Neapel 2006

Reisebericht zu unserem Kurztrip im April
  hund mit zitronen

Mittwoch, 05.04.2006
Markus hat schon frei. Welche Ungerechtigkeit, finde ich, während ich noch Arbeitstag Nr. 10 in Folge dank Monatsabschluß im Büro über mich ergehen lasse. Immerhin bleibt mir so der größte Teil des Packens und Einkaufens erspart. Noch ein letztes Meeting, unruhiges auf die Uhr schauen und hufescharren, und um 17 Uhr endlich in die Freiheit und den Urlaub entlassen! 6 Tage Neapel - Sonne und gutes Essen garantiert!
Jetzt stehen letztes Einpacken und die Abfahrt mit prall gefüllten Rucksäcken in Richtung Bonn an. Dort übernachten wir bei meinen Eltern, um am  nächsten Morgen von meinem Vater am Flughafen abgeliefert zu werden.


Donnerstag, 06.04.2006
In letzter Minute verlege ich die Abfahrt zum Flughafen noch um eine Viertelstunde nach vorne... man kann nie sicher sein, nachher ist der Stau doch länger als einkalkuliert. Markus rollt nur die Augen. Nachgeben ist besser als meine gespannte Aufregung, den Flug zu verpassen, zu ertragen. Nach einem Frühstück, das zeitsparend im Stehen eingenommen wird, schultern wir die Rucksäcke und das Handgepäck und los geht es. Natürlich ohne Stau. Somit sind wir fast 2 Stunden vor Abflug am Köln-Bonner Flughafen. Naja, besser als zu spät. Nachdem mein Vater uns abgeladen hat strebt Markus magisch angezogen dem örtlichen Schnellimbiss zu. Wir haben zwar gerade gefrühstückt, aber ein Urlaubsburger geht noch, schließlich gibt es solche kulinarischen Ausrutscher nur auf Reisen. Der Kellner, der uns das Essen an den Tisch bringt, schaut angestrengt nach draußen zum Himmel und murmelt etwas von: "Iran Air im Anflug, gleich wird es voll!". Er scheint aber keine Antwort zu erwarten und so widmen wir uns dem 2. Frühstück. Danach schlendern wir zum Schalter, checken ein und müssen natürlich unsere Rucksäcke zum weit entfernten Sperrgepäckschalter "Ost" bringen, nachdem Sperrgepäckschalter "West" nicht besetzt war, wahrscheinlich aufgrund tariflich geregelter Kaffeepause. Seltsamerweise müssen alle ihre Tickets vorzeigen, nur wir werden gelangweilt durchgewunken. Ob das wohl ankommt?
Nach einem weiteren Bummel durch die Gänge gehen wir durch die Handgepäckkontrolle, wo Markus erstmal seine Schuhe ausziehen muß. Da ich genau die gleichen Wanderschuhe trage, wundere ich mich, warum das Gerät bei mir nicht anschlägt. Aber vielleicht entspricht der Metallgehalt meiner Ösen aufgrund kleinerer Schuhgröße gerade noch dem Toleranzwert?
Der Flug startet pünktlich und wir installieren uns für die knapp 2 Stunden in der Reihe hinter dem Notausgang. Mein Buch liegt dummerweise im Gepäckfach, was dank eines überdimensionalen Holländers neben mir schwierig zu erreichen ist. Markus ist in sein Buch vertieft und ich vermisse das Entertainment. Beim Flug über den Apennin, als ich mich endlich entspannt zurücklehne, fallen wir plötzlich in ein meiner Meinung nach riesiges Luftloch. Kaum habe ich mich erholt und Magen und Gehirn wieder an den richtigen Platz sortiert, setzen wir auch schon zum Landeanflug durch die Wolkendecke an. Laut Pilot soll es nieseln! Der hat keine Ahnung, wir sind schließlich in Italien!
Nach erfolgter Landung und gespanntem Warten auf die Rucksäcke finden wir den Bus in die Stadt zum Hauptbahnhof. Eine moderne Anzeigetafel zählt den Countdown bis zur Abfahrt des Busses hinunter. Als sie bei Null angekommen ist, fängt sie wieder von vorne an. Irgendwann fährt der Bus dennoch los und bringt uns in 20 Minuten in die Stadt. Der erste Eindruck ist nicht ermutigend. Baufällige Häuser, Leben an der Autobahn, schmutzige Straßen, ... naja, hier ist nur eine Zwischenstation.
Am Bahnhof suchen wir die Circumvesuviana, eine Vorstadtbahn, die uns nach Pompej bringen soll. Markus steht erfolglos am Ticketautomaten und tastet sich durch das (zumindest in den ersten 2 von 10 Schritten) deutsche Menü. Meine spanische Frage am Informationsstand und diverse Handzeichen deuten uns die Richtung zum richtigen Ticketschalter und Gleis. Ein hilfsbereiter italienischer Bahnbediensteter erklärt uns extra deutlich, aber nichts desto trotz auf italienisch, den Weg zum richtigen Zug. Endlich in der Circumvesuviana zählen wir mindestens 18 Stationen bis "Pompej Scavi". Nach einigen Stationen durch staubige Vororte, in denen alle Bewohner Waschtag zu haben scheinen, ist sogar das blaue Meer zu sehen. Auch das Wetter bessert sich und läßt die Sonne durchblicken!
Endlich in Pompej angekommen, sehen wir schon vom Bahnhof aus den anvisierten Campingplatz "Zeus". Verkehrsgünstig gelegen zwischen Bahngleisen und Ausgrabungszubringer, aber trotzdem eine grüne Wiese mit reichhaltig behangenen Zitronen- und Orangenbäumen und der nötigen Ausstattung. Der nicht sehr freundliche Mitarbeiter behält Markus' Ausweis ein und schickt uns mit einem desinteressierten "wo auch immer" auf Stellplatzsuche. Die Hälfte des Platzes wurde wahrscheinlich ertragsfördernder in einem Parkplatz zu den Ausgrabungen umgewandelt, der Rest ist nur dünn besiedelt. Mit uns reist noch ein Paar mit Rucksack und Zelt an. Das läßt uns solidarisch nebeneinander die Zelte aufschlagen. Der Rest der Bewohner stammt unverkennbar aus Deutschland, die Wohnmobile übertreffen sich gegenseitig in Größe und Komfort, einer hat sogar einen Anhänger mit stadtverkehrstauglichem (?) Geländewagen dabei.
zelt bei zeus  
Nach dem Aufbau unserer Behausung und einer interessanten Runde durch die sanitären Anlagen geht es auf erste Erkundungstour. Der Eingang zu Pompej liegt strategisch günstig nur etwa 200m vom Zelteingang entfernt. Davor haben sich eine Reihe von Souvenir- und Verpflegungsständen aufgebaut. Überall hängen riesige Zitronen und Orangen, und frisch gepresster Saft wird angeboten. Da wir nunmal im Urlaub sind kaufen wir frischen Zitronensaft für mich und Granita di limone für Markus und ignorieren tapfer die touristischen Preise. Damit schlendern wir die Straße entlang an zahlreichen Restaurants und unzähligen staubigen streunenden Hunden vorbei und gelangen an die Hauptstraße, an der zwei weitere Campingplätze liegen, und suchen nach einer Möglichkeit, Essen und vor allem Spiritus für den Kocher zu kaufen, den wir im Flugzeug nicht mitnehmen konnten. Da aber noch äußerste Vorsaison herrscht, haben die Läden beider Plätze noch geschlossen. Ein alter Mann fragt freundlich auf deutsch, ob er uns helfen kann. Allerdings ist er leicht schwerhörig und wir können ihm nicht verständlich machen, daß wir Spiritus suchen. Er versucht es mit Zettel und Stift, aber auch das klappt nicht. Dann schickt er uns die Straße hinunter zum Supermarkt oder ins Restaurant. 500m weiter finden wir tatsächlich einen Supermarkt und stürzen uns ins kulinarische Abenteuer. Nach zahlreichen Diskussionen und Essensvorschlägen entscheiden wir uns erstmal für herrliches italienisches Brot mit Käse und Parmaschinken und dergleichen. Markus will "nur einen Snack" und nachher essen gehen. Zurück am Zelt schwelgen wir in italienischen Köstlichkeiten und in der Sonne und legen uns danach erstmal eine Stunde in den Schlafsack, wir haben ja Urlaub.
Nach dem Aufwachen merken wir allerdings daß wir einen schweren strategischen Fehler begangen haben: nachdem Pompej um 19 Uhr die Tore geschlossen hat, liegen auch alle Restaurants wie von Geisterhand verlassen da. Ein verzweifelter Run auf den Supermarkt läßt uns beim Näherkommen nur noch die letzte Angestellte sehen, die gerade die Lichter gelöscht hat und nach Hause geht! Unser erster Abend in Italien und wir haben weder Wein noch Bier?! 
An der Tankstelle gäbe es zwar beides aber unser natürlicher Geiz schlägt angesichts von 10 Euro für einen Tafelwein durch. Am nächsten Campingplatz haben wir Glück, der Nachtwächter hat hinter sich im Büro einen vollen Kühlschrank mit Bier. Nach vorsichtigem Nachfragen ob er es denn verkaufe, nehmen wir ihm 4 Flaschen deutsches Bier zu fürstlichem Preis ab, italienisches ist nicht im Angebot. So ausgestattet kehren wir zum Zelt zurück und verbringen den Abend zufrieden bei Brot, Käse, Bier und mehreren Runden Rommé bis es dafür zu kalt wird. Es ist eben doch erst April. Mit den besten Vorsätzen zum frühen Aufstehen gehen wir zu Bett.
markus mit zitronen  

