25.6.-1.7.: Immer nach Norden

Der angekündigte Regen bleibt aus, das war sonst immer eher umgekehrt. Wir packen super routiniert, sparen uns aufgrund der auf mysteriöse Weise abhanden gekommener Duschmarken selbiges und sind eine Viertelstunde früher dran als im sonstigen Urlaubsschnitt. Wir nehmen es gelassen, kaufen auf dem Weg noch schnell etwas ein und machen uns auf den Weg gen Norden.
Da auf der Rückbank kooperative (oder erschöpfte?) Stille herrscht, verschieben wir die Mittagspause immer weiter und als es endlich soweit ist, dass wir einen schönen Rastplatz finden, sehen wir die angekündigte Regenwand bereits im Anmarsch. Im Reiseführer wurde ein Lachsaquarium angepriesen, auf dessen Parkplatz wir kurz vor Schließung einfahren. Wir dürfen aber noch hinein, und das sogar zum Kinderpreis, und haben noch eine halbe Stunde. Nach uns kommt allerdings ein italienischer Bus an, daher lassen wir uns Zeit.


Uns schwant allerdings bald, dass diese Attraktion ein Nepp ist, und sich der besitzende Stromkonzern besser in Szene setzen will. Das Aquarium beinhaltet 7 Lachse und ein Mini-Becken mit Jungfischen, und das hinter dem Restaurant mit Lachsbuffet im Halbdunkel. Wir  besichtigen noch das kleine Museum mit Anglerglück-Fotos und allem möglichen Zubehör, was hauptsächlich durch die schwülstigen deutschen Texte zu den Bildern amüsiert. Dann schauen wir uns im Regen noch die längste Lachstreppe der Welt an, dazu müssen wir allerdings den mächtig tosenden Fluss auf einem Gitter über der Staumauer queren, freier Blick nach unten ins Verderben inklusive.


Anschließend suchen wir einen Campingplatz, da die Kinder allmählich aufgeben. Den ersten lehnt Markus ab, obwohl Clara nach dem Spielplatz schreit. Dann passieren wir 3, die nicht im Campingführer stehen, und das aus gutem Grund. Die Schreie nach Trampolin, Eis und Spielplatz von hinten werden lauter, dazu reiht sich der P ein, der Hunger bekommt. Leicht entnervt nehmen wir den nächsten, der sich als absoluter Glücksgriff erweist: ein Stellplatz direkt am See, 1A-Blick, ganz wenige Nachbarn und saunaartig angeheizte Waschräume!


Clara ist versöhnt und spielt Hafen bauen, P liegt auf der Decke unter dem Regenschirm und ist mit gucken beschäftigt und wir bauen heute ohne Vorzelt auf. Dann gibt es Fisch, der aus unerklärlichen Gründen zu 12% aus Salz besteht, am Fischkauf müssen wir noch arbeiten, aber es gab auch bisher keine Auswahl außer Lachs und Lachsforelle. (Kein Wunder, will der Norweger Fisch, fährt er einfach raus und fängt sich einen...)
Den Regen haben wir hinter der letzten Bergkette gelassen, wir sitzen in der Abendsonne und nachdem Clara ausreichend Steine geworfen hat, geht sie ganz ohne zu murren ins Bett. Nur die Mücken tanzen, aber die sind nach dem harten Winter wohl noch nicht auf Zack, denn der See ist erst seit Anfang Juni eisfrei! Um uns herum zeugt davon die schneebedeckte Bergkette.

 
Dank des Sees war es letzte Nacht nicht ganz so kalt und morgens heizt die Sonne das Auto auf. Einziger Schwachpunkt des Platzes ist die Rheintal-Lage: zwischen Autobahn (E6), Bahnlinie, Nebenstraße und See. Aber der Güterverkehr ist nicht ganz so frequent. Markus reicht uns das Frühstück ins Auto und danach geht sogar Clara einigermaßen freiwillig mit mir duschen. Bislang konnte man sie maximal für die Babybadewannen in den Kinderbädern gewinnen. Wir fönen uns im kalten Wind am Auto, da wir uns heute Nacht den Luxus von Strom gegönnt haben.


