23.-29.7.: Endstation russische Grenze

Am Morgen begrüsst uns der Himmel mit Kaiserwetter. Es ist keine Wolke am Himmel (Anmerkung Ann: GAR KEINE Wolke und wir hatten vergessen, wie so ein strahlendblauer Himmel aussieht!) und die Sonne scheint herrlich warm. Als Markus Brötchen holt läuft im Radio passenderweise "Summer in the City". Seit langem wird mal wieder vor dem Bus gefrühstückt und da die Kleinen noch schlafen, schmeckt der Kaffee ohne Clara oder den P auf dem Schoß besonders gut.
Wir beeilen uns, da wir als erfahrene Norwegenreisende jederzeit einen Wetterwechsel erwarten, zugegebenermassen hilft dabei auch der norwegische Wetterdienst (www.yr.no) der uns stündlich die neuesten Daten liefert und bislang recht gut damit lag.


Wir packen zusammen und machen uns auf den Weg, die restlichen 13km zu bewältigen. Die sind schnell geschafft und wir finden uns im Örtchen Nordkapp wieder, allerdings in einer Warteschlange von etwa 10 Wagen um den Eintritt zu bezahlen. Laut Reiseführer und Aushang am Campingplatz immerhin 215 Kronen pro Person, das macht dann nur für uns Erwachsene allein schon an die 60 €. Es sind zwar nur 10 vor uns, aber es geht nicht voran, dabei kann es jeden Moment wieder zuziehen! Irgendwann sind wir dann dran und froh, daß die beiden noch nicht als Kinder zählen, sondern noch gratis rein dürfen. Ich sage direkt, daß wir nur den Eintritt wollen, weder Champagner (eigentlich nur Sekt der als Nordkappchampagner verkauft wird) noch Kaviar (da will ich gar nicht wissen was als Kaviar verkauft wird). Das kann man nämlich als Paket mit dem Eintritt erstehen, genau wie einen dramatischen Nordkappfilm, Lachsschnitten und die Möglichkeit, später noch einmal wieder zu kommen um die Mitternachtssonne oder besseres Wetter zu sehen. Wir bleiben also bei "nur den Eintritt, bitte", den Rest haben wir schon dabei (Champagner und die Lachsschnitten). Auf einmal kostet es "nur" noch 165 Kronen pro Person.
Damit ist der Nordkappbesuch auf einmal gar nicht mehr so teuer wie erwartet und wir froh, daß wir doch hergefahren sind und nicht einfach vorbei. Das hatten wir nach den ganzen Neppgeschichten im Reiseführer und Schilderungen anderer Reisender schon überlegt.


Endlich sind wir auf dem Parkplatz, der übrigens voll mit Wohnmobilen ist, die wiederum voll sind mit Wohnmobilisten, die auf irgendetwas warten. Wir wundern uns mal wieder warum jemand  mehrere tausend Kilometer fährt, um dann im Wohnmobil zu sitzen, das kann er auch in der Eifel haben oder am Bodensee. Oft ist sogar der Fernseher an. Wir hingegen können es nicht erwarten, den Felsen in Besitz zu nehmen und werden nur vom P ausgebremst, der vor Aufregung direkt die Windel füllt. Frisch gewickelt gehen wir raus und lassen uns die trotz Sonne kalte Brise um die Ohren wehen. Aber das sind wir ja inzwischen schon gewohnt, und so sind wir an der Weltkugel, dem Markenzeichen des Nordkapp, fast allein. Nur 2 Motorradfahrer (die mit Bier statt Champus feiern) aus Deutschland und ein anderes Paar sind dort. Das ist Ende Juli eher selten und das bei dem Wetter. Schnell sind die Bilder gemacht und die Einsamkeit wird wenig später schon durch mehrere Reisebusse beendet. Aber selbst die vielen Menschen velieren sich auf dem großen Plateau und dem riesigen Gebäude. Die Busse haben aber die Wolken sozusagen im Gepäck und am Nachmittag ist es vorbei mit der Sonne und der Felsen wird zu einem zugigen Eisschrank.
Uns wird es draußen doch zu kalt und Clara hat ihre "Müde!"Phase vor lauter rumrennen erreicht. Wir schauen uns noch den Souvenirladen an, der aber nicht viel hergibt und wirklich teuer ist. 90 € für einen Einteiler für Paul ist einfach zuviel, egal wie schön er aussieht. Wir schaffen es endlich, ein paar Postkarten zu schreiben, die schleppen wir schon seit den Lofoten mit und kommen einfach nicht dazu (womit wir wieder bei Thema Elternzeit wären).


