Neue Eindrücke (ab Woche 2)


Santiago ist immer wieder für Überraschungen gut, hier das Neueste:
...es ist Erdbeerzeit!

(2kg = 1,50€)

Die Buspfeifer

Vor unserem Hotel könenn wir jeden Abend eine typische Szene aus Santiago erleben. Gegen 20:00 ist in der Fußgängerzone richtig was los und viele Leute kommen und gehen per Bus. Hierfür bietet sich die Bushaltestelle an der Hauptverkehrsstraße an. Mit gerade mal 5 Spuren, wobei 3 allein den Bussen vorbehalten sind, ist diese nicht gerade klein und für den wirklich aufkommenden Verkehr eigentlich mehr als ausreichend. Wenn da nicht die geschäftstüchtigen Busfahrer wären.
Ich hatte bereits erwähnt, daß es sehr viele davon gibt und der Verdienst allein von den mitgenommenen Fahrgästen abhängt. Also versuchen alle Busse der Stadt, oder zumindest alle die diese Route fahren, um diese Zeit an dieser Haltestelle zu halten, oder besser so langsam wie möglich vorbeizufahren um möglichst viele Fahrgäste aufzusammeln. (Ihr erinnert Euch: Hand raus, Aufspringen). Dabei sind alle Mittel um sich vorzudrängeln erlaubt, z.b. an Ampeln etwas zu früh losfahren und dann die Lücke nutzen um weiter vor zu kommen. Dabei ist unwichtig ob so ein quer stehender Bus auch mal 2 oder 3 Spuren versperrt und dadurch alle behindert. Der Stau ist vorprogrammiert und gewaltig. Nichts geht mehr über alle 5 Spuren und es stehen hundert Busse kreuz und quer rum. Irgendwann fangen alle an zu hupen! Zeit für die Polizei....
An jeder Ampel steht dann ein Carabinero auf die Straße, zwischen 2. und 3. Spur, da ist ein kleiner Trennstreifen, und hindert mit lautem Trillerpfeifen und energischem Durchwinken die Busfahrer daran zu schummeln. Nur die erste Spur darf Leute aufsammeln und die anderen müssen weiterfahren. Der Ampeltrick funktioniert auch nicht mehr.
Und oh Wunder! Der Stau löst sich innerhalb von 10 Minuten auf.
Schulterklopfen und gemeinsames Zigarettenrauchen der Carabineros..
..und eine halbe Stunde später das gleiche nochmal ;-)

Morgens ist übrigens die andere Richtung dran...

Rasende Busse bei Nacht


Die zweite Währung

Gestern fand der Termin mit Fernanda von der Krankenversicherung statt. Das Gespräch gestaltete sich etwas schwierig, denn Fernandas Englisch und unser Spanisch waren ungefähr auf gleichem Niveau. Außerdem warf sie mit Fachbegriffen um sich, die sie uns teils nicht erklären konnte. Einer davon war UF!
Nachdem der Begriff UF auch im Zusammenhang mit dem Mietvertrag gefallen war, gingen wir der Sache auf den Grund (ich per Internet und Markus bei der Arbeit) und fanden heraus, daß es sozusagen eine zweite Währung gibt. Dies ist nicht etwa der früher beliebte US Dollar, sondern Unidades de Fomento (z.B. heute, 12. Oktober: 1 UF = 18.417,70 CLP).
Der Preisindex wird jedes Quartal ermittelt und die UF teilweise täglich angepaßt. Dies geschieht z.B. bei Versicherungen, Mieten, Krediten, etc.
Zum Beispiel zahlt man eine Mietkaution und bekommt bei Auszug evtl. mehr Peso zurück, wenn der UF mittlerweile gestiegen ist.