Freitag, 07.04.2006
Es ist 7 Uhr, klassische Musik zerrt mich unnachgiebig aus dem Schlaf. Die Ohrstöpsel, die wegen der nächtlichen ausfürlichen Bahnhofslautsprecherdurchsagen nötig waren, habe ich längst im Schlafsack verloren. Beim Wachwerden entpuppt sich die Musik als zaghaftes Flötenspiel. Ungläubig schäle ich mich aus dem Schlafsack und suche nach der Ursache. Nach dem ersten Gang zur Toilette lokalisiere ich den Blockflötisten in einem winzigen grünen Einmannzelt schräg gegenüber. Anscheinend flötet er rücksichtsvollerweise nur mit halber Kraft aufgrund des frühen Morgens. Auf dem Rückweg sehe ich, dass eine deutsche Wohnmobilistin ihn gestellt, aus dem Zelt gescheucht und in ein Fachgespräch verwickelt hat.
Nach opulentem Frühstück, eiliger Wäsche (die Duschen sehen nicht so einladend aus, nachdem eine Rotel-Reisegruppe aus Paderborn schon gegen 6 Uhr darüber hergefallen ist) machen wir uns frohgemut auf nach Pompej um den ganzen Tag in den Ausgrabungen zu verbringen. Beim Näherkommen wundern wir uns über das verschlossene Tor mit einer Handvoll Touristen davor. Ein Amerikaner teilt uns aufgeregt mit, daß Pompej streikt. Mit einem verächtlichen Blick gehe ich davon aus, daß er uns auf den Arm nimmt. Aber er läßt sich nicht beirren und erklärt uns, daß auch gestern bereits gestreikt und erst gegen 14:30 geöffnet wurde. Ungläubig belauschen wir daraufhin einen deutschen Reiseleiter am Telefon, der gerade hektisch den Tagesablauf umdisponiert.

