Peruanische Eindrücke

16.-22.11.2008

Der Gipfel der Sicherheit

Anläßlich des APEC Gipfeltreffens wurde in Miraflores konsequent die Umgebung der Veranstaltungsorte und Hotels abgesperrt, in denen unter anderem die 21 Präsidenten der Mitgliedsstaaten untergekommen sind. Kurzerhand hat man mobile Gitter aufgestellt, den Verkehr rigoros umgeleitet und Zugang nur unter Vorlage des Ausweises gestattet. Für die "gemeine" Bevölkerung wurden wie auch schon im April zwei zusätzliche Feiertage ausgerufen, um die Straßen und Bürgersteige Limas frei zu halten. Ohne diese Maßnahme wäre es sicher in einigen Gebieten zum Verkehrschaos gekommen. Obwohl unser Hotel nicht zu den besonders schützenswerten gehört, denn es wurde "nur" eine peruanische Delegation darin untergebracht, schieben auf dem Teil des Bürgersteigs, der von unserem Fenster aus einsehbar ist, seit unserer Ankunft bis zu 12 Polizisten rund um die Uhr Dienst. Im Umkreis von 100 Meter um den Eingang unseres Hotel zählte ich bereits 17 Polizisten, die mit blitzblank gewienerten Schuhen in Grüppchen zusammen stehen oder gelangweilt auf und ab spazieren.
Stopschilder gelten in Peru eher als Vorschlag Verkehrserziehung für Polizisten?
Als zweifelhafte Abwechslung müssen sie die temporären Klebeschilder für die Umleitungen ausschneiden, auch wenn es von meinem Fenster aus eher den Eindruck einer Nachschulung in Verkehrserziehung macht.
Auch konnten wir bereits den Wachwechsel beobachten. Zu dieser Gelegenheit fährt ein großer alter Bus vor und aus allen Richtungen strömen die Polizisten mit ihren bunten Nylonsporttaschen heran, in denen sich vermutlich das Mittagessen befand, und ein frischer Schwung tritt den Dienst an.
Läuft man hinunter Richtung Meer, Einkaufszentrum Larcomar und Marriot Hotel, wird man an der Absperrung freundlichst begrüßt, zeigt seinen Ausweis und den Inhalt der Handtasche vor, und darf dann passieren. Hole ich morgens die Brötchen, muss ich mich dazu zwar nicht ausweisen, bewege mich aber unter permanentem Polizeischutz bis zur übernächsten Ecke, an der der Brötchenkarren steht.
gähnend leere Straßen hinter der Absperrung Ausweis- und Handtaschenkontrolle
Am Sonntag wandern wir vor dem Abflug am Abend noch am Strand entlang, der übrigens von oben, also von der Steilküste auf der die Stadt liegt hinunter, weitaus romantischer aussah. Die fehlende Romantik unten am Wasser wird durch Müll, grölende Autoradios und einen toten, angespülten Seelöwen etwas beeinträchtigt, der verständlicherweise ziemlich müffelt. Zurück nach Miraflores bleibt der offizielle Weg oder ein Trampelpfad als Abkürzung die Steilküste hoch. Markus plädiert wie immer für Trampelpfad, ich für offiziell, da mir peruanische Trampelpfade auch am hellichten Tag wenig Vertrauen einflößen. Diesmal muß aber selbst Markus zugeben, dass ich einmal Recht hatte, denn oben wären wir höchst illegal im abgesperrten Ring um das Marriot Hotel über die Böschung geklettert, und hätten uns vermutlich gleich als Bush-Attentäter verdächtig gemacht.
Wieder einmal müssen wir uns ausweisen und dürfen dann das Marriot, die schwarzen Limousinen mit unauffälliger Panzerung und die zweite Kontrolle der amerikanischen Sicherheitskräfte samt eingeflogener Schäferhundstaffel passieren. Bush hat bei einem seiner letzten Auftritte nicht gespart, Wirtschaftkrise hin oder her, und reiste mit über 400 Mann Sicherheitspersonal an, wie wir hinterher lesen. Aber immerhin wurden damit auch uns einige sehr sichere Nächte beschert, wohnten wir doch fast in Sichtweite zum fast-schon-Ex-Präsidenten. Über das nahezu autofreie Miraflores, das eine ungewohnte Ruhe im Gegensatz zu unserem letzten Aufenthalt zur Folge hatte, freuen wir uns auch.
Später am Flughafen, als wir pünktlich in unserer LAN Maschine in Richtung Startbahn rollen, bietet der Pilot uns einen ungehinderten Blick auf den Flug-Park der Präsidenten, deren Flugzeuge etwas abseits auf dem Flughafengelände geparkt sind und auf die Rückreise am gleichen Abend warten.

