Patagonische Eindrücke

Lago General Carrera und die Laguna San Rafael

26.11.-02.12.2007

Auf die Frage, was mein Vater bei seinem Besuch in Chile denn gerne sehen würde, hieß es: Wüsten und Seengebiete kenne ich bereits und Vulkane habe ich auch schon mal gesehen. Das ließ also nicht viel Spielraum. Diese Unschlüssigkeit hinsichtlich der Reiseroute hat bisher seltsamerweise noch jeden unserer Besucher befallen.
Aber zum Glück gibt es hier ja noch ein paar Gletscher, denen mein Vater bisher nur in sehr unspektakulärer Form irgendwo in der Schweiz begegnet war. Richtige Gletscher gibt es schließlich nur in Patagonien! Um den Gletscher auch noch mit etwas Abenteuer auf der Carretera Austral und der Ruta Cuarenta zu umgeben, plante ich also eine Fahrt vom Flughafen Balmaceda über Argentinien, gegen den Uhrzeigersinn um den Lago General Carrera bis nach Puerto Chacabuco, von wo aus der Katamaran zur Laguna San Rafael startet.

Montag

Flughafen Balmaceda Grenze zu Argentinien
Unsere Reise beginnt mit einer knapp einstündigen Verspätung, da wegen einer defekten Tür unser LAN Flugzeug noch schnell ausgetauscht werden muß. Zum Glück findet sich ein anderes im Hangar, das wohl nur kurz durchgesaugt werden muß, so schnell steht es vor der Tür. Nach einer Zwischenlandung in Puerto Montt steigen wir am Nachmittag in Coyhaique-Balmaceda nach etwas windgerüttelter Landung aus dem Flugzeug. Die Gegend sieht schon recht zerzaust aus und trotz schlechter Wettervorhersage scheint die Sonne. Kurz darauf bekommen wir unseren Mietwagen überreicht, einen schon etwas mitgenommenen Mitsubishi Pickup, und los geht es nach Argentinien.
Lago Blanco warm angezogene Schafe
Die Grenze liegt überraschend bereits wenige Kilometer später vor uns, nur erkennbar an einer wackligen Schranke, die wir fast übersehen hätten. Bei der Ausreise aus Chile stellt sich dann heraus, daß mein Vater den Zettel, den man bei der Einreise bekommt und zwingend bei der Ausreise wieder vorlegen muß, damit er in irgendeinem staubigen Aktenordner abgelegt werden kann, vergessen hat. Der Grenzbeamte ist etwas überfordert und verweigert uns die Ausreise. Nach einigem Hin und Her und der Abfertigung anderer Reisender gibt er uns jedoch neue Formulare, die wir brav ausfüllen und somit doch noch passieren dürfen. Endlich drüben, erwartet uns nach 15 km die argentinische Grenze, an der wir einer harten Geduldsprobe gegenüberstehen: ein netter Grenzbeamter, der aber entweder seine Brille vergessen oder noch nie einen europäischen Pass bearbeitet hat, benötigt fast eine halbe Stunde um unsere Daten in seinen antiquarischen PC einzugeben, ohne mein Ansagen der Daten hätte es sicher noch länger gedauert. Zum Schluß wünscht er uns aber gute Reise und warnt noch vor den vielen Steinen auf der Straße, wir sollen doch langsam fahren.
Grenze zur Provinz Santa Cruz stürmischer Lago Buenos Aires
Die Straße in Argentinien ist tatsächlich so schlecht, daß man teilweise mit 30km/h voranschleicht. In einem winzigen, verlassen in der Mittagsruhe daliegenden Örtchen namens Lago Blanco schaffen wir es schließlich, Wasser und ein paar trockene Kekse aufzutreiben. Außer sehr warm angezogenen Schafen, einigen Kühen und ein paar rosaleuchtenden Flamingos in der Ferne begegnen wir kaum jemandem bis zum Abzweig auf die Ruta 40, an dem wir auf bessere Straßen hoffen, aber nochmal enttäuscht werden. Offenbar wird es immer schlechter, je weiter man in den fast menschenleeren Süden vorstößt.
Kirche am Wegrand Blick aus dem Zimmerfenster
In Perito Moreno (dem Ort, nicht dem Gletscher) tanken wir, ziehen Geld und kaufen etwas ein. Kurz darauf leuchtet bereits der Lago General Carrera, der hier natürlich anders, nämlich Lago Buenos Aires heißt, vor uns auf. Sobald die Sonne scheint, färbt er sich strahlend türkisblau. Der heftige patagonische Wind läßt ihn hier ziemliche Wellen schlagen. Nachdem wir ein luxuriöses Stück geteerter Straße zurückgelegt haben, sind wir auch schon in Los Antiguos, dem Obstanbauzentrum Patagoniens, im Reich der Kirsche! Hier findet alljährlich Mitte Dezember das Kirschenfest statt, und die Kirsche ist das Symbol der Stadt.
Hotel Antigua Patagonia Lago Buenos Aires
Unser Hotel liegt malerisch gleich am Ufer des Sees und das Wetter sieht immer noch nicht aus, als wolle es sich ab morgen der Wettervorhersage beugen. Abends gehen wir im einzig empfehlenswerten (weil montags geöffneten) Restaurant essen, und kommen dort mit dem Besitzer, einem ausgewanderten Holländer ins Gespräch. Vorher hatte ich im Artesanenladen gegenüber Kirsch- und Holundermarmelade gekauft, die von einer eingewanderten Belgierin hergestellt wurde. "Echt patagonisch" also!
Blick auf Los Antiguos Brandung wie am Meer