Erdbeben

Markus ging heute mittags zur Arbeit und ich saß am Computer um die Inventarlisten unserer Kartons für den chilenischen Zoll zu übersetzen. Plötzlich hatte ich den Eindruck als wackele der Bildschirm, und merkte dann wie der Boden leicht aber deutlich hin und her rumpelte. Es knirschte auch ein bißchen im Holz. Das ganze dauerte vielleicht 10 Sekunden, die können aber lang sein! Also aufgesprungen, vorsichtshalber mal Schuhe angezogen, Telefon und Handtasche geschnappt und raus auf den Gang. Man soll hier ja drinnen sicherer als draußen sein, aber so allein wollte ich auch nicht bleiben. Also den Fahrstuhl ignoriert, 7 Etagen durchs Treppenhaus nach unten gehetzt und vorsichtig einen Blick in die Lobby geworfen. Gerade fand die Kaffeepause der Banco Estado statt, hunderte Leute standen herum. Auch die Türaufreißer am Eingang starrten nur gelangweilt nach draußen und der Rezeptionist kaute auf einem Bleistift.
Ok, das schien also nichts Besonderes gewesen zu sein. Trotzdem schickte ich Markus per sms vorsichtshalber eine Statusabfrage um zu sehen wie das interne Krisenmanagement funktioniert. Funkstille bis auf die prompte Meldung der Telefongesellschaft, daß die sms gelesen wurde. Typisch, der hatte das wahrscheinlich noch nicht mal gemerkt.
Anschließend habe ich im Internet noch etwas recherchiert und eine Seite des Gobierno de Chile gefunden, auf der alle Erdbeben, Wetterwarnungen und Waldbrände sofort aufgelistet werden. Dort war auch mein Beben verzeichnet: Es hatte im Norden von Chile stattgefunden, etwa 1500km (siehe dementi) von Santiago entfernt, um 14:08 Uhr und man stellte dort 6,7 auf der Skala von Herrn Richter fest. Es gab aber außer leichten Schäden an dem ein oder anderen alten Gebäude und Straßen nichts zu berichten.
Markus war mittlerweile zurückgekehrt und berichtete, daß er es auch gespürt habe, sein Hintern hätte auf dem Stuhl im Restaurant gewackelt obwohl sich seine Füße nicht bewegt hätten. Sein Kollege, mit dem er essen war, hatte aber nichts bemerkt und auch sonst gab niemand solche Anzeichen von sich. Sein Kollege meinte, nur wenn die Erschütterung eine Minute andauert, würde er sich unter einen Türrahmen stellen.

Once

Nachdem wir bereits mehrfach bemerkt haben, daß zu der Zeit als wir uns im Restaurant zum Abendessn niedergelassen haben, der Nachbartisch mit Kaffee, Kuchen und Sandwiches ausgestattet war, haben wir heute selber die sogenannte once (elf) ausprobiert.
Laut Reiseführer stammt der Begriff Once vom Wort aguardiente (Branntwein), und da es nicht gut angesehen war, am Nachmittag einen aguardiente zu bestellen, orderte man einfach nur die elf (once) Buchstaben. Heute also hatten wir uns ein vegetarisches Restaurant im Zentrum ausgesucht, und bestellten zwei verschiedene Once.
Zuerst wurde gefragt welchen frischgepreßten Fruchtsaft man dazu möchte (hier gibt es immer eine Riesenauswahl wie Papaya, Kiwi, Ananas, Cherimoya (ähnlich einer weichen süßen Birne mit Riesenkernen), Erdbeer, Guave, etc.) dann ging es los: Im ersten Gang bekamen wir einen Fruchtsalat mit Eis, dann folgten Kuchen, Kekse und Brötchen mit Marmelade (alles offensichtlich selbstgemacht), anschließend noch ein riesiges Sandwich mit Gemüsen, Ei und Avocado, und hinterher noch einen Cafe con Leche. Zwischendurch wurde immer wieder der Tisch abgeräumt, damit Platz für die nächsten Teller geschaffen wurde.
Hinterher wären wir allein beim Gedanken an Abendessen in ferner Zukunft fast geplatzt, jetzt wissen wir aber auch warum Once so beliebt ist: wir bezahlten umgerechnet etwa 7,50 Euro für uns beide.

Etwas allerdings haben wir noch nicht durchschaut: im Restaurant stand eine große altmodische Waage und jeder der das Restaurant verließ, hängte zunächst seine Jacke an den zugehörigen Haken und stieg dann auf die Waage. Beim nächsten Mal werden wir nachfragen.

