Pisco Elqui

Herbststimmung im kleinen Norden Chiles 

21.05.2010 - 23.05.2010



Jetzt sind wir schon das 3. Wochenende diesen Monat unterwegs und Markus reserviert das nächste schon für pures Nichtstun. Heute fahren wir nach Pisco Elqui, ein kleines Örtchen ganz hinten im Valle del Elqui, etwa 600 Kilometer von Santiago entfernt. Das Dorf hiess früher La Unión, bis es von der damaligen Regierung in den 30er Jahren umbenannt wurde, um so das Namensrecht für den gleichnamigen Traubenschnaps zu garantieren. Peru und Chile streiten seit jeher um die "älteren Rechte" am Namen Pisco.




Am heutigen Feiertag, der der Seeschlacht von Iquique gedenkt, ist weniger los als erwartet und wir kommen ganz gut voran. Unterwegs halten wir im winzigen Totoralillos an, um eine Pause zu machen und Clara dabei den Pazifik näher zu bringen. Ausser ein paar Wellenreitern ist kaum jemand hier, kein Wunder bei dem bedeckten Himmel und der kalten Luft. Clara ist vom Sand zwischen den Fingern ganz fasziniert und weiss nicht so recht, was damit anzufangen ist.
 



Die letzte Etappe bringt uns schnell nach La Serena, dann biegen wir nach Osten ins Elquital ab. Hier sind die vielen Weinberge schon herbstlich gelb bis rot gefärbt, und je höher die Strasse ansteigt, umso besser wird das Wetter. Ausser Weinbergen wurden auch ganze Avocadoplantagen an die steilen Hänge gepflanzt, wo die Ernte sicher nur per Hand erfolgen kann. Endlich auf 1.200m strahlt blauer Himmel.
Am späten Nachmittag kommen wir an den Cabañas an und treffen dort auf Team Viña, die schon am Vortag angereist sind. Wir beziehen unsere Cabaña und wandern dann zusammen ins Dorf um sämtliche Artesanenläden zu erkunden. Hier ist alles ein wenig ökologisch-esoterisch angehaucht, so finden wir nur ein Glas Guayabamarmelade.




Am Abend gehen wir in ein etwas ausserhalb gelegenes Restaurant essen, wo wir fast die einzigen Gäste sind. Trotz Feiertag ist auch hier jetzt Nebensaison. Die Nacht wird bis auf Pferdegewieher, Hundegebell, Hahnengeschrei und Eseltröten ruhig, aber ganz schön kalt. Unser Thermometer zeigt morgens nur 10 Grad an, das bisschen Wärme, was der Gasofen gestern abend noch geheizt hat, verschwindet sofort durch die dünnen Holzwände.




Am Samstag ist von Sonnenschein nichts mehr zu sehen. Markus und ich schaffen es im Valle del Elqui, dass sich 355 Sonnentage im Jahr rühmt, immer nur Bewölkung vorzufinden. Am Vormittag wandern wir ein Seitental hinauf bis zu einem Dörfchen, wo wir getrocknete Feigen direkt von den Bäumen essen. Von hier oben hat man einen schönen Blick auf die Herbstfarben unten im Tal. 




Der Unterschied zwischen den mühsam per Tröpfchentechnik bewässerten Feldern zu den kahlen Berghängen ist beeindruckend. Unterwegs treffen wir auf einsame Hütten von Viehhirten, die zur Fortbewegung ein Maultier und zur Stromerzeugung eine Solarzelle vor der Tür stehen haben. 




Nach dem Abstieg haben wir uns ein Asado verdient und werfen gleich vor den Cabañas den Grill an. Alle anderen scheinen ausgeflogen, so dass wir den üppig begrünten Garten für uns allein haben. Hier wachsen zur Zeit Orangen, Zitronen und pflückreife Mandarinen. Für Clara gibt es einen Haufen trockener Feigenblätter zum spielen.



Nach dem Essen raffen wir uns auf, in das nächste Artesanendorf zu fahren, wo um diese Jahreszeit auch nicht viel los ist. Die ganzen Hippies, die sich hier aufhalten sollen, scheinen in wärmeren Gefilden Urlaub zu machen. Zum Abschluss des Tages gehen wir im zu den Cabañas gehörigen Restaurant essen und fallen danach wohlverdient in die Betten.




Sonntags ruft schon wieder die Ruta 5. Nachdem die Läden im Dorf so früh am Vormittag noch geschlossen haben, packen wir zusammen und machen uns an die Rückfahrt. Da wir für den Herweg schon fast 8 Stunden gebraucht haben, wollen wir diesmal nicht so spät zu Hause ankommen. In La Serena trennen sich die Wege von Team Viña und uns an der Tankstelle, dann halten wir erst wieder vor La Ligua an einem Restaurant an, das wir schon von einem früheren Besuch kennen. Unterwegs stoppen wir noch kurz an einem gut besuchten Mirador eines neuen Windparks (wohl des ersten in Chile).


Hundert Kilometer vor Santiago beginnt dann der Rückreiseverkehr und es geht nur langsam voran. Das liegt aber auch daran, dass die vielen, beim Erdbeben heruntergefallenen Fussgängerbrücken immer noch nicht repariert oder ersetzt sind. Schilder warnen seitdem vor die Ruta 5 überquerenden Fussgängern, was besonders im Dunkeln ziemlich gefährlich ist. Bei dem dichten Verkehr haben sie sowieso kaum eine Chance, zwischen den Autos hindurch zu kommen.



Daher sind wir erst nach 21 Uhr zuhause, nach über 9 Stunden Fahrt. Im Flugzeug ist es doch bequemer. Das nächste Wochenende bleiben wir daheim!


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