karte vesuv  

Nach einigen Überlegungen entschließen wir uns, statt dessen heute den Vesuv zu besteigen. Wir sind ja flexibel. Schnell zum Zelt, umgezogen, Wanderstiefel an und Rucksack gepackt. Dann ab zum Zug und auf nach Ercolano, von wo aus es einen öffentlichen Bus zum Vesuv geben soll.
Dort angekommen ignorieren wir weltmännisch die touristenwerbenden Minibusfahrer und schlagen uns zum Verkehrsbüro durch. Ein zahnloser alter Mann, der nur italienisch spricht, reagiert auf unsere Anfrage mit einem Flugblatt, dass er uns in Zeitlupe hinschiebt, dem wir entnehmen, dass der einzige offizielle Bus des Tages erst um 12:45 fährt. Niemand sonst ist zu entdecken und jegliche Kommunikation scheitert. Ob nicht nur Pompej streikt und der alte Mann die Notbesetzung ist? Also entschließen wir uns, tapfer zu Fuß zu gehen. Nach 20 Minuten durch schmutziges Straßengewirr und einem am Horizont gerade zu erkennenden Vesuv geben wir entnervt auf und kehren reumütig zum Minibusparkplatz zurück. Für 10 Euro pro Person an das versammelte ercolanische Minibuskartell sitze ich auf halber Pobacke neben einem rotgesichtigen schwitzenden Engländer, dessen Frau mich von der anderen Seite her giftig anschaut, und Markus auf dem Radkasten eines altersschwachen und hoffnungslos überladenen Gefährts, dass mit 15 km/h den Berg hinaufkeucht. Nach 20 Minuten angestrengter Fahrt sind wir am Großparkplatz, von wo aus man für weitere 6,50 Euro pro Person den Aufstieg zum Kraterrand beginnen kann. Markus braucht erstmal ein Eis. Ein Serpentinenweg führt über vulkanischem Schotter steil nach oben und umrundet zur Hälfte den Krater.

krater                                                                           vesuv wolken

Trotz einiger Wolken und der höchst touristischen Anfahrt ist es ein interessantes Erlebnis. Überall aus der tief eingeschnittenen Kraterwand dampft und raucht es und es gibt zahlreiche Meßstationen zu sehen, von wo aus der Vesuv ständig beobachtet wird. Nach ausgiebigem Spaziergang und fotografischen Exzessen machen wir uns auf die Suche nach dem angepriesenen Wanderweg.

kraterrand  
   
Laut Reiseführer gibt es zahlreiche Wanderwege und wir wollen die entgangenen Aufstiegsfreuden mit einem schönen Abstieg wettmachen. Markus fotografiert die ausgestellten Wanderkarten mit der Digitalkamera, da die ebenfalls laut Reiseführer angepriesene Wanderkarte der Nationalparkverwaltung nicht erhältlich ist. Ein Vulkanpark Führer erklärt uns, daß die Wanderwege sowieso alle geschlossen seien, und es nur einen Weg auf halber Strecke nach unten gäbe. Etwas ernüchtert machen wir uns an den staubigen Abstieg und folgen den Serpentinen der Straße, auf der uns nacheinander alle Busse auf dem Rückweg überholen. Nach einiger Zeit fällt uns erstens auf, dass die Wanderwege, die es tatsächlich gibt, mit einem großen Holztor und einer Kette ausnahmslos versperrt sind. Zweitens fällt uns der zunehmende Müll am Straßenrand ins Auge, der mit jedem Meter schlimmer zu werden scheint. Speziell handelt es sich um die offensichtlichen Überbleibsel romantischer italienischer Nächte, Verpackungen von Kondomen, unzählige Papiertücher, leere Wein- und Bierflaschen. Es ist einfach unglaublich wieviel Müll herumliegt. Nun verstehen wir auch die seltsamen Schilder, die anscheinend die nächtlichen Besucher auffordern, den Müll wieder mitzunehmen. Allerdings ist es schwer, sich vorzustellen, wo die Romantik bei einem solch hohen Verkehrsaufkommen bleiben soll. Mein Verständnis von jeglicher Vesuvromantik ist mir jedenfalls etwas abhanden gekommen. Auch die schöne Landschaft jenseits der Straße kann nicht ganz darüber hinwegtäuschen. Nur der einsame Wanderweg, den wir schließlich doch noch finden, gibt eine Vorstellung davon, wie schön es hier sein kann. Der tief eingeschnittene Weg führt über eine Stunde in einsamen Schleifen die Hänge des Vesuv hinunter und man trifft keinen Menschen, nur Eidechsen, Blumen und Vögel.

wanderweg 1                                                                          wanderweg 2
   
