9.-15.7.: Adjø Lofoten, hei Versterålen


Neuer Ausschlafrekord bis fast 10 Uhr! Nur Paul zupft beharrlich an meinem Schlafsack. Wir frühstücken windgeschützt im Auto. Draußen scheint so schön die Sonne, aber es ist immer noch viel zu kalt. Nach dem Frühstück geht es heute direkt an den Umbau, um den Bus abfahrbereit zu machen und Markus zieht hinten am Zelt noch extra einige großzügige Leinen als Abstandhalter, damit wir bei Rückkehr noch Platz für das Auto finden. 
 

Der Reiseführer empfiehlt heute Nesland, ein nur 100 Jahre bewohntes Dorf, das 1970 verlassen wurde. Die Straße dorthin ist hübsch, aber das Dorf scheint entweder wiederbelebt oder abgerissen. Jedenfalls finden wir nichts dergleichen, was nicht umzäunt oder von Bauarbeitern besetzt ist. Mit uns kommt auch ein Paar Wanderer an, die sich ebenfalls ungläubig umsehen nd den angepriesenen Charme suchen. Wir benennen kurzerhand den Ort in Neppland um!


Also entscheiden wir uns für eine Fahrt nach Nusfjord, ein unter Denkmalschutz gesetztes ursprüngliches Fischerdorf, das angeblich meistfotografierte Örtchen auf den Lofoten. Tatsächlich ist es ziemlich malerisch und teilweise als Museum hergerichtet, einige der typischen Fischerhütten (jetzt natürlich exklusiv ausgestattet) kann man mieten und nächtigt dann mitten im Freilichtmuseum. Wir finden einen windgeschützten Platz und picknicken in der Sonne. Hier auf der Südostseite der Insel ist es deutlich wärmer als am Campingplatz, der wohl nur wegen des langen weißen Sandstrandes (sehr selten in Norwegen) an der stürmischen Nordwestseite liegt, wo der Wind gefühlt direkt vom Nordpol anbraust.


Übrigens haben wir auch schon Norweger (?) gesehen, die hier im Meer baden, aber das hat höchstens 12 Grad.... Dieser Ort entschädigt uns ausreichend für den vorherigen Reisetip und wir kehren mit hundemüden Kindern (die haben doch auch bis 10 geschlafen?) zurück. Um Clara ihr Schläfchen zu gönnen lassen wir sie am Supermarkt im Auto mit dem Babyfon auf dem Schoß und hoffen, dass sie niemand unnötigerweise retten will. Wir kaufen allein mit Paul ein, was einmal ganz entspannend ist, weil er zufrieden und schweigsam im Wagen sitzt und sich alles anschaut, ganz im Gegensatz zu seiner Schwester.

 
Zurück am Campingplatz hat es sich gefüllt und wir haben neue Nachbarn, aber der erwartete Run von gestern blieb wohl aus. Wir gehen noch eine Runde an den Strand, aber es ist einfach zu kalt durch den eisigen Wind und so machen wir es uns lieber im Auto gemütlich. Wie immer fliegt die Zeit und bis die beiden im Bett sind ist es unerklärlicherweise schon wieder 22.30. Dafür entschädigt aber die Mitternachtssonne, heute ungetrübt ganz ohne Wolken, die uns genau ins Vorzelt strahlt.


Nach einer durch Paul etwas boykottierten Nachtruhe (es wird doch wohl keinen Vesteralen-Zahn geben?) stehen wir früh auf und wärmen uns nach der eisigen Nacht mit warmem Porridge auf. Dann geht es ganz ungewohnt früh los, wir fahren nach Å (Å i Lofoten), dem Ort mit dem kürzesten Namen auf den Lofoten. Dort gibt es wie immer einen Haufen restaurierter und nun mietbarer Rorbur Hütten, dazu ein Dörrfischmuseum und ein Fischermuseum, die wir uns aber beide sparen. Wir kaufen in der alten Museumsbäckerei die im Reiseführer zu Recht gerühmten Zimtschnecken und schlendern eine Runde durch den kleinen Ort. Hinter dem Hafen werden gerade getrocknete Dorschköpfe für den Transport nach Afrika in 30kg Säcke verladen. Es riecht entsprechend aber sieht ganz interessant aus. In einem Schuppen dahinter sind noch die getrockneten Dosche gelagert.


