Apfelsaftpäckchen und Mähmäh überfordert ist, bleibt alles bis auf das Eis und die Tochter wieder an uns hängen, im wahrsten Sinne des Wortes, und nach dem Laden sogar auch noch die Tochter. Komischerweise erwacht beim Anblick des Spielplatzes auf dem Heimweg ein bisher ungeahnter Energievorrat, der danach genauso schnell auch wieder verpufft. Immerhin lassen sich alle daraufhin wieder mehr oder weniger leicht zum Mittagschlaf überreden, leider ist Paul aber heute etwas unzufrieden, der kriegt bestimmt schon wieder Zähne, schlecht schlafen tut er schon seit einer Woche.


Am Nachmittag schaffe ich es endlich, Markus die Haare zu schneiden, die es mindestens seit dem Nordkapp dringend nötig haben. Aber bisher war nie Zeit, außer gegen Mitternacht, und da hatten wir keine Lust. In den letzten Tagen wurde es abends aber auch schon einfach zu dunkel, da wäre auch ein Mitternachtsschnitt schief gegangen, es sei denn, Markus hätte sich vor die Scheinwerfer gesetzt. Heute aber schlägt die Stunde (nachdem wir in Raahe mindestens an 7 Friseuren vorbeikamen aber nie die Gelegenheit hatten) und ich schnittere versehentlich gleich mal ein Stück Haut hinter dem Ohr weg. Paul fummelt auf seiner Decke im Klee und hat den auch gleich im Mund und Clara ist mit ihrer DVD im Mückenzelt versorgt.


Leider hält der Frieden nicht lange und wir packen Paul zu Clara um noch ein paar Minuten zu haben. Aber er ist heute nicht aufgelegt und so muß er bei Markus auf den Schoß und hat nachher mehr Haare auf den Klamotten als auf dem Kopf. Praktischerweise sieht man die abgeschnittenen Haare im Gras nicht, aber den ankommenden Wohnmobilen sind wir wohl doch suspekt, denn die fahren alle vorbei um sich am entgegengesetzten Ende des Platzes aufzustellen. Kaum sind wir fertig hat Clara wieder ihren Energieschub und wir schicken sie mit Aufträgen zwischen Auto und Küche (100m) hin und her. Aber auch nach dem Essen braucht sie noch eine ausgiebige Lüftung, bis sie endlich ins Bett zu bekommen ist. Der Feierabend beginnt heute schon um 22h, endlich mal wieder 2 Stunden Elternzeit!


Sonntag, und wir haben keine Lust mehr auf Raahe! Wir fahren nach dem Frühstück und einer größeren Ordnungseinlage unserer Schublade nach Süden, wollen dort eigentlich die angepriesenen Sandstrände in Kalajoki besuchen, aber heute morgen haben die österreichischen Radfahrer Markus von der 7-Brücken-Fahrt in Kokkola erzählt, das liegt noch ein Stück weiter im Süden. Egal, Hauptsache mal was anderes als Raahe, Posti, Lounas und Laufrad. Zunächst kaufen wir noch für die nächsten 2 Tage ein, wenigstens die Supermärkte haben sonntags ein paar Stunden geöffnet. In Kokkola suchen wir die 7 Brücken, oder zumindest eine davon, und finden schließlich nach einiger Ratlosigkeit eine Straße durch die Schären, die ganz hübsch ist und auch über mehrere Brücken führt, gezählt haben wir nicht. Auf gut Glück nehmen wir einen Abzweig und wundern uns mal wieder, warum mitten im August in Finnland wenn schon keine ausländischen auch keine einheimischen Touristen unterwegs sind. Nichts ist los hier in diesem Gebiet, das doch zumindest ein tolles Naherholungsgebiet wäre und das noch bei dem guten Wetter heute.


Der Weg wird wie so oft immer schmaler und endet schließlich an einem geschlossenen Museum und nicht mal ein Café finden wir. Irgendwann finden wir einen Abzweig zu einem Strand, der ist klein, menschenleer und es ist totenstill. Dafür ist er mit allem ausgestattet und wir fühlen uns, als hätten wir irgendwas verpaßt. Paul ist von einer Stunde ungewohnten Sandspiels total hinüber und fällt im Auto gleich in den Tiefschlaf (schon beim letzten Mal haben wir danach überall in seinem Body und der Windel Sand gefunden, dabei lag er nur auf der Decke!) Wir folgen noch den Schildern zu einem Restaurant, die enden an einem Parkplatz mitten in der Einöde und wir finden nur 4 Ruderboote. Es stellt sich heraus, daß man mit diesen zu einer Insel übersetzen muß, um dort das Restaurant zu suchen. Wir sehen davon ab, bei unserem Glück hat es sowieso zu und wir brauchen eine Ewigkeit um hin und zurück zu rudern. Also fahren wir heim, Paul schläft bis kurz vor Raahe und ist dann immer noch müde. Wir legen einen Spurt beim Kochen ein, ich schnippel mit Clara und Paul im Auto und Markus rennt hin und her zur Küche. Trotzdem ist es mal wieder 23 Uhr, bis beide schlafen. Aber immerhin haben wir uns entschlossen, morgen hier die Zelte abzubrechen, eine Woche "Dauercampen" reicht, nachher wird das noch zur Gewohnheit. Außerdem brauchen wir dringend mal wieder Internet!


Übrigens haben wir heute das allererste Mal abends beim Essen im Auto Licht anmachen müssen...