Für eine Handvoll Peso

Viele Banken und Läden machen es einem leicht die eigenen Geldreserven unnütz zu veringern. Man muss ständig aufpassen um nicht plötzlich irgendeinen Kredit am Hals zu haben, den man weder will noch braucht. So wird man ständig beim Bezahlen mit Kreditkarte selbst von kleinsten Beträgen (5000 Peso im Supermarkt), gefragt "en cuotas?", also in Raten. Es scheint sehr verbreitet in Raten zu zahlen, zumal damit ein grosses Geschäft gemacht wird, wobei aber nur einer wirklich den Vorteil hat. Derjenige der die Ratenzahlung anbietet, denn es werden 5-30% aufgeschlagen, je nach Laufzeit! Wenn man die Verzinsung pro Jahr berechnet landet man immer bei ca. 20 %!
Man könnte den Vorgang auch "Gelddrucken" nennen...

Dasselbe bei der Kreditkarte. Hier kann man sich am Ende des Monats entscheiden wie viel man von dem aufgelaufenen Betrag zahlen will. Es wird nur ein Mindestbetrag angegeben, den man zahlen muss, sonst wird die Kreditkarte gesperrt. Ansonsten kann man frei wählen wie viel man bezahlt. Hier sind allerdings nicht ganz so viel Zinsen fällig wie auf die Cuotas.

Noch so ein Stolperstein ist ein Überziehungskredit des Girokontos. Hierbei handelt es sich genaugenommen um ein zweites Konto auf das alle überzogenen Beträge automatisch gebucht werden. Dies wird allerdings nicht automatisch wieder aufgelöst sobald Geld eingegangen ist, sondern bleibt bestehen und kostet Zinsen bis man es manuell ganz oder teilweise auflöst. So erging es mir beim Eröffnen des Kontos. Die Gebühren für die Schecks und die Bankkarte wurden direkt fällig und da noch nichts auf dem Konto war direkt auf das Überziehungskonto gebucht. Ich bekam kurz darauf Geld überwiesen aber das Konto im Soll blieb bestehen bis ich es manuell ausgeglichen habe. Wenn mein Kollege mir nichts gesagt hätte, würde ich heute noch Zinsen zahlen.

Eine interessante Erfahrung ist die Benutzung der Kreditkarte im Ausland, in meinem Fall Peru. Auch das Konto für die Kreditkarte ist geteilt, national und International. Internationale Umsätze werden grundsätzlich von der Bank in USD abgerechnet, also muß man leider auch zweimal den teuren Umrechnungskurs zu bezahlen: einmal beim Umrechnen von Soles in USD und dann nochmal von USD in Peso. Hier besteht aber die Möglichkeit direkt in USD seine Schulden auf der Bank zu begleichen. Ich erkläre mal kurz wie das in meinem aktuellen Fall abläuft:
- Ich bezahle in Soles mit der Kreditkarte meine Hotelrechnung
- Die Bank rechnet in USD um, ich ärgere mich dank des schlechten Kurses 219 statt 207 USD zahlen zu müssen, was allerdings auch über Spesen abgerechnet wird - Ich reiche meine Spesen in Dollar ein
- Die Spesen werden in Peso umgerechnet und in Peso ausbezahlt.
- Ich bekomme die Spesen somit in Peso.
- Dann rufe ich in einer der zahlreichen Wechselstuben an und frage nach dem aktuellen Wechselkurs Peso/USD
- Die beste bekommt den Zuschlag und schickt einen Boten um einen Scheck abzuholen.
- Der Bote holt den Scheck, wechselt in USD und geht für mich auf die Bank um mit meiner Kreditkartenrechung meine Schulden zu begleichen.
- Hier kommen die Schlangen vor den Schaltern ins Spiel da er ja nicht der einzige ist..
- Ich bin froh nicht anstehen zu müssen.

Leider ist immer eine Schlange vor den Schaltern der Bank, da nicht nur bar sondern sehr oft mit Scheck gezahlt wird und diese ja eingelöst werden müssen. Hierzu werden von den Geschäften Boten täglich zur Bank geschickt.
Doch mehr dazu unter "Schlangen".

