Cerro Provincia

...Markus allein unterwegs

16.05.2009

Diesmal darf Ann nur den Chauffeur spielen und Christian und mich beim Ausgangspunkt an der Puente Ñilhue, 990 m abliefern. Hier waren wir schon einmal im letzten Sommer unterwegs, sind damals allerdings nicht allzu weit gekommen. Da es recht früh dunkel wird, sind wir um 8:15 schon vor Ort. Laut Karte stehen uns 11 Stunden Fußmarsch bevor und es sind 1700 Höhenmeter zu erklimmen und wieder abzusteigen. Ich habe die wichtigsten Punkte am Vorabend in Google Earth gesucht und im GPS eingespeichert. Das funktioniert recht gut und ist hilfreich (oder frustrierend) da man immer genau weiß, wie weit es noch ist. Wie gewohnt geht der Weg steil los. Man kann ihn fast nicht verfehlen, muss nur aufpassen das man nicht zu weit links geht und ins Vallecito abbiegt. Die Markierungen sind vorhanden und ab und zu gibt es auch eine Hinweistafel. Darauf sollte man sich aber nicht verlassen, da sie an strategisch wichtigen Punkten meist verschwunden sind.
Alto del Naranjo Santiago unter dicker Luft
Wir passieren anfangs ein paar Büsche, dann spenden nur noch vereinzelte Kakteen Schatten. Nach dem ersten steilen Stück erreichen wir einen kleinen Bewässerungskanal. Ab hier ist das Ziel mehr oder weniger den Rest des Wegs in Sichtweite: Es geht über einen Bergkamm immer weiter bergauf um schließlich nach einer langen, steilen Linkskurve auf dem Gipfel zu enden. Nach dem ersten steilen Stück, das wir noch zusammen mit 3 anderen Gruppen gehen, kehren diese nach der ersten Etappe am Alto del Naranjo wieder um und wir gehen erstmal alleine weiter. Danach kommt der gemütliche Teil: es geht nur noch leicht aber stetig bergauf und die Sonne versteckt sich hinter einem dünnen Wolkenschleier und macht die Wanderung angenehmer. Im Sommer wollte ich hier nicht hochgehen müssen, da kann man mit bestimmt 30 Grad rechnen und Schatten sucht man vergebens. Wir kommen am Abzweig der Alternativroute vorbei. Hier treffen wir auf eine weitere Gruppe, die aber schnell weiter zieht und uns hinter sich lässt. Es bietet sich immer wieder der Ausblick auf Teile Santiagos. Erst nur Lo Barnechea, Vitacura und Las Condes. Später kommen theoretisch alle anderen Stadtteile dazu, aber die Sicht ist durch den dicken Wintersmog beeinträchtigt.
typische Landschaft eine Kuppe nach der anderen
Wir laufen gemütlich tratschend weiter und kommen, Bergkuppe um Bergkuppe hinter uns lassend, der Kurve immer näher. Hier treffen wir wieder auf die anderen, gerade pausierend oder besser gesagt gerade fertig damit. Es scheint ein Wettbewerb zu sein, wer zuerst oben ankommt und sie haben den Ehrgeiz die ersten zu sein. Ich habe den weniger und so machen wir auch erstmal eine Pause und schauen uns das letzte Stück noch einmal genauer an. Der gemütliche Teil ist nun definitiv vorbei und auf den letzten 2,5 km warten die restlichen 750 Höhenmeter auf uns. Als wir gerade aufbrechen kommt die nächste Gruppe an und wir merken, dass auch sie uns unbedingt überholen wollen. Wir gehen es ruhig an (Christian ist durch seine Fechterei etwas schneller, ich habe aber mehr Ausdauer ;-).
der letzte Anstieg Blick zurück
Wie so oft in Chile geht der Weg nicht in Serpentinen hoch sondern nach Viehtreibermanier eher geradeaus. Die Wege hier sind fast ausschließlich alte Viehwege und deshalb für Reiter ausgelegt. Wer nicht selbst laufen muss nimmt natürlich den kürzesten Weg. Zu guter Letzt müssen wir noch über ein paar Felsen klettern, was uns nicht weiter aufhält. Die andere Gruppe kommt hier nur langsam voran und wir ziehen locker vorbei. Das stinkt deren Anführer gewaltig und er treibt seine Gruppe an. Die will allerdings nicht so, wie er es gerne hätte. Als Ergebnis hat er sichtlich schlechte Laune als wir ihn oben grüssen. Wir lassen ihm aber den Triumph, doch noch vor uns auf den "richtigen" Gipfel zu kommen, der liegt etwa 500 m weiter. Wir machen es uns lieber in der kleinen Schutzhütte bequem und futtern unseren Proviant. Man muss halt Prioritäten setzen, zumal es ziemlich zugig und kalt ist. Die Sicht ist auch nicht die beste und deshalb kümmern wir uns erstmal um die Brote. Es ist derart gemütlich im Gegensatz zu draußen, dass wir sogar einschlafen.
im Refugio auf dem Gipfel
Aber es hilft nichts, wir müssen runter, und da es gegen 18 Uhr schon wieder dunkel wird haben wir auch nicht allzu viel Zeit. Auf dem Weg nach unten kommen uns an der Kurve vor dem letzten steilen Stück noch 4 junge Chileninnen entgegen, bis an die Zähne mit Ausrüstung bewaffnet (alle mit einem riesigen Rucksack, inklusive Eispickel, Zelt, etc.) schleichen sie an uns vorbei. Auf die Frage wie lange es noch dauert bis oben fragen wir erstmal zurück wie lange sie schon unterwegs seien. Wir erfahren erstaunt, dass sie gerade mal eine halbe Stunde nach uns losgelaufen sind. Da hätten sie die Eispickel doch besser unten gelassen und die Rucksäcke nicht so voll gemacht. Wir entschließen uns diesmal die Alternativroute zu nehmen die beim Sportclub San Carlos de Apoquindo rauskommt. Es geht auch hier steil bergab. Diesmal ist es aber schwieriger, den richtigen Weg zu finden und wir sind froh, morgens den anderen Aufstieg genommen zu haben. Gerade im unteren Teil gibt es eine Vielzahl von Wegen, die es einem schwer machen den richtigen zu finden. Markierungen gibt es nur vereinzelt. Wer hier seine Tour startet, sollte den Weg besser kennen oder genug Zeit mitbringen um sich auch mal verlaufen zu können. Außerdem ist diese Strecke 2,5 km länger (gefühlte 5), was wir nicht eingerechnet hatten. Mit dem letzten Tageslicht kommen wir endlich am Stadion an und Ann wartet mit dem Auto schon vor dem Tor des Sportclubs. Alles in allem eine schöne Tour, aber das nächste Mal mit einer Übernachtung oben. Statt der 11 haben wir nur 8 Stunden plus eine lange Pause gebraucht.

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