Die Ruta 5

Via Panam

Impressionen von einer der längsten Straßen der Welt

auf dem Weg zum Rodeo
Die chilenische Panamericana durchläuft Chile von der peruanischen Grenze bis auf die Insel Chiloe auf mehreren tausend Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h und außerhalb eines Gebiets etwa 100km nördlich und südlich von Santiago muß man in der Regel nicht mit viel Verkehr rechnen. Das macht das Fahren insgesamt recht angenehm und stressfrei. Weder muß man mit wild lichthupenden Verkehrsteilnehmern rechnen, die einen am liebsten schon auf der Mittelleitplanke überholen wollen, noch muß man sich angstschweißgebadet an einer kilometerlangen LKW-Kette in einem untermotorisierten PKW vorbeizwängen. Das Tempolimit beherzigend gehören wir hier schon zu den schnellsten Fahrern, sind die meisten Straßenbenutzer doch eher gemütlich statt zu schnell unterwegs.
heute kam der Bus mal wieder nicht
Doch im Unterschied zu einer ansonsten eher langweiligen deutschen Autobahn erwarten den Reisenden in Chile ganz andere Eindrücke. Zunächst einmal muß man immer mit ungewöhnliches Verkehrsteilnehmern rechnen: Fußgänger, Fahrradfahrer, Jogger, Reiter, Kühe, Traktoren, Schubkarren und sogar Kinderwagen benutzen den Standstreifen. Das geschieht auch schon mal in entgegengesetzter Richtung, sozusagen als Geisterreiter oder Falschläufer. Besonders im Dunkeln erfordert dies eine erhöhte Aufmerksamkeit und häufiges Einschalten des Fernlichts zur Überprüfung des Standstreifens.
1 PS auf dem Standstreifen Sonntagsausflug
Geisterradler das Kind braucht auch mal frische Luft
Gewöhnungsbedürftig sind auch die vielen Reisebusse, die ihre Haltestellen oftmals auf dem Standstreifen haben. In solchen Fällen warten an der Leitplanke zahlreiche Personen mitsamt Gepäck. Nachts machen die Wartenden mit einer Taschenlampe auf sich aufmerksam, die sie in Richtung des sich nähernden Bussen wild schwenken, in der Hoffnung daß dieser auch anhält. Eine weitere Eigenart der Busreisenden ist, nicht den kleinen Umweg zur Überführung zu laufen um die Straße zu überqueren, sondern todesmutig über die mehrspurige Panamericana zu rennen, und das mit Kind und Kegel. Nachts kann das schon die eine oder andere Schrecksekunde zur Folge haben.
huch - falsche Richtung planmäßiger Halt
wann kommt er denn endlich?? hoffentlich passen wir auch noch rein...
Überhaupt hat man des öfteren den Eindruck, daß die mittlerweile fast überall gut ausgebaute Ruta 5 die anliegenden Orte teilt ohne eine wirkliche Alternative zur Überquerung anzubieten. Es gibt zwar meistens eine Fußgängerbrücke, doch die sind eher sparsam gesät und fast hat man Verständnis dafür, daß Nachbarn auf dem Weg zum Grillabend gegenüber die Abkürzung über die Straße nehmen. Dies wurde mit Zäunen versucht zu unterbinden, aber immer wieder entdeckt man große Löcher im Zaun oder eine treppenartige Konstruktion um ihn zu überklettern. Früher verlief die Straße eben durch den Ort, aber da war sie auch noch nicht zwei- oder dreispurig in jeder Richtung. Anstatt die Ruta 5 um den Ort herumzubauen hat man sie ausgebaut und eingezäunt, zum verständlichen Ärger der Anwohner.
suizidsichere Überquerung klettern ist aber doch schneller...