Mit einer 3. Runde Zimtschnecken steigen wir ins Auto und fahren die E10 zurück bis nach Solvagen, um dort die im Reiseführer empfohlene Wanderung zum Leuchtturm zu machen. Leider gibt dieser nur an, wo es nicht losgeht, und nicht, wo es los geht. Nach einiger Zeit der erfolgloser Suche nehmen wir den Spaziergang um den Dorfsee in Angriff. Wir verlassen uns auf das GPS und finden uns vor einer Fußgangerbrücke wieder, die eigentlich eine Straße sein soll und wir dürfen die enge Straße das ganze Stück wieder rückwärts zurückfahren. Der Plan ist, das Clara in der Kraxe dringend eine Runde schlafen muß, dazu ist sie aber leider viel zu aufgeregt. Außerdem will sie jetzt endlich mal mit ihrer Schwimmweste im See baden.


Nach viel Diskussion willigt sie ein, erst einmal die Temperatur zu prüfen, und besteht auf Ganzkörpertest. Der wird allerdings kurz vor dem Bauch abgebrochen und wir können in Ruhe zum Auto zurück wandern. Aber mutig war sie! Da wir heute so früh mit unserem Ausflugsprogramm fertig sind, fahren wir nach einem kleinen Abstecher nach Reine, wo der Geldautomat mal wieder die Herausgabe verweigert, zum Camping zurück, in der Hoffnung auf frühe Elternzeit. Da Clara aber im Auto in den Tiefschlaf fällt und Paul wenig später auch, genießen wir die ungewohnte Ruhe ein wenig zu lang und dann ist die Tochter natürlich ausgeschlafen. Austoben am Strand bei eisigen Polarwinden hilft auch nicht, macht auch nicht viel Spaß, trotz der Sonne und des strahlendblauen Himmels. Und dabei war es heute auf der anderen Seite der Insel so windstill und sommerlich warm!


Auch haben wir wieder neue Nachbarn, Norweger, deren Markise knapp unser Vorzelt verfehlt, und die ihre Stuhlbatterie natürlich auch auf der Windschattenseite aufgebaut haben. Markus steigt der Dame des Hauses über die Füße, um unser Zelt betreten zu können. Tuchfühlung scheint dazu zu gehören, denn sie schauen zu viert ganz genau zu, was wir so machen. Zur Abschreckung platziere ich Claras vollen Pipitopf vor das Vorzelt, wenig später beobachten sie uns von drinnen weiter.
Heute Abend ziehen Wolken auf, jetzt ist es bestimmt vorbei mit dem schönen Wetter. Die Temperatur fällt immer weiter, schon vor dem Zubettgehen sind es im Auto nur noch 9 Grad.


Die Nacht war so kalt, daß ich oben in meinen Daunen gefroren habe, weil ich Paul immer noch halb im Schlafsack hatte, und im Erdgeschoß ging es nicht viel besser. Wir frühstücken im Auto und wärmen uns mal richtig auf. Dann ist packen angesagt. Ich pilgere mit den beiden und dem Laufrad zum Supermarkt und Markus baut ab. Seit Clara sich beim einkaufen einen Artikel aussuchen kann, gibt es jeweils eine schwierige Entscheidungsfindung zwischen "Sankt-Martin"-Keksen (mit Smarties) und Joghurt. Kurz vor der Kasse überlegt sie dann noch ob sie beim nächsten Mal nicht lieber etwas aus der Bonbontheke nimmt, aber da die Keks-Joghurtregale am Anfang vom Supermarkt liegen, hat sie das regelmäßig wieder vergessen.
Nachdem wir die letzten Dinge im Auto verstaut haben (dass wir die Fußmatte liegen lassen merken wir erst am Abend, sie ist immerhin ganze 2 Wochen mit uns gereist) geht es los. Wir halten Clara wach bis zum Wikingermuseum in Borg, wo wir 3 Stunden verbringen, mit Anschauen des nachgebauten Langhauses (83m) und der Ausstellung, sowie Kinofilm. Clara ist mit eigenen Kopfhörern ausgestattet und damit vollkommen zufrieden. An sich wollen wir auch das Wikingerschiff am See anschauen, aber die 1,3km Fußweg bei eisigem Polarwind bringen wir nicht über uns, zumal wir die Jacken im Auto gelassen haben. Statt dessen geht es noch kurz ins Cafe und dann endlich los auf die Vesterålen.