Als wir die Ausläufer von Ercolano erreichen, von wo aus es noch eine gute Stunde zum Bahnhof ist, begrüßt uns wieder das gleiche Szenario: Müll, wohin das Auge blickt und aus eindeutiger Ursache. Selbst in der Wohngegend vor den Häusern und Vorgärten ist es nicht besser. Ercolano hat für mich schon jeglichen Reiz eingebüßt. Bei den ersten Häusern bellen uns mehrere herrenlos aussehende Hunde an. Vorsichtshalber hebe ich zwei Steine auf und gebe einen Markus. Der fühlt ein Kribbeln in der Hand und besieht sich den Stein näher. An der Unterseite sitzt ein winziger Skorpion! Nachdem wir dikutiert haben, ob der Tod durch geifernde Hunde oder einen Skorpionbiß vorzuziehen ist, wird letzterer auf den Boden gesetzt und von Markus ausgiebig fotografisch festgehalten. Mitterlerweile haben sich die Hunde gelangweilt abgewendet.

skorpion  

Endlich nach Umwegen am Bahnhof angekommen entschädigen wir uns für den Abstieg mit einem äußerst leckeren Capucchino in einer angenehm untouristischen Bar an der Ecke und nehmen den nächsten Zug zurück. In Pompej entschließen wir uns zu einem weiteren Einkauf im Supermarkt, da die wenigen Restaurants einfach zu touristisch aussehen und auch nicht mehr lange geöffnet haben. Den Abend beschließen wir mit frischen italienischen Grillwürstchen, Salat aus äußerst geschmackvollen Tomaten und Ruccola und - endlich- einer Flasche Rotwein. Zum Salat kauften wir, begeistert von dem riesigen Angebot, eine Literflasche Olivenöl, die wir die nächsten Tage im Rucksack mit uns schleppen werden müssen. Bei ausgiebigem Kartenspiel und Beobachtung des Treibens auf dem Campingplatz werden wir schließlich von der empfindlichen Kühle des Abends ins Zelt getrieben.


markus
Samstag, 08.04.2006
Den Weckruf hätten wir uns sparen können. Heute ist der Blockflötist schon mutiger und setzt kräftig die Lungen ein. Zu den Klängen des Hochzeitsmarschs kriechen wir aus den Schlafsäcken. Aufgrund des gestrigen Streiks lassen wir uns heute Zeit und frühstücken ausgiebig. Dabei beobachten wir interessiert den Nachbarn, wie er gründlich tote Insekten von der Windschutzscheibe und den Scheinwerfern seines riesigen Wohnmobils poliert. Ein weiterer Wohnmobilfahrer schließt sich dieser Tätigkeit an seinem Fahrzeug an, um den anderen nicht nachzustehen. Inzwischen fachsimpeln die Frauen am Spülbecken über Sehenswürdigkeiten und Parkmöglichkeiten an der Amalfiküste.

pompeij 1                                                                          zebrastreifen
        

Als wir gegen 10:00 am Tor von Pompej anschlendern, ist dieses offen und es herrscht bereits Hochbetrieb. Zudem gibt es erfreulicherweise freien Eintritt aufgrund der kulturellen Woche, was zumindest die gestrige Busfahrt wieder wettmacht. Einen Audioguide gönnen wir uns trotzdem. Dann geht es los. Die vorgeschlagenen Rundwege mitten im Touristenstrom beschließen wir kurzerhand zu ignorieren und streifen auf eigene Faust durch die Ausgrabungen.

schlange

Die Sonne brennt bereits früh vom Himmel und man ist dankbar für jeden Säulenschatten. Es ist zwar recht voll, und wir wollen gar nicht wissen, wieviel hier im August los ist, aber man findet heute immer wieder stille Ecken und kann sich in aller Ruhe umschauen. Es gibt einfach so viel zu sehen! Man könnte sich 3 Tage hier aufhalten und noch immer nicht alles gesehen haben.
Gegen Mittag finden wir ein schattiges Plätzchen neben dem Amphitheater und lassen uns mit einem ausgiebigen italienischen Picknick und vor allem: einer halben Flasche Rotwein im Gras nieder. Neidische Blicke von allen Seiten! Zwei französische Touristen rufen uns begeistert ein "bon appétit" zu. Sie halten uns wohl für Landsmänner, denn wo sonst haben wir den Trick mit dem Mittagswein gelernt? Auf unserer Loire-Fahrradtour, als rund herum auf den Picknickplätzen die Korken aus den Flaschen ploppten und wir auf dem Trockenen saßen. Man lernt dazu und paßt sich den lokalen Gewohnheiten an.

brunnen                                                                 mosaik        

Weiter geht's durch die Ausgrabungen mit einigen sehr gut erhaltenen Wohnhäusern mit imposanten Gärten und Innenhöfen, und irgendwann langen wir schließlich erschöpft wieder am Hauptplatz an. Ein paar letzte Fotos vom wolkenlosen Vesuv im Hintergrund, dann geht es zurück zum Campingplatz, in aller Eile abbauen, packen und auf zum Bahnhof. Die Flasche Olivenöl und das 500g Glas Kastanienhonig im Gepäck werden schon bereut.

