16.-22.7.: Endspurt auf Umwegen zum Nordkapp

Wir schlafen wieder rekordverdächtig lang, dann mache ich in der Küche Frühstück und serviere im Auto: Kaffee und Porridge. Anschließend gehen wir zu viert ins Familienbad, aber bis Paul endlich dran ist (es gibt hier sogar eine Babywanne) schläft er schon auf dem Arm. Also Abmarsch! Die Schweizer, die mit 2 kleinen Kindern das gleiche Auto fahren wie wir, aber scheinbar jeder nur mit einem Kulturbeutel, sind schon lange vor uns weg.
Nach einem Tank- und Einkaufsstopp, der durch den typischen Pipialarm Claras mitten im Supermarkt verlängert wird, geht es endlich nordwärts. Kurz darauf ist der Målelvfossen ausgeschildert, der sozusagen Norwegens Nationalwasserfall sein soll, also nichts wie hin. Am Parkplatz stehen unübersehbare Schilder, daß all jene, die die Parkgebühr nicht entrichten, fotografiert und mit Inkasso verfolgt werden. Die Parkgebühr beträgt stolze 100 Kronen (13,30€), die man immerhin im Cafe angerechnet bekommt. Wir finden das zu teuer, da wir sowieso schon den ganzen Tag die Kronen nur so herausblasen, und drehen wieder um. Ein Nationalstolz, für den selbst Einheimische Gebühren zahlen müssen? Nicht mit uns! Dann parken wir doch lieber 300m weiter die Straße rauf und laufen wieder runter, was der Norweger an sich nicht tun würde, die laufen ungern außer beim wandern. 


Dann sparen wir uns noch die 40 Kronen pro Nase für den einsamen Lachs im Aquarium (den Nepp kennen wir noch vom letzten Mal) und spazieren zum Fossen. Zugegeben, er ist 600m lang und wohl 25m hoch, aber da haben wir schon bessere gesehen. Außerdem paßt er nicht richtig aufs Foto.
Nach dem Abstecher überlegen wir, statt nach Tromsö doch lieber auf die Insel Senja zu fahren, da hätten wir auch gleich auf die Münze hören können, denn genau da wäre die Fähre gestern angekommen. Markus und Paul schlafen sofort, Clara leider gar nicht. Nach immerhin 160 gefahrenen Kilometern erreichen wir unser Ziel, einen ganz kleinen windzerzausten Platz in Skatvik, ganz im Süden der Insel, der ziemlich leer ist. Dafür ist er aber gut gepflegt und es fehlt eigentlich nur der Esstisch in der Küche. Markus trocknet die Zeltplanen am Spielplatz und Clara klagt über Müdigkeit und Kälte (damit hat sie recht, es geht einfach nicht mehr über 12 Grad). Ich koche in der Küche Spaghetti Bolognese und wir speisen im Auto, Pauls Spieldecke als Kleckerschutz untergelegt.
Die Kinder liegen rekordverdächtig VOR 21 Uhr im Bett, ohne Trara und gegenseitiges Aufwecken. Wir feiern gerade den Erfolg, da klagt Clara schon über Kopfweh an ihrer Beule, die sie sich vor 2 Tagen beim Fall vom Bett geholt hat. Die Nacht wird dauernd unterbrochen, Clara kriegt Fieber und keiner schläft gut, auch Paul wird zwangsläufig immer geweckt.


Morgens glüht Clara, aber nach einem Fiebersaft geht es schnell aufwärts. Draußen nieselt es ab und zu, aber wenigstens ist es windstill. Wir haben aber ein tolles Einsamer-Fjord-mit-Bergen-Panorama und allein aus dem Fenster schauen ist schon schön. Wir vertreiben uns die Zeit mit ausgiebig frühstücken (auf dem Weg von der Küche kühlen leider nur die Spiegeleier so schnell ab, aber da wir nicht wissen, wann unser Gas ausgeht, und ob wir es vor Tromsö tauschen können, sparen wir lieber) und Postkarten schreiben (immerhin 2, dann hatte die Tochter keine Lust mehr zu malen).
Um 12 öffnet der Campingladen (2 Stunden pro Tag) und wir machen uns ausgehfein. Clara bekommt ihr Eis, daß sie aufgrund früherer Ungemach heute exakt mit uns teilen muß und wir wandern mit den beiden in den Tragen los, einen alten Kulturpfad zu einem lang verlassenen Fischerdörfchen.