Zurück am Auto essen wir erst einmal gemütlich zu Mittag. Den Champus sparen wir uns für den Abend und bedenken dabei, daß Ann ja am nächsten Tag Geburtstag hat. Danach geht es nochmal raus in die Kälte, aber diesmal nicht mehr so lange, dann haben wir genug vom Nordkapp und treten die Rückfahrt an. Unser Ziel haben wir erreicht und ab jetzt ist alles Heimreise, nach Norden geht es jedenfalls nicht mehr weiter. Die beiden schlafen auf der Fahrt direkt ein und wir geniessen den Nachmittag mit einem Spaziergang zum Felsentor direkt bei uns am Campingplatz. Von dort hat man Blick auf den Nordkappfelsen in der Ferne, wir schiessen noch ein paar Bilder und machen uns dann auf den Weg ins benachbarte Fischerdorf. Dort schauen wir uns ein wenig um und landen wie so oft bei Kaffee, heißer Schokolade und Waffeln in einem Cafe. Das Cafe ist komplett mit Weihnachtsdeko überladen. Die haben wohl vergessen, daß der Weihnachtsmann am Nordpol und nicht am Nordkapp wohnt. Wir schauen uns noch ein paar Königskrabben in großen Bassins an, die werfen uns aber als alte Chilenen nicht vom Hocker. Nur Clara ist sichtlich beindruckt, zollt dies mit gebührendem Abstand und ist nicht dazu zu bewegen, am Beckenrand zu stehen.

 
Heute sind wir recht früh zurück am Campingplatz und hoffen auf einen frühen Feierabend, haben aber Clara und ihren Unwillen ins Bett zu wollen und 50 Motorradfahrer nicht eingeplant. Da das Restaurant mit denen komplett ausgebucht ist satteln wir auf unsere Notration Wiener Würstchen mit lapprigen Brötchen um, und die Motorradfahren verlassen den Campingplatz im Minutentakt Richtung Nordkapp und kommen leider alle gegen 1 Uhr wieder zurück. (Natürlich nicht alle zusammen.)
Wir kommen also erst recht spät zu unserem Champus, den wir mit Babyfon in der Tasche vor dem Auto trinken (wir sind bestimmt die einzigen, die das nicht schon am Nordkapp erledigt haben) und Markus scheitert später beim Versuch aus einem gefundenem Stein ein Geburtstagsgeschenk zu meisseln beim letzten Arbeitsschritt. Wir finden uns schließlich allein in der Gemeinschaftsküche und stoßen um Mitternacht auf Anns Geburtstag an. In der Nacht fängt es an zu regnen und Markus muss die Küchenkisten, welche wir draußen gelassen haben, vor der Flutung retten.


