Das liebe Geld 2. Teil

Komische Abbuchungen

Leider sind die Abrechnungen der Kreditkarten hier nicht so übersichtlich wie ich das gewohnt bin. Das mag zum einen an meiner Bank liegen, ein Kollege sagte die sei nicht besonders gut, andererseits ist es auch nicht allzu schwer ein paar Daten auszudrucken (ich bin ja aus diesem Gewerbe).
Jedenfalls finde ich auf der Dezemberabrechnung komische Einkäufe, an die ich mich nicht erinnern kann. Da es sich um kleine Beträge handelt, die auch die Strom- oder Wasserrechnung sein könnten mache ich mir noch keine grossen Sorgen. Es ist Weihnachtszeit und ich habe anderes im Kopf.
(Anmerkung der Redakteurin: wir haben nie Wasser- oder Stromrechnungen in dieser Höhe!)

Allerdings kommen dann Anfang Januar noch einmal zwei dieser Buchungen dazu. Inzwischen bin ich mir sicher, daß ich das nicht gekauft habe zumal es sich um Anzeigen in der Tageszeitung El Mercurio handelt wie wir erkennen können. Besser, ich lasse die Karte sperren!

Kampf mit der Bank am Telefon

Im Onlinebanking besteht die Option "Karte sperren" zwar, funktioniert aber nicht. Das wundert uns nicht, denn das chilenische Internet zeichnet sich auch häufig durch Meldungen wie "Seite nicht vorhanden", "Server nicht gefunden" oder durch das Anzeigen veralteter Informationen aus 2004 oder 2005 aus.
Nächster Versuch - das Telefonbanking: Die nette Frau am Telefon sagt mir schließlich, daß ich die Karte aus diesem Grund (Mißbrauch) nicht sperren lassen kann. Wenn ich Opfer eines Raubüberfalls geworden wäre oder ich sie einfach verloren hätte, ja dann wäre das kein Problem. Aber in so einem Fall muss ich direkt zu meiner Sucursal (Zweigstelle der Bank) und dort das ganze genau untersuchen lassen. Wenn ich besser Spanisch sprechen würde, hätte ich einfach behauptet ich hätte sie verloren, aber besser mal den Ball flach halten. Auf die Frage wo genau denn meine Sucursal liegt bekomme ich nur die Antwort, das solle ich eigentlich wissen, normalerweise direkt um die Ecke von meiner Wohnung! Sie nannte mir dann aber doch noch die Adresse und wir fanden zusammen heraus, daß es wohl eher mehrere Ecken sind, genaugenommen ein paar Kilometer. Wie ich zu dieser Sucursal gekommen bin konnte Sie mir nicht sagen, aber daß ich diese nicht am Telefon ändern lassen kann hätte ich mir ja denken können.

Kampf mit der Bank direkt

Es steht also ein Besuch bei der Bank an. Dies ist an sich kein Problem, wenn nicht alle Banken um 14:00 zu machen würden und einen halben Tag frei nehmen wollte ich deshalb auch nicht. Also gehe ich am nächsten Dienstag direkt in die nächste Bankfiliale neben der NCR, da ich zufällig ein Meeting in der Geschäftsstelle hatte. Am Schalter für die persönliche Beratung sagt man mir, daß ich in meine Sucursal gehen muss. Nach einer kleinen Diskussion, daß ich nicht wüsste wo sich diese befindet und ich auch nicht um die Ecke derselben wohne oder arbeite erbarmt sich die Bearbeiterin und wir füllen zusammen die "Umzugspapiere" aus. Jetzt dauert es also nur noch 10 (Arbeits-) Tage bis ich meine Karte hier sperren lassen kann. Nein, früher könne sie mir beim besten Willen nicht helfen. Das kann nur der Jefe (Chef) der Sucursal. Immerhin kann sie mir sagen wo ich diesen finde. Naja, ich finde ihn nach einer längeren Suche 2 Stockwerke weiter unten in einer dunklen Ecke und er winkt mich in sein kleines Büro. Ich erkläre ihm mein Problem und er fragt mich erstmal nach meiner RUT, die kann ich trotz 9 Stellen inzwischen in 3 Sprachen fliessend runtersagen. Nachdem er meinen Kontostand geprüft hat wird er sichtlich freundlicher und lächelt sogar ein bißchen. Was so ein wenig Geld doch manchmal ausmacht. Hinterher erfahren wir, daß die BCI Bank diejenige ist, die hier jeden nehmen muß, also auch den kleinen Rentner oder den armen Studenten.