Die meisten dieser Sachen haben mir meine Kollegen versucht zu erklären und ich konnte immer nur denken:
Bei uns ist das etwas kundenfreundlicher.

An dieser Stelle einen Dank an meine Kollegen die immer sehr umsichtig und hilfsbereit sind und bei meinen dummen Fragen nicht in schallendes Gelächter ausbrechen.

Die Schecks

Erinnert Ihr euch noch an Schecks?
Dies ist ein Zahlungsmittel, bei uns ein wenig aus der Mode gekommen, jedenfalls bei meiner Generation.
Erst hatte ich Bedenken und wusste auch gar nicht wie so etwas auszufüllen ist. Uns wurde das zwar mal auf der Schule beigebracht aber das ist schon ein paar Jahre her. Aber da ich ein Scheckbuch bekommen und Gebühren samt Überziehungszinsen dafür gezahlt habe, wollte ich das auch nutzen.

Und ich bin begeistert!

Alle grösseren Anschaffungen werden per Scheck bezahlt.
Die Nebenkosten der Wohnung werden per Scheck beim Conserje bezahlt.
Ann muss etwas bezahlen, ich stelle einen Scheck aus.
Ich habe ein ledernes Scheckbuch bekommen, äusserst schick.
Ich könnte per Scheck Strom, Gas, Wasser an eigens eingerichteten Zahlständen bezahlen (¡Achtung Schlangen!).
Wir haben andere Deutsche getroffen, die haben kein ein Konto in Chile (es fehlt der Bürge!), das Gehalt wird per Scheck bezahlt und bar auf der Bank abgeholt (Millionen werden sozusagen zwischen den Socken gelagert..).

Und mal ganz ehrlich, wer von Euch hat schon mal einen Scheck über 300.000.- ausgefüllt? Ich hatte jedenfalls ein Lächeln im Gesicht ;-)

Allerdings gibt es auch kleine Nachteile.
Bankbesuche am Monatsanfang fallen wegen der langen Warteschlagen aus. Viele bekommen den Monatslohn per Scheck und wollen Bares oder diesen auf das Konto einzahlen.
Mittags mal kurz auf die Bank zu gehen ist ebenfalls keine gute Idee, da stehen die Boten der Läden Schlange um Schecks einzulösen.
Wir haben selten so viele Bankfilialen und Menschen in Bankfilialen gesehen wie hier.

Online-Banking

Komischerweise meldet man sich mit seiner RUT an und es gibt keine TAN Liste wie bei uns, dafür darf man aber auch nur 30.000.- pro Tag überweisen. Wer mehr überweisen will muss sich die teuere TAN Liste schicken lassen. Wobei wir wieder beim Geldverlieren sind. Da ich aber keine Lust auf Schlangestehen habe warte ich gerade auf meine TAN Liste, die hier Clave Dos (zweiter Schlüssel) heisst.

Eine wirklich gut gelungene Einrichtung ist das Zahlen der Strom-, Gas-, Wasserrechnungen, etc. per Online-Banking.
Das gibt es bei uns zwar auch, aber hier ist es viel einfacher, wir waren sehr überrascht!
Ich suche meinen Stromlieferanten aus einer Liste in meinem Überweisungsprogramm aus, gebe meine Kundennummer an und bekomme automatisch den richtigen offenen Rechnungsbetrag angezeigt (der Datenschutzbeauftragte lässt grüssen!).
Nach einer erneuten Bestätigung wird das Geld sofort automatisch abgebucht und man bekommt als Beweis eine Nummer angezeigt, die man sich notieren sollte.

Dieselbe Methode kann auch für eine Art Einzugsermächtigung oder auch Daueraufträge benutzt werden. Ich suche wieder den Lieferanten aus der Liste aus, gebe meine Kundennummer an und muss hier noch angeben welchen Höchstbetrag dieser abbuchen darf. Dies allerdings nicht in Peso sondern in den allgegenwärtigen UF. Und das Schöne daran ist, daß ich es online auch wieder zurücknehmen kann. Ich muss also nicht mit der Firma reden um eine Einzugsermächtigung rückgängig zu machen, sehr praktisch.


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