Neuer Rekord: Abfahrt nach 17 Uhr! Zum Glück ist es nicht so weit, und nachdem erst Clara und dann auch Paul eingeschlafen sind, rollen wir die E10 wieder bis ans Ende der Lofoten und biegen dann nach Sortland, dem Hauptort ab. Aufgrund der Uhrzeit entscheiden wir, hier zu bleiben. Der erste der Campingplätze gefällt uns nicht, der zweite scheint nicht mehr zu existieren, also doch der erste. So schlecht ist er dann doch nicht, wir stehen sogar neben ehemaligen norwegischen Nachbarn. Clara bekommt den Auftrag, sich per Laufrad zu lüften und kennt bald sämtliche Nachbarn der Runde. Sie unterhält sich angeregt mit Dänen und Norwegern. Anfangs ist sie ja allein keinen Meter vom Auto gewichen, aber mittlerweile muß man aufpassen, daß sie nicht zu weit weg läuft. Vor einigen Tagen brachte sie schon ein Nachbar heulend zum Auto zurück, weil sie dem Papa hinterher wollte (150m zum Waschraum) und auf halbem Weg den Mut verlor, wo sie dann nicht weiter wußte.
Nach dem Essen, heute sparsame Reste, machen wir unten das Bett für alle vier, um den Aufbau zu sparen und morgen gleich weiter zu kommen. Heute schaffen wir den bisherigen Rekord, dass die Kinder nach Mitternacht ins Bett kommen, und Paul bei berühren des Lakens schläft, wohin gegen seine Schwester dazu länger braucht als Markus und ich. Immerhin sagt sie noch, dass das Wikingermuseum ganz toll war. 
Bemerkenswert sind heute die angenehme Temperatur und die lang ersehnte Flaute!


Trotz aller Bemühungen scheitern wir grandios und kommen erst um 12 weg. Aber dafür ist die Tochter ausgelastet, da sie eine plötzliche Fußballleidenschaft entdeckt. Am Eingang halten wir noch kurz an und nutzen das Internet (das genauso wenig bis zu unserem Stellplatz reichte wie unser Stromkabel an die spärlichen Anschlüsse, und das wo Strom diesmal inklusive war) um die letzte Woche hoch zu laden. Mit Paul auf dem Schoß und Clara zwischen den Knien auf der Rückbank keine leichte Sache.
Heute testen wir eine neue Supermarktkette, Rema1000, aber das ist keine Erleuchtung und eher noch teurer. Mit zwei Eis geht es schließlich los. Clara lernt gerade, wie man 2 Eis zu dritt teilt: dass das nicht bedeutet, die Eltern nur mal probieren zu lassen ("aber nur ablecken, nicht beißen!"), das ist nämlich Lektion 2 nachdem wir geübt haben, daß es nicht jeden Tag ein Eis gibt.


Die Vesterålen sind deutlich flacher als die Lofoten und es gibt auch Wald und viel Moor. Wir fahren auf die Insel Langøya und sind bald im kleinen Fischerort Nyksund, der mehrfach verlassen und wieder aufgebaut wurde. Heute leben hier ein Dutzend Leute, einige davon Deutsche, und wir besuchen zum ersten Mal ein Restaurant, dass uns empfohlen wurde. Es gibt Fischsuppe und gebratenen Stockfisch, danach noch Kuchen, und bei der Rechnung fallen wir noch nicht einmal in Ohnmacht. Das liegt aber auch daran, dass hier als Getränk nur Wasser im Angebot war, und das gibt es immer umsonst.


Der Ort scheint immer noch ein bißchen aus einer anderen Zeit zu stammen, und beim anschließenden Spaziergang zieht eine Nebelbank auf, die den Eindruck noch verstärkt. Kaum verlassen wir Nyksund, strahlt die Sonne wieder vom blauen Himmel. Da es hier keinen Campingplatz gibt, fahren wir nach Stø, am Nordende der Insel. Hier scheinen die Campingplätze alle den Strom schon zu inkludieren, ob das Kabel reicht oder nicht, aber dafür können wir für 15 Kronen das erste Mal unbegrenzt duschen! Allerdings reduziert sich die Anzahl der Klos/ Dusche pro Camper noch einmal deutlich.
Markus und Paul bauen auf und Clara und ich erkunden den Meeresboden bei Ebbe, dann ist es eigentlich schon wieder Abend. Heute strahlt die Mitternachtssonne vom Himmel und es ist immer noch relativ windstill und endlich angenehm wärmer.