Heute ist Anns Geburtstag! Das Wetter läßt im Gegensatz zu gestern etwas zu wünschen übrig, aber für das Nordkapp kann man nicht viel mehr verlangen. Nach einem Geburtstagslied überreichen Clara und Markus die aus einer Muschel gefeilte Geburtstagskrone an der Mütze. Das andere Geschenk war leider bei der Herstellung zerbrochen und für unsere selbstgesetzte Preisobergrenze hat Markus hier in Norwegen nichts angemessenes gefunden. Genau wie an Markus Geburtstag ist auch heute Fahrtag. Nach ausgiebigem Eier-Frühstück geht es ans packen und dann in Richtung Finnmark, nach Karasjok. Das sind immerhin über 300 sportliche Kilometer, für uns schon eine ziemliche Tour. Aber die Straße ist gut, teils sogar mit Mittelstreifen (breit und Tempo 80) und man kommt einigermaßen voran. In Lakselv kaufen wir noch ein und tanken, mehr gibt der Ort nicht her. Einigermaßen früh erreichen wir Karasjok, ein Zentrum der Samen in der Finnmark, neben Kautokeino. Der einzige Campingplatz ist ganz schön und wir dürfen uns einen Platz aussuchen, mit der Auflage, zu den Nachbarn 4 Meter Abstand zu halten. Kaum stehen wir und öffnen die Tür, greifen die Mücken an! Anders kann man es gar nicht nennen! Ich verschanze mich mit den Kindern hinter dem Mückengitter (das rutscht auf Platz Eins unserer Packliste!) und Markus baut heldenhaft das Vorzelt auf, da wir eigentlich 2 Nächte bleiben wollen. Die Mücken erobern das Vorzelt sofort als neuen Lager- und Sammelplatz (Regen- und windgeschützt) und belagern sämtliche Wände und Decken, am Mückengitter hängen zig von ihnen. Man kann sie aber gut ärgern, indem man sich von innen ganz dicht ans Gitter setzt, dann versuchen sie verzweifelt brummend zuzustechen!  


Clara darf Laufrad fahren, immer im Kreis um den Platz, mit der Auflage, nicht stehen zu bleiben, um nicht gestochen zu werden. Markus brät tapfer im Vorzelt den vorhin im Supermarkt frisch gefangenen Heilbutt, zusammen mit Stampfkartoffeln, und wir essen lieber gemütlich im Auto. Dabei kann Paul noch ein bißchen zappeln und wir werden nicht gestochen, nur Clara ist immer ein bißchen schwer im Zaum, bzw. am "Tisch" zu halten. Der Chef vom Campingplatz (hier sind 90% der Einwohner Samen) fährt noch mit seinem Hundewägelchen vorbei (ein dackelgroßer Hund vor einem selbstgebauten Wagen in Skateboardgröße) um Birkenzweige zu sammeln, wofür auch immer.
Zum Zähneputzen fährt Clara geschwindigkeitstechnisch zwecks Mückenschutz per Laufrad und wir drehen noch zwei Runden um den Platz, ich im Laufschritt nebenher, wobei ich mich wundere, daß ich so locker mithalte, joggen war noch nie mein Ding. Wir schauen noch kurz in das angepriesene Samenzelt, eine riesige Konstruktion aus Birkenstämmen und Zeltplanen, in deren Mitte in gemütliches Feuer brennt, und in dem man sich mit den Mitcampern und -hüttern unterhalten kann. Ein älteres englisches Paar lästert gerade über einige Nationen ab, ohne zu wissen, ob die vielleicht anwesend sind. Da haben wir schon keine Lust mehr, und gehen lieber zurück.
Die holländischen Nachbarn gegenüber haben sich ein gemütliches Moskitonetz aufgebaut und einige Norweger scheinen mückenresistent. Andere brennen die Spiralen ab, aber die meisten sieht man gar nicht mehr, die bleiben einfach drin im Wohnmobil. Ein bißchen neidisch sind wir ja manchmal schon auf die ganzen Wohnmobile... einfach ankommen, Sitze umdrehen und loscampen, während wir immer stundenlang von A nach B räumen und beim kochen, spülen und waschen schutzlos den Mücken ausgesetzt sind.
Da heute Sonntag ist, gibt es zu meinem Geburtstag sogar noch eins der mitgebrachten Wochenfläschchen, das trinken Markus und ich wegen schlafender Kinder draußen, im Kreis laufend auf dem Platz (immer in Bewegung bleiben, wenn es schon keinen Wind gibt!)