Dienstag

Morgens führt uns ein kleiner Abstecher entlang einer Bergstraße mit mehreren schönen Aussichtspunkten über den See und die Umgebung. Wir begegnen nur vereinzelten Gauchos zu Pferd und mit Hund. Der Fluß, an dem wir entlangfahren ist in etwa die Grenze zu Chile, die wir anschließend auch wieder überqueren.
Entlang der Grenze Río Jeinemeni
Die Ausreise aus Argentinien verläuft problemlos und der Grenzer hat auch deutlich mehr Erfahrung bei der Dateneingabe. Mitten im Niemandsland zwischen den Grenzen hört die schöne, nagelneue argentinische Straße auf und wir laufen rüttelnd in Chile ein. Hier wird fast vergessen, mir meinen Einreisestempel einzutragen, was bestimmt beim nächsten Mal Probleme gegeben hätte, und dann wie immer unser Auto nach illegalen Lebensmitteln durchsucht.
typisch argentinische Straße argentinischer Grenzposten
Im angrenzenden Ort Chile Chico "la ciudad del sol" wie es sich nennt, sieht man bereits wieder deutlich die Unterschiede zwischen den hübschen argentinischen Örtchen und den etwas lieblos gebauten chilenischen. Immerhin kann man hier mit einem über 100 Jahre alten schottischen Schiff aufwarten, daß 1900-1922 die Themse befahren und dann auseinander gebaut den Atlantik und die argentinische Pampa durchquert hat, um als erstes Passagierschiff bis 1976 den See zu befahren. Jetzt ist es aber endgültig außer Betrieb und steht neben dem Museum.
Vapor Andes Bucht von Chile Chico
Übrigens wachsen hier dank des milden Klimas sogar Aprikosen- und Apfelbäume um die Plaza, immer noch mitten in Patagonien. Auf dem Aussichtspunkt des Orts machen wir Mittagspause und einige Fotos, dann liegt das zwar laut Reiseführer schönste, aber auch schlechteste Stück Schotterpiste Patagoniens vor uns. Für die schmalen, kurvigen und steilen 115 km brauchen wir etwa 5 Stunden, natürlich auch wegen diverser Fotostops.
patagonische Aprikosen Chile Chico
Da meinem Vater (wie auch gleichzeitig Markus zuhause) irgendetwas auf den Magen geschlagen hat, ist diese Rüttelei nicht gerade das angenehmste. Zum Glück bin ich von diesem Leiden verschont geblieben, sonst kämen wir heute sicher nicht mehr an unserem geplanten Ziel an. Unser Auto rutscht auf dem Schotter wie ein Lämmerschwanz und am Berg geht ihm jedesmal die Luft aus, wenigstens hat man auf diese Weise Zeit zum schauen, die Landschaft ist wirklich sehenswert.
Flußtal unsere Straße entlang des Sees
Am Abzweig nach Puerto Bertrand will ich Markus anrufen um nach der Adresse unserer Unterkunft zu fragen, die ich vergessen habe. Ein Netz gibt es hier natürlich nicht, aber dafür ein Dorftelefon. Eine einzelne Telefonleitung aus Chile Chico führt bis hierher und reicht nur für diesen einzigen Anschluß. Das Telefon ist ausgeschildert und befindet sich meist in der kombinierten Hosteria/Café/Laden/Touristeninfo. Man gibt die Nummer an, der Besitzer wählt und schreit sobald abgehoben wird ins Telefon, daß man nicht auflegen soll, und dann wird das Gespräch in eine Kabine verbunden. Die Adresse findet Markus zwar auch nicht, aber dafür erzählt er, schon den ganzen Tag krank im Bett zu liegen und sich nicht allzu weit von der Toilette entfernen zu können.
in der Ferne das nördliche Eisfeld Blick auf den See
Aber auch ohne Adresse sind die Cabañas Kon-Aiken leicht zu finden, alles liegt hier an der Carretera Austral und ist ausgiebig beschildert. Mein Vater legt sich gleich ins Bett um sich zu erholen und ich erkunde das Ufer des Río Baker, der gleich vor der Tür vorbeifließt. Abends darf ich als einziger Gast zum Essen die neue Confiteria einweihen, wobei mich das nette Verwalterpaar Marisol und Patricio abwechselnd unterhält.
Cabañas Kon-Aiken der Río Baker
Es stellt sich heraus, daß die beiden vorher in Santiago nur wenige Straßen von uns entfernt wohnten, bevor sie anfingen, für den deutschen Besitzer hier unten die Cabañas auszubauen. Da vor allem Marisol froh scheint mal wieder Menschen zu sehen, läßt sie mich erst nach etwa 2 Stunden wieder gehen. Hier unten gibt es weder Telefon, Internet, Fernseher noch Radioempfang, sodaß man auf die Reisenden für Unterhaltung angewiesen ist. Dafür erfahre auch ich alles interessante, was es über das Leben hier zu erzählen gibt.

