Reserva Nacional Lago Peñuelas und Quintay

10.+11.03.2007

Freitag

Wir hetzen nach Feierabend zum Autohaus, da unsere Nummernschilder eigentlich schon gestern fertig sein sollten und wir sie noch vor unserer nächsten Tour ans Auto schrauben wollen. Man darf in Chile nur eine Woche ohne Schilder fahren und das Autohaus kommt nicht in die Puschen. Als wir ankommen erzählt uns Rafael (unser Verkäufer) eine herzerweichende Geschichte über verschiedene Firmen, die damit beschäftigt seien, es aber nicht rechtzeitig geschafft haben, und will uns auf Montag vertrösten. Markus, der sonst immer die Ruhe und Geduld in Person ist, zieht überraschenderweise ein äußerst unzufriedenes Gesicht und wiederholt mehrfach, daß er diese Lösung völlig unzureichend findet. Daraufhin versucht Rafael mich zu erweichen (ich war im Auto sitzen geblieben) aber kommt auch nicht weiter. Nicht zuletzt aufgrund unserer Sprachkenntnisse, wir können uns ja immer nur wiederholen, daß wir die Schilder wollen, bekommt er uns einfach nicht vom Hof. Schließlich verspricht er nochmal nachzuforschen und sich gleich bei uns zu melden. Kaum sind wir eine halbe Stunde weg, klingelt das Telefon und wir können die Schilder noch heute abend abholen.

Samstag

durstiger Hund am See
Bevor wir die Stadt verlassen können brauchen wir noch das "TAG" - ein kleines Kästchen, das innen an der Frontscheibe klebt und welches beim Befahren der 4 großen Ausfallstraßen mit jedem "Piep" einige hundert Peso aus der Tasche des Besitzers an die Straßenbetreiber übergibt. Da wir ohne Nummernschilder zwar eine Woche umsonst dort fahren durften, müssen wir sie jetzt wieder abschrauben, um das Büro an der Costanera Norte zu suchen, die auch schon gebührenpflichtig ist. Fährt man ohne TAG, wird man fotografiert und darf Strafe zahlen. Nach erfolgreichem Kauf schrauben wir also offiziell die Schilder wieder an, lassen noch schnell die Autonummer in sämtliche Fensterscheiben und Außenspiegel ätzen (das erhöht hier den Diebstahlschutz) und dem Ausflug steht nichts mehr im Wege. Über die konzessionierte Straße nach Valparaíso verlassen wir Santiago und zucken bei jedem Piep (und damit Angriff auf unser Portemonnaie) zusammen. Sobald man die Stadt verlassen hat zahlt man statt der City-Maut bis kurz vor Valparaíso auch noch Straßenmaut, und die ist noch teurer. Dafür sind die gebührenpflichtigen Straßen aber auch in einem Top Zustand.
Schatten für die Angelbegleitung
Kurz hinter Santiago können wir bereits den ersten Empanada-Schildern nicht widerstehen und kaufen kräftig ein. Hier gibt es auch die berühmten Doppel-Dotter-Eier von denen uns erzählt wurde, die kaufen wir natürlich auch. Hier auf dem Land haben die Leute oft einen Steinofen im Vorgarten stehen und verkaufen am Straßenrand frisch gebackenes, noch warmes Pan Amasado, eine willkommene Abwechslung zu dem lapprigen Weißbrot, das es sonst in der Stadt gibt. Mit vollen Tüten biegen wir wenig später von der Ruta 68 ab, in die Reserva Nacional Lago Peñuelas. So nennt sich das Biospärenreservat, das praktischerweise direkt an der Autobahn liegt und damit gut besucht ist. In dem Gebiet wird einheimischer Wald geschützt (wir sind nur noch 30km von der Küste entfernt, hier ist es nicht so trocken) und es gibt einen großen künstlich angelegten See, der das Trinkwasserreservoir für Valparaíso ist. Man darf also nicht baden aber dafür angeln, und das tun hier schon ziemlich viele. Man fährt das Auto an den Strand, sucht sich ein Plätzchen, die Familie breitet sich vollzählig unter den schattenspendenden Bäumen aus und lädt die unzähligen Picknickkörbe und Kühlboxen aus, während die Männer angeln. Eine Familie besteht schon mal aus über 20 Leuten.
Warum beißt hier keiner???
Wir testen erst einmal den Allradantrieb und die Bodenfreiheit und parken dann gleich am Wasser an einem ruhigen Fleckchen. Die meisten Chilenen schaffen es hier nämlich nur bis kurz hinter den Eingangsbereich. Wegen der gnadenlosen Sonne bauen wir das Tarp auf, ich lege mich mit der Zeitung darunter und Markus angelt. Es soll Pejerreys geben, aber irgendwie beißt heute keiner an oder Markus hat den falschen Köder. Nach ein paar Stunden packen wir schließlich hungrig wieder ein und fahren Richtung Ausgang, wo wir noch drei Lamas beobachten, die am Strand entlang schlendern und sich von den vielen Leuten nicht stören lassen.
einige See-Lamas
Ob Lamas den Anglern Glück bringen?
Wir fahren zum Meer und dann südlich die kurvige Küstenstraße durch einige große Buchten. Hier ist die Küste ziemlich steil, und neben der Straße geht es schon mal mindestens hundert Meter in die Tiefe, unten schäumt gleich das Meer. In Quintay, einem winzigen Fischerdörfchen, wohin die Straße in mehreren Kurven steil abfällt und auf einem noch winzigeren Parkplatz endet (dessen geldbringende Qualitäten auch schon entdeckt wurden, hier kassiert man Parkgebühr) machen wir eine Pause und trinken Kaffee. Der Ort besteht nur aus einer winzigen Bucht mit Möwen und Pelikanen, etwa 25 Häusern am Wasser und am Hang vertreut und vielen großen Fischerbooten. Dazu gibt es zwei Tauchschulen und zwei Restaurants die jetzt noch geöffnet haben.
Quintay
Wir fahren weiter und suchen nach einem Übernachtungsplatz. Wir finden zwar eine schöne Landzunge hoch über dem Meer, aber es scheint als wäre man hier nachts nicht der einzige Besucher. Also suchen wir zunächst einen Weg zum Strand, geben dann aber auf und erinnern uns an den Parkplatz in Quintay.
Strand südlich von Quintay Flußmündung am Strand
Als wir zurückkommen sind nur noch wenige Autos dort. Wir gehen ausgiebig essen und bauen anschließend unser Auto zum Zelt um. Kurz nach Mitternacht sind wir die einzigen und können auch gut schlafen. Die etwa 12 Hunde des Orts sind ziemlich nachtaktiv und scheinen alle auf dem Parkplatz zu übernachten, dazu kommt 3x in der Nacht das gleiche Auto und steht einfach nur herum, wir erschlagen insgesamt 4 Stechmücken (unser Lüftungssystem ist noch unausgereift), und ich träume von Erdbeben und wecke Markus erstmal zum Flutwellencheck. Trotz alldem schlafen wir aber recht gut in unserem Auto und wachen erst gegen 8 Uhr bei dichtem Nebel, der über der ganzen Bucht liegt, wieder auf.
Markus beim Schlaftest