Morgens heizt sich das Auto auf ungewohnte Temperaturen auf, es scheint aber auch schon seit Stunden die Sonne drauf!. Wir frühstücken seit längerem mal wieder im Zelt und da sich das auch aufheizt, werden die Kinder in die Wanne gesteckt, erst Paul der eigentlich müde war, aber dann kräftig planscht, dann Clara, die gleich den gesamten Boden wässert. Mittags packen wir die Kinder in die Tragen und wandern den Königinnenpfad an der Küste lang, mit besten Vorsätzen für die 15km, aber am ersten langen Sandstrand bleiben wir gleich 2 Stunden in der Sonne hängen. Wir sehen wieder einen Seeadler im Nahkampf mit Möwen und sogar einen Papageientaucher im Wasser. Nach Picknick und erkunden sämtlicher Felsen geht es mit einer schlafenden Clara, die nach soviel Herumgerenne schon fast auf dem Boden einschläft und nicht mehr aufstehen kann zurück in den Ort und wir stöbern in den einzigen beiden Andenkenläden.


Zurück am Platz beginnt es zu regnen und es wird deutlich wärmer. Markus geht erfolglos angeln und wir drei faulenzen im Auto, später gehen wir zum Pfannkuchenessen rüber in die Küche, da wir nicht wissen, wie lange unser Gas noch reicht und die Küche ganz gemütlich aussieht.
Clara ist wie erwartet ziemlich fertig und nachdem es sie auf dem Schotterplatz noch einmal lang hinlegt, ist es höchste Bettgehzeit. Aber auch Paul, der in der Küche soviel zu gucken hatte, dass er sich gar nicht wie sonst auf seinen Brei konzentrieren konnte, ist hinüber.
Beim ins Bett bringen entdecke ich, dass ich dummerweise das Fenster oben offen gelassen hatte und mein Schlafsack bestimmt einen Liter Wasser zuviel enthält. zum Glück läßt er sich mit der Standheizung einigermaßen trocknen und heute ist es sowieso wieder einigermaßen warm.
Markus geht noch eine Stunde im Regen erfolglos angeln und ich liege im geheizten Auto, dann lassen wir uns von den Schafen in den Schlaf blöken, die nämlich bei Mitternachtssonne auch nicht schlafen können und die ganze Nacht blöcken oder ihre Glocken läuten lassen. Zudem hat jemand das Tor offen gelassen und nun laufen sie bis hinüber auf die Mole, um sich dort einmal kräftig zu entleeren, wie Markus feststellen konnte.
An die Vögel und ihr 24 Stunden Geschrei haben wir uns ja bereits gewöhnt, Möwen und Seeschwalben schlafen nämlich auch nicht mehr richtig. Es scheint sich einzuregnen, bisher stimmte die Wettervorhersage eigentlich immer, das bedeutet 5 Tage Regen von hier bis Hammerfest!