Das Packen geht heute einigermaßen schnell, es ist erst kurz nach 11, unser bisheriger Rekord. Wir fahren die E6 weiter nordwärts, bis nach Mosjoen, einst Industriestädtchen, heute dank der erhaltenen Speicherhäuser am Fluss, ähnlich wie in Trondheim, eher touristisch. Es ist schönster Sonnenschein, aber sehr kalt und windig. Nach einem Bummel durch die Stadt essen wir unten am Fluss, wo Clara ihrem neuen Hobby Steinewerfen nachgeht.


Dann geht es weiter, über 2 Passstraßen über das Fjell, die Berge sind kaum 1000 Meter hoch, aber die Seen oben immer noch vereist, was neben den frühlingshaft grünen Birken ziemlich seltsam aussieht. Gar nicht so spät erreichen wir Mo I Rana, ebenfalls  Schwerindustriestadt und beziehen einen hübsch gelegenen Campingplatz auf einer kleinen Landzunge in den Fjord. Leider kann man eine müde oder unausgelastete Clara hier nicht allein lassen, die norwegischen Kinder scheinen an das Risiko von Steilküsten gewöhnt zu sein, oder die Eltern entspannter. Sie tobt sich dafür auf dem Trampolin aus, bis es Essen gibt. Der kleine Platz füllt sich bis zum Abend ganz gut, auch fast alle Hütten, die ziemlich gemütlich aussehen. Hier zelten auch viele Leute, was man auf den großen Plätzen im Süden kaum sah. Kinder in Claras Alter gibt es aber leider wieder nicht.


Der Wind macht es im Vorzelt relativ ungemütlich und so gehen wir sogar vor Mitternacht schon ins Auto und planen noch die nächsten Tage. Paul hat heute 3 Schlafsäcke übereinander an und noch 2 Decken darüber. Seit wann dieser Fjord wohl eisfrei ist?
Paul war heute Nacht einige Male wach, ob von der Kälte, aus Hunger (unwahrscheinlich) oder wegen seiner 2 Zähne, die schon ganz knapp sichtbar sind, wissen wir nicht. Markus holt ihn morgens runter und ich darf oben noch eine gute Stunde schlafen. Als wir uns nach 10 Uhr aus den Betten pellen, sind alle Nachbarn bereits abgereist (Anmerkung von Markus: Das waren sie bereits um 8:00, da hat Ann aber noch gepennt), ob es wohl am Kinderlärm lag? Wir frühstücken gemütlich und machen uns mittags auf den Weg zum Polarkreiszentrum, das gut 50 Kilometer nordwärts liegt.
Im Reiseführer noch angepriesen, entpuppt es sich als Touristennepp mit schlechtem Souvenirladen, Kino mit 30 Minuten Film für 60 Kronen extra (10 Euro) und Fastfoodrestaurant. Da haben ja Supermärkte mehr Flair! Von wegen lokaler Spezialitäten!


Dafür ist die riesige Steinmännchensammlung hinter der Weltkugel echt sehenswert. Clara baut ihr eigenes dazu, dann wird es uns zu kalt und wir fahren zurück, um noch die Grönligrotte zu besichtigen.
Hier sind wir die letzten auf dem Parkplatz, bekommen aber mit 3 deutschen Motorradfahrern noch die letzte Führung. Im Gegensatz zu der Nachbarhöhle wurde diese hier als tauglich für die ganze Familie hervorgehoben, aber es geht auf rutschigem Fels recht steil und eng hinunter, immerhin komplett elektrisch beleuchtet. Markus führt Clara, die tapfer die ganze Höhle durchläuft und ich trage Paul in der Trage, der seinen allerersten touristischen Programmpunkt absolviert, ohne schon nach 5 Minuten einzuschlafen. Ihm scheint es aber nicht ganz geheuer, da er beim kraxeln immer mal wieder leicht kopfüber nach unten hängt und der Bach ganz schön laut neben uns her rauscht. Clara ist im Entdeckerfieber (eher untypisch) und filosofiert darüber, was passiert wenn man sich hier verläuft. Auf dem Weg zum Ausgang schieben wir uns durch einige Engstellen, durch die Paul und ich nur mit viel Baucheinziehen quer hindurch passen. Er ist noch wach, bis wir wieder im Auto sitzen, das scheint ihn also beeindruckt zu haben. Auf dem Rückweg kaufen wir in einem Hypermarkt ein, der sich aber nicht unbedingt durch ein größeres Sortiment auszeichnet. Clara wünscht sich Spaghetti mit Avocado und hat auf dem Rückweg noch einen längeren Müdigkeits-Wutanfall weil wir ihre Kinder-CD nach 7-maligem durchorgeln boykottieren und einfach ausschalten. Als wir essen gehen die Nachbarskinder schon ins Bett, unsere liegen protestlos und ohne einen Ton zuviel um 22 Uhr in den Säcken. Schwupp, es ist schon wieder nach Mitternacht, als wir gerade mal den 2. Tee getrunken haben.  


