18.-24.6.:Sommer?!

Eigentlich wollten wir am heutigen Montag abreisen aber uns weckt schönster Sonnenschein, und die Temperatur im Auto steigt (Wenn in Norwegen mal die Sonne scheint, wird sie auch genutzt!). C und P haben sich zur Feier des Tages entschlossen, bis nach 8 Uhr zu schlafen! Da hätten wir also sowieso keine Chance, bis 12 Uhr weg zu kommen, also bleiben wir und ich hole schnell Frühstück aus dem Ort, das wir sogar vor dem Zelt einnehmen können. Vormittags machen wir uns auf zum angrenzenden Freilichtmuseum, in dem einige typische Höfe und Kleindörfer von vor 300 Jahren aufgebaut sind. Schon beim ersten Foto macht der Kamera-Akku schlapp, daher gibt es leider keine Bilder. Clara hat noch gar nicht gemerkt, dass wir den ganzen Urlaub lang nicht die Kraxe dabei hatten (die im Vorzelt steht), um sie durch die Gegend zu chauffieren. Sie läuft mittlerweile ganz tapfer mit oder flitzt auf dem Laufrad. Auch heute schafft sie fast den ganzen Rundweg, wobei wir sie mit "Oh, guck mal, ein ... Schwein, Ziege, Kaninchen, Pilz, Baum, Ameisenhaufen, Bach, etc." immer wieder antreiben können. Zu guter Letzt darf sie noch was ins Gipfelbuch schreiben, was die Strapazen des Aufstiegs vergessen lässt.




Zum Abschluss stärken wir uns im Museumscafé mit lokalen Spezialitäten und können dann auf ganzer Linie einen erfolgreichen Mittagsschlaf vermelden.
Da Paul im Museum schon ausgeschlafen hatte, dauert der Luxus nicht ewig und wir pilgern bei mittlerweile einsetzendem (strömenden) Regen in den Ort, denn uns ist schon wieder das Essen ausgegangen. Clara bekommt eine Tüte über ihren Fahrradhelm gestülpt und sieht damit aus wie auf der Tour de France. Sie lässt keine Pfütze aus und bei norwegischen Regen ist das kein Vergleich zu den heimischen. Komischerweisen schwappt das Wasser nicht von oben in die Gummistiefel, obwohl sie mit beeindruckender Bugwelle durch die braune Brühe rauscht.
Abends kochen wir in der geheizten Küche, in die wir mittlerweile immer mehr Utensilien mitnehmen, sodass wir uns vornehmen, beim nächsten Campingplatz gleich daneben zu parken. Es gibt Spaghetti mit Lachs, das hatte die Tochter sich gewünscht. Wir schauen mit einem älteren Holländer noch ein bißchen Fußball, bis Paul zu müde ist. (O-ton Clara: "Nein, Papa, ich erzähl das grad nicht dir, sondern dem Mann").


Am Dienstag wollen (müssen) wir nun aber wirklich abreisen, auch bei Sonne. Sonst kommen wir nie ans Nordkap! Auch drei Monate sind einmal zu Ende. Unsere beiden Wecker haben überraschend auf Elternzeit geschaltet und verschlafen bis 8:30! Packen und Abbauen kann aber leider immer nur einer. Clara riecht Lunte und will nicht mehr zum Spielplatz sondern sitzt vosichtshalber gleich angeschnallt in ihrem Sitz und schaut fern. Paul will nur noch auf den Arm und so muss Markus das Vorzelt allein abbauen, was eine längere Angelegenheit ist. Wir schaffen es trotz Claras Duschgang und Pauls durch einen penetranten Rasenmäherfahrer (der immer genau vor unserem Platz bei laufendem Motor seine SMS checken musste) gestörtes Schläfchen um kurz nach 12 im Laufschritt vom Platz. Leider vergesse ich beim bezahlen Claras Pipitopf an der Rezeption, was sich aber 20 km später als Vorteil erweist. Erstens kaufen wir uns beide am Campingplatz nach erfolgreicher Abholung noch heimlich ein Eis und zweitens erwischen wir so die schönere Route, denn wir nehmen nun doch die Straße übers Fjell zum Geirangerfjord.
Kurz hinter dem Ort geht es schon steil bergauf und wir treffen auf erste Schneefelder am Strassenrand, die wir ausgiebig fotografieren. Draussen sinkt die Temperatur auf unter 10 Grad bei kaltem Wind. Die Landschaft erinnert uns ein bisschen an die Anden zwischen Argentinien und Chile. Wir passieren Skiorte, viele Campingplätze (die Norweger müssen begeisterte Camper sein) und Frühlingsblumen auf den Wiesen. Hier blühen auch gerade erst die Erdbeeren. Wir picknicken an einem idyllischen Bergsee, laut Reiseführer einer der schönsten Norwegens, leider ist es durch den Wind zu kalt zum draussen sitzen.


