Ein Stück Sendero de Chile

Teilstück Cerro Orolonco

8.-9.03.2008

Mit dem Fisch in der Kühlbox und Valeria auf dem Rücksitz verlassen wir Samstag morgen Santiago auf der Ruta 57 nach Norden, die auch nach Mendoza/ Argentinien führt. Hinter dem Tunnel Chacabuco biegen wir jedoch links nach San Felipe ab, ins Tal des Río Aconcagua. Noch ein paar Kilometer weiter erreichen wir Putaendo, wo wir an der hübschen Plaza de Armas Brot kaufen. Bei einer anschließenden Runde über die Plaza mit ihren bunten alten Häusern entdecken wir eine große Gedenktafel zu einem historischen Ereignis. Genau an diesem alten Pfefferbaum hat anno 1817 General San Martín bei einer Rast sein Pferd angebunden, nachdem er zusammen mit Bernardo O'Higgins' Armee die Anden von Argentinien aus überquert hatte, um die Kolonialmacht endgültig aus dem Land zu jagen.
Straße in Putaendo historischer Baum
Wir fahren nun nach Rinconada de Silva, einem weitverstreuten Dorf, und verlassen es auf der einzigen Straße Richtung Kordillere. 7 Kilometer weiter gelangen wir an unser Ziel, den Campingplatz "Baños El Parron". Der Verwalter will uns erst gar nicht hier zelten lassen, denn bei dem unerwarteten und starken Regen am Vorabend, der auch in 16 Comunas von Santiago zeitweise Strom und Telefon lahmgelegt hatte (zum Glück besaß das Kino in dem wir uns aufhielten einen Generator) sind die beiden Pools von einer Schlammlawine unbenutzbar gemacht worden. Wir versichern ihm, daß wir auch zahlen ohne baden zu können und dürfen hierbleiben. Wir sind und bleiben die einzigen Zelter heute Nacht.
die Kirche von Putaendo ein Tomate-Palta-Kunstwerk
Nach dem Mittagessen und faulem Herumliegen raffen Valeria und ich uns auf, den Sendero de Chile in nördlicher Richtung zu erkunden. Auf dem Weg passieren wir einen Wallfahrtsort mit kleiner Kapelle und Schlafsälen. Die beiden alten Leute, die hier nach dem rechten sehen, wohnen nebenan in einem Bretterverschlag mit angrenzendem Zelt und einer Dusche unter freiem Himmel, abgeteilt mit einem alten Plastikvorhang.
Hinter dem Tor verläuft der Sendero über trockenes, mit niedrigen stacheligen Büschen bewachsenes Land. Man sieht noch genau, wo am Vorabend die Sturzbäche die Hänge hinuntergeflossen sind. Wir begegnen niemandem und laufen bis zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf das von kahlen Bergen umrahmte Tal.
Wüste mit Stachelbüschen Abendstimmung über Rinconada
Als wir zurückkommen, ist Markus schon dabei den Grill anzuzünden und als es gerade dunkel wird sind Würstchen, Fisch und Gemüse endlich fertig.

Am nächsten Morgen frühstücken wir ziemlich spät, und bis die Zelte abgebaut und wir abmarschbereit sind, ist es schon fast mittag. In der größten Hitze laufen wir den Sendero in südlicher Richtung, erst noch begleitet von schattenspendenden Büschen, dann wird es langsam immer heißer. Auch hier sind der Weg und die Steinmarkierungen vom heftigen Regen überschwemmt worden und stellenweise kaum noch zu erkennen. Wir erreichen die Aguada de la Virgen, eine Quelle mit Marienschrein am Wegrand und danach den höchsten Punkt zwischen den zwei Tälern, von wo man einen schönen Blick über beide hat.
Sendero de Chile Valle Jahuel
Wir treffen heute immerhin drei Fahrradfahrer, einige Ziegen und einen vermeintlichen Picaflor Gigante (Riesenkolibri). Unter einem Baum, der von einer rotblühenden Schmarotzerpflanze befallen ist, machen wir unter heftigem Bienengesumm eine Pause. Da wir nicht mehr allzu viel Wasser dabei haben, laufen wir nur noch ein kleines Stück und kehren bald darauf um. Nach vier Stunden sind wir durstig, hungrig und durchgeschwitzt wieder am Auto.
Blick ins Valle Jahuel Rast unter dem Bienenbaum
Auf dem Rückweg ins Dorf sehen wir vermeintliche Ají (Pfefferschoten) die überall auf den Feldern auf schwarzen Planen zum Trocknen ausgelegt sind. Als wir aussteigen um ein Foto zu machen, stellt sich aber heraus, dass es sich um Weintrauben handelt, die hier zu Rosinen trocken.
zum trocknen ausgelegte Weintrauben Viña del Monasterio
Kurz bevor wir wieder auf die Ruta 57 auffahren entdeckt Adlerauge Markus eine altes Weingut am Straßenrand, das mit einem Restaurant wirbt. Die Viña del Monasterio zieht uns bei näherem Hinsehen magisch mit ihrem schattigen Innenhof an. Nach dem Imbiss halten wir nur noch auf einem kleinen Artesanenmarkt hinter dem Ort an, wo Valeria chilenische, mit Dulce de Leche gefüllte Churros probieren kann.
Prost 1 Prost 2
Diesmal umgehen wir den alten Tunnel Chacabuco, der mir sowieso immer suspekt ist (Notausgänge und Doppelröhren sind hier unbekannt, dafür ist es eng und schlecht gelüftet und alle hundert Meter hängt ein Löschwasserschlauch an der Wand) und nehmen die alte Passstraße. Hier kommen wir erst in den Genuss eines schönen Sonnenuntergangs, und nach 10km rutschigem Schotter auf eine nagelneu geteerte Straße, die wohl nur ausgebaut wurde um den Zugang zur naheliegenden Codelco Mine zu erleichtern.

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