Rodeo in Rancagua

1.4.2007

die Medialuna Monumental
Das wichtigste Sportereignis Chiles fand an diesem Wochenende in Rancagua statt. Die Meisterschaften im Rodeo werden in der Medialuna Monumental jeweils am 1. Aprilwochenende ausgetragen. In Santiago hatten wir keine Karten mehr bekommen können und auch die Zugtickets waren bereits ausverkauft. Durch einen Fahrplanwechsel bei der Bahn konnte man erst Montags für das Wochenende Tickets erstehen. Da es also fraglich war ob wir noch Eintrittskarten bekommen könnten, beschlossen wir am Sonntag auf gut Glück recht früh mit dem Auto aufzubrechen. Noch vor 7 Uhr klingelte der Wecker und dichter Nebel begrüßte uns am Fenster. Zeitweise konnte man kaum 100 Meter weit schauen, mitten in der Stadt ungewöhnlich und bisher noch nie vorgekommen.
da rennt der Stier
Um kurz nach 8 saßen wir im Auto und schafften es noch rechtzeitig, vor dem heutigen Marathon über die Alameda aus der Stadt zu kommen. Auf der Panamericana begegneten uns auf der Überholspur einige frühe "Geisterjogger", ein etwas fragwürdiger Sport... Etwa 85km später bogen wir von der Ruta 5 ab in Richtung der Medialuna Rancaguas. Trotz der frühen Uhrzeit war bereits einiges los, zig Stände mit unentbehrlicher Ausstattung für den Huaso und seinen Criollo begrüßten uns links der Straße, rechts stand bereits eine lange Schlange an den Kassenhäuschen.
Alles für den Rodeofan
Nach erfolgreicher Parkplatzsuche, eigentlich mußte man nur einem der vielen "Einwinker" folgen und dabei einen günstigen Kurs finden, denn je näher an der Medialuna, kostete das Tagesticket schon mal 5000 Peso. Nachdem wir den Jeep also schräg auf einen schmalen Grünstreifen balanciert hatten suchte Markus einen Geldautomaten und ich stellte mich in die Schlange. 20 Minuten später trafen wir uns erfolgreich an der Kasse und es konnte los gehen.
die Hut-Flut
Drinnen erwarteten uns erst einmal viele Stände mit den obligatorischen Ponchos, Hüten, Pferdedecken, Sattelzeug, Sporen, Stiefeln und jeglichen Rodeoutensilien, die man hier so braucht. Allerdings war es auch entsprechend teuer, ich war jedenfalls nicht bereit 125000 Peso für einen Poncho auzugeben, obwohl wir uns in der Kleiderwahl etwas verkalkuliert hatten und uns abwechselnd die einzige Jacke zum Aufwärmen anziehen mußten.
herausgeputzt für den großen Tag
Die Medialuna ist riesig und zum Glück sind die Sitzreihen steil abgestuft, sodaß man eine Chance hat, in der Hut-Flut auch noch Pferd und Stier zu erkennen. Teilweise sah man aber vor lauter Hüten nichts mehr außer einer Staubwolke. Pferde und Reiter waren heute gleichermaßen glänzend poliert und gebügelt, und ziemlich sehenswert. Sogar Markus war beeindruckt. Einer der Reiter hatte das Pech, mit seiner Riesenspore während des Durchgangs im fransigen Ende des Bullenschwanzes hängen zu bleiben und galoppierte eher hilflos mit dem verfangenen Fuß voraus dem Stier hinterher, bis andere ihm zu Hilfe eilten. Andere Male hatte der Stier einfach keine Lust mehr mitzuspielen und schlich entweder gelangweilt am Rand der Arena entlang, während die Reiter ihn mit unauffälligen Fußtritten versuchten zum Laufen zu bekommen, oder er stand gar nicht mehr auf nachdem er einmal bezwungen war, bis zwei "Stierheber" oder auch "Animateure" ihn durch Ohren- und Schwanzziehen zum Aufstehen überreden konnten.
wiederaufgerichteter Stier lustloser Stier
Nach mehreren Durchläufen in denen der jeweilige Stier von den Reitern durch die Arena gescheucht wurde und mehr oder weniger erfolgreich an entsprechender Stelle in die Knie gegangen war, machten wir uns auf den Weg zur Futtersuche. Überall rauchten die Parillas und Grillduft hing in der Luft. Bei typisch chilenischer Rodeolivemusik verspeisten wir Steak und Kartoffelpü, danach entdeckten wir erst die Grillspießbuden mit den Anticuchos de Vacuno (Rinderspieße). Zum Glück konnten wir noch ein bißchen Platz schaffen um einen davon als Nachtisch hinterherzuschieben.
Steak-Berge Anticucho-Berge
Kinderportion oder Seniorenteller sind hier unbekannt
Nach einer weiteren Runde durch die Medialuna, jetzt war es brechend voll und wir hatten unsere guten Plätze aufgegeben, sahen wir noch den Frauen zu, die zwar keine Stiere jagen aber dafür eine Art chilenischer Dressur vorführen durften. Hierbei mußte man aus dem Stand angaloppieren, dann mit beeindruckender Bremsspur aus dem vollen Galopp anhalten, diverse Drehungen aus dem Galopp vorführen und das Pferd in vollem Tempo auf der Hinterhand mehrere Runden mit Richtungswechsel herumwirbeln. Die Mädels bekamen nicht viele Punkte, dafür aber fast mehr Applaus als die Stiertreiber zuvor.
Hüte und Ponchos... ...in riesiger Auswahl.
Auf dem oberen linken Bild in der linken und rechten unteren Ecke erkennt man nicht etwa eine mobile Klobrille für den Rodeo-Reisenden, sondern eine Vorrichtung um den Hut nach dem Rodeo wieder in Form zu bringen. Man spannt ihn ein und nach einiger Zeit ist er wie frisch gebügelt.

Da es schon Nachmittag war und Markus wortwörtlich die Nase voll hatte (mit Pferdestaub und Allergie) machten wir uns nach einer letzten Runde über den Markt auf den Weg zum Auto. Unterwegs sahen wir noch das Foto-Alpaca, wie es brav hinter Herrchen, der zwei alte Polaroidkameras um den Hals trug, her lief ohne sich von den Menschenmassen aus der Ruhe bringen zu lassen. Markus wollte es einmal anfassen weil es so flauschig aussah, und griff erst einmal durch 15 cm Wolle, unter der sich das Alpaca versteckt. Dem war bestimmt nicht kalt gewesen heute...
das Plüsch-Alpaca


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