Schon wieder scheint die Sonne! Wir fahren heute in Richtung Svartisengletscher, einer der größten Norwegens. Per Boot werden wir über den See gebracht und ab dem Anleger gibt es einen 3km langen Fußweg zur Gletscherzunge. Clara darf heute in die Trage, da dringend Mittagsschlaf angesagt ist und es sowieso nur bergauf geht. Der Weg hoch ist wirklich schön, entlang einem langen Wasserfall über schön geformte  und gefärbte Felsen. Vor nicht allzu vielen Jahren reichte dieser Ausläufer des Gletschers (einer von 60) bis hinunter an den See, aber auch hier geht er jedes Jahr weiter zurück und der Fußweg wird immer länger. Wir erwarten den Gletscher hinter jeder Wegbiegung, aber es dauert noch recht lange und wir verfluchen im Geiste schon den Reiseführer, der Autor war wohl nicht persönlich hier. Dann sehen wir ihn aber doch noch malerisch über dem See thronen. Man kann den ehemaligen Gletscherverlauf gut an den "Danger-Zone" Schildern ablesen, die stehen mittlerweile schon 500m vom eigentlichen Eis entfernt.


Paul bekommt im Windschatten eine Ration Milch und Markus baut einen 1A-Steinmann. Da wir doch länger als gedacht gebraucht haben, müssen wir uns auf den Rückweg machen um das letzte Boot noch zu erreichen. Wir erinnern uns noch wehmütig an Mehrtageswandertouren mit vollen Rucksäcken... heute wiegen die Kinder mit der Minimalausstattung auf dem Rücken schon genauso viel, etwa 35kg teilen wir uns. Das mit Claras Mittagsschlaf hat leider nur auf dem Rückweg geklappt, ausgeschlafen ist sie also immer noch nicht, Urlaub ist einfach zu aufregend. Zurück am Campingplatz gibt es unsere nun schon traditionelle norwegische Sparmahlzeit: Pfannkuchen mit Lachs und Marmelade (nacheinander). Markus muss während des kochens im Stehen essen, selbst mit 2 Pfannen bekommt er die Meute sonst nicht schnell genug satt.


Als ich später, nach Mitternacht, zu den Waschräumen laufe, wundert mich mal wieder, wie alle anderen Camper bei tagheller Nacht schon so früh in den Betten liegen können. Niemand ist mehr zu sehen, aber einige Schnarcher zu hören. Hier bleibt einfach niemand lange auf oder alle bekommen ihre Kinder früher in die Betten.


Heute morgen entdecken wir den Polarkreiszahn, den Paul in der letzten Nacht bekommen hat, der erste, unten links. Morgen werden wir noch mal den Polarkreis kreuzen, vielleicht kommt dann Nummer 2. Markus ist heute heldenhaft früh aufgestanden und hat mit dem Abbau begonnen, während wir drei noch unten im Bett liegen. Aus temperaturtechnischen Gründen schläft Markus im wärmsten Schlafsack jetzt oben, Paul, Clara und ich verteilt auf insgesamt 5 Schlafsäcke und 2 Decken unten. Trotz der Daunen hat Markus oben gefroren. 
Der Plan mit dem frühen Abbau wäre sicher aufgegangen, wenn uns nicht erst die Nachbarn von gegenüber noch ein paar Reisetips hätten geben wollen, und dann das Rentnerpaar vom Gletscher, die neben uns stehen, die weiteren Pläne erörtern wollte. Wir lassen sogar das ausgiebige Frühstück ausfallen und sparen doch nur eine halbe Stunde.


