Ein Sonntag in Lima

16.11.2008

Ganz kurzfristig steht für Markus ein neuer Lima-Aufenthalt bevor und ich darf wieder mit. Für Markus ist es übrigens in diesem Jahr der dritte und insgesamt bereits der sechste Aufenthalt in Peru. Wenn ihm das jemand vor drei Jahren prophezeit hätte, er hätte ihn für verrückt erklärt.
Dank unserer gesammelten Kilometer bei LANChile kostet uns mein Flug nur 45 USD Steuern und das Hotel ist ohnehin bezahlt. Ob Einzel- oder Doppelzimmer ist hier preislich kein Unterschied. Da sich der Aufenthalt aber ganz chilenisch erst kurzfristig am Freitag nachmittag konkretisiert und meine Flugbuchung noch von einer erfolgreichen Hotelbuchung abhängt, die sich ihrerseits wiederum durch den stattfindenden APEC Gipfel (Asia-Pazifik Anrainerstaaten) schwierig gestaltet, steht erst Freitag abend fest, dass wir tatsächlich fliegen.
Sonntag früh klingelt der Wecker um 5 Uhr 30 und um 10 Uhr stehen wir mit 2 Stunden Zeitverschiebung in Lima vor unserem Taxi, einem pompösen Mercedes mit schwarzgetönten und sicherheitsfolienbeklebten Scheiben. Kaum haben wir im Stadtteil Surco unser nicht weniger pompöses Hotel bezogen, machen wir uns mit einem weiteren Taxi auf den Weg ins Zentrum.

Die Plaza Mayor mit ihren schön restaurierten Gebäuden und der Menschenmenge, die sich die sonntägliche Militärparade vor der Kathedrale anschaut. Im Anschluss an die Parade posiert das Militär übrigens mitten auf der Plaza, und läßt sich von und mit den Zuschauern fotografieren. Die gelben Gebäude im Kolonialstil beherbergen die Stadtverwaltung und der Brunnen aus Bronze in der Mitte der Plaza ist das Original aus dem Jahr 1650.
An der Ostseite der Plaza steht die Kathedrale aus dem Jahr 1625 und an der Nordseite befindet sich der Präsidentenpalast, mit den Fahnen des APEC Gipfel geschmückt. Seit 1938 fungiert er als offizielle Residenz des Präsidenten der Republik.
Die Palastwache mit Panzer und Waffe im Anschlag und der reich verzierte Balkon des Palacio del Arzobispo, links neben der Kathedrale.
Balkone scheinen überhaupt sehr wichtig gewesen zu sein. Je mehr Balkone, umso größer der Reichtum. Also finden sich in den Straßen rund um die Plaza Mayor noch viele alte Gebäude mit reich verzierten Holzbalkonen. Die meisten Häuser sind bewohnt, einige wenige restauriert und von Firmen oder öffentlichen Einrichtungen genutzt.
Früher saßen hier die Ehefrauen wohlhabender Bürger und verfolgten hinter den geflochtenen Holzfassaden unerkannt die Prozessionen und das Leben auf der Straße. Manche der Häuser machen heute allerdings den Eindruck, als würden sie dem nächsten Erdbeben nicht mehr standhalten. Rechts unten erkennt man hinter einem gut erhaltenen Balkon die freigelegte Wandkonstruktion aus Bambusrohr und die elektrischen Leitungen.
Innenhof der Casa de Osambela von 1807. Ehemals das höchste Wohngebäude Limas, von dessen Mirador im dritten Stock der Hausherr durch das Fernglas die Schiffe im Hafen von Callao erkennen konnte. Der Cuidador winkt uns hinein, als wir gerade überlegen wie wir es anstellen, eines dieser Gebäude von innen anzuschauen, und wir bekommen eine Privatführung bis aufs Dach.
Originaltreppe und Kopien der spanischen Wandfliesen. Heutzutage wird das Gebäude als Kulturinstitut und Sprachzentrum für Quechua genutzt, im Erdgeschoß findet sich eine alte medizinische Bibliothek, die von den Universitäten genutzt wird.
Über den Dächern von Lima: Blick über Dächer und Innenhöfe der umliegenden Häuser, die in deutlich schlechterem Zustand sind. Dafür sind Wolkenkratzer rund um das historische Zentrum so gut wie nicht zu sehen. Rechts die Außenansicht, Señor Osambela verfügte über eine Menge Geld, wenn man seine Balkone zusammenzählt.
Seitenansicht der Iglesia de Santo Domingo, in deren Inneren die Totenschädel der Heiligen Santa Rosa de Lima und San Martín de Porres ausgestellt sind, die sich ihre ewige Ruhe sicher anders vorgestellt haben. Rechts steht Markus am Río Rímac, der zwar viel begrünter daherkommt als unser Mapocho in Santiago, dessen Wasser aber sicher viel hoffnungsloser verschmutzt sind. Umweltschutz rangiert für die peruanischen Regierung ziemlich weit unten auf der Agenda.
Busfahrt zum Cerro San Cristóbal durch das Barrio Rímac auf der anderen Seite des Flusses. Hier wird nicht nur von Besuchen nach Einbruch der Dunkelheit abgeraten, auch sollte man nicht arglos die Kamera aus dem offenen Busfenster halten. Einige der zwei- bis dreistöckigen, verschachtelten und zusammengewürfelten Häuser am Rímac sind in einem Zustand, den wir in Chile noch nirgends erlebt haben. Die bunten Häuser am Fuß des Hügels machen da schon einen besseren Eindruck. Man beachte die peruanische Fahne oben an der Spitze des Hügels.
Blick vom Mirador auf den riesigen Friedhof, von dem man die schnurgerade gezogenen weißen Mauern und Grabwände erkennt. Im Vordergrund verläuft die Panamericana, die etwa 2500 Kilometer Luftlinie weiter südlich, auch durch Santiago führt. Allerdings wären wir sicher drei bis vier Tage unterwegs.
Blick in die andere Richtung, auf die üblichen kahlen Hügel und Backsteinsiedlungen.
Markus mit Blick und ich mit Kreuz.
Und zum Abschluß der Vergleich: Siedlung in einem bescheidenen limeñischen Außenbezirk und der Blick aus unserem Hotelzimmer in einem wohlhabenden Wohngebiet. Auch dort, wo das Geld residiert, sieht man keine Veranlassung, die staubigen Hügelflanken zu begrünen.




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