Als einzige hat sich Clara geopfert, von den restlichen gut versteckten Mücken während der Nacht gestochen zu werden. Wir zählen über 30 Stiche auf der Stirn! Aber sie erträgt es tapfer und sieht nur ein wenig verbeult aus.
Nach dem Frühstück laufen wir mit Clara auf dem Laufrad los, um das vom Campingplatz angepriesene Samenparlament zu besichtigen. Das liegt gleich um die Ecke und bietet Führungen, da kommen wir gerade recht, um noch mit einzusteigen. Es ist ein ganz modernes Holzgebäude, vom Stararchitekten designed und außer dem Präsidenten arbeitet niemand Vollzeit hier. Mitsprache haben sie nicht wirklich in der norwegischen Politik, aber angehört werden müssen sie. In Finnland und Schweden gibt es ebenfalls Samenparlamente.
Anschließend laufen wir nach dem Stadtplan zum Museum, aber da in Norwegen niemand unnötig zu Fuß geht, ist dieser eindeutig für Autofahrer. Fußgänger werden in die ungefähre Richtung geschickt und wir kreisen das Museum mühsam ein, finden es nach einem steilen Aufstieg hinter dem Supermarkt. Allen anderen ging es anscheinend genauso, denn der Parkplatz ist gähnend leer.


Das Museum ist zwar ganz nett, mit einem kleinen Freilichtmuseum angrenzend, aber es passiert noch ein Laufrad-GAU, denn kaum steigt Clara auf dem Rückweg auf, sehe ich, dass das Hinterrad total platt ist. Als ich ihr das zeige sinkt sie auf der Stelle völlig niedergeschlagen in sich zusammen und ist ganz verzweifelt. Ich habe sofort das Museumspersonal im Verdacht, da die Kassiererin so muffig war und wir das Rad in ihren heiligen Hallen abgestellt haben. Markus findet eine untröstliche Clara vor und fragt an der Kasse nach, wo man nur einen Knall und ein Pffft gehört haben will. Anscheinend ist das Ventil abgeplatzt und der Verschluß fehlt nun. Aber niemand will es gesehen haben und wir ziehen von dannen und finden zum Glück im Ort einen Fahrradladen und auch eine Tankstelle mit dem entsprechenden Kompressor. Nach dieser Aktion und beladen mit Sohn, Tochter, Einkaufstüten und Laufrad hat niemand mehr Lust, den Kunsthandwerksmarkt am anderen Ende des weitläufigen Ortes aufzusuchen und wir gönnen uns lieber noch ein Eis für den Heimweg.
Wir sind relativ früh zurück und hängen ein bißchen im Auto ab, bevor Markus draußen im Mückengestöber typisch norwegisches "Finnebiff" kocht, ein Rentiergeschnetzeltes mit deutlicher Note nach altem Hammel, was aber seltsamerweise sogar der Tochter richtig gut schmeckt.


Die Mücken werden nicht weniger, also flüchten wir heute an die Küste. Da Markus ihnen gestern ausgeliefert war, opfere ich mich heute und mache Frühstück und baue dann das Vorzelt ab, das hilft schon, um die Mückenwolke der Brise auszusetzen und etwas auszudünnen. Dann machen wir Schichtwechsel und ich nehme Paul in die Trage und lüfte Clara per Laufrad und Fußball, hauptsache, wir bleiben in Bewegung und die Mücken kommen nicht hinterher. Wir kommen spät weg und das, obwohl wir über 300km nach Kirkenes vor uns haben. Die Straße führt lange am Tana, einem der berühmtesten Lachsflüsse entlang, der ganz ungewohnt breit dahinfließt, mit riesigen Sandbänken. Die Angellizenzen für die Nebenflüsse des Tana werden nur an Norweger ausgegeben und während der Lachswanderung in die Flüsse ist es selbst für diese schwer eine zu bekommen. Der Tana ist auch Grenzfluss zu Finnland, und so können wir immer wieder finnische Angler auf der anderen Seite sehen. Die Strecke führt uns auch wieder durch die Berge, die zwar nur wenige hundert Meter hoch sind, aber von der Vegetation ganz anders aussehen, und die Küstengebiete. Hier findet sich kein Baum und kein Busch mehr. Dafür aber unzählige Weiden der Samen für ihre Rentiere, die sich gern am Straßenrand aufhalten. Es sind schon einige Tiere unterwegs, aber der Großteil ist immer noch im Winterlager, da der Sommer bisher noch nicht wirklich losgelegt hat.