Heute geht es nach Westen zur Küste, inklusive einer langen Fährfahrt und einer kurzen. Wir sind auf Helgeland, was hunderte, wenn nicht tausende Inseln und nur mit Fähren erreichbare Halbinseln bedeutet, einmal um den Svartisengletscher herum. Die Küstenstraße ist schön, mit Blick auf steil aus dem Fjord ragenden Bergen, aber auch sehr schmal, wodurch es gleich zu einem Wohnmobilstau kommt. Bis sich alle aneinander vorbei rangiert haben, rollen die Norweger schon mit den Augen. Gegen 17 Uhr legen wir in Foroy an, und da hier ein Campingplatz gleich um die Ecke liegt, bleiben wir. Er ist auch claratauglich, mit einem großen Spielplatz direkt gegenüber unserem Stellplatz, und wir verkuppeln sie erfolgreich mit zwei Berlinern, 4 und 8, die auch mit unserer Fähre ankamen. Clara muß auf dem ausrangierten Boot als Küchenhilfe anheuern und für die 8-jährige Piratenbraut imaginäre Stein-Kartoffeln kochen, was sie ohne zu murren tut. Paul wird derweil Opfer eines Angriffs von winzigen Mücken und wir verlegen ihn in sein Mückenschutzzelt, da ist er zwar nicht mit einverstanden, aber er hat keine Wahl, Polarkreiszahn hin oder her. Markus lüftet Clara nach ihrer Ausmusterung auf dem Trampolin und ich koche, statt Reis habe ich im Supermarkt irgendetwas anderes erwischt, schmeckt aber auch gut. Wegen der Mücken kapitulieren die Kinder und ich und essen im Auto hinter dem Mückennetz, um dann festzustellen, dass die winzigen Viecher ganz einfach durch die kleinen Löcher spazieren. Markus läuft draußen beim Essen im Kreis, da kommen die Biester nicht so schnell hinterher.


Es beginnt wie angesagt zu nieseln, aber ist dafür heute mal etwas wärmer, sodass man abends sogar ohne Jacke draußen sitzen könnte, wenn da nicht die Mücken wären. Markus geht zum ersten Mal im Urlaub die Angel auswerfen, mir wird es irgendwann zu windig und ich gehe ins Auto lesen. Er trifft noch einen Holländer, der erzählt, wie viele Fische man hier herausziehen kann und ist bis fast 1 Uhr im Angelfieber, leider ohne Fisch. Als er zurück kommt, sieht man schon die Morgenröte am Himmel und es wird wieder heller, falls das überhaupt noch geht.


Wir verbringen die erste warme Nacht des Urlaubs und konnten ohne Mützen und Zusatzdecken schlafen. Während des Abbaus unterhalten wir uns noch ein bißchen mit den Berlinern, die ebenfalls im California unterwegs sind. Nach dem Frühstück geht es los, Clara hat sich gestern abend um das Privileg, vorne zu sitzen gebracht und ist untröstlich, dass dafür heute Paul ihren Platz einnimmt. ("Ich hab aber noch keine Babys gesehen, die vorne sitzen dürfen!")
Heute geht es die Küstenstraße weiter bis Bodo und durch ein paar, jeweils mehrere Kilometer lange Tunnel, wovon einige ziemlich rustikal und eng sind. Kurz vor Bodo halten wir am Saltstraumen, dem größten Gezeitenstrom der Erde, zum Mittagessen an und Markus wirft mal wieder erfolglos die Angel aus. Anmerkung des Anglers: Der Gezeitenstrom an der Stelle war so heftig, daß es mir den Endknoten der Schnur an der Spule geöffnet hat. Und der hält immerhin schon 1 Jahr.


Wir kommen gerade rechtzeitig an, um den Gezeitenstrom in seiner kräftigsten Phase zu erleben. An der engsten Stelle direkt unter der Brücke schauen wir den Wassermassen zu, die auf das Meer hinausschießen und dabei riesige Strudel bilden und viel Wasser aufwirbeln. Clara wird schön ferngehalten, da nur ein dünnes Seil zur Sicherheit gespannt wurde. Während die anderen Besucher sich das Schauspiel ausgiebig anschauen sichern wir uns die einzige Bank mit Tisch. Markus muss einen Landsmann mit einem scharfen Blick davon abhalten, dass er auf den Tisch neben unser Essen steht, um eine bessere Position für sein Foto zu bekommen.


Wir konsultieren den Reiseführer und lesen von einer idyllischen Halbinsel, die man unbedingt gesehen haben muss, voll von Cafes, Restaurants, Campingplätzen, idyllischen Buchten, sozusagen ein Geheimtip. Wir nehmen also hinter Bodo die Fähre und sehen freudig am anderen Ufer schon die ersten kleinen Sandstrände, bisher gab es nur Steine oder Fels. Auf der Suche nach den Campingplätzen finden wir mit Müh und Not zwei, wovon einer irgendwo im Landesinneren und der andere uns eher suspekt ist.