Eine Stunde lang geht es durch urige Birkenwäldchen und direkt an der Küste entlang bis zu einem schönem Picknickplatz, wo Markus dank schlafender Kinder die Angel auswirft und gleich beim 1. Wurf einen kleinen Fisch fängt. Insgesamt werden es sechs Fische, die allesamt aber etwas zu klein für die Pfanne sind, außer einem, der wegen seiner Angelhakenverletzung dran glauben muß. Dann zieht kalter Wind auf und Markus muß schweren Herzens diese ergiebige Stelle verlassen um seine Familie mit Broten zu versorgen. Das Wetter lässt uns keine Ruhe in diesem Urlaub. Gerade war es so schön, trotz Bewölkung und gerade mal 14 Grad, da kommt ein kleiner Wind daher und macht das ganze ungemütlich.

 
Wir brechen auf und stoppen noch einmal am von der Campingplatzbesitzerin angepriesenen Kieselstrand mit den bunten Steinen und lüften Clara noch ein wenig. Auf dem Rückweg kommen uns die beiden noch schwerer vor als davor! Wieder am Karle versucht Markus hier am Steg noch sein Angelglück um das Abendessen zu komplettieren, fängt aber nichts und wird beim einsetzenden Regen nur recht nass.


Heute gibt es Linsen mit Kartoffeln und Brokkoli, das ist genau das richtige um alle wieder ein wenig aufzuheizen, denn draußen regnet es die ganze Zeit Bindfäden.
Später bereitet Markus noch den Fisch für die morgige Wanderung zu und wir sind recht früh im Bett, da wir eine unruhige Nacht kommen sehen. Clara muß um 4 noch einmal verarztet werden.
Es hilft nicht viel wenn man den Tip bekommt, das fiebernde Kinder nicht zu viel anhaben dürfen und eigentlich nur unter einer leichten Decke schlafen sollen. Das mag in einer geheizten Wohnung bei 18 Grad Zimmertemperatur so sein, doch was machen wir hier bei 9 Grad Autotemperatur? Wir entscheiden uns für die übliche Montur und prüfen öfter die Temperatur.


Wir wollen früh los und schaffen es immerhin um 10 aufzustehen.... und ruckzuck so gegen 13:30 machen wir uns auf den Weg. Markus hat noch die Besitzerin angesprochen, ob er eine der alten Dachplatten aus Stein haben kann die vor der Garage rumliegen und diese sagt, er soll ruhig ein paar mehr mitnehmen und zeigt ihm einen riesigen Haufen der Platten.


Wir fahren die paar Kilometer zum Ausgangspunkt der nächsten Wanderung und packen die Kinder in die Tragen, da Clara müde und erschöpft ist. Es sei ihr gegönnt, aber nur heute!
Es geht zum Nationalpark Anderdalen, der sich durch einen alten Bestand des in der Polarregion einstmals heimischen Kiefer-Birken-Mischwald auszeichnet. Es geht durch viele sumpfige Senken die durch Holzbohlen begehbar gemacht worden sind. An vielen Stellen wünschen wir uns die Bohlen da wir zwar nicht einsinken, aber der Untergrund stark nachgibt und das Wasser sofort bis zu den Knöcheln reicht. Entsprechend sehen unsere Hosen und Schuhe aus.


Wir erwarten hinter jeder Biegung der Wege einen Elch zu sehen, leider wird nichts daraus. Wir lassen die einzige Bank auf dem Weg hinter uns und betreten den Nationalpark, der etwa in der Mitte der Strecke anfängt. Sofort werden die Bohlen durch die sumpfigen Stücke alt und sind teilweise verottet, uns scheint auch daß die Verwaltung hin und wieder gespart hat und wir haben hin und wieder doch recht matschige Partien. Nach gut 4,5km und einem felsigen steilen Stück haben wir einen malerischen Fluss mit Wasserfall erreicht.


Während des Picknicks frischt der Wind wieder kalt auf, doch auf dem Rückweg haben wir schönste Abendsonne und stellen fest, daß wir vor 19h das Auto nicht unbedingt erreichen. Kaum auf dem Rückweg finden wir deutliche große Hundeabdrücke im Matsch, die vor einer halben Stunde noch nicht da waren, seltsamerweise führen sie hin und zurück. Gleich denken wir an Wölfe, denn wer auch immer mit einem Hund so knapp hinter uns gewesen sein mag, den hätten wir doch sicher getroffen, es gibt hier nur diesen einen Weg. Das felsige Stück sieht auch aus wie das Wolfsquartier im Wolfspark der Kasselburg!


