Ostern in Huinay

lange Reise - kurzer Fisch

08.-12.04.2009

im Fjordgebiet
Ganz weit in den Süden soll es diesmal gehen. Allein die Anreise nimmt einen ganzen Tag in Anspruch, gleiches gilt natürlich auch für die Heimreise. Mittwoch Abend fliegen wir mit LAN nach Puerto Montt und Markus hebt sich schon fast an unserem Gepäck einen Bruch. Wir müssen diesmal zwar nicht zelten, dafür aber für unsere Verpflegung sorgen. Ein paar Tage zuvor erreichte uns der "Hilferuf" unserer Freunde, die wir dort besuchen, wir sollten unbedingt frisches Obst mitbringen. Auf der Forschungsstation Huinay wird nur alle paar Wochen eingekauft und auch das lässt wohl an Qualität und Menge zu wünschen übrig. Also schleppen wir gut 15 Kilo Obst, Gemüse, Käse, Brot und Esskastanien mit uns. Alles wohl verpackt in Mützen, Socken, einzeln verpackt in Schuhen und dergleichen, damit auf dem langen Weg nach Süden unser Proviant auch gut ankommt. Fast sprengen wir so die erlaubten 40kg Gepäck bei LAN und Markus ist schon im Flugzeug urlaubsreif vom Urlaub.
unser Proviant für 4 Tage
Als wir spät abends landen steht Wasser in den Straßen und es sind nur 7°C, die Luft riecht nach nassem Wald. Unser Hotel kann sich zwar mit Meerblick brüsten aber der Aufzug scheint mir nicht vertrauenerweckend. Wir hatten schon vergessen, wie häßlich Puerto Montt selbst bei Nacht sein kann.
Busbahnhof von Puerto Montt am Anleger von Caleta La Arena
Am nächsten Morgen geht es urlaubstypisch ziemlich früh raus zum Busbahnhof, der zum Glück schräg gegenüber am Meer liegt. Tatsächlich bekommen wir die telefonisch reservierten Plätze in der ersten Reihe. Der Busbahnhof sieht aus, als sei er provisorisch als Bretterbude erbaut und dann nie vollendet worden, vor allem der Bussteig des Terminal Rural sieht auch genauso aus, es riecht ein bißchen muffig, aber das können auch die Mitreisenden sein.
Caleta La Arena irgendwo vor Hornopirén
Der überraschend moderne Bus fährt gut drei Stunden bis Hornopirén, anfangs auf Teer, dann auf einer Löcherpiste, aber den Fahrer kümmert das wenig. Eine Fährfahrt unterbricht die Reise eine gute Stunde lang, hauptsächlich weil wir erst ewig auf die Fähre warten. Es gibt aber an einem Stand noch heißes Pan Amasado und so sind wir gut versorgt.
warten auf die Fähre unser Boot
Je weiter wir uns von Puerto Montt entfernen, umso rustikaler wird es. Selbst Hornopirén ist nur ein verschlafenes Nest am Fjord, das allerdings mit einem hübschen Vulkan aufwarten kann. Das Boot, dass uns abholen soll, kommt zwar pünktlich um 13:30 Uhr, aber da morgen Ostern ist und alle noch irgendwie zu ihren Familien im Fjord wollen, warten wir über eine Stunde auf die letzten Passagiere und ihre Kisten und Koffer. Der Kapitän warnt uns, dass die Fahrt heute länger dauert, da er an jedem Fischernetz anhalten muss, um Personen oder Waren abzugeben.
gut gesichert an Bord Delfine in der Bugwelle
Tatsächlich kreuzen wir von links nach rechts und wieder zurück über den Fjord, immer überrascht, dass hier überhaupt noch jemand lebt. Sogar Delfine begleiten uns eine Weile in der Bugwelle. Endlich gegen 18 Uhr sehen wir die Station Huinay unten am Hang vor den 2.000 Meter hohen Bergen kleben. Vreni holt uns am Steg ab und führt uns in eins der VIP Zimmer, da alle anderen Gästezimmer durch eine große Tauchergruppe belegt sind. Wir machen noch einen Strandspaziergang, bewundern die Wach-Geier auf der Kirche, die das alleinige Landerecht auf dem Holzkreuz innehaben, und fallen nach dem Essen spät in unsere Luxusbetten. Wir haben vom Bett aus Blick auf den Fjord und können nicht glauben wie still es hier ist.