Mittwoch

Heute geht es meinem Vater zum Glück wieder besser, obwohl er das reichhaltige Frühstück noch ausschlägt. Um niemanden zu kränken, muß ich mein Bestes geben alles aufzuessen, kurz bevor ich platze bringt Marisol noch frische Eier der eigenen Hühner.
Zusammenfluß Río Baker und Nef Lago Bertrand
Mit diversen guten Wünschen und zwei weiteren Marmeladengläsern unter dem Arm fahren wir ein Stück weiter südlich den Río Baker entlang, bis zu dessen Vereinigung mit dem Río Nef, wo es einige Wasserfälle gibt. Dann geht es zurück über Puerto Bertrand das Westufer des Lago General Carrera entlang durch Unmengen blühender Lupinen am Straßenrand und vereinzelte Ansiedlungen rechts und links. Unterwegs sehen wir auch immer wieder einzelne Radfahrer mit viel Gepäck, die wohl die ganze Carretera Austral abfahren, dem Anschein nach alles keine Südamerikaner.
malerische Brücke und noch ein Blick auf den See
In Puerto Tranquilo machen wir Pause unter einem Baum am See, bevor wir hinter dem Ort zum Campo Alacaluf abbiegen, unserem heutigen Ziel. Am Friedhöfchen und diversen Wasserfällen vorbei schlängelt sich die Straße immer einsamer in ein Tal, das mitten im Fjordgebiet auf der anderen Seite des nördlichen Eisfelds endet.
Kirche in Puerto Tranquilo der Supermarkt von Puerto Tranquilo
Das Tal nennt sich Valle Exploradores und genauso fühlen wir uns auch. Das Wetter paßt sich jetzt endgültig der Landschaft an und es zieht sich zu, wodurch alles noch abenteuerlicher wirkt. Bei Kilometer 44 erreichen wir Campo Alacaluf, und Katrin und Thomas sowie etwa 8 Hunde begrüßen uns. Da es nach Regen aussieht, sollen wir aber sofort weiter zum Gletscher, da man später vielleicht gar nichts mehr von ihm sieht.
Friedhof von Puerto Tranquilo Valle Exploradores
Nochmal 12 km weiter finden wir einen Parkplatz und ein Conaf-Häuschen mitten in dieser absoluten Einöde, in dem ein Ranger den Eintritt kassiert und uns Wanderstöcke ausleiht. In seiner Hütte brennt gemütlich der Ofen, und es scheint, als würde er das ganze Jahr hier oben wohnen. Kurz hinter seinem Haus hört die Straße auf, es sind noch etwa 20 km bis zum Fjord aber es fehlen zwei große und damit teure Brücken, und das kann noch gut zwei bis drei Jahre dauern.
Valle Exploradores im kalten Regenwald
Der Wanderweg führt in 25 anstrengenden Minuten erst durch einen wahren Urwald, den kalten Regenwald, und dann steil aufwärts über riesige Felsbrocken, bis zu einem Mirador, von dem aus man sich plötzlich dem riesigen San Valentin Gletscher (mit 4.058m der höchste Gipfel Patagoniens) gegenüber sieht, einem Teil des nördlichen patagonischen Eisfeldes. Hier können spätestens alle europäischen Gletscher kleinlaut einpacken.
der Gletscher vom Monte San Valentin Mirador Exploradores
Nach dem Abstieg fahren wir zurück zum Campo Alacaluf und richteten uns häuslich ein. Als wir gerade bei Tee in der Küche sitzen, trifft ein norwegisches Botaniker-Pärchen auf der Suche nach einem Zimmer ein, mit denen wir alle kurz darauf bei Lammgulasch zusammen am Tisch sitzen und uns bis spät unterhalten.
im Valle Exploradores das Campo Alacaluf