Zurück am Auto schwanken wir zwischen hier bleiben (gegenüber liegt ein Campingplatz) oder weiterfahren bis zum Fährhafen am Nordende der Insel. Ich bin für bleiben, die Kinder sind hinüber und der Campingplatz lockt, da uns die Gräten ziemlich weh tun vom Tragen der täglich schwerer werdenden Last (wir sollten den beiden die Rationen kürzen). Markus ist für weiter fahren, denn sonst hätten wir heute auf dem Weg nach Norden sogar Minuskilometer gefahren. Also fahren wir quer durch die Insel und dann an der felsigen Westküste entlang, die wirklich malerisch und ähnlich dramatisch wie auf den Lofoten ist. Jezt häufen sich die Tunnel, teilweise nur roh in den Berg gehauen, einspurig und kurvig, mit tropfenden Decken und teils spärlicher Beleuchtung. Für Radfahrer gibt es ein Pilotprojekt, die können mit einem Schalter ein Schild "Achtung Radfahrer" am Eingang zum Tunnel aktivieren. Hier wollten wir als Radfahrer auch nicht unbedingt durchfahren, zumal die Tunnel oft mehrere Kilometer lang sind.
Übrigens, Paul mag auch keine Tunnel, wie sich immer öfter zeigt, er fängt an zu weinen, kaum daß es dunkel wird. Er ist die Mittelnachtssonne wohl schon gewohnt, es ist ja seit Wochen nicht mehr richtig dunkel geworden.


Wir beziehen den einzigen Campingplatz am Nordende der Insel, der in der Rezeption einen riesigen Elchkopf hängen hat, was Clara ziemlich beeindruckt. Außerdem gibt es hier immerhin richtige Waschmaschinen und Trockner zu einem günstigen Preis. Nach einem schnellen Essen bringen wir die Kinder ins Bett, was sich etwas in die Länge zieht, denn es hat wohl einen Notfall auf dem Platz gegeben. Es bricht Hektik aus, der Chef räumt sein Gerümpel vom Platz nebenan und gleich darauf landet ein Hubschrauber, dann treffen auch noch Feuerwehr und schließlich der Krankenwagen ein. Clara ist vom Fenster nicht mehr wegzubekommen und ich versuche Paul beim Lärm von Landung und Abflug zum Schlafen zu bringen. Als der Hubschrauber weg ist und die beiden endlich schlafen ist es schon wieder Mitternacht vorbei und wir haben schon 2 Maschinen gewaschen und getrocknet. Markus wirft noch die Angel aus und als ich auch mal mein Glück versuche, angele ich direkt meinen ersten Fisch, einen kleinen Dorsch, der leider auch zu klein für die Pfanne ist. Markus ist gebührend beeindruckt und ich froh, daß er da ist und den Fisch vom Haken nehmen kann.


Die Fähre fährt heute um 11 Uhr, aber wir müssen noch eine Wäsche machen und von gestern ist auch noch nicht alles trocken. Also gleich die 16 Uhr Fähre. Wir lassen es langsam angehen und Clara, der es heute wieder besser geht, hüpft noch kräftig auf dem Trampolin. Gegen 14 Uhr fahren wir zum Anleger und geben Gas, weil dort die Fähre wartet, aber die hat erst mal Mittagspause und wir noch 2 Stunden Zeit. Also machen wir noch einen Abstecher zu einem Fjord, in dem das Dorf am Ende über 2 sehr rustikale Tunnel angebunden ist. Im letzten Tunnel wabert über mehrere Kilometer dichter Nebel. Am Ende gibt es nicht viel zu sehen, wir fahren zurück und reihen uns nach kurzem Einkauf in die Fährschlange ein. Auf der Überfahrt treffen wir eine Familie aus Süddeutschland mit etwa gleichaltriger Tochter wieder, die wir vom gestrigen Aussichtspunkt kennen. Das Mädchen gibt Clara leicht verstimmt und etwas unfreiwillig ein Stück ihrer Waffel ab. Drüben sind es nur noch 50km bis Tromsö und es beginnt zu regnen. Der einzige Campingplatz ist voll und kann uns nur das Fußballfeld nebenan oder eine Hütte anbieten. So kommt Markus endlich zu seiner Hütte, die hier aber eher spärlich ausgestattet ist, außer 4 Stockbetten, einem Tisch mit Stühlen und einem 2 Plattenherd mit Kühlschrank gibt es nichts!