Wie immer wenn es durch menschenleere Gebiete geht, darf man 90 km/h fahren, so kommen wir recht gut voran und halten nur für ein paar Fotos und die Mittagspause. Wir nutzen den Mittagschlaf der beiden aus und sind einigermaßen früh in Kirkenes. Auf dem Weg in die Stadt sehen wir schon die ersten Straßenschilder auf kyrillisch, Russland liegt Luftlinie nur noch 7 km entfernt! Auf dem Campingplatz angekommen scheint sogar ein bißchen die Sonne und Clara kann noch mal mit dem Laufrad loslegen. Da es keinen Spielplatz gibt, vor dem man parken könnte, stellen wir uns gleich vor die gemütliche Küche, die wir jedoch heute gar nicht brauchen, da es Reste gibt. Beim spülen sprechen mich noch Italiener auf unseren Bus an. Unter anderem erzählen sie, daß sie in Finnland keine Mücken gesehen haben und in einer Woche von Mailand bis hierher durchgefahren sind. Immerhin läßt das für Finnland hoffen, denn sollte es dort tatsächlich so viele Mücken geben, wie überall beschrieben, dann ist das nichts für uns.


Heute frühstücken wir mal wieder in der Sonne, Clara schläft noch und der P schaut aus dem Auto zu, wie wir den ersten Kaffee trinken. Ungewohntes Idyll. Wir fahren heute nach Kirkenes. Bei den Rentieren am Ortseingang bewundern wir die riesigen Geweihe, die sie fast schon am grasen hindern. In der Touristeninfo erfahren wir, daß die Führungen durch die Andersgrotta erst um 15h beginnen, so nutzen wir die Zeit, um zum Supermarkt zu gehen (letzter Einkauf in Norwegen) und durch die "Fußgängerzone" zu bummeln, inlusive Cafebesuch, wo wir die letzten norwegischen Waffeln mit saurer Sahne und Marmelade verspeisen (Clara gibt von ihrer nix ab, so müssen die Eltern sich eine 2. bestellen). Mit der Fußgängerzone sind wir noch schneller fertig als befürchtet, und so stiefeln wir wieder hinauf zur Grotte. Kirkenes ist so klein, da kann man alles noch zu Fuß erledigen. Die Führung beginnt pünktlich und der Führende ist ein eingewanderter Deutscher, der als Maschinenschlosser kam, sich nicht durch 6 Monate Dunkelheit und -50° Kälte abhalten ließ, und nebenbei noch als Musher (Hundeführer) arbeitet. In der Andersgrotta herrschen auch sommers nur 4 Grad, zum Glück dauert die Führung nicht lange. Im 2. Weltkrieg hatte Herr Anders seine Arbeiter diese Stollen in den Berg sprengen lassen, um den Einwohnern Schutz vor den Bombardierungen der Russen zu bieten, die die Nazis austreiben wollten. Im kalten Krieg wurde der Tunnel als eventueller Schutz vor den alten russischen U-booten in Murmansk genutzt, bis man darauf kam, daß er keine große Hilfe gegen Strahlen ist. Heute gibt es in Kirkenes einen Atombunker für 3500 Leute, die dort 3 Jahre überleben können.
Zum Abschluß gab es noch einen kurzen Film, dafür durften wir uns alle in Wolldecken hüllen, für die mittlerweile schlafenden Kinder war es doch etwas kalt.