Regen, Regen, Regen! Die ganze Nacht! Wir stehen spät auf, eigentlich bis zum frühen Nachmittag gar nicht. Der Platz leert sich zügig, die anderen müssen ja auch nur die Fußmatte und das Kabel einholen und losfahren. Wir haben bei dem Sturm und Dauerregen keine Chance, auch nur einen Faden trocken einzupacken. Also faulenzen wir den halben Tag, dann gehe ich spülen und schlage noch ein paar Heringe in den Boden. Anschließend gehen wir auf Kaffee und leckeren Kuchen ins Restaurant am Platz, da ist es trocken und warm. Clara verputzt problemlos ein riesiges Stück Erdbeersahnetorte und reagiert auf unsere Mitesserversuche höchst ungnädig ("das war jetzt aber gar nicht lustig!") Paul schläft einfach auf dem Arm ein, er hat heute einen ganz faulen Tag. Anschließend sichert Markus nochmals das Vorzelt mit Sicherungsstufe 2 (noch mehr Heringe und schwere Steine), während Clara in Regenmontur mit Einkaufstüte auf dem Helm die Pfützen mit dem Laufrad durchpflügt. Leider gibt es davon kein Foto, denn als wir endlich auf die Idee kommen, hat sie verständlicherweise keine Lust mehr auf nasse Kälte. Früher als sonst machen wir uns samt Koch-Gepäck und Kindern auf zur Küche, um dort gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Geräte am Strom aufladen, Clara vor den Computer setzen, das Geschirrtuch im Ofen zu trocknen und nebenbei noch kochen und essen. Die Küche ist aber bei dem Wetter ein beliebter Ort, da anscheinend auch in Wohnmobilen viele den Abwasch und das Steakbraten lieber in der Küche erledigen.
Das Geschirrtuch verträgt leider keine 200° Oberhitze und wird etwas braun. Und wir werden alle ziemlich nass auf dem Rückweg, bei dem ich schon um Clara Angst habe, daß sie bei den Windböen vom Weg abtreibt. Paul auf meinem Arm hält nur ungläubig die Hände in den Regen. Clara ist danach sehr aufgeregt, bei dem inzwischen blasenden Sturm ist das nicht verwunderlich. Dazu kommt noch, daß wir heute alle unten schlafen und das Dach einholen. Oben ist die Matratze schon nass und der Stoff bläht sich knatternd in alle Richtungen. So viele Änderungen vertragen sich nicht mit ins Bett gehen und deshalb dauert es extra lange bis sie endlich schläft.
Der Wind zurrt am Zelt und an Anns Nerven. Der mutig sich kümmernde Vater geht noch einmal vor die Tür und sichert das Zelt mit Steinen die er vom Meer heranschleppt und zusätzlichen Leinen (Sicherungsstufe 3). An der Windseite haben wir jetzt 6 Leinen und ca 1 Tonne Steine auf dem Zelt liegen. Wir haben leider nicht die Option es abzubauen, da wir unseren ganzen Kram drin haben und im Auto kein Platz dafür ist. Der Arme ist dabei bis auf die Knochen nass geworden und hat jetzt leider keine Unterhose zum Wechseln, da diese alle unter den schlafenden Kindern liegen. Ohne in den Schlafsack legen ist auch keine Alternative, wenn man bedenkt das wir heute Nacht unter Umständen raus müssen, wenn was mit dem Zelt ist. Da will man ja nicht nackig dastehen, wenn es schnell gehen muss (aber es wäre schon ein Foto wert!)
Die fürsorglich sich kümmernde Mutter kocht im Klo schnell noch einen Wasserkocher für den Tee (den muß man dabei in der Hand halten, da die einzige Steckdose in 1,60m an der Wand hängt) und sichert dann im Vorzelt wichtige Dinge wie Kochkisten, Vorräte und bislang noch trockene Kleidung, die wir morgen ungern aus den schlickigen Felsen sammeln wollen. Markus findet eine norwegische Wetterapp, die für die nächsten 2 Tage genau dieses Wetter ansagt. In Tromsö ist es wärmer, windstill und durchaus trockener, daher heißt es für morgen: adjø Vesterålen, auf nach Nordost! Laut Wetterbericht handelt es sich um eine "steife Brise", das ist wohl die Vorstufe zum Sturm und ich habe den Verdacht, daß sich die Norweger gegenseitig gewarnt haben und dann in ihren Wohnmobilen gewartet haben wie das deutsche Zelt mit dem Wind zurechtkommt.
PS: Die Schweizer Nachbarn haben auch ihr Hubdach eingeholt (Markus fand die Idee ja anfangs überflüssig), ein Norweger hat sein Vordach abgebaut und der Nachbar hat sein Auto schräg als Windschutz vor den Wohnwagen geparkt (vielleicht hat er selbigen auch daran festgebunden, das haben wir gestern im Ort auch schon gesehen, allerdings am Baum).
Dafür, daß wir heute nix gemacht haben, gab es ganz schön viel zu schreiben.