Bei dem Preis hätten wir wenigstens Bettzeug erwartet oder einen Wasserhahn. Auch muß man zum schlafen eher schmal gebaut sein. Aber da es sich draußen schon richtig einregnet bleiben wir. Da Paul im Eck zwischen den unteren Betten schlafen muß und wir Clara nicht allein oben lassen können, bleibt für sie nur Pauls Mückenschutzzelt, das findet sie aber ganz spannend. Wir erwarten schon erschwertes einschlafen wegen solcher Neuerungen, aber beide sind so müde, daß sie ohne murren in kürzester Zeit einschlafen, Clara vermißt noch nicht mal ihre Gute-Nacht-Geschichte. Endlich mal früher Feierabend, auch wenn wir flüstern müssen, damit die beiden nicht aufwachen. An sich ganz gemütlich so eine Hütte, aber auch ziemlich spartanisch hier, immerhin können wir heizen. Camping ist hier bisher auch am teuersten, wir haben zwar für morgen reserviert aber überlegen schon, ob wir nicht lieber weiter fahren. Komischerweise sind bisher die teuren Plätze immer die ungepflegtesten und unschönsten gewesen.


Am nächsten Morgen beschließen wir, doch lieber abzureisen. Nach gemütlichem weil windstillen und beheiztem Frühstück packen wir. Clara hat im Zelt gut geschlafen und Paul auch, inklusive einer nächtlichen Wachphase mit Attacke auf Markus Haare, die so griffbereit neben ihm lagen. Es regnet immer noch leicht, aber wir fahren nach Tromsö rein, wo wir schon einmal hier sind.
Clara ist immer noch müde und will nicht laufen. Wir schaffen es immerhin bis zum Polarmuseum und da es draußen einfach ungemütlich ist und der Eintritt ganz ungewohnt günstig, gehen wir hinein und es stellt sich tatsächlich als ziemlich sehenswert heraus. Überall Felle und Eisbären, begehbare Pelzjägerhütten und viel Geschichte zur Wal- und Pelzjagd.
Anschließend finden wir beim kurzen Stadtbummel eine echte Bäckerei, die wir bisher vergebens gesucht haben, da das Brot immer nur im Supermarkt zu finden war. Mit Zimt- und Rosinenschnecken ausgestattet laufen wir weiter, haben aber bei dem Wetter bald keine Lust mehr, außerdem ist unsere Parkuhr längst abgelaufen (die 22 Kronen = 2,90 € Kleingeld reichen gerade mal für 35 Minuten). Das angepriesene "Paris des Nordens" ist zwar ganz nett, aber was diesen Vergleich rechtfertigen soll, bleibt uns ein Rätsel.


Nach kurzem Supermarkteinkauf geht es weiter nach Norden in Richtung Alta. Da wir uns die Abkürzung inklusive zweier Fährfahrten zugunsten ungestörtem (und dringend nötigem Kinderschlaf) sparen, fahren wir einen riesigen Zacken nach Süden und Osten. Auch diverse Fjorde wollen rauf und runter gefahren werden, etwas nervig, wenn man die ganze Zeit die Straße am anderen Ufer sieht, die man wieder zurück fahren muß. Aber es ist Fahr-Wetter und so schaffen wir es heute sogar über 300 Kilometer weit bis nach Alta. Unterwegs passieren wir die Grenze zur Finnmark, endlich hoher Norden und prompt sehen wir die ersten Rentiere neben und dann auch auf der Straße. Nachdem wir den langen Altafjord halb umrundet haben sehen wir auch die ersten Samen-Verkaufsstände an der Straße, aber die gibt es auch in Schweden und hier in Norwegen ist einfach alles teurer.


In Alta treffen wir relativ spät auf dem Campingplatz ein, bauen aber heute das Vorzelt auf, da wir mal wieder 2 Nächte an einem Platz bleiben wollen, sonst wird es zu stressig. Kochen müssen wir nicht mehr, da wir auf der Fahrt schon soviel gefuttert haben, also gibt es nur Äpfel.