Donnerstag

Der erste Regen auf dieser Reise weckt uns und hält an, bis wir nach einem gemütlichen Frühstück mit selbstgebackenem Brot und Bienenhonig aus dem Valle Exploradores den Rückweg antreten. Er verfolgt uns bis zum Ende des Tals, zurück an den See. Allerdings hatten wir nach den vielen sonnigen Tagen schon fast ein schlechtes Gewissen - zu Patagonien gehört einfach auch ein kräftiger Regen.
Morgennebel über dem Tal tiefhängende Wolken
Wir fahren bis zum Nordwestzipfel des Sees, dann durch das wilde Murtatal und einen Pass hinauf. Leider kann man aufgrund des Wetters den Vulkan Hudson nicht erkennen, der 1991 mit seinem Ascheausbruch im gesamten Patagonien tausende von Rindern und Schafen auf dem Gewissen hatte, denn die meterdicke Ascheschicht bedeckte jegliches Grün, sodaß sie verhungerten.
das Murtatal tote Bäume im Río Ibañez
Unterwegs beeindruckt noch der Río Ibañez, aus dem tausende toter Baumstümpfe ragen. Die Carretera Austral wird hier immer enger und bei Gegenverkehr hält man manchmal besser an. Im aufgeweichten Schotter am Straßenrand bleibt man sonst mit den Rädern leicht hängen und gerät ins Trudeln. Noch eine Passhöhe später biegen wir nach Puerto Ingeniero Ibañez ab, und der Regen begleitet uns immer noch.
Tal des Río Ibañez Saltos del Ibañez
An den wasserreichen Saltos del Río Ibañez reißt uns der patagonische Wind zudem noch mit voller Kraft die Autotüren aus der Hand und man muß sich ganz schön dagegen anstemmen. Puerto Ibañez erreichen wir am späten Nachmittag und beziehen gleich unsere Cabaña, in der wir im Ofen ein gemütliches Feuer machen können. Bei einem Erkundungsgang durch den Ort fällt die überdimensionierte Straßenbeleuchtung auf und die breiten vierspurigen Straßen für die wenigen 100 Einwohner. Immerhin ist es aber mit knapp 100 Jahren auch die älteste Siedlung der XI. Region.
breites Flußtal die Hauptstraße von Puerto Ibañez
Wir essen gut und reichlich und kommen mit dem schweizer Besitzer der Cabañas ausgiebig ins Gespräch, der viel über die Probleme der Gegend zu erzählen hat.