Dann steigt die Straße wieder an, und die Schneemengen nehmen zu bis wir durch fast komplett weiße Landschaft fahren. Und das soll Frühsommer sein??? Doch es kommt noch besser, nach einem Abzweig wird die Straße schmaler, steiler und nach der nächsten Kurve sehen wir erste Eisschollen auf einem See treiben, der zum Ende hin fast komplett unter Eis liegt. Und wir befinden uns noch nicht einmal auf 1000 Metern Höhe! Nach einigen Fotos von Clara, die unbedingt mit nackigen Füßen im Schnee stehen wollte geht es zum Endspurt. Kurz vor dem Abstieg zum Fjord nehmen wir die mautpflichtige Strasse zum Aussichtspunkt auf 1500m, von wo man einen schönen ersten Blick auf den Geirangerfjord hat. Hier oben wird Paul gestillt, während Clara mit Markus Steinmännchen und Schneemännchen baut.


Es geht steil hinab ins Tal und in Geiranger scheint die Sonne und es ist erträglich warm. Wir finden einen Campingplatz direkt am Fjord etwas abseits und reihen uns ich die Wohnmobilparade, die wie Perlen am Ufer aufgereiht stehen. Leider erweist sich der Platz als nicht kinderfreundlich, da Steilufer ins Wasser und reißender Fluss hinter dem Spielplatz zu permanenter Aufsicht verpflichten. Dazu ist Clara nach soviel sitzen außer Rand und Band und völlig überdreht. Die beiden kommen viel zu spät ins Bett, da der Aufbau und einrichten des Vorzeltes bis 22 Uhr dauern. Zudem hat Paul Schnupfen und Clara eine verstopfte Nase. Wir kochen uns nach dem Zapfenstreich der beiden noch eine schnelle Notration und fallen lange nach Mitternacht in die Betten. Draußen ist es immer noch hell. Wahrscheinlich schaffen wir es deshalb einfach nicht früher...

 
Das schöne an dem späten Zapfenstreich ist das die beiden wenigstens länger schlafen. Deshalb verpassen wir das erste Kreuzfahrtschiff das heute um 8:00 in den Fjord einfährt. Da aber insgesamt 3 für heute angesagt sind ist das zu verkraften. Der Fjord mit seinen steilen Felswänden und der engen Einfahrt scheint beliebt bei Kreuzfahrtschiffen. Die riesigen Kähne sehen im Vergleich zu den Felswänden durch die sie fahren wie kleine Spielzeuge aus.
Für heute haben wir uns die Trollstigen vorgenommen, die ein paar Täler und Fjorde weiter sind. Jetzt zahlt sich endlich das neue Vorzelt aus, wir trennen es einfach vom Auto und lassen es stehen.


Wir nehmen die steile Straße hinter dem Campingplatz und fahren an Obstbäumen vorbei auf den ersten Pass des Tages.
Wir müssen noch mit der Fähre den anderen Arm des Fjordes queren und dann nochmal einen Pass hinauf zu den Trollstigen. Wir verfahren uns ein wenig und stehen auf einmal am Ende der Straße auf einem Bauernhof. Auf dem Rückweg finden wir noch einen schönen Picknickplatz, hoch über dem Fjord nahe der Steilwand gelegen, können den aber nicht wirklich genießen da Clara schon etwas müde ist und deshalb unberechenbar. Kaum im Auto schläft sie gleich ein. Da beide noch schlafen fahren wir die Troll-Treppen erstmal runter.
Soooo spektakulär sind die nun auch nicht, damit kann man vielleicht Flachländer erschrecken. Das mag aber daran liegen das wir nicht in der Hochsaison unterwegs sind und von Südamerika ja schon einiges gewohnt sind. Von unten ein paar Bilder gemacht und dann gleich eine Lücke zwischen den Bussen für die Rückfahrt genutzt. Wir sind fast allein auf der ganzen Strecke und nutzen die Gunst der Stunde um ein paar Fotos zu machen.
Oben sind sowohl Clara als auch Paul dann wieder wach und wir gehen noch zu den Aussichtsplattformen. Wie gewohnt fängt es an zu regnen, was aber nicht weiter stört, da wir dadurch in den Genuss eines Regenbogens kommen und weniger Leute unterwegs sind.


Hier kommt Claras Stunde. Sie hat uns am Tag davor den ganzen Abend angebettelt, das sie noch einmal in den Schnee will. Kann sie haben! Zur Verstärkung hat sie ihre Plastik-Eiswaffel samt Eislöffel mitgenommen. Damit macht sie sich direkt ein Eis und das gibt sie nicht mehr her.