Das Grenzlandmuseum heben wir uns für das nächste Mal auf, dafür machen wir noch einen Ausflug zur russischen Grenze. Leider ist es eine zweigeteilte Grenze, sodaß man ihr nicht wirklich nahe kommt, außer man will ausreisen. Also fahren wir trotz fortgeschrittenem Nachmittag noch die 40 km bis Grense Jacobselv, ein Schottersträßchen bis zur Mündung des Grenzflusses, dem man einige Kilometer folgt. Auf beiden Seiten sieht man die Markierungen und Überwachungstürme, und Schilder warnen vor allem möglichen, was man hier unterlassen sollte. Am Ende der Straße ist ein Parkplatz, ein paar Boote und einige Touristen, die mit dem Fernglas auf Wale warten. Auf russischer Seite werden die Berge noch karger und unwegsamer, und wir sehen sogar 2 Autos aber keine Leute am anderen Ufer. Also geht es zurück, jetzt aber schnell, die Elternzeit heute abend wird bestimmt extra kurz. Zurück am Campingplatz machen wir in der Küche Marmeladenpfannkuchen und dann gehen die beiden einigermaßen anstandslos ins Bett.


Finnland ruft! Wir zahlen die letzte Nacht komplett in Kleingeld, ab heute zahlen wir wieder mit Euro! Unser abreisender Nachbar schenkt Markus noch eine ungenutzte Duschmarke - und oh Wunder - es ist genauso eine, wie die uns damals abhanden gekommenen und wieder aufgefundenen, die wir nun seit Wochen mit uns herumschleppen! Und da wir heute auch noch Familienwaschtag haben, trifft sich das wunderbar! Eine Gratisdusche für alle am letzten Tag in Norwegen... da läßt sich selbst die  Tochter zur Abwechslung ohne Gezeter die Haare waschen (oder liegt das an dem Belohungsgummibären?) Die allerletzten Kronenmünzen geben wir noch für eine Milch aus, dann bleiben noch 8, für die Clara sich etwas hätte aussuchen können, wenn es denn im teuren Norwegen so etwas günstiges gäbe. Los geht´s und es beginnt auch gleich zu nieseln. Da wir leider im GPS noch keine Finnlandkarte haben und auch die anderen Karten nur einen groben Überblick geben (eigentlich wollten wir ja nach Schweden), sind wir unsicher, auf der richtigen Straße zu sein, aber schwupp, passieren wir schon den norwegischen, völlig verlassenen Grenzposten, um genauso schnell am finnischen vorbei zu fahren. Unglaublich, aber es sieht hier sofort anders aus! Links ein See, rechts ein See, überall Wasser, Pfützen, Regen, Sumpf, soweit das Auge reicht. Dazu keine Birken mehr, sondern Kiefern, und wärmer ist es auch schon: 15° statt 12°. Wenn das so weiter geht... Wir picknicken an einem Parkplatz in aller Ruhe, der Inarisee ist das Tagesziel, und das ist nicht weit. Kaum schlafen die Kinder, sieht Markus einen Elch rechts zwischen den Bäumen und stoppt unsanft für das Foto. Diesmal ist es eine Elchkuh und sie traut uns nicht sonderlich über den Weg, sondern verschwindet lieber, immerhin haben wir Foto machen können. Finnland ist ganz anders: gerade breite Straßen, rechts und links immer wieder Sommerhäuser zwischen den Bäumen, jede Menge Wasser und vor allem unleserliche Schilder. Unter dem finnischen steht immer noch das samische, keins von beiden hilft in irgendeiner Weise weiter.


In Inari steuern wir den ersten Campingplatz an und freuen uns über die 23 Euro statt der üblichen 30 in Norwegen, und das sogar inklusive Duschen und Strom! Wir hängen ein bißchen ab, spannen dann nur das Vordach auf (morgen soll es regnen) und ich koche in der Campingküche ein letztes norwegisches Rentiergeschnetzeltes mit Brokkoli und Reis. (Reis ist immer ein Garant dafür, daß Clara viel isst.) Zwischendurch wundere ich mich in den Toiletten über den in jeder Kabine vorhandenen Duschschlauch, die gibt es bei den Männern übrigens nicht. Mücken gibt es hier auch, aber viel weniger als gedacht, allerdings sind sie zielstrebiger und treffsicher, und die Stiche können ziemlich weh tun.