Freitag

Nach dem Frühstück fahren wir die Carretera Austral weiter nach Coyhaique, der größten Stadt und Hauptstadt der Region Aisén. Unterwegs ändert sich die Landschaft, wir fahren erst durch einige Reservas Nacionales und sehen dann schon weit vor Coyhaique ringsum nur noch Landwirtschaft, die mit der Vorstellung von Patagonien nichts mehr zu tun hat.
Blick von der Carretera Austral auf Ibañez Fahrt durch die Reserva Cerro Castillo
Coyhaique ist eine Kleinstadt, in der die gesamte Region ihre Einkäufe erledigen muß, da es nur hier Supermärkte, Baumärkte, Behörden und sämtliche Infrastruktur gibt. Wir tanken nur und fahren weiter nach Puerto Aisén, was eine Stunde entfernt liegt. Dieser Teil der Carretera Austral ist der bei weitem unspektakulärste, auch weil durchgehend geteert und ausgebaut, aber es gibt unterwegs noch ein paar schöne Wasserfälle und wenn man wandern wollte einige Reservas. Deswegen sind wir aber nicht hier.
die Zinnen des Cerro Castillo Salto La Virgen
Wir wollen morgen den Katamaran zur Laguna San Rafael nehmen und fahren deshalb noch schnell bis Puerto Chacabuco um zu sehen wo wir uns morgen früh um 7:30 einfinden müssen. Wir fragen im Hotel von Catamaranes del Sur, wo gerade ein Bus unsere Mitreisenden für morgen ausspuckt. Hier war es uns bei weitem zu teuer und wir haben das Hotel Puerto Viejo in Aisén gebucht; wie wir beim Beziehen des Zimmers finden ist das auch die bessere Wahl. Das Zimmer ist riesig, neu und schön eingerichtet und wir machen es uns zur Abwechslung mit Brot, Butter und einem Bier aus dem Supermarkt gemütlich, da das viele Essen gehen auch anstrengend werden kann. Es regnet immer noch und die Aussichten für morgen scheinen nicht die besten.

Samstag

Nach einem aufgrund der frühen Stunde sparsamen Frühstück sind wir die ersten an der Mole und auf dem Schiff, wodurch wir die Panoramaplätze ganz vorne beziehen. Das Schiff ist voll, etwa 80 Passagiere, größtenteils eine betagtere italienische Reisegruppe, und ich senke deutlich den Altersdurchschnitt. Wir bekommen schon Frühstück serviert, als wir den Fjord von Aisén verlassen um in etwa 4 Stunden die knapp 200 km bis zum Gletscher zurückzulegen.
unser Catamaran del Sur der erste Pisco Sour
Ich hoffe nur, daß der seit kurzem sich bildende Unterwasservulkan im Fjord heute noch ruhig bleibt. In letzter Zeit hat es einige Seebeben deswegen gegeben, bei denen auch ein paar Fischer verunglückten.
Vor dem Mittagessen wird schon der erste Pisco Sour gereicht und die Stimmung an Bord steigt trotz des Wetters. Unterwegs halten wir kurz an einer Seelöwenkolonie an, einige Exemplare liegen im Regen faul auf den Felsen.
typische Fjordlandschaft im Canal Costa
Gegen 13 Uhr sind wir in der Laguna und bestaunen die in allen Blautönen leuchtenden Eisberge, die hier herumtreiben. Die Gletscherfront soll etwa 3 km breit sein und 50-70m hoch. Allerdings bleibt das Schiff noch relativ weit entfernt stehen, denn zu viele Eisstücke versperren den Weg. Wir werden in Gruppen eingeteilt, bekommen eine Schwimmweste und werden in die etwas mageren Sicherheitsvorkehrungen eingewiesen. Wenn man ins Wasser fällt, soll man nicht schwimmen, das koste zu viel Energie.
die ersten Eisberge das Eis schwappt ans Schiff
Dann geht es gruppenweise in die Schlauchboote. Wir sind in einer deutsch-australischen Gruppe, wahrscheinlich damit wir wenigstens den Hilferuf verstehen können, falls jemand über Bord geht. Man hockt etwas angespannt auf dem Rand des Schlauchboots, hält sich an einem dünnen Seil fest und der Fahrer gibt gleich kräftig Gas. Wir umrunden schwankend einige blau leuchtenden Eisberge und nähern uns dann der Gletscherfront soweit es möglich ist. Das Wasser lädt nicht gerade zum Hineinfallen ein und das dichtgepackte Eis ringsum schabt schon bedenklich am Rand des Gummiboots, was außer mir niemanden zu stören scheint.
das Beweisfoto! der Gletscher San Rafael
Dafür beeindruckt uns der sattgrüne Regenwald, der bis an den Rand des Eisfelds heranreicht. Nach gut 20 Minuten geht es zurück zum Schiff und im oberen Deck fließt schon in Strömen der Whisky mit frisch geschlagenem Gletschereis. Dazu gibt es Live-Musik, zu der die wenigen anwesenden Chilenen aufgefordert werden eine echte Cueca (Chiles Nationaltanz) aufs Parkett zu legen, was sie auch gar nicht schlecht machen.
ein der angrenzende Regenwald
Als die Musik aber ins "internationale" abrutscht gehen wir lieber wieder runter. Sobald das Schiff sich auf den Rückweg macht wird Kaffee und Kuchen serviert, wohl um die Ausnüchterung einiger Passagiere zu beschleunigen, und kurz vor der Ankunft in Puerto Chacabuco noch ein erstaunlich gutes Abendessen mit gebratenem Lachs. Unseren Sitznachbarn wird zuvor noch das Tablett mit den ergatterten Pisco Sour halbvoll wieder abgenommen. Unterwegs schaukelt es uns noch ein paar Mal kräftig durch und an der Bar gehen diverse Gläser zu Bruch, als wir durch die Strömung einiger Engstellen fahren.
der Katamaran im Eis ein Stück Gletscher
Zurück in Puerto Chacabuco schafft mein Vater es noch erfolgreich, die eigentlich fälligen Parkgebühren des Hafens zu ignorieren und wir machen uns auf die Rückfahrt ins Hotel. Nach dem langen Tag sind wir etwas geschafft und schalten uns ohne große Erwartungen durch das Fersehprogramm, wo wir überraschenderweise auf einem mexikanischen Sender einen deutschen Fernsehfilm mit spanischen Untertiteln finden, der gerade erst angefangen hat - und das mitten in Patagonien, ein würdiger Abschluß für diesen Tag!
eins der Schlauchboote... ...ganz klein vor den Eismassen

