Zu Füßen des San José

Ein Refugio auf 3.150m

29.-30.11.2008

Refugio Volcán San José
Samstag Vormittag sind wir noch schnell bei Botschafter's mittagessen, jedenfalls auf deren alljährlichem Basar, den wir aus 2006 noch kennen, aber letztes Jahr verpaßt haben. Nachdem es in den letzten Tagen eher kühl war, brennt heute die Sonne ganz weihnachtlich vom Himmel, so dass wir schon auf dem