Am nächsten Morgen sieht immer alles ganz anders aus, aber nicht heute. Es schüttet immer noch, der Wind pfeift einem um die Ohren, aber das Zelt steht wie eine Eins. Leider steht auch ein kleiner See in der Mitte des Zeltes und macht es somit unbewohnbar. Immer noch besser als bei den Nachbarn, bei denen steht der ganze Wohnwagen mitten im See.
Wir frühstücken wieder im Auto da es draussen wirklich ungemütlich ist. Dann geht es ans Abbauen. Erst wird alles ins Auto geladen und per Regenschirm verhindert Ann, daß der waagerechte Regen drinnen allzu viel nass machen kann. Dann kommt das klatschnasse Zelt dran.
Der Boden ist inzwischen von kleinen Tümpeln überzogen und egal wo man hintritt, immer trifft man einen davon. Aber eigentlich ist es egal, da die Schuhe wie alles andere schon total durchnässt sind. Selbst die Regenjacke gibt so langsam auf, da ich (Markus) immer wieder mit den Händen über dem Kopf arbeiten muss und mir das Wasser dann schön die Arme runterläuft. Alles verläuft zäh, da ich immer wieder die Böen abwarten muss. Hatte ich die Felsen erwähnt, die ich zum Schutz meiner Familie aus dem Meer gefischt habe? Zugegeben, es war Ebbe und das Meer gerade nicht da. Ich musste wohl im Adrenalinrausch gewesen sein und nichts gespürt haben, die Dinger sind auf einmal richtig schwer. Bei zwei Felsblöcken habe ich Probleme sie wieder weg zu bekommen und überlege schon, ob ich sie einfach stehen lasse.
Zum verstauen des Zeltes in der Dachbox fahren wir in den Windschatten eines nahen Gebäudes, ich habe Angst die Dachbox bei dem böigen Wind länger aufzulassen. Irgendwann ist alles verstaut, die Scheiben laufen komplett an wegen der ganzen Feuchtigkeit im Auto und für mich ist ein kompletter Kleiderwechsel notwendig. Es ist übrigens nicht leicht, seine klatschnasse Unterhose im Auto zu wechseln, selbst in unserer großen Kiste nicht. Beim Versuch ziehe ich vor dem verbeifahrenden Nachbarn blank. Das ist mir aber zu dem Zeitpunkt schon ziemlich egal und wir fahren mit Heizung auf vollen Touren los. Trotz der widrigen Umstände ist es gerade mal 14:00 Uhr!
Nach einem kleinen Abstecher zum anderen Ende der Straße, weil am Abzweig kein Schild steht fahren wir die Strecke über die Insel wieder zurück und überlegen, ob wir die Fähre nehmen oder lieber den Landweg fahren und können uns nicht entscheiden. Einmal mehr muss die Münze herhalten und die sagt Fähre, konsequenterweise nehmen wir aber den Landweg. Der Wind lässt auf dem Festland schnell nach und nur an ein paar Ecken pfeift es noch ganz schön. Wir müssen bei einem umgekippten Wohnwagen auf der Straße anhalten, der gerade wieder aufgerichtet wird. Der ist wohl ins Schleudern gekommen, kann wie es aussieht aber weiterfahren. Doch das ist unser Glück, da wir dadurch einen Kilometer später unseren ersten Elch zu sehen bekommen, der gemütlich im Straßengraben Gras futtert. Wir wenden schnell, um das zu dokumentieren, aber der Elch verschwindet lieber im Wald und wir bekommen nur das Hinterteil aufs Foto.



Elch, Papageientaucher, Seeadler, Seeschwalben, ein Seehund, jede Menge Fische. Jetzt fehlen eigentlich nur noch Wale und Rentiere, dann haben wir die Fauna hier durch...
Das Wetter ist immer noch sehr durchwachsen und wir nehmen zur Entschädigung die Fjordroute statt der E10 und suchen dann einen Campingplatz. Als wir wieder auf die E6 treffen, führt sie mitten durch das Fjell, keine 400m hoch, aber mit schneebedeckten Bergen rechts und links. Wir finden einen Platz direkt an der Straße, mit Blick auf See und Schnee und mit Schwärmen von Mücken, die attackieren sobald man die Tür öffnet. Ich ärgere mich noch über die Extragebühr von 10 Kronen die man pro Nase zahlen muss (sogar für Paul), da erzählt Markus von tollen Duschen, die man unbegrenzt nutzen kann! Wir bauen schnell auf, ohne Zelt und ohne Dach, da sowieso alles noch klatschnasse ist. Stattdessen kochen wir in der Küche und essen auch gleich dort, zugegebenermaßen ist es super sauber überall, das rechtfertigt schon fast den Preis. Wir schlafen heute wieder alle unten, das ist zwar eng aber warm. Paul liegt wie eine Wurst ganz rechts am Rand, der bewegt sich nachts noch nicht, dann ich und Markus als Schutzwall zwischen den beiden, und dann Quirl Clara, die nie stillliegt, außer es ist so kalt, daß sie sich zu einer Kugel zusammenrollt.