vesuv

Heute müssen wir mit dem Zug nach Neapel zurück, dort in die Metro umsteigen und bis zur Endstation "Pozzuoli" fahren. Alles klappt reibungslos, allerdings fürchten wir noch auf den letzten Kilometern zu scheitern, da die Metro, ein äußerst altersschwacher Vorstadtzug der Marke "Holzklasse" auf den letzten Kilometern immer langsamer wird. Freudig wird jeder weitere erreichte Bahnhof begrüßt, obwohl wir bei der Geschwindigkeit fast hätten laufen können. Endlich hat sich der Zug zur Endstation durchgekeucht, wir steigen in Pozzuoli aus und machen uns auf den Weg den Berg hinauf zum Campingplatz "Vulcano Solfatara". Heute Nacht werden wir in einem Krater zelten. Die 800m bergauf machen uns zu schaffen, wir haben einfach zuviel Gepäck. Oben angekommen ermuntert uns das Schild "Camping 20m". Wir gehen durch die hübsche Toreinfahrt eines altehrwürdigen Gutshauses und sehen den Platz schon vor uns. Ein sehr freundlicher und scheinbar alle Sprachen Europas beherrschender Mann weist uns ein und erklärt alles was wir wissen wollen.

kratercamp

Der Platz ist recht gut gefüllt aber wir finden ein schönes Eckchen für unser Zelt. Kurz aufgebaut, dann drehen wir eine Runde, alles ist sehr gepflegt und schön angelegt. Es gibt sogar richtig heiße Duschen und Toilettenpapier. Rings um das Gelände erhebt sich die Kraterwand, die nur zum Eingang hin abflacht. Auf dem Weg zu den Schwefelquellen sehen wir die kleine Bar des Campingplatzes und trinken erst einmal einen Capucchino in der Abendsonne. Die Preise und der Geschmack überzeugen und zufrieden besichtigen wir das Schwefelquellenfeld.

krater                                                                          dampffeld

Hinter einem winzigen Wäldchen wird der leichte Schwefelgeruch schnell intensiver und vor uns sehen wir überall Dampf auf der Erde austreten. Im Innern des Kraters gibt es eine kreisrunde Ebene auf der kein Grashalm wächst. In der Mitte befindet sich eine Art flacher Tümpel, der blubbernd vor sich hin kocht. Am anderen Ende hören wir schon von weitem "Bocca grande", der Dampf schießt dort laut pfeifend aus einem Loch in der Erde. Alle paar Meter läuft man über winzige Löcher und Spalten aus den der Dampf austritt, der Geruch ist schon sehr penetrant.
Für Camper ist der Eintritt frei und jetzt am Abend sind wir fast die einzigen Besucher. Es gibt auch noch eine alte Schwefelsauna zu besichtigen, allerdings würde dort niemand mehr freiwillig saunieren, unter dem Gewölbe tritt glühend heißer Schwefeldampf aus. Etwas weiter wird der ohnehin sehr warme Boden plötzlich heißer und wir fürchten schon um unsere Schuhsohlen, hier besser nicht zu lange stehenbleiben.

sauna

Anschließend machen wir uns auf Futtersuche und fragen den Campingplatzwart, wo man gut Fisch essen könne. Er schickt uns in ein Restaurant in der Nähe mit schönem Blick über das Meer in Richtung Ischia. Obwohl bereits 20 Uhr, sind wir fast die ersten Gäste. Ein schweigsamer und etwas mürrischer Ober nimmt die Bestellung auf. Die Karte und der Ober sprechen ausschließlich italienisch und unser Sprachführer hat nur andere Gerichte im Angebot. Wir nehmen Spaghetti Vongole und danach Schwertfisch, ersteres ist ausgesprochen gut, der Fisch eher trocken und lieblos. Dafür entschädigt der Wein. Gerade nachdem wir das Brot bekommen haben, baut ein Musiker seine Instrumente direkt neben uns auf. Hektisch überlegen wir, ob wir noch den Tisch wechseln sollen, ergeben uns aber in unser Schicksal und warten gespannt ab. Beim Hauptgang wird es richtig voll, und der Musiker legt los. Seine bis dahin ihn äußerst gelangweilt beim Aufbau beobachtende Partnerin übernimmt den Gesangspart. Wir kommen uns während des Essens vor wie in einem alten italienischen Film, sämtliche einheimischen Schnulzen werden dargeboten. Irgendwann reißen wir uns jedoch los und kehren zum Kratercamp zurück.

sauna 2

Sonntag, 09.04.2006
Um kurz nach 6 Uhr scheppert die Müllabfuhr über den Platz. Komischerweise wacht nur Markus davon auf. Mich weckt wenig später das Vogelgezwitscher. Da wir nun einmal wach sind, können wir ebensogut auch aufstehen. Wir kriechen aus dem Zelt und spazieren als erstes zu den Schwefelquellen. In der noch recht kühlen Morgenluft sieht man den Dampf am besten, und da noch niemand auf ist, haben wir das Gelände für uns und fotografieren ausgiebig wie die Sonne über den Kraterrand den ausgestoßenen Dampf anstrahlt.