Einkaufen

Unser Stammsupermarkt während wir im Hotel residieren ist "Bandera Azul" (die blaue Fahne).
Vor ein paar Tagen sind wir schon das erste Mal schwach geworden und haben in der abgepackten Brotecke nach deutschem Brot gewühlt. Es gibt hier zwar mehrere Arten Brötchen und Toastbrot und aufgepumptes Weißbrot welches beim zusammendrücken bis auf 1/10 der ursprünglichen Größe nachgibt, aber davon kann man maximal 2 Wochen leben. Dafür haben wir den Bäcker Fuchs entdeckt, der diverse Vollkornbrote (dafür gibt es hier auch kein spanisches Wort auf der Packung) und anderes Brot deutscher Art verkauft.
Anscheinend verkauft auch die Colonia Dignidad unter der Marke "Villa Baviera" fröhlich weiter ihr Schwarzbrot in den hiesigen Supermärkten.
In der Bandera Azul sind die Durchgänge zwischen den Kassen so eng gehalten, daß man alles vorher auf dem Tresen (es gibt kein Band) abladen muß, um sich dann längs und nicht quer zwischen Tresen und nächstem Kassierer durchzuschlängeln. Übergewichtige hätten hier definitiv ein Problem. Während des Durchschlängel- und Kassiervorgangs räumt schon ein Angestellter den Einkauf in unzählige Plastiktüten.



Bisher wurde ich von der Kassiererin mehrfach etwas gefragt was ich nicht verstanden habe. Irgendwas mit einem Peso, ich dachte immer sie meint, ich solle ihr das Geld passend geben. Da 1-Peso Stücke hier aus Alu bestehen und jedem nur lästig sind (man findet sie auch ständig auf der Straße, ca. 0,0015 €), hat Markus wohl herausgefunden, daß sie "un peso para mi" sagt, und damit meint, ob sie den Wechselgeldbetrag auf den nächsten 5er aufrunden darf...Angeber...!
In einem anderen Supermarkt war der Pesobetrag den die Kassierin einbehielt als "Hogar de Christo" auf der Quittung aufgeführt. Was das bedeutet haben wir noch nicht herausgefunden...es wird sich aber um eine Spende handeln.

Bier gibt es hier übrigens auch oft in der praktischen 1 Liter Flasche mit Schraubverschluß. Jeder Supermarkt, der etwas auf sich hält führt Paulaner, Becks und Löwenbräu, in einem Supermarkt der Jumbo Kette (deren deutscher Besitzer gerade chilenischer Ehrenbürger geworden ist) gab es sogar fast so viele deutsche Biersorten wie an einem durchschnittlichen Büdchen in der Düsseldorfer Innenstadt (wahrscheinlich ist er daher zum Ehrenbürger gewählt worden...)

Die Weinabteilung ist immer erfreulich gut bestückt. Wir zitieren den Reiseführer: "ab 1000 Peso (1,50) ist jeder Wein trinkbar, ab 1500 Peso (2,25) beginnt er zu schmecken und ab 3000 Peso (4,50) bekommt man bereits sehr gute, im Eichenfass gelagerte Tropfen." Das können wir bereits bestätigen! Komischerweise gibt es auch überall Wein aus 2006 zu kaufen, wir haben uns darüber gewundert bis uns einfiel, daß die diesjährige Lese ja schon im Herbst (März/April) verarbeitet wurde...

Bisher haben wir einen Jumbo Supermarkt besucht und da wir noch über keine eigene Küche verfügen konnten wir nur schwelgend durch die Gänge streifen. Allein die Fischtheke war unbeschreiblich! Um das alles auszuprobieren sind wir mehrere Wochen beschäftigt. Und da wir kein Auto anschaffen wollen haben wir uns schon überlegt, für den wöchentlichen Großeinkauf mit dem Bus rauszufahren und auf dem Rückweg uns und die vielen Tüten per Taxi stilvoll nach Hause zu chauffieren.


Sonnenuntergang

Auch gewöhnungsbedürftig ist hier die Dauer des Sonnenauf- und Untergangs. Ersteren bekommen wir ja nicht so oft mit. Letzterer ist so schnell passiert, daß man scheinbar plötzlich im Dunkeln steht und sich wundert wo der Sonnenuntergang war. Man taucht bei Sonnenschein in die Metro, fährt 5 Stationen, kommt wieder heraus und es ist schon fast dunkel! Romantische Sonnenuntergänge auf dem Balkon wird man hier also nur kurze erleben.