Huinay am Fuß des Bergs ganz rechts unser Gästehaus
Markus macht von unserer das ganze Haus umlaufenden Terrasse über dem Fjord ein paar Frühfotos, dann trinken wir Tee im Bett. Nach dem Frühstück geht es mit dem Kayak raus auf den Fjord. Wir passieren Wasserfälle und eine kleine Kolonie Seelöwen.
Morgenstimmung über dem Fjord
Wir halten gebührenden Abstand um sie nicht zu stören, aber auf dem Rückweg sind sie derart anhänglich, dass sie uns über einen Kilometer im Fjord verfolgen, was Markus begeistert und mich eher zu schnellerem Paddeln antreibt. Markus versucht mich immer zu bremsen, denn die Seelöwen sind sowieso schneller. Irgendwann fängt einer aber einen Fisch und damit werden wir sofort uninteressant.
Geierwache der Fjord vom Kayak aus
Die Tauchergruppe kann unsere gemäßigte Reaktion auf die Seelöwen gar nicht fassen, denn sie selber waren völlig hin und weg. Aber nach einigen Tausend Seelöwen in Südamerika können die uns so schnell nicht mehr vom Hocker reißen. Nach dem Mittagessen geht es ein gutes Stück den Fluss hinauf zum Angeln. Ich sitze faul in der Sonne und Markus steigt todesmutig in Unterhose in die kalten Fluten, wird aber trotzdem nicht mit einem Fisch belohnt. Liegt sicher an der Technik.
Wasserfälle... ... und Seelöwen
Hier hinten wohnen immer noch Menschen, obwohl wir uns nicht vorstellen können, was man hier den ganzen Tag machen soll, außer fischen vielleicht. Abends kochen wir aus unseren reichhaltigen Reserven für Vreni und Fossi, die wie immer zu 120% beansprucht und ziemlich im Stress sind.
einer wird schon neugierig Markus im Fluss
Am nächsten Morgen, es scheint übrigens schon wieder die Sonne, nachdem die Tauchergruppe in den vergangenen 2 Wochen permanenten Regen erlebt hat, geht Markus im Kayak auf dem Fjord fischen. Er bekommt ein anderes Boot als am Vortag, dass auch ohne zappelnden Fisch schon kippelig ist, daher ziehe ich es vor, auf unserer Terrasse mit einem Buch in der Sonne zu liegen. Durch den Wind wird Markus immer um die nächste Ecke getrieben und paddelt sich dann wieder mühsam in mein Blickfeld. Als er nach zwei Stunden zurückkommt hat er nur einen kleinen Barsch, der hauptsächlich aus einem riesigen Maul und Glubschaugen besteht, gefangen.
es ist einfach zu flach für große Fische Geierposten
Aber als 2-Personen-Vorspeise wird er schon reichen. Wir deponieren ihn im Kühlschrank und machen uns mit der Tauchergruppe zusammen in zwei Zodiacs auf den Weg zu den Termas de Porcelana am Ende des Fjords. Nach einer Stunde Fahrt legen wir an und wandern eine Viertelstunde über Wiesen und durch den Wald bis an einen heißen Bach. Hier sind mit Steinen verschiedene Becken angelegt, je weiter oben umso heißer, ganz unten ist das Kinderbecken. Gleich nebenan kann man sich dann im eiskalten Fluss abkühlen. Wir hängen zwei Stunden im Wasser ab, dann wird es Zeit zur Rückfahrt, denn die Boote haben keine Lampen und es dämmert schon.