sonnenaufgang
Auf dem Rückweg genehmigen wir uns ein Frühstück in der Bar. Mehrere Capucchino, verschiedene süße Gebäckstücke und frisch gepresster Orangensaft garantieren einen guten Start in den Tag. Der Platzwart hatte uns für heute "Rione Terra" empfohlen, die unbewohnbare Altstadt von Pozzuoli, die nur an Wochenenden zu besichtigen ist, die letzte Chance, da heute schon Sonntag ist.
krater
Ein halbstündiger Gang die Hauptstrasse herunter führt uns zum Zentrum von Pozzuoli. Als erstes besichtigen wir die Strandpromenade an der auch frischer Fisch verkauft wird. Da wir diesen nicht stundenlang durch die Sonne schleppen wollen bis wir ihn die Pfanne legen könnten, verzichte ich schweren Herzens und lasse mich nur durch einen versprochenenen Mittagsfisch im Restaurant vertrösten. Im Ort selbst gibt es nicht viel interessantes für uns zu sehen. Heute am Sonntag ist jedoch jeder Einwohner unterwegs, wie es scheint. Wir machen uns an den Aufstieg nach Rione Terra und haben Glück, da in wenigen Minuten eine Führung durch die bereits teilweise freigelegten römischen Ruinen unter der durch ein Erdbeben unbewohnbar gemachten Stadt beginnt. Auch hier herrscht noch die Semana Culturale und somit freier Eintritt. Leider ist die Führung, deren Gruppe nur aus insgesamt 4 Personen besteht, ausschließlich auf italienisch, aber trotzdem sehr interessant. Ein knapp einstündiger Rundgang führt durch die unterirdischen Stockwerke der Altstadt, in der man zahlreiche Räume und römische Straßen auf mehreren Ebenen und unter anderem eine ehemalige römische Bäckerei besichtigen kann.
Wieder draußen in der mittlerweile heißen Sonne steigen wir zum Hafenviertel ab und schlendern durch die belebten Gassen auf der Suche nach einem Restaurant. Wir finden eins, das uns zusagt und setzen uns auf die Terrasse. Für italienische Verhältnisse ist es noch zu früh, aber ein Gast sitzt schon vor seinem Fisch, und so trauen wir uns auch. Der Ober, wiederum mürrisch und schweigsam, vergisst erst das Brot und dann den Wein, aber schließlich nach hartnäckigem Nachfragen auf spanisch haben wir alles auf dem Tisch, und futtern uns durch reichlich Bruschetta und Meeresfrüchterisotto, Fischsuppe und gegrillte Dorade, alles ist äußerst lecker und der Wein steigt uns schon zu Kopf. Das Restaurant hat sich nun ziemlich gefüllt und wir beobachten ringsum die italienische Schlemmerei die Karte hoch und runter. Mit Händen und Füßen und viel Geschrei zelebrieren die Einheimischen das Sonntagsessen, und eine alternde Diva am Nebentisch ignoriert ihren Mann und steckt dem Sofarollenhund einen Bissen nach dem anderen ins Maul.
Nachdem wir uns endlich losgerissen haben wandern wir am Hafen entlang zurück. Fischer verkaufen ihren Fang vom Boot an der Kaimauer, es gibt riesige Oktopusse die sich in Eimern mit Wasser winden, und kleinere, die versuchen aus ihren Styroporkisten zu entwischen. Da wir aber nicht schon wieder essen können, kehren wir mit leeren Händen zurück zum Zelt und legen uns davor auf die Matte in die Sonne, kochen uns einen Tee, lesen und dösen vor uns hin. Plötzlich ist eine seltsame Parade von Menschen zu beobachten, die zu Fuß mit Koffern, Trolleys, Taschen, Bierbänken, Rucksäcken und Plastiktüten beladen den Weg entlanglaufen. Es sind etwa 30-40, und es scheint sich um eine Busgruppe mittleren Alters aus Bayern zu handeln, die vor dem Tor ausgeladen wurde und jetzt die Camputensilien zu Fuß heranschleppen. Wir beobachten die untypischen Camper beim Aufbau ihrer Zeltstadt, was ein interessantes Schauspiel bietet. Irgendwann schlafe ich ein und wir werden erst durch unseren Hunger darauf hingewiesen, dass es bald schon wieder Essenszeit ist.
mittagsschlaf
Markus möchte nochmal in die Stadt hinunter da wir noch unschlüssig sind, was wir essen wollen. Unten ist mittlerweile die Hölle los! Scheinbar hunderte Autos drehen ihre Runden durch die ohnehin vollen, engen Straßen, überall sind Menschen unterwegs, ein Gehupe und Geschrei, aber es scheint normal zu sein und kein Nationalfeiertag oder Sieg im Fußball, wie ich erst vermutete. Wir besichtigen noch schnell den großen antiken freigelegten Marktplatz Macellum, dessen Ausgrabungsgelände teilweise vom Grundwasser überflutet aber trotzdem gut zu erkennen ist. Aus dem stehenden Wasser erhebt sich ein vielstimmiges Froschkonzert und ein modriger Geruch, was beides irgendwie nicht mitten in diese quirlige Altstadt zu passen scheint.
Da die zwar zahlreichen aber alle an der mittlerweile abgasumwölkten Straße liegenden Restaurants nicht sehr einladend in all dem Trubel wirken, beschließen wir, zurückzulaufen und die am Eingang des Campingplatzes liegende Pizzeria auszuprobieren, da wir beide auch keine Lust auf mehrere Gänge haben. Von außen sieht es nicht sehr vielversprechend aus, aber innen entpuppt sich die Pizzeria als gemütlicher großer, hoher Raum, noch ziemlich leer, bis auf den Wirt, den Koch und eine dösende alte Frau im Sessel vor dem Fernseher, dessen Bild überdimensional an die kahle Wand geworfen wird. Man glaubt sich sogleich in eine andere Zeit versetzt, als gerade ein alter italienischer Spielfilm beginnt. Wir bestellen mit Händen und Füßen jeder eine Pizza, Markus wie immer eine Margherita und für mich eine mit Parmaschinken, Büffelmozzarella und frischen Tomaten und dazu eine Flasche Wein, und verfolgen den Film, der sich gut anläßt, obwohl wir nicht viel verstehen. Man käme sich fast vor wie in einem Wohnzimmer, so gemütlich ist es. Auch der Wirt ist hier viel netter als seine bisherigen Kollegen, und der Koch kommt eigens hinter seinem Pizzaofen hervor, um Markus begeistert dafür zu loben, dass er die ganze Pizza aufgegessen hat. Wir sind gerade richtig in den Film vertieft, als es sich allmählich füllt und die alte Frau aufwacht und ihren Platz und die Pizzeria verläßt. Sofort wird das Programm gewechselt und ein Musiksender aufgerufen. Wir trinken noch einen Espresso, schwelgen in Begeisterung über die günstige Rechnung und die äußerst gute Pizza und gehen schließlich zum Zelt zurück.