Heute machen wir langsam, da wir als einzigen Programmpunkt die Felszeichnungen (eigentlich Ritzungen) von Alta anschauen wollen. Die sind sogar UNESCO Weltkulturerbe, aber so weit im Norden muß man nicht mit allzu überlaufenen Attraktionen mehr rechnen. So pilgern wir mit einem kleinen Führer auf deutsch los. Clara erleidet angesichts des langen Wegs bis zum ersten Felsen eine lautstarke Krise ("ich will aber Laufrad fahren!!!") und ist schwer anzutreiben ("und wenn wir wieder am Auto sind, dann kann ich schlafen!"). Wir verfolgen erst eine deutsche geführte Gruppe, die uns aber zu langatmig wird. Der Weg ist tatsächlich recht lang und führt an etwa 15 Stationen mit den in rot von den Wissenschaftlern nachgemalten Ritzungen vorbei.


Auf dem Rückweg streikt Clara endgültig wegen des langen Aufstiegs und ich habe leichtfertig versprochen, sie immerhin bergauf zu tragen. Schließlich streike auch ich und Markus erbarmt sich, mit Paul in der Trage auch noch die Tochter auf die Schulter zu setzen (es lebe die Elternzeit!).
Oben angekommen ist letztere tatsächlich eingeschlafen und wir legen sie im Café auf die Bank. Während wir notgedrungen allein essen schläft sie fast 1 1/2 Stunden zum Staunen der anderen Gäste. Aber da es noch eine Elchausstellung gibt und wir ihr eine Waffel versprochen haben, harren wir aus, bis sie so gut wie ausgeschlafen ist.


Die Elchausstellung zeigt ausgestopfte Tiere jeden Alters und beeindruckender Größe und ist fast so interessant wie die Zeichnungen.
Anschließend fahren wir nach Alta hinein, Markus und Clara kaufen noch schnell ein und wir bestaunen bei einer Durchfahrt, wie lang sich ein Ort dieser Größe ziehen kann, und wieviele Supermärkte es gibt. Als ob dies die letzte Station vor dem Nordpol wäre.
Zurück am Platz trifft eine Rallyegruppe aus Frankreich ein und besetzt alle Duschen als gäbe es kein Morgen.


Also beschränken wir uns auf einen Spaziergang zum Fluss Altaelva und lassen Clara noch ein wenig am Strand lüften. Sandkästen (und -Strände) sind hier ja Mangelware.
Nach dem Essen gönnen wir den Kindern im Familienbad noch jeweils eine Runde Baden in der Waschschüssel, was besonders Paul immer besonders aufregend findet. Er kann gar nicht mehr aufhören, mit Händen und Füßen zu planschen. Nach dem Baden sind die Kinder immer beonders schnell beim Einschlafen, so bleibt uns heute etwas mehr Elternzeit die wir mit Duschen und schreiben nutzen wollen. Aber Markus rät mir vom Duschen ab da er nur ein lauwarmes Vergnügen hatte und ziemlich schnell wieder fertig war.
 

Das Duschen für mich auf heute zu verschieben war ein Fehler. Die Franzosen haben das gesamte heiße Wasser verbraucht. Ich gehe kurz vor Abfahrt trotzdem, aber es bleibt lau. Clara ist wieder untröstlich, sie will momentan immer mit, sogar aufs Klo, egal bei wem, und man kann sich kaum heimlich davon stehlen.
Wir fahren die E6 weiter nach Hammerfest und queren zunächst wieder ein Fjell, wo es plötzlich ganz patagonisch karg aussieht, wir fühlen uns fast wie in Argentinien. Weite Hochflächen, kein Baum oder Strauch und dramatischer Himmel. Kurz vor Hammerfest gibt es wieder viele Rentiere an der Straße und vor dem Tunnel warnt sogar ein Schild vor Rentieren IM Tunnel. Die neueren haben dann aber Viehgitter. Hammerfest liegt am Ende einer Bucht und ist leuchtend bunt wie Punta Arenas und Ushuaia. Ein bißchen Ende-der-Welt-Feeling hat man hier auch. Bei der neuen Erdgasverflüssigungsanlage wird großzügig abgefackelt, daran kann es hier also nicht mangeln.
Das Wetter ist entsprechend usselig und wir fahren im Auto hoch zum Aussichtspunkt. Hier fegt der Wind und Clara ist kaum zu bewegen, das Mähmäh mal ins Bild zu halten.