Geier wache 2 Abendstimmung im Fjord
Ein bißchen Wind ist aufgekommen, aber wir sind alle noch von den Thermen durchgewärmt. Kaum sind wir unterwegs und aus der geschützten Bucht heraus, steuert Fossi das Boot etwas unvorsichtig schräg gegen die Wellen und schon schwappen riesige Wogen kalten Salzwassers über uns alle hinweg. Es beginnt der Ritt in die Nacht. Spätestens nach dem dritten Schwall sind alle von Kopf bis auf die Unterhose nass. Selbst mit langsam fahren wird es nicht viel besser, erst als wir den Fjord gequert und im Windschatten am anderen Ufer fahren. Durch die Wellen müssen wir langsam machen und es wird ziemlich schnell dunkel. Jetzt könnte man auch einen Katastrophenfilm mit schiffbrüchigem Segelboot drehen... aber da außer uns noch sechs frisch ausgebildete Rettungstaucher im Boot sitzen und alle mit dicker Schwimmweste ausgestattet sind, kann ja nicht viel passieren.
Markus auf Seefischfang auf dem Weg zum Bad
Kaum habe ich das gedacht, schreit Fossi "Bootsleine einholen" und um ein Haar hätten wir wegen des Seegangs das Seil im Propeller des Motors gehabt. Ich frage lieber erst am Steg, was dann passiert wäre... aber zum Glück müssen wir uns nicht motorlos zurück bis zur Station der Carabineros treiben lassen und dort um einen Schlafplatz betteln... Nachdem wir uns nach zwei Stunden nasskalter Fahrt unter der heißen Dusche wieder aufgewärmt haben, vergeht der Rest des Abends mit kochen und essen. Der Vorspeisen-Barsch schmeckte übrigens äußerst lecker.
das Ende vom Fjord heißer Pool im Wald
An unserem Abreisetag wachen wir bei einem leichten Landregen auf. Die Wolken hängen fast bis auf den Fjord und es wird nur langsam hell. Wir packen und gehen zum Frühstück rüber zu Vreni und Fossi, die noch gestresster als sonst sind und versuchen, ihr Gepäck für 6 Wochen Deutschland zu sortieren. Abfahrt war für 10 geplant, aber wir kommen erst nach 11 los. Wegen des Nebels verfährt sich unser Kapitän und zieht Kreise durch den Fjord bis wir ihn mit dem GPS wieder auf Kurs bringen. Dadurch dauert die Fahrt länger und wir werden schon ein bißchen nervös wegen dem Flug.
Markus in der Wanne ...wenn es nur nicht so glitschig wäre...
Nach fast zwei Stunden durchrütteln und -schaukeln erreichen wir Hornopirén, haben Glück, dass die Parkplatzwächter sich erinnern, wo sie den Autoschlüssel hingelegt haben, dass das Auto auch tatsächlich anspringt und nur ein paar Liter Öl fehlen. Das ist schnell behoben, dann rütteln wir auf der Piste, die vom Regen noch schlechter ist als auf dem Hinweg (obwohl Fossi meint, sie wäre gerade "neu gemacht") nach Hornopirén.
kurz vor der Rückfahrt
In Caleta Puelche verpassen wir um 20 Sekunden die Fähre, aber zum Glück fährt eine halbe Stunde später schon die nächste, sonst wäre der Flug noch ernstlich in Gefahr geraten. Endlich in Hornopirén geben wir das Auto ab und nehmen einen Transfer zum Flughafen, wo wir erstmal ein paar Sandwiches verdrücken, nachdem wir erfolgreich eingecheckt sind.
Huinay im Regen am Abreisetag diesmal mit dem Schnellboot
Zum Flugzeug müssen wir einen langen Spaziergang über das Rollfeld machen, wobei neben uns ein Pilot schon mal die Turbinen hochfährt und ein bißchen aufs Gas drückt. Hoffentlich hat der die Handbremse angezogen. Markus und ich dürfen diesmal in der Businessclass sitzen, die sich bei den kleinen Flugzeugen allerdings nur durch etwas mehr Beinfreiheit auszeichnet. Wir landen pünktlich in Santiago, schälen uns erstmal aus diversen Kleiderschichten und sind froh, als wir später endlich ohne zu rütteln in der Waagerechten liegen, nach rund 12 Stunden und 1200 Kilometern in Boot, Auto, Fähre und Flugzeug.

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