Nahuelbuta II

...ein Zaunpfahl im Regen

21.-24.05.2009

Herbstfarben im Süden
Wir haben noch eine Mission zu erfüllen. Daher entschließen wir uns auch trotz schlechtester Wettervorhersage, an diesem langen Wochenende in den nassen Süden zu fahren.
Donnerstag früh geht es gemütlich los und schon hinter Talca ziehen die Regenwolken auf. Den Rest der langen Fahrt bis hinter Los Angeles ist es schon ungemütlich nass und kalt draußen. Dafür ist die Ruta 5 wie leer gefegt. Als es schon dunkel ist, biegen wir endlich nach Osten ab und nehmen die Schotterpiste zum Parque Nacional Tolhuaca. Eigentlich hatten wir gehofft, dass es nur ein bißchen regnen würde, aber mit jedem Kilometer nimmt die Wassermenge jetzt noch zu. Gerade als wir uns beglückwünschen, dass wir hier keine Flüsse queren müssen, rauschen schon ein paar Bäche quer über die Straße. Niemand außer uns ist hier unterwegs und wir hoffen, dass die Straße weiterhin befahrbar ist, denn es scheint bereits länger so kräftig zu regnen und wir haben schon gesehen, was das für chilenische Straßen bedeutet. Als wir irgendwann endlich am Nationalpark ankommen, zweifeln wir leicht daran, hier übernachten zu wollen. Wir queren die neue Brücke, unter der das Wasser des Flusses schon reichlich angestiegen ist und inspizieren den Campingplatz, dem das Wasser auch schon bis zum Hals steht. Man könnte hier zwar übernachten... aber was, wenn es den Rest der Nacht weiter schüttet? Eventuell steht das Auto dann schon im Wasser und die Brücke ist überflutet. Also drehen wir um und fahren weiter, noch eine Stunde bis Curacautín, wo wir die gemütliche, beheizte Andenrose wissen.
Bachquerung Araukarien und Herbst
Hoffentlich hat die im Winter überhaupt noch offen und der Wirt ist noch nicht auf Deutschlandurlaub. Aber als wir ankommen, strahlt das Licht schon gemütlich aus den Fenstern, erst übermorgen fliegt er, wie er gleich erzählt. Wir bekommen ein Zimmer und ein Abendessen mit Gulasch und Spätzle - was will man mehr?
ein besonders großes Exemplar wo ist hier wohl der Weg?
In der Nacht, als ich zu unserem Bad auf dem Gang gehe, sehe ich mich einer riesigen Spinne gegenüber, die wohl aus dem Feuerholz kommt und sich in der Jahreszeit vertan hat. Nach kurzer Überlegung sitzt sie mir doch zu nah an unserer Tür und der Spalt darunter ist ziemlich groß. Markus scheucht sie also Richtung Nachbarzimmer und entdeckt gleich noch ein zweites Exemplar.
immergrüner und herbstlicher Wald Bachquerung ohne nasse Füße
Am nächsten Morgen sieht das Wetter deutlich besser aus und so fahren wir nach dem Frühstück in die nahe Reserva Malalcahuello, da der Tolhuaca wohl auch zum wandern zu überflutet ist. Wir erwischen den falschen Wanderweg und schlagen uns eine Stunde erst über einen Bach, an dem ich mir einen nassen Fuß hole, und dann durch dichten Wald und Bambusgestrüpp und schimpfen auf die Parkverwaltung, die sich um nix kümmert, am wenigsten um die Wege. Schließlich müssen wir umkehren, hier ist kein durchkommen mehr. Wieder unten, sehen wir den richtigen Weg ein paar hundert Meter weiter. Wir nehmen aber lieber das Auto und fahren noch ein Stück in die Mondlandschaft um den Cráter Navidad, oben bläst ein Sturm und es ist eiskalt, daher fahren wir zum Picknick lieber wieder runter.
Vulkan Lonquimay und Cráter Navidad neue Vegetation auf Aschelandschaft
Außerdem sieht es nach Regen aus und wir müssen uns ja schließlich noch um den eigentlichen Grund für unseren Ausflug kümmern. Also fahren wir in Richtung Nationalpark Nahuelbuta und versuchen unterwegs in diversen Ferreterias noch Spanngurte zu kaufen, haben aber erst im Baumarkt von Angol Glück. Naja, das sichern einer Ladung ist in Chile auch nicht weit verbreitet, wenn man sich die teilweise abenteuerlichen Konstruktionen so anschaut.