Sonntag

Man erkennt heute morgen kaum das Ende der Bucht. Obwohl nur einige hundert Meter entfernt, verschwimmen die Häuser im Nebel. Gegen 9 Uhr trudeln die ersten Fischer und Tauchstationsmitarbeiter auf. Die Hunde, die die halbe Nacht ihrem Job als Wächter gründlich nachgegangen sind, liegen jetzt gähnend herum.
Früstück im Nebel die Doppeldottereier
Nach ausgiebigem Doppeldotterspiegeleier-Frühstück mit Pilzen fahren wir Richtung Santiago, und biegen auf halber Strecke auf Nebenstraßen nach Pomaire ab. Der Nebel hat es noch nicht einmal bis über die Steilküste geschafft, oben herrscht wärmster Sonnenschein und der Nebel erscheint im Nachhinein ganz unwirklich.
Bald sind wir mitten auf dem Land, zwischen Weinbau und Gemüsefeldern gibt es an der Straße immer wieder kleine Stände mit Essen, Obstläden, winzige Dörfchen, Reiter oder Leute in einfachen Pferdewagen.
Küstennebel von oben der Nebel schafft es nicht ganz rauf
Über eine scheinbar ins Nichts führende Schotterstraße kommen wir schließlich nach Pomaire, das als Töpfer-El Dorado bekannt ist. Hier gibt es bestimmt 100 verschiedene Töpferläden und Restaurants, die unter anderem die berühmten 1kg-Riesenempanadas verkaufen. Wir halten uns aber nicht lange auf, kaufen nur die Grundausstattung Keramikschalen, einen Topf und zwei Blumenkübel und machen uns dann auf den Heimweg. Über Nebenstraßen und unbeabsichtigte Umwege im Stadtgebiet von Santiago finden wir schließlich bekannte Straßen. Weil es hier fast nur Einbahnstraßen gibt verpassen wir Las Dalias und müssen noch einmal weiträumig ums Karrée fahren. Auf diese Weise geraten wir noch in unsere erste chilenische Polizeikontrolle nach nur einer Woche Autobesitz. Wir blättern alle Papiere die man hier so mitführen muß hin und dürfen dann unbehelligt weiterfahren.

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