Dafür darf sie noch auf dem Wahrzeichen der Stadt reiten, weigert sich aber kategorisch, dem anderen Eisbären ihr Schaf ins Maul zu halten. Oberhalb der Stadt grüßt noch ein riesiger Eisbär, da verläßt sie aber der Mut, und sie will sich nicht mehr drauf setzen lassen. Wir suchen noch den Startpunkt einer Meridianvermessung, zu der es hier ein Denkmal gibt. Leider ist durch neue Bebauung der Ort erst nach einigem Verfahren zu finden und es ist so windig, dass Paul und ich lieber gleich im Auto bleiben.
Weiter geht es nach Olderfjord, wo wir übernachten wollen. Der Ort ist aber so uneinladend und an der einzigen Versorgungsstation (Tankstelle-Kiosk-Werkstatt-Kaffeeausschank-etc.) gibt es keinen Sprit, daß wir kurzerhand beschließen, bis zum Nordkapp durchzufahren. Das Wetter soll morgen gut werden und es fehlen uns nur noch 100km, da sollten wir lieber kurz davor übernachten. Die Landschaft wird immer patagonischer: karge Hügel, Wasserfälle, Wind, rechts der Fjord und über allem grauer Himmel. Nur die Rentiere passen nicht ins Bild. Jetzt kommt auch der spannende Teil: der fast 7 Kilometer lange und 212m tiefe Tunnel, der die Insel auf der das Nordkap liegt, mit dem Festland verbindet. Der arme Paul, der doch keine Tunnel mag! Es geht auch ganz gehörig bergab und wir singen um Paul bei Laune zu halten und lassen die Innenbeleuchtung an. Aber noch schlimmer dran sind die vielen Fahrradfahrer, die ans Nordkap wollen: die Belüftung hier unten läßt zu wünschen übrig und es macht sicher keinen Spaß, von zig Wohnmobilen überholt zu werden!




Entgegen aller Reiseführer wird keine Maut für den Tunnel kassiert und wir können das Schild an der geschlossenen Mautstation nicht übersetzen. Wir fahren einfach mal weiter und hoffen nicht auf Post von Inkassounternehmen die uns Mautprellerei vorwerfen.
Bald erreichen wir Honningsvag und Paul hat keine Lust mehr nach so langer Fahrt. Wir überreden ihn noch wenige Minuten durchzuhalten, Clara muß noch dringend Pipi mitten in der Einöde, dann geht es weiter. Der erste Campingplatz auf der Strecke liegt gleich ausserhalb des Orts auf einem zugigen Hügel. Uns schreckt der geteerte Parkplatzcharme aber ab, zudem zieht es ganz gewaltig und wir haben erstmal genug vom Wind.
Es geht weiter über die Hügel und das Thermometer sinkt auf gerade mal 8 Grad, dafür regnet es aber nicht. Es sollen noch weitere Campingplätze kommen und uns verlässt schon so langsam der Mut, von der guten Laune der beiden Kleinen ganz zu schweigen, bis wir 13km vor dem Nordkapp die letzten Campingplätze finden. Die beiden ersten gefallen uns auf den ersten Blick nicht, aber der letzte noch verbleibende sieht richtig einladend aus. Da er weiter im Tal liegt bläst der Wind nicht so stark wie oben auf der Ebene.


Das Abendessen wird in der Küche zubereitet und Clara hilft beim Kochen, draußen ist es uns zu kalt und für das Zelt ist die Wettervoraussage zu windig und der Boden zu schlammig. Wir bringen die beiden schnell ins Bett und entgegen der Erwartungen schlafen sie recht zügig ein was wir ausnutzen und uns mit Babyfon in die warme Küche um die Ecke setzen. Gegen 24:00 kommt Markus noch auf die Idee die angepriesene Wanderung zum Felsentor mit Blick auf den Nordkappfelsen zu machen. Ich setze mich lieber ins Auto und er rennt mit dem Funkgerät den Hügel hinauf. Aber die Mitternachtssonne versteckt sich hinter einer dicken Wolkenschicht und lässt keine spektakulären Bilder zu. Auf dem Weg sieht er noch den wahrscheinlich flachsten Birkenwald der Welt. Die armen Bäume werden hier gerade mal wenige Zentimeter hoch, aber verteilen ihre Äste dafür wie Fächer über den Boden. Von wegen der nördlichste Wald der Welt liegt in Hammerfest, man muss nur genau schauen dann und entdeckt dann 3 cm hohe Kriechbirken.