Nach erfolgloser Durchquerung der Halbinsel kommen wir auch noch im einzigen Supermarkt zu spät, um das für wildes campen nötige Wasser zu kaufen. Die Fähre unverrichteter Dinge zurück zu nehmen erscheint uns unökonomisch. Zum Glück öffnet mir am Museum noch die Putzfrau und füllt unsere beiden Wasserflaschen auf. Dann fahren wir zurück zu einer großen Schafweide am Meer, auf der wir auf dem Hinweg schon 3 Wohnmobile haben stehen sehen, und reihen uns dazwischen ein. Die Nachbarn werden von den umherstreifenden Kühen genauestens beäugt, eine scheint schon ins Zelt steigen zu wollen. Die Dame des Hauses flüchtet vorsichtshalber ins Auto. Wr erkunden den Strand und genießen die Sonne. Gerade als wir kochen, beginnt es zu regnen und Markus köchelt unter der Heckklappe weiter, danach essen wir alle gemütlich im Auto. Selbst Clara ist mittlerweile von all dem Urlaub so hungrig, dass sie auch Dinge isst, die vorher nicht so hoch im Kurs standen, und davon viel.


Wir beschließen, heute das Dach nicht auszufahren und alle 4 unten zu schlafen. Markus sichert draußen das überzählige Gepäck, dann gehen wir noch auf einen kinderfreien Abendspaziergang, Babyfon sei Dank. Später teilen wir uns den verbleibenden Raum zwischen den beiden, was gar nicht so einfach ist. Entgegen aller Erwartungen schlafen wir gut und ich wache nur einmal vom strömenden Regen auf und am frühen Morgen von den Schafsglocken rund ums Auto. Einziges Manko am wildcampen bei Mitternachtssonne ist das Toilettenproblem. Nicht einmal nachts kann man sich auf den Schutz der Dunkelheit verlassen. Außerdem werden wir von den Wolken um unseren ersten echten Mitternachtssonnenschein gebracht.
 

Der seit Tagen versprochene Regen bleibt weiterhin größtenteils aus. Wir stöbern mit Clara noch ein wenig am Strand, gestern Abend hatten wir bereits "findenswerte Dinge" in clarafreundlicher Entfernung deponiert. Mit einer nagelneuen Isomatte, aus der wir neue Sitzkissen schneidern wollen, einem dekorativen Schwimmer für Netze und einer Schieferplatte beladen wir das Auto. Den so gut wie neuen Edelstahlgrill und das noch verpackte Federballspiel lassen wir liegen, hier muß einiges bei der letzten Sonnwendfeier vergessen worden sein.  


Gegen Mittag treffen wir am denkmalgeschützten alten Handelsplatz Kjerringoy ein. Hier ist heute Kindertag, sodaß Clara freien Eintritt erhält. Es pfeift ein ungemütlich kalter Wind und nach einer kleinen Runde wärmen wir uns bei Waffeln und Kaffee im Cafe auf. Dort erfahren wir, daß doch noch eine englischsprachige Führung möglich ist, und die ist sogar für uns allein. Die ausführliche Führung durch die noch fast originalgetreu erhaltenen Gebäude endet am "Kramladen" wo wir für alle einen "Zuckerklumpen" erstehen, und schlendern dann bei bestem Wetter durch die restlichen Gebäude. Wir spielen noch ein paar der alten Spiele, die aufgebaut sind und schauen beim Brotbacken zu. Ganz dünne knusprige Fladen, die mit Sauerrahm und Zucker gegessen und auch heute noch von den Fischern auf den Lofoten mit auf See genommen werden.


Anschließend geht es zurück nach Bodo, wo wir wegen der vielen Autos auf die 2. Fähre warten müssen. Clara fällt als erste sofort in den Tiefschlaf, dann der P und schließlich ich. Markus fährt tapfer bis Fauske, und da die Kinder immer noch schlafen geht es weiter auf der E6 nach Norden, nach Straumen, wo wir einen netten Campingplatz finden. Wir parken direkt am Spielplatz, sodaß Clara sozusagen aus dem Vorzelt in den Sandkasten fällt. Abends gibt es Spitzkohl-Spaghetti und dann fallen die Kinder "dankbar" in die Betten.