Ausstellung Klimawandel

Auch wenn vielleicht der Präsident den Umweltschutz nicht allzu wichtig erachtet, Miraflores bietet uns auch bei diesem Aufenthalt eine Ausstellung zum Klimawandel unter dem Titel "Clima de cambios" oder El clima cambia - tú vida también Hier einige der ausgestellten Bilder:

Flotter Otto

Auch diesmal hat es uns unweigerlich erwischt. Immerhin haben wir von Sonntag bis Mittwoch durchgehalten, bevor uns der peruanische Durchfall dahin raffte. Unerklärlich bleibt, wieso Markus nie so schwer getroffen wird wie ich, obwohl er sich nur halb so oft die Hände wäscht. Vielleicht, weil er seinen Pisco Sour immer schneller austrinkt und sich dann unter heimtückischen Ablenkungsmanövern weiterhin an meinem Glas bedient. Pisco (35-45%-iger Traubenschnaps) soll ja desinfizierend auf den Magen-Darm-Trakt wirken.
Und wenn man nicht aufpasst, ist meiner auch gleich weg!
Als Ursache haben wir drei Faktoren ausfindig gemacht:

1) die Reste des Leitungswasser beim Zähneputzen, die man hinunterschluckt, enthalten andere Keime und Verunreinigungen als in Chile (auch wenn es noch stärker nach Chlor riecht).
2) die Tatsache, dass wir uns in Lima allabendlich von rohem Fisch ernähren. Aber Ceviche (roher, marinierter Fisch mit Mais und Süßkartoffel), Sushi und Thunfisch, der nur einmal kurz über den Grill geschwenkt wurde, sind einfach unschlagbar und unverzichtbar.
Ceviche Grillplatte mit 100 Beinen

3) die nicht vorhandene Kühlkette auch bei Restaurants der gehobenen Preisklasse.
Im gegenüberliegenden Restaurant können wir allmorgendlich die Anlieferung der frischen Waren beobachten. Dazu fährt ein überladener PKW vor, entlädt einige große Säcke mit Obst und Gemüse von der Rücksitzbank und öffnet dann den Kofferraum, woraufhin sich eine unmißverständliche Wolke von Fischmarktgeruch entfaltet. Im Kofferraum lagern mehrere Säcke mit zweifelsfrei frischen Fischen und Meeresfrüchten, die aber schon eine geraume Weile durch die Straßen der Stadt chauffiert wurden, Verkehrsstau und Umleitung inklusive. Die Tatsache, dass in Peru ein gut funktionierender Kühlschrank längst nicht überall selbstverständlich ist, trägt zur weiteren fröhlichen Vermehrung der Keime bei. Als Krönung im kurzen Leben eines E-Coli-Bakteriums stürzt selbiges sich sodann auf unvorbereitete Ausländermägen und verwandelt unsere wehrlosen Gedärme innerhalb kürzester Zeit in einen gigantischen Erlebnispark mit der längsten Wasserrutsche der Welt.
Aber: diesmal hat sich unser Abwehrsystem an den letzten Vorfall dieser Art im April erinnert und konnte mit einiger Gegenwehr aufwarten. Noch ein paar dieser Aufenthalte in Lima und wir sind bereit für ausgedehntere Reisen im Land.

Trotzdem: Die wichtigsten Utensilien für einen Peru-Urlaub bleiben:
Erste Hilfe in Peru


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