Mein Ausflug nach Lima

In Deutschland haben wir noch die Debatte mitbekommen wie ausländische Mitbürger besser integriert werden können und welche Parallelwelten sich um sie herum gebildet haben.
Auf meiner ersten Geschäftsreise nach Peru konnte ich am Flughafen live miterleben wie ich innerhalb von wenigen Minuten von einer Welt, ausserhalb des normalen Lebens in Lima und dennoch mittendrin, assimiliert wurde und diese nach 3 Tagen über denselben Flughafen wieder verlassen habe.

Man klärte mich schon vorher auf, daß Lima ein sehr armes Land ist, deshalb war ich darauf eingestellt.
Ich hatte allerdings keine Möglichkeit etwas davon mitzubekommen, da ich immer mindestens durch eine Fensterscheibe, einen Zaun, oder eine Mauer davon getrennt war. Die Trennung vollzog sich am Flughafen: viele Passagiere gehen nach dem Zoll links in die übliche Menschentraube, ich werde von meinem Chef jedoch nach rechts gewiesen, wo unser Wagen bereits in einem abgesperrten Bereich wartet. Das erspart uns die aufdringlichen Taxifahrer, wir steigen in einen Mercedes (ein chilenischer Kollege war ganz neidisch weil er noch nie in ein einem Mercedes gefahren ist) und fahren direkt zum Hotel. Auf der Fahrt fällt mir nur auf, daß hier mehr Fenster vergittert als nicht vergittert, die Zäune mit fiesen Stacheln bewehrt und die Autotüren während der Fahrt abgeschlossen sind.
Das Hotel liegt etwas außerhalb im guten Stadtviertel direkt am Golfplatz Las Incas aber morgens um 1:00 ist der Straßenverkehr fast nicht vorhanden und wir kommen zügig voran. Das Haus ist typisch 5 Sterne und könnte auch in jeder beliebigen deutschen Großstadt stehen. Mein Handgepäck wird von einem Pagen hochgetragen der sich 6 Mal entschuldigt, daß er nur ein paar Brocken Englisch spricht und mit tausend Verbeugungen mein Apartment verlässt. Der Blick von meinem Balkon ist perfekt: unter mir, ich residiere im 12 Stock, nur Villen mit mächtigen Mauern drumherum und der Golfplatz direkt dahinter.
Da wir nicht müde sind wird für uns kurzerhand wieder die Bar geöffnet.

Am Morgen genieße ich den Blick auf die neblige Stadt, wundere mich jedoch über die gelben Schilder an den Zäunen über den Mauern der Villen. Mein Verdacht wird bestätigt, es handelt sich um Elektrozäune. Diese sollen aber nicht wie bei uns Tiere auf der Weide zusammen-, sondern vielmehr unbeliebte Besucher draußenhalten, vor allem menschliche. Meine Frage nach der Stromspannung wird mit "nicht tödlich, aber äußerst schmerzhaft" beantwortet.
Jetzt bei Tageslicht fällt mir auch der private Sicherheitsdienstmitarbeiter an jeder Straßenkreuzung auf. Auf diese Weise wird das komplette Viertel kontrolliert, 24 Stunden am Tag. Wir fahren zum Büro der NCR und bereiten die nächsten Tage vor.
Jeder Transfer beginnt und endet direkt vor der Tür des Hotels, ja nicht in Kontakt kommen mit der normalen Bevölkerung. Das Taxi wird übrigens vom Hotel bestellt, man lässt sich die Handynummer des Fahres geben und dieser und kein anderer holt einen wieder ab.
Das Restaurant abends liegt direkt am Pazifik mit einem fantastischen Blick, einer sehr ansprechenden Einrichtung und einem sehr guten Essen. Hier trifft man sich mit sozial Gleichgestellten und ist unter sich. Dafür sorgen Sicherheitsleute die sehr diskret um das Gebäude verteilt sind. Preise um die $20, für mich normal und bei der Qualität des Essens eher günstig, bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von $1900 in Peru astronomisch hoch.

Der Termin am nächsten Tag verschiebt sich wegen angeordneter Staatstrauer, ein ehemaliger Präsident Perus ist gestorben. Wir verbringen den Tag im Besprechungsraum "Hole in One" an den Laptops.
Abends geht es wieder in ein Restaurant, diesmal mitten in der Stadt. Wir fahren durch ein Tor in einer mindestens 4 Meter hohen Mauer. Wieder genau das gleiche Spiel, heile Welt innen mit Designerstühlen, Kunst an der Wand, Mineralwasser aus Europa und einfach hervorragendem Essen. Wir lassen die Elektrozäune und das Elend draußen, genießen den Blick auf die Lichtspiele im Garten, das Essen und den französischen Wein.

Tags darauf der Termin bei einer Bank, schon das Foyer ist eindrucksvoll. Wieder ist man unter sich, gut gekleidet geht man seinen Geschäften nach. Von da geht es direkt zum Hotel und zum Flughafen.
Am Eingang werden die Ausweise kontrolliert, wir werden, dank des Anzugs, direkt durchgewunken. Die gläserne Welt der Läden im Duty Free Bereich nimmt mich auf und komischerweise sehen die Menschen hier aus wie all jene die ich die letzten Tage gesehen habe.

Ehrlich gesagt habe ich von der Stadt nicht viel mitbekommen, aber das kenne ich ja schon von Geschäftsreisen in Deutschland. Der Unterschied besteht hauptsächlich in der totalen Trennung von Arm und Reich, die ich in dieser Art noch nie erlebt habe.
Das Ganze war recht interessant um es einmal zu erleben.
Beim nächsten Ausflug dieser Art werde ich aber definitv die Grenze überschreiten und ein bißchen richtige "Peruluft" schnuppern. Nicht das klimatisierte Zeug von diesem Mal ;-)

Gruß,
Dos Puntos



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