schwefelquelle

Montag, 10.04.2006
Noch vor dem Wecker werden wir durch laute Schreie "Wooolf-gaaang", aus dem Schlaf gerissen. Es ist kurz vor sechs. Ein Ausschlafen scheint uns in diesem Urlaub nicht vergönnt. Nach mehreren vergeblichen Schreien antwortet eine andere Stimme etwas peinlich berührt, die aus Richtung der Busgruppe kommt. Anscheinend wollte der Schreier hoch oben vom Kraterrand aus ein Abschiedsfoto von Wolfgang winkend neben dem Zelt aufnehmen. Als wir aus dem Zelt kriechen, ist die bayrische Busgruppe schon eifrig beim Abbau.
ischia
Da wir heute nach Ischia fahren wollen, bleiben wir also gleich auf und sehen zu, dass wir früh zum Hafen hinunter kommen. Für unsere Verhältnisse mit einem neuen Rekord treffen wir dort noch vor 9 Uhr ein. Was uns aber nichts nützt, denn das nächste Schiff fährt erst in über einer Stunde. So kaufen wir die Tickets und setzen uns zum Frühstück in ein kleines Cafe, von dem aus wir das Beladen der Autofähren verfolgen können. Ermutigend finde ich es nicht gerade, wie die überaus rostig und betagt erscheinenden riesigen Fähren mit einem endlosen Strom von rückwärts einfahrenden voll beladenen Lastwagen gefüllt werden. Manche sind so schwer beladen, dass die Reifen schon platt sind. Als wir schließlich auf unserer Fähre den Hafen verlassen, scheint mir das Schiff auch etwas schief im Wasser zu liegen. Zudem ziehen graue Wolken auf und es beginnt zu nieseln, sodaß wir uns nach drinnen setzen. Das Wetter wird immer unschöner je mehr wir uns Ischia nähern, aber wir versuchen es positiv zu sehen. Beim Zwischenstopp in Procida wird es etwas besser und als wir kurze Zeit später auf Ischia anlegen und das Schiff verlassen, nieselt es nur noch vereinzelt und die Sonne lugt durch die Wolken.
Die im Reiseführer angepriesene gute Wanderkarte der Insel soll es im Fremdenverkehrsbüro geben. Dieses befindet sich im Hafen, ist jedoch geschlossen und ein Zettel verweist kompliziert auf die neue Adresse. Es ist ohnehin mittlerweile recht spät geworden und da wir erst noch mit dem Bus zu unserem Wanderausgangspunkt fahren müssen, suchen wir hektisch nach dem neuen Standort. Nach einer halben Stunde durch den recht hübschen aber deutlich von deutschen Rentnern dominierten Ort, geben wir auf. Meine gute Laune schwankt, denn ich sehe den Ausflug schon scheitern, da die letzte Fähre zuück bereits um 17 Uhr fährt und wir immer noch nichts erreicht haben. Zu guter Letzt können wir die Karte in einem Reisebüro am Hafen doch noch kaufen. Wir diskutieren, ob wir uns ein Taxi leisten sollen, auf Nachfrage kostet dieses jedoch mindestens 25 Euro, und da der Fahrer sich nicht festlegen läßt rechnen wir schon mit 30 Euro bis zum Ziel. Dafür sind wir zu geizig und nehmen den Bus für einen Bruchteil des Preises.
wanderweg
Dieser bringt uns über haarsträubend schmale, steile und kurvige Straßen ins Bergdorf Fontana. Vor jeder Kurve, also eigentlich ständig, wird ausgiebig gehupt. An den Haltestellen wird so dicht am Straßenrand geparkt, daß die Fahrgäste kaum aussteigen können. Nachdem wir eine durch den Bus tobende Schulklasse überstanden haben, steigen wir in Fontana an der Kirche aus und machen uns an den Aufstieg. Von hier aus soll es am Gipfel des Pietra dell'Acqua (720m) vorbei bis zum Monte Epomeo gehen, dem höchsten Berg der Insel mit 787 Metern. Es läßt sich ungewöhnlich an, denn der Weg scheint eine vom Wasser ausgewaschene schmale Spur, tief in den lehmigen Boden geschnitten, die steil nach oben führt und man fragt sich wie die dreirädrigen klapprigen Lieferwagen es hier herauf schaffen, doch die zahlreichen Reifenspuren überzeugen.
einschnitt
Nach schweißtreibendem Anstieg erreichen wir einen breiteren Weg, der auch Aussichten über die Insel ermöglicht. Von hier hat man bereits einen schönen Blick bis zur Küste. Wir treffen kaum Leute, es wird sonnig und windiger je höher wir kommen. Links sehen wir bereits den Pietra dell'Acqua, aber den Abstecher sparen wir uns, da wir nicht wissen wie lange wir brauchen und die Fähre nicht wartet. Mit Blick auf den vom Wind abstrakt geformten felsigen Gipfel des Monte Epomeo suchen wir ein windgeschütztes Plätzchen und packen unser Mittagessen aus. Die im Hafen gekauften Salattomaten zu Brot und Käse sehen nicht nur gut aus, sie schmecken ungewohnt intensiv. So gestärkt machen wir uns an den letzten Aufstieg. Der Pfad ist nun windumtost und besteht tatsächlich nur noch aus einer felsigen Rinne, die kaum Platz für die Breite der eigenen Wanderschuhe bietet.
rinne
Oben befindet sich ein kleines Gipfelrestaurant und nach einem Blick von der Spitze, die nur Markus erklimmt, da ich bereits das Gefühl habe, vom Felsen geweht zu werden, kehren wir dort in der Hoffnung auf einen Capucchino ein. Ein Kellner ignoriert uns gekonnt, obwohl er fast über uns stolpert.
grat
Nach einigen Minuten entscheiden wir, daß dieses Lokal auch ohne uns auskommt und machen uns an den Abstieg. Der Weg führt zunächst malerisch durch einen schönen Wald, entwickelt sich aber dann zu einer kleinen geteerten Straße die uns unspektakulär zurück ins Dorf führt. Kurz vor dem Ziel beginnt es kurz und heftig zu regnen und wir kommen recht durchnäßt an der Bushaltestelle an. Hier gibt es eine im italienischen Bergdorf unerwartete moderne digitale Anzeigetafel mit Hinweis auf die Ankunftszeit des Busses, wir sind beeindruckt. Während der 10 Minuten Wartezeit beobachten wir fasziniert eine weibliche deutsche Reisegruppe in der Bar gegenüber, die sich nacheinander mit einem sie abküssenden zahnlosen greisen Inselbewohner ablichten läßt.
felsentreppe
Auf der Rückfahrt im Bus schlafe ich ein, was Markus später auf der Fähre wettmacht. Mittlerweile fegt ein heftiger Wind über das Meer und läßt die Fähre schräg im Wasser gegen die Wellen ankämpfen. Selbst die Bar hat geschlossen, es würde sich wohl nichts im Glas halten können. Zurück in Pozzuoli ist davon nichts zu merken, zum Glück, denn sonst wären unsere zum Trocknen aufgehängten Handtücher über den Kraterrand hinausgeweht. Nach diesem ausgiebigen Ausflug beschließen wir den letzten Abend locker vor dem Zelt zu begehen und den unterwegs in der Salumeria gekauften Käse mit Brot und Rotwein zu verzehren. In der Bar frage ich mutig nach dem besten vorhandenen Rotwein und bekomme die Auswahl zwischen Flaschen, die 3 Euro kosten und Flaschen für 4,50 Euro. Wein, Brot und Käse schmecken vorzüglich und werden von Markus mit 2 aus der Bar ans Zelt gebrachten Capucchini fürstlich abgerundet. 