Mein Büro

An die Arbeit im 17. Stock muss ich mich erst noch gewöhnen.



Die komplette Etage wird von NCR Chile in Beschlag genommen. Man kann schön einmal im Kreis spazieren und kommt dann wieder an der Rezeption raus.
Mein Platz, es gibt ausschließlich Großraumbüros, liegt fast direkt an einem der beiden Eingänge und ich Duppeller habe die ersten Tage immer den falschen genommen und bin erstmal im Kreis gelaufen. Unten und auf der Etage steht der typische Security Mann, von Besuchern wird wieder mal die RUT (Nummer des Personalausweis) verlangt. Die muss man hier ständig parat haben.
Die Aussicht ist ziemlich gut und ich konnte schon ein Wetterphänomen beobachten:
Bei mir hat es leicht geschneit und bei Ann auf der Straße nur geregnet.
Das ganze wirkt noch interessanter wenn man sich dazu die Palmen vom "Cerro Santa Lucia" im Hintergrund vorstellt, der direkt um die Ecke in Sichtweite liegt.


Cerro Santa Lucia

Mitten in der Stadt liegt ein kleiner Berg, der Cerro Santa Lucia. Er ist schön anzusehen, mit Park drumherum, allerlei für uns exotischen Bäumen (z.B. Eukalyptus) bewachsen und einer Art kleiner Festung oben drauf. Doch das wirklich Besondere ist, dass man sich in eine Liste eintragen muss um in den Park zu kommen. Hier kommt übrigens wieder die RUT ins Spiel ;-) Anscheinend aus Sicherheitsgründen, was ich mir nachts durchaus vorstellen kann. Da ist allerdings geschlossen.
Das Bild zeigt den Eingang.




Winter strikes back

Bisher hatten wir ja nur gutes Wetter, von einigen morgendlichen kurzen Schauern mal abgesehen, und meine Kollegen hatten mich schon auf den kommenden heissen Sommer mit über 30°C vorbereitet.
Heute (13. Okt) war die erste richtige Ausnahme:
- Es regnet schon den ganzen Tag.
- Im 17. Stock hat es sogar kurz geschneit, auf der Straße allerdings nur geregnet
- Der Pass über die Anden Richtung Argentinien (3100müNN) wurde wegen Schneesturm, der hier übersetzt "weißer Wind" heisst, gesperrt. Hier ein aktuelles Bild vom Pass



Auch hier in der Stadt ist es eher usselig und die Straßenverkäufer haben sofort auf Regenschirme umgestellt.
Diese schützen aber nur von oben und nicht von den seitlichen Duschen, die man hier oftmals von den in einem Loch in der Wand mündenden Regenrohren bekommt.
Manche davon sind sogar in mehreren Metern Höhe angebracht um noch mehr Passanten zu erreichen.
Die Stadt und die Kanalisation sind derzeit eher überfordert mit dem Wasser.


Sägemehl in der Apotheke

Wir hatten schon länger gerätselt warum in den Apotheken Sägemehl auf dem Boden liegt, vor allem im Eingangsbereich. Sollen streunende Hunde, Tauben und anderes Ungeziefer ferngehalten werden? Kann man sich daran besser die Schuhe versauen und die Apotheken arbeiten mit den allgegenwärtigen Schuhputzern zusammen?
Wir hatten noch einige andere obskure Ideen dazu, doch heute und mit dem großen Regen kam die Antwort:
Die Böden hier sind teilweise so blank gebohnert, vor allen in den Apotheken, dass sie bei Nässe zu spiegelglatten Flächen werden.
Deshalb wird die Kundschaft mit Sägemehl sozusagen auf den Beinen gehalten.
Da wir bisher nur manchmal früh morgens Regen hatten, konnten wir den direkten Zusammenhang nachmittags natürlich nicht mehr erkennen.
Ein anderer Grund ist die teilweise schlechte Bauweise der Dächer. In den Ladenpassagen tropft es öfter mal runter. Wenn mann einen kleinen Sägemehlhaufen sieht so fungiert dieser als "Eimerersatz".

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