Leider kann der Jefe in meinen Kontodaten keine Kreditkarte finden. Frage: Ob ich denn ganz sicher eine hätte. Ich zeige ihm die Karte und er ist erstmal zufrieden. Ein Telefonat mit der Kollegin löst das Problem. Das System hat gerade Probleme und kann deshalb keine Kreditkarteninformationen anzeigen. Nächste Frage: Woher ich denn die Abrechnung hätte, die Posten seien doch erst gestern verbucht worden. Ein Kollege, der im Hintergrund zufällig gerade etwas aufräumt, macht ihn daraufhin auf die Wunder des Internets und des Onlinebankings aufmerksam. Er lächelt schon etwas verlegener und wir kommen zu den komischen Posten auf meiner Abrechnung. noch eine Frage: Ob ich mir sicher bin, vielleicht hat meine Frau....? Da muss ich kurz nachdenken! Hat Ann eine Anzeige bei der Zeitung El Mercurio aufgegeben (auf Spanisch) oder diese abonniert (auf Spanisch)? Nach einer Hundertstelsekunde Bedenkzeit kann ich die Frage verneinen. Wir füllen also sehr umständlich das Formular aus und nach gerade mal einer halben Stunde sind wir schon fertig. Unterschrift drunter und alles nochmal kopiert, "listo" sagt er mir, "fertig". Ich frage noch beiläufig wann ich denn eine Ersatzkarte bekommen könne. Tja, also eine Ersatzkarte sei eigentlich nicht vorgesehen. Ich würde aber automatisch nach der Bearbeitung des Vorgangs eine bekommen. Ich frage lieber mal nach wie lange diese denn dauert. So an die 60 Tage, nein falsch, Arbeitstage korrigiert er sich. Ob es denn möglich sei solange eine Ersatzkarte zu bekommen. Da könne er mir leider nicht weiterhelfen da muss ich in meine Sucursal zu meinem persönlichem Berater. Womit wir wieder beim Umzugsauftrag sind und ich fürs erste genug habe von Banken......

Kampf um die 2. Bankkarte (Anmerkung der Redakteurin)

Diesem Thema habe ich auch noch eine Besonderheit hinzuzufügen. Da ich als "Abhängige" kein eigenes Bankkonto eröffnen kann, beantragten wir eine zweite Karte, die ähnlich wie die ec-Karte funktioniert. Da das Einkaufen mir obliegt muß ich zumindest Geld abheben und mit der Karte zahlen können.

Bei Eröffnung beantragte Markus die Karte gleich mit und meine Daten wurden ausführlich gespeichert. Die Karte sollte innerhalb der nächsten Tage nach Hause geliefert werden. Als nach einigen Wochen immer noch kein Bote vorgesprochen hatte sollte Markus bei der Bank nachfragen. Aufgrund der anfangs fehlenden Sprachkenntnisse konnte er aber nur erreichen, daß ihm die Bank die Nummer des Onlinebankings in die Hand drückte, damit er das per Telefon regeln könne. Ich mußte also zum Hörer greifen und konnte zwar eine Karte beantragen aber den weiteren Redefluß und Anweisungen leider nicht verstehen. Anscheinend hätte ich noch eine andere Nummer anrufen müssen um irgendetwas zu bestätigen.
Daraufhin traute sich mehrere Wochen keiner von uns mehr das Telefonbanking in Anspruch zu nehmen. Wir können jetzt verstehen wie sich Ausländer in Deutschland fühlen wenn niemand ihre Sprache spricht... :-)

Irgendwann Anfang des Jahres meinte ich das Spanische soweit im Griff zu haben, daß wir einen weiteren Versuch starten könnten. Am Telefon beantragte ich also eine 2. Karte (die Diskussion wo denn die 1. abgeblieben war wollte ich mir sparen) und tatsächlich sollte ich die neue nun in 3 Arbeitstagen in der Filiale meiner Wahl abholen können. Nach 4 Arbeitstagen (man weiß ja nie) suchten wir gemeinsam besagte Filiale auf und wurden gleich zur nächsten geschickt, denn obwohl die Bank in der Straße Miraflores lag, war es nicht die Filiale Miraflores, die lag in der Straße Agustinas, immerhin fast an der Ecke Miraflores. Hier wurde die Angestellte nach minutenlangem Suchen in einer kleinen Box schließlich doch noch fündig, nachdem sie mir erst eine andere Karte angeboten hatte. Nun mußte ich nur noch den PIN ändern, der anfangs aus den 4 letzten Stellen der RUT besteht, welche nach den lautstarken Erklärungen der Dame jeder der restlichen Wartenden mitbekommen hatte.

Vor kurzem erzählte mir eine Bekannte, daß sie genau das gleiche mit ihrer Bankkarte erlebt habe. Erst beantragt, dann nie aufgetaucht und schließlich nach einigen Anstrengungen doch noch bekommen. Eine andere Bekannte durfte die 2. Karte überhaupt erst beantragen, nachdem ihr Visum ausgestellt war und sie damit dann ihre RUT beantragen konnte. Dieser Vorgang dauerte etwa 5 Monate!! Anfängliche Vermutungen, daß der Kontoinhaber vielleicht nur behauptet habe eine weitere Karte beantragt zu haben, waren damit hinfällig. Bleibt die Frage warum chilenische Banken es der (Ehe-)Frau so schwer machen Geld auszugeben? Generelles Mißtrauen? Solidarisierung mit dem "ausgebeuteten" Mann? Ausgeprägter Machismo? Wir haben jedenfalls alle drei unsere Karten bekommen!

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