aus der Mondlandschaft zum Araukarienwald Herbstfarben
Mittlerweile regnet es schon wieder kräftig und wie gestern wird es immer stärker. Wir treffen nur auf einige betrunkene Chilenen auf dem Heimweg, die anscheinend das Licht unserer Scheinwerfer für eine neue Straßenbeleuchtung halten. Wir schaffen es erst nach mehreren hundert Metern sie zu überholen, ohne zu riskieren, dass sie zusammen mit dem Lichtkegel nach links oder rechts schwanken und uns in den Kotflügel fallen.
Endlich treffen wir am frühen Abend im Park ein. Der Guardaparque hat schon Feierabend - wer fährt hier auch bei dem Wetter hin? - und so suchen wir den schon bekannten Campingplatz auf. Auch hier gähnende Leere, tropfende Bäume und rauschender Regen.
kochen im Regen ein äußerst grünes Badezimmer
Wir parken im stockdunkel so, dass wir das Tarp über die eine Seite des Autos und ein Stück des Tisches ziehen können. Mit Hilfe des Regenschirms schafft Markus es so, wenigstens im trockenen zu kochen und wir werden nicht gleich durchweicht, wenn wir nachts mal aus dem Auto müssen. Es ist Neumond und dank der Wolkendecke und dem Blätterdach über uns ist es einfach stockfinster. Nach dem Essen verschwinden wir also notgedrungen im Auto und hoffen für morgen auf Besserung. Immerhin haben wir ein langes Hörbuch dabei und verbringen dabei den Abend.
unser neuer Mitbewohner... ...sieht oben auf dem Dach ganz handlich aus
Morgens ist es tatsächlich einigermaßen trocken. Nach dem Frühstück packen wir alles zusammen und besuchen noch den Piedra del Aguila, einem großen, als Aussichtspunkt zugänglich gemachten Felsen im Park.
Araukarien im Regen
Trotz Nieselregen laufen wir das kurze Stück bis zum Felsen, nur in Gesellschaft von vier oder fünf großen Spechten, die die Bäume bevölkern. Danach ist es uns zum wandern zu ungemütlich und wir machen uns auf den Rückweg.
bemooste Stämme Araukarien im Nebel
Wir fahren ein gutes Stück, bis zu der Stelle, wo Markus vor 2 Jahren einen alten Zaunpfosten am Wegrand entdeckt hat, der herrenlos und halb im Schlamm versunken dort lag. Damals hatten wir keinen Dachträger und ins Auto passte er nicht. Beim zweiten Mal auf der Durchreise hatten wir neben der Dachbox keinen Platz mehr und zudem keine Spanngurte.
Aufstieg zum Aussichtspunkt der Piedra de Aguila
Jetzt schlägt also Markus Stunde! Er zerrt den fast 2,50m langen, mit der Axt grob zum Zaunpfosten zugehauenen Baumstamm aus dem Gebüsch, in dem er ihn das letzte Mal versteckt hatte, und lädt ihn aufs Dach. Ich kann leider nicht helfen und fotodokumentiere dafür. Bei dem Wetter begegnet uns zum Glück niemand.
mehr Nebel als Aussicht irgendwo da hinten ist die Küste
Heute fahren wir nur noch zu den Saltos del Laja, einem großen Wasserfall mit Hotel, in dem wir auch schon mehrfach gegessen und geschlafen haben. Zum Glück ist auch hier geheizt und wir bekommen ein Zimmer mit bestem Wasserfallblick. Draußen wird es wieder ungemütlich und so beschränken wir uns auf einen kurzen Spaziergang zum Wasserfall und gehen abends ins Restaurant zum essen.
Rückfahrt vom Park Salto del Laja
In der Nacht rauschen Fälle und Regen um die Wette. Am nächsten Morgen, nachdem uns das Frühstück, wie hier üblich, aufs Zimmer serviert wurde, machen wir uns auf den Heimweg. Wie auch auf der Herfahrt schreckt das Wetter jeden ab das Auto zu benutzen und so sind wir bis kurz vor Santiago relativ allein unterwegs.

Zuhause angekommen, sägt Markus noch ein Stück vom Pfosten ab, sonst hätte er gar nicht in die Wohnung gepaßt (komisch, auf dem Auto sah er so handlich aus) und schon haben wir ein neues Möbelstück im Wohnzimmer.
unser neuer Mitbewohner


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