Quebrada del Tigre

Kreisende Geier und wachsame Wegbegleiter

10.02.2008

kreisender Geier
Ein weiterer unerforschter Punkt auf unserer chilenischen Wanderkarte ist die Quebrada del Tigre zwischen Zapallar und Cachagua an der Zentralküste. Gelesen hatte ich über die Quebrada (kleine Schlucht) nur in einer winzigen Notiz im Turistel Reiseführer. Bekannte aus Viña del Mar hatten auch schon einmal erfolglos versucht sie zu finden, also beschlossen wir, sie diesen Sonntag gemeinsam zu erwandern.
Zapallar liegt 181km von Santiago entfernt, genau das richtige also für einen Sonntagsspaziergang. Wir treffen uns in Zapallar, aber durch den wildwuchernden Bau neuer Condominios in diesem begehrten Badeort ist anscheinend der Zugang versperrt. Wir finden stattdessen am Ortseingang des winzigen Badeortes Cachagua einen unbeschilderten Abzweig von der Straße. Mit Hilfe von einer aus dem Internet gedruckten Tourenbeschreibung für Mountainbiker und einer groben Umgebungskarte landen wir auf einem staubigen kleinen Weg, der kurz darauf an einem Tor endet: "Prohibida la entrada - prohibido cazar!" Wir dürfen also nicht rein, aber wenn wir einmal drinnen sind dürfen wir nicht jagen. Dieser etwas eingeschränkte Zutritt schreckt unsere Bekannten nicht ab und wir fahren weiter. Am ersten Haus fragen wir nach dem Weg. Dies ist alles Privatgrund und wenn wir die Autos draußen lassen, dürfen wir ausnahmsweise hier durchwandern. Gesagt, getan. Wir sollen nur der Spur folgen, dann kommen wir zur Quebrada.
unermüdliche Wanderbegleitung
Nach einem knappen Kilometer galoppieren uns zwei riesige Hunde mit fliegenden Ohren und aufgerissenem Maul entgegen. Bevor wir in Panik geraten können, hat der Verwalter des Grundstücks uns eingeholt und weist uns den richtigen Abzweig, vorbei an einem weiteren "No entrar" Schild. Wir sollen leise sein, damit uns der Besitzer, dessen Haus 100m weiter rechts liegt, nicht hört. Der mag nämlich keine Wanderer auf seinem Grundstück, wie es scheint.
Pause im Schatten
Spätestens hier wären Markus und ich vermutlich umgekehrt, wären wir alleine unterwegs. Niemand würde hier einen Wanderweg vermuten oder gar ohne fremde Hilfe finden. Die Hunde haben uns nicht angefallen sondern umkreisen uns erwartungsvoll. Als wir unter brütender Sonne den steilen Hügel hinaufsteigen folgen sie uns und geben Geleitschutz. Wer weiß, was uns hier noch alles erwartet, besser wir haben zwei Einheimische dabei. Die ausgefahrene Spur wird schnell schmaler und wir folgen vermeintlichen Kuh- und Ziegenpfaden.
die kühle Quebrada
Nach mehrfacher Diskussion welchen Pfad wir nehmen sollen, steigen wir immer höher und haben dabei einen schönen Blick auf die Küste von Cachagua. Da ich mir unter "Quebrada" eine kühle und feuchte Schlucht mit einem Bach unter grünem Blätterdach vorgestellt habe, bin ich nicht allzu sonnengeschützt angezogen und wir haben nur eine Flasche Wasser dabei. Dabei ist es heute an der Küste mindestens so heiß wie in Santiago.
überwucherter Pfad
Irgendwann erreichen wir aber doch einen niedrigen und lichten ursprünglichen Wald, mit Lianen und viel Gestrüpp, das das vorankommen erschwert. Die Hunde rennen immer noch mit, nutzen jeden Schatten und werfen sich mit lang heraushängender Zunge unter die Büsche. Die Spur führt durch dichtes Gestrüpp, Brennesseln und unter tiefen Ästen hindurch. Nach einer Pause im jetzt endlich feuchtkühlen Wald treffen wir tatsächlich auf den beschriebenen Mountainbikepfad. Sogar ein Jogger hat sich hierher verirrt. Von diesem Weg hat man wiederum schöne Ausblicke auf die Küste und wir sehen etwas weiter sogar sechs bis sieben große Raubvögel, die anscheinend über irgendeinem toten Tier kreisen.
vermeintlicher Truthahngeier
Erst denken wir an Kondore, allerdings trifft man die eher in der Kordillere und auf größerer Höhe an. Nach ausgiebiger Recherche im Internet glaube ich allerdings eher an Truthahngeier. Die treten in größeren Gruppen auf als Kondore, sind dessen etwas kleinere Verwandten und häufig an der Küste anzutreffen. Wir klettern über einen weiteren Zaun (als guterzogene deutsche Wanderer läßt man sich davon gemeinhin abschrecken, aber es bleibt uns nichts anderes übrig) und finden bald den Abstieg ins Tal. Die Hunde sich immer noch dabei und sichtlich erfreut über ihre Wanderbegleitung.
Blick auf die Küste von Cachagua
Für die Stute mit ihrem Fohlen, die uns hinter einer Kurve auf dem Weg erwarten, hegen sie weniger Sympathien. Die beiden werden unter viel Gebell und Zähnefletschen gründlich davon gejagt. Das Pferd verteilt ein paar schlechtgezielte Tritte und rennt dann mit dem Nachwuchs um sein Leben. Nach einem weiteren überwundenen Zaun (diesmal bekommen wir sogar die Erlaubnis der Bewohner) gelangen wir auf den Fahrweg der uns zum Auto zurückbringt. Dort picknicken wir auf der Ladefläche des Pickups, denn die Hunde erwarten jetzt hungrig ihre Belohnung. Sie bekommen die Reste, dann lassen wir sie zurück und machen uns auf den Rückweg.
hundesicheres Picknick

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