Sonntag

Nach einem späten Frühstück brechen wir auf, um zum Flughafen zurück zu fahren. Die Strecke ist nur etwa 2,5 Stunden lang, aber wir haben bis zum Abflug am Nachmittag viel Zeit. Leider ist das kleine Museum über die erste Besiedelung der Region in Coyhaique heute geschlossen. Also beschränken wir uns auf tanken, da es hier die letzte Tankstelle vor dem 55 km entfernten Balmaceda gibt, und haben damit nicht mehr viel Spielraum für weitere Abstecher.
Wir fahren aber trotzdem noch eine kleine Runde zu einigen Seen und geraten wie immer wenn man nur begrenzt Zeit hat, an einige unausgeschilderte Weggabelungen, wo wir nicht sicher sind, die richtige Straße zu nehmen. Zudem ist "die Straße" teilweise wohl neu und bisher nur grob aufgeschüttet, und damit in einem denkbar schlechten Zustand. Einige der Steigungen schaffen wir gerade noch im ersten Gang und sind froh, als wir endlich wieder sehen, daß wir richtig sind. Trotzdem lohnt sich die Landschaft und der Blick auf die Seen Frío und Pollux.
Etwas zu früh kommen wir am Flughafen an und geben das Auto zurück, dann vertreiben wir uns die Zeit im Café, zum Glück gibt es überhaupt eins, denn der Flughafen ist winzig. Als es Zeit zum Boarden ist, bleiben wir sitzen bis fast alle Passagiere vor uns die Kontrolle passiert haben und schaffen es dann fast noch in das falsche Flugzeug einzusteigen. Es gibt nur eine Tür für zwei verschiedene Flüge und wir laufen dem Pulk hinterher bis mich die Aufschrift "Skyairline" stutzig macht und wir gerade noch die LAN Maschine auf der anderen Seite entdecken, in die alle anderen Mitflieger schon eingestiegen sind.
Fliegen in Chile gleicht manchmal Busfahren und so halten wir unterwegs in Puerto Montt und Temuco an, kommen also in den Genuss von drei Starts und Landungen in einem immer komplett gefüllten Flugzeug. Als wir endlich in Santiago landen begrüßen uns gewohnt sommerliche Temperaturen und Markus, der uns abholt und zuhause mit Hühnerbraten in Meerrettichsoße bewirtet.

unsere Reiseroute
Karte: Turistel Sur


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