aussicht

Dienstag, 11.04.2006
Heute müssen wir wirklich früh aufstehen, die Abreise steht bevor. Wie immer dauert es lange bis wir uns organisiert und Zelt und umfangreiche Ausrüstung in den Rucksäcken verstaut haben. Der letzte Marsch in den Ort zum Bahnhof, unser Zug steht sogar schon bereit. Entspannt lehnen wir uns zurück, bis wir 3 Bahnhöfe weiter nach beunruhigenden italienischen Durchsagen und einem gesammelten Aufstöhnen der übrigen Passagiere verwirrt den Zug verlassen müssen. Er scheint nicht weiter zu fahren. Offenbar wartet der Ersatzzug 3 Gleise weiter. Da alle Passagiere quer über die Gleise laufen scheint es eilig zu sein und nach angestrengtem Absuchen des Horizonts nach einem herannahenden ICE stolpern auch wir hastig mit vollem Gepäck über die Gleise. Der andere Zug ist brechend voll und wir stehen 10 Minuten wie die Sardinen in der Hitze. Trotzdem finden die üblichen Akkordeonspieler mit ihrem Standardrepertoire noch Platz. Im Schnelldurchgang werden die Stücke angedudelt, dann den unbeteiligt durch sie hindurch sehenden Passagieren die Mütze hingehalten.  Erleichtert bemerke ich, dass ich für die Fahrt aus Versehen eine halbe Stunde zuviel Zeit eingeplant habe, die kommt uns nun gelegen. Endlich setzt der Zug sich in Bewegung und wir erreichen tatsächlich Neapel. Hier suchen wir nach der richtigen Bushaltestelle, leider wird nichts mehr aus einer letzten Pizza.
capucchino
Am Flughafen, der im Reiseführer als der effizienteste Italiens angepriesen wird, herrscht lautstarkes Chaos, aber wir schaffen auch das Einchecken und diesmal bin ich an der Reihe, mir die Schuhe auszuziehen. Eine Italienerin redet wild auf mich ein, aber ich suche mit den Augen nur mein restliches Handgepäck. Nachdem meine Wanderstiefel zusammen mit ihr verschwunden sind, und ich auf Socken im Trubel sitze, tauchen sie glücklicherweise wenige Minuten später gründlich durchleuchtet wieder auf und wir begeben uns nach einem letzten Parmaschinkenciabatta zum Gate. Das Flugzeug landet schon verspätet und seltsamerweise werden die Passagiere 20 Minuten lang nicht hinausgelassen, bis sich endlich eine fahrbare Treppe dorthin bewegt. Wie wir im Flugzeug erfahren wurde auch beim Bodenpersonal gestreikt.
Der Flug verläuft ruhig und zurück in Köln-Bonn empfängt uns eine vertraute nieseldurchtränkte Kühle.


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