Heute soll es ab mittags regnen, also kommen wir mal etwas schneller in die Gänge und steuern den einzigen Supermarkt an, der sogar sonntags auf hat. Welch eine Wohltat für die Augen sind die Preise in Euro, die durchweg niedriger sind als in Norwegen, allerdings auch nicht so viel. Auch gibt es ganz neue Sachen zu entdecken, etwas erschwert durch die finnische Sprache. Aber die meisten Artikel haben auch einen schwedischen Text, den man einigermaßen gut entziffern kann. Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die sich einen halben Vormittag in einem kleinen Supermarkt aufhalten und stöbern können. Selbst Clara hat Spaß daran und Paul thront ganz zufrieden auf seinem Einkaufswagen. Er bekommt zur Feier des Tages eine Packung Reisbrei, den gab es in ganz Norwegen nicht.
Mit einer Tüte voll Reis-Piroggen und Brokkolitörtchen, sowie Multebeerenbonbons und Blaubeertörtchen steigen wir ins Auto und essen erst einmal ausgiebig. Dann geht es auf ins samische Museum, das uns schon in Karasjok ans Herz gelegt wurden. Es ist aber keinerlei Vergleich mit dem vorigen, wo Clara den Platten hatte. Hier ist der Parkplatz schon gut gefüllt, sogar mit Ausländern, meist ein gutes Zeichen. Das Museum ist auch ein wahrer Glücksgriff: eine Rentiergemäldeausstellung, ein großes und ausführliches Freilichtmuseum und zwei Räume zum Leben der Samen in Lappland, die so interessant und gut gemacht sind, daß wir gar nicht mehr rauskommen. Auch Clara ist begeistert und nicht zu bremsen (wohlweislich haben wir nach dem Freilichtteil eine Pause im Cafe eingelegt). Es gibt jede Menge zu entdecken und zum anfassen über die Tier- und Pflanzenwelt im Lauf der Jahreszeiten, dazu kleine Filme, wo Clara einigen Asiaten als Fotomotiv dient, da sie so konzentriert zuschaut. Am Ende befürchten wir wegen ausgefallenem Mittagsschalf schon einen plötzlichen Stimmungsgau, sodaß wir sie schließlich aus dem Museum schleppen müssen.


Mittlerweile regnet es heftig (die norwegische Wetterapp funktioniert auch hier noch sehr zuverlässig) und wir kehren zum Platz zurück, wo wir den Rest des Nachmittags im Auto faulenzen und schließlich zur Küche aufbrechen um den erstandenen Lachs zu braten. Paul schläft mitten beim Essen ein und Clara braucht nach dem Ins-Bett-bringen genau 3 Minuten um einzuschlafen. Ich habe mich dummerweise noch entschlossen, eine Waschmaschine anzuwerfen, da es eine Miele gibt, aber auch Miele geht mal kaputt und der Schleudergang war nicht sehr effektiv. Zudem ist der Trockner eiskalt und auch nach 3 Münzen ist die Wäsche noch klatschnass. Ich übrigens nach diversen Gängen zum Waschhaus und zur Rezeption auch. Markus spannt noch eine Leine im Vorzelt, aber bei dem Nieselregen wird die Wäsche da auch nicht trocken. Kurz vor dem Zubettgehen stellen wir noch fest, warum der Computer und das Telefon plötzlich bei der Uhrzeit uneins sind: in Finnland hat man uns doch tatsächlich eine Stunde gestohlen, hier ist es schon später als in Norwegen.


PS: Da wir unvorhergesehenerweise während der nächsten 7 Tage kein Internet am Campingplatz haben, haben sich dieser Bericht und der nächste ziemlich verzögert... Und das in Finnland!