Isla Negra

Pablos Fisch

Da heute Kolumbus(feier)tag ist und wir bisher noch nicht viel unternommen haben steht der erste Tagesausflug an. Unsere Wanderausrüstung schaukelt noch auf hoher See und deshalb wäre es albern, mit unseren "Städter-Schuhen" in die Berge zu fahren. Das Meer ist auch nicht viel weiter entfernt und deshalb entschließen wir uns für einen Besuch der Isla Negra.
Der Wecker klingelt um 6:45, wir sind um 7:10 sind wir schon beim Frühstück, um 7:30 verlassen wir das Hotel um dann zu bemerken das die Metro an Sonn und Feiertagen erst um 8:00 die Tore aufmacht. Damit wir nicht unnötig Zeit verlieren suchen wir den nächsten Bus und fahren los Richtung Terminal de Buses Alameda. Die Straßen sind heute frei und das nutzen die Busfahrer aus um noch schneller durch die Stadt zu jagen, so bleibt uns nicht viel Zeit um das Schild mit den Fahrtzielen zu lesen. Dann kommt noch hinzu das dort meist nur eine Abkürzung steht. In diesem Fall: Term. Alameda.
Für so viel Kopfarbeit ist es mir noch zu früh und deshalb zieht mich Ann einfach hinterher und wir sind 3 Minuten später schon am Busbahnhof. Dieses ist hier mit unseren Bahnhöfen zu vergleichen was schon die Anzahl von über 30 Bushaltestellen deutlich macht. Da es nur eine Bahnlinie in Chile gibt ist der richtige Bahnhof entsprechend kleiner als das Terminal für das Hauptverkehrsmittel, den Überlandbus. Davon gibt es in Santiago gleich mehrere, je nach Himmelsrichtung in die man fahren will 4 Stück, und man erreicht jeden Zipfel Südamerikas, wenn man genügend Sitzfleisch hat auch Venezuela in nur knapp 10 Tagen Fahrt!

Ann beim Warten

Die Karte ist schnell gekauft und für knapp 9 € gehts ein paar Minuten später von Gleis 18 ab Richtung Meer.
Das Wetter verspricht gut zu werden, strahlender Sonnenschein in Santiago.

Ab ans Meer

Auf der Fahrt habe ich noch ein bißchen Schlaf nachgeholt und deshalb nicht viel von der Landschaft mitbekommen. Erst als wir von der Schnellstraße runter sind war mit Schlafen erstmal Ende. Der Busfahrer hat zwar tapfer versucht, den Unebenheiten auf der Straße auszuweichen aber es war wohl nicht immer möglich. Hier kann ich nur jedem Chilereisenden den Tipp geben nicht in der letzten Reihe zu sitzen. Durch die große Entfernung zur Hinterachse wird man sonst des öfteren regelrecht aus dem Sitz katapultiert.

Es geht noch durch ein paar kleine Fischerdörfer und knapp 90 Minuten sind wir in Isla Negra, wobei es sich nicht um eine Insel handelt, sondern um einen winzigen Ort am Pazifik.
Das Highlight hier ist das Haus von Pablo Neruda, dem Nationaldichter und Nobelpreisträger Chiles. Dieser besaß 3 Häuser, das in Santiago haben wir vor 4 Jahren schon besichtigt, dann noch ein drittes in Valparaiso. Hauptsächlich zeichnen sie sich durch die Ausstellung seiner großen Sammelleidenschaft aus und durch die immer wie verschachtelt angebauten Räume, jedes Mal wenn ihm der Platz ausging. Zudem war er ein Fan von allem was mit dem Meer zu tun hat und seine Häuser erinnnern an die Form eines Schiffes, mit riesigen Fenstern zum Pazifik.

Artikel unter www.zdf.de über Isla Negra

Nach einem kleinen Spaziergang finden auch wir es also hübsch gelegen direkt an von den Wellen umtosten Felsen am Meer. Die Führung auf Englisch lässt etwas auf sich warten, wir hätten uns wohl besser angemeldet. Mit einem Kaffee vertreiben wir uns die Zeit und schauen zu wie die Wolken ziemlich tief über dem Meer näher kommen und sich geheimnisvoll immer mehr aufbauschen. Nebel und Gischt hüllen alles ein. Nach der Führung verschwindet die Sonne entgültig und die Temperatur ist nicht mehr T-shirt tauglich.


Haus bereit zur Abfahrt Zur Abwechslung mal ein Brunnen


In Ermangelung von ausländischen Touristen bekommen wir einen Führer ganz für uns allein. Jedes der Zimmer ist voll mit seinen über die Jahre gesammelten Objekten und oft wurden Räume oder Gebäudeteile direkt um die Sammlungen (Gallionsfiguren, Buddelschiffe, Muscheln, ...)herum gebaut. Die ganze Wohnung soll den Eindruck eines Schiffs erwecken, deshalb gibt es auch nur sehr wenige Fenster Richtung Land. Allein der Blick vom Schlafzimmer aufs Meer ist schon atemberaubend. Leider durften wir drinnen nicht fotografieren, aber zwei Bilder von der Homepage haben wir hier:


Sammelsurium im Schiffsbauch Bar

Nach der Führung darf man sich noch den Garten und das Grab anschauen, hier liegt er mit seiner letzten Frau mit Blick auf sein geliebtes Meer.

Ebenfalls vom Garten aus sieht man in die voll verglaste Bar, dekoriert mit allerlei Nippes und Flaschen in Form von Schweinen, Frauenschuhen, Indianern, etc., und kann diese von außen bewundern.


Wir sind weiterhin vom Blick aufs Meer fasziniert, essen zur Abwechslung Empanadas am felsigen Strand und bewundern die ungewohnt hohen Wellen. Inzwischen ist es doch frisch geworden, so ganz ohne direkte Sonne, und ich bin froh daß ich eine Jacke dabei habe.

Ann und die Wellen

Wir stehen auf den Felsen und machen uns gerade auf den Weg zurück als 3 haushohe Wellen uns in die Flucht schlagen. Ann rennt zur Sicherheit bis zum Ende des Strands, man kann ja nie wissen. Eine Familie mit Kind kann gerade noch rechtzeitig ihren eher unüberlegt gewählten Sitzplatz auf einem kleinen Felsen verlassen bevor es eine Komplettdusche gratis gibt.

Wir versuchen noch etwas Geld loszuwerden, aber die Souvenierläden sprechen uns nicht so richtig an. Ein Gang durch die Hauptstraße endet auch eher erfolglos nach 1 km und so entschließen wir uns zu einem Fischmittagessen. Als Aperitif nehmen wir diesmal einen Pisco Sour und sind schon vor dem Essen gut beladen. Mein Seeaal ist schweinelecker und ich bekomme unverhofft noch einen Nachschlag, der Kellner hatte wohl meinen Hunger richtig eingeschätzt.

Wir sind jetzt etwas müde und der Körper, wir sind ja inzwischen eingewöhnt, schreit nach Siesta. Die Rückfahrt wird kurzerhand vorverlegt und der Bus steht auch schon Abfahrt bereit. Wir verlassen bei bedecktem Himmel Isla Negra, streifen unterwegs die Wolken an der Küstenkordillere ab und uns erwartet ein sonniges, warmes und lautes Santiago.



Wolken müssen draußen bleiben

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