Sie behauptet sogar steif und fest das es besser schmeckt als Vanille und will es mit zum Campingplatz nehmen (O-Ton Clara: Jetzt hört ihr mir mal zu, wir können das ja so machen: Wir nehmen den Kühlschrank für das Eis, damit können wir es mitnehmen.) Leider musste ich ihr sagen das dies zwar eine geniale Idee ist, der Kühlschrank aber im Vorzelt steht.


Um 6 weckt mich die Ankerkette des ersten Kreuzfahrtschiffs, die ewig in die Tiefen des Fjords scheppert. Es sind nur 8 Grad im Auto und wir schaffen es alle, noch 2 Stunden zu schlafen. Markus schmiert Brote für uns 3 im Auto, in der Hoffnung, dass wir heute früher weg kommen. Trotz gemeinsamen Abbaus (Clara will ins Auto und Paul sitzt zufrieden im Schatten in seinem Maxicosi) schaffen wir es wieder erst um 12. Wo sind bloß die 4 Stunden geblieben? Am Hafen gibt es ein kurzes Zittern, ob wir noch auf die Geirangerfjordfähre kommen, denn 3 Busse werden vor uns eingewunken. Aber es klappt, und wir genießen eine 90 Minuten Fahrt bei schönstem Wetter. Clara ist total aufgeregt und weicht nicht von Markus Arm. Nach diversen Felswand- und Wasserfallpanoramen erreichen wir Hellesylt. Die Fahrt war schön aber ich hatte mir den Fjord enger und steiler vorgestellt, aber das ist auf den richtig großen Kreuzfahrtschiffen wahrscheinlich beeindruckender.
Nun fahren wir über weitere 2 Fähren immer weiter Richtung Küste. Clara schläft nach der Aufregung auf dem Schiff und wir lassen den wahrscheinlich perfekten Picknickplatz mit überdachten roten Hüttchen und sogar einem Kinderspielplatz ungenutzt sausen.


Es wird zur Küste hin wärmer, die Temperatur steigt zeitweise auf knappe 20 Grad mit Sonne! Nach einigen Tunneln (Tunnel- und Brückenbauer konnten sich hier richtig austoben) erreichen wir die Atlantikstraße, eine kleine Küstenroute mit vielen Brücken und schönem Blick auf Felsen und Inselchen. Hier steuern wir den einzigen Campingplatz an, ein kleiner Platz, relativ windgeschützt und ursprünglich in windzerzauster Landschaft. Heute gönnen wir uns mal Strom, stellen dann aber fest, dass statt unserer 12 Meter Kabel eher 50 bis zum einzigen Strommast des Platzes nötig sind.
Die Sonne scheint und heute sind wir beim Aufbau schon etwas routinierter, das werden wir in den nächsten Wochen noch perfektionieren können. Es ist ganz ruhig hier, keine rauschenden Wasserfälle, rasselnden Ankerketten und die einzige Straße kann man nur bei passendem Wind hören. Paul ist heute das erste Mal rückwärts von seiner Decke gekrochen und schläft dankbar sofort ein, und Clara fällt noch ein, dass sie ohne Zähneputzen nicht ins Bett kann, als wir sie schon lange schlafend glaubten. Jetzt um Mitternacht ist es noch taghell, heute ist Mittsommer und wir haben es ganz verpasst!


Nach einer kalten Nacht scheint die Sonne auf das Auto und heizt kräftig. Heute frühstücken wir draußen! Den Vormittag vertrödeln wir in bester Urlaubsmanier zwischen Spielplatz, Küstenfelsen (Clara: ICH will jetzt aber angeln!) und dem Anleger, wo wir gleich belehrt werden, dass man keine Steine ins Wasser werfen darf, da die Besitzer des Platzes sie für (wohl) teuer Geld gekauft haben. Wir suchen in den Felsen nach allerlei Getier und Markus schaut mit Anglerblick nach Fischen im Wasser, in das es von den Felsen aus gleich tief hinuntergeht. Zum Angeln bekommt Clara eine entschärfte (Kurz-)Version und muss zunächst an dem Gullydeckel direkt neben dem Bus üben. Was sie da wohl fischt?


Nach dem Essen schaffen wir es unerwartet doch noch, zu viert eine Siesta im unteren Schlafzimmer des Busses einzulegen, danach machen wir uns auf den Weg zum Einkaufen. Damit ist es hier m äußersten Zipfel der Insel nicht weit her. Das Angebot gleich ein wenig dem im chilenischen Patagonien... Immerhin erstehen wir eine Gummimatte, damit man beim nächsten Regen nicht wieder im Wasser steht, kaum, dass man aus dem Auto aussteigt.