Ein anderes Problem sind die versteckten Ausfahrten. Oft verläuft neben der Ruta 5 eine lokale und kostenfreie Straße, die mit ziemlich kurzen Ein- und Ausfahrten Zugang zur Ruta 5 bekommt. Diese werden nur durch ein winziges Schild angezeigt und wenn man gerade auf der Suche nach der eigentlichen Ausfahrt ist, hat man schnell die falsche erwischt und muß zudem noch heftig bremsen um den Absprung zu schaffen.
ob auch der Kleinste schnell genug rennen kann? wer benutzt schon Brücken?
Baustellen werden ebenfalls eher kurzfristig, wenn überhaupt, angekündigt. Anstelle von Schildern sieht man oft nur die blinkenden Absperrungen, die eine Spur auf die andere umleiten und ist dann froh über das Tempolimit, um den Wechsel noch zu schaffen. Auch das ist nachts eine Herausforderung für den Fahrer. Wir sind sowieso der Meinung, daß auf chilenischen Straßen ein Copilot erforderlich ist, allein schon um die Karte zu interpretieren und vor allem Unvorhergesehenen zu warnen. Genauso schwierig zu erkennen wie Baustellen sind nämlich die vielfältigen Verkaufsstände entlang der Straße.
schon wieder ist er ausgebüxt! umweltfreundliche Alternative
Dies ist ein Kapitel für sich: an der Ruta 5 kann man einfach alles kaufen was das Herz begehrt, man muß nur wissen wo. Meistens sind die Verkaufsstände nämlich thematisch rund um einen bestimmten Ort gruppiert. So gibt es Orte, bei denen kann man nur Korbwaren kaufen, andere spezialisieren sich auf Besen, Süßigkeiten, Würste, Honig, Wein in Korbflaschen, Flußkrebse, Ziegenhälften, Sandsteinfiguren, Ziegenkäse, Papayas im Glas und Gartenpflanzen. Oft wird das durch ein Schild "Zona de Comercio" angekündigt. Es soll wohl vermieden werden, daß die Händler gleich am Standstreifen ihre Ware verkaufen, was ja nicht ungefährlich ist, da die Kunden dann ganz einfach auch auf dem Standstreifen parken und anschließend teilweise völlig untermotorisiert oder überladen sich im Zeitlupentempo einzuordnen versuchen. Daher wird jetzt oft in der Nähe von Orten die Straße abgezäunt und die Verkaufszonen wie auf einen kleinen Parkplatz eingerichtet.
Käse, Tomaten, Würste, etc. frische Eier und Hühner
Das einzige was ortsunabhängig verkauft wird, sind Brot, Eier, jegliches Obst & Gemüse und Empanadas, hier muß man aber wieder genau aufpassen, um nicht die Ausfahrt zu verpassen und auf den nächsten Kilometer zu hungern. Denn wie auf der Suche nach einer Toilette oder Tankstelle, sind auch plötzlich alle Empanandastände verschwunden sobald sie ernsthaft benötigt.

Ein weiteres Phänomen sind große Diskotheken in Stadtnähe gleich an der Autobahn. Ein riesiger Parkplatz liegt praktischweise gleich an der Straße, damit man nach einer alkoholdurchtränkten Nacht nicht noch ewig im Dunkeln nach dem Rückweg suchen muß. Das wäre in diesem Zustand auch kaum zuzumuten. Gleiches gilt für zahlreiche große Restaurants.
das einzige was bleibt nach einer durchzechten Nacht...
Wie man sieht ist eine Fahrt auf der Panamericana alles andere als langweilig. Die Gefahren und Herausforderungen sind in jedem Land eben verschieden, das Fahren hier ist tagsüber auf jeden Fall entspannter, im Dunkeln hingegen vermeiden wir es so gut es geht. Ich jedenfalls komme mittlerweile besser mit links auf dem Mittelstreifen galoppierenden Pferden zurecht als mit den typischen deutschen Dränglern und Rasern.


Die Fotos sind teilweise etwas verwackelt oder erscheinen verschwommen. Das liegt daran, daß sie bei Tempo 100 aufgenommen wurden und wir vergessen hatten vorher die Windschutzscheibe von innen zu putzen.

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