Auf dem Rückweg erkunden wir noch eine Weile einen schlickigen Strand zwischen Felsen, auf dem man wie auf Gummi läuft. Für Clara gibt es einiges zu entdecken, später finden wir noch einige Zecken, die sich auf ihr und Markus niedergelassen hatten. Zum Essen gibt es heute Pfannkuchen mit Blaubeermarmelade und Erdbeeren. Es ist immer noch warm und sogar windstill, sodass man endlich mal entspannt draußen sitzen kann und Markus sogar die überdachte Veranda am Vorzelt ausklappt. Paul futtert begeistert sein erstes Menü ist erst zufrieden wenn er alle Teller unter lautem Getöse vom Tisch geschlagen hat.
Wir freuen uns auf die Elternzeit bei lauer Mitternachtssonne, die aber mal wieder spärlich ausfällt, bis endlich alle schlafen. Nach Mitternacht machen wir noch einen Mikrospaziergang zum Anleger und bewundern den Sonnenuntergang. Elternzeit ist kurz...


Die beiden Reisewecker haben uns heute bis 9 Uhr schlafen lassen, und das, wo wir doch abreisen wollen. Wieder strahlt die Sonne und wir frühstücken draußen. Nach allgemeiner Hygiene beginnt das übliche Packen und wir brechen sämtliche Rekorde mit einer endgültigen Abreisezeit von 13:30. Eigentlich könnten wir gleich die Mittagspause einlegen. Der Vorteil ist, dass Clara sich beim packen keinen Meter vom Auto wegbewegt und sogar mit Paul "zusammen" auf der Decke spielt, sodass beide eine Zeitlang recht zufrieden sind. Gegen Ende allerdings sitzt sie wie immer angeschnallt und mit allen Reiseutensilien ausgestattet in ihrem Sitz. Vor lauter Aufregung schlafen beide einen guten Teil der Strecke.


Wir kurven den gleichen Weg wie vorgestern um den Fjord, dann nordwärts inklusive einer Fähre und vieler Tunnel nach Trondheim, die plötzlich mautpflichtig sind, wie auch die E6, angeblich eine Art Autobahn, streckenweise aber eher ein kurvenreiches Landsträßchen. Als wir endlich um 19 Uhr am Campingplatz knapp hinter Trondheim ankommen haben wir keine 300km geschafft... Während Markus aufbaut lüfte ich Clara per Laufrad mit einer Runde über den Platz, der bisher der mit Abstand der teuerste ist, warum ist nicht ersichtlich. Selbst die norwegische Standard-Duschzeit von 4 Minuten wird hier teurer berechnet. Clara ist nach einem halben Tag im Auto abends immer außer Kontrolle, sodaß ich aufpassen muss, daß sie sich nicht mit dem Laufrad vom Angelsteg in die Tiefe stürzt. Zum Glück kann man sie nach einem spektakulären aber harmlosen Sturz mit gegrillten Würstchen ablenken. Um 23 Uhr schlafen heute endlich beide Kinder...


Sonntag! Glücklicherweise bekommen wir hier frisch aufgebackene Brötchen am Platz, da wir mal wieder vergessen haben, einzukaufen. Die Sonne brät schon kräftig beim Frühstück und wir sind heute ambitioniert und legen einen Wäschetag ein. Mit Höhlen- und Bergerforschungen für Clara vergeht der Vormittag ganz entspannt. Die Hitze ist man ja kaum mehr gewohnt!
Nach einer kleinen Siesta essen wir sämtliche verfügbaren Reste zu Mittag und starten zu einem Ausflug nach Trondheim. Eigentlich wollten wir den Bus nehmen, aber den haben wir verpaßt.


Zuerst besuchen wir die Festung Kristiansten, von der man einen schönen Blick auf die Stadt und den Fjord hat, dann erkunden wir zu Fuß das historische Zentrum mit den schönen erhaltenen Speicherhäusern und dem Sommersitz des Königshauses. Wir schlendern unter "Ich will Eis!"-Rufen durch das Zentrum, was sogar fast die Rufe einer vorbeiziehenden Fußballfangruppe übertönt.


Selbst Paul scheint vom ungewohnten touristischen Programm beeindruckt, denn er hält heute überraschend lange durch, ohne einzuschlafen. Zurück am Platz sind wir recht früh, und schaffen es, beide Kinder bis nach den Pfannkuchen wachzuhalten. Bei Paul gelingt das allerdings nur, weil Markus ihm das Teigrezept und die Zubereitung in allen Details erklärt.


Für morgen ist Regen angesagt, und wir erwägen noch ein vor-packen und aufräumen, dann fällt uns ein, dass sonntags unsere Wein-Ration dran ist und damit ist das Abendprogramm geklärt. Allerdings melden wir uns im Internet noch schnell für die automatische Mauterfassung an ("Geben Sie einfach Ihre Kreditkartennummer an..."), die uns heute schon einige Kronen gekostet hat. Nach Mitternacht, als wir ins Bett gehen, reisen noch Norweger mit einem beeindruckend überladenen Wohnwagengespann an, aber warum auch nicht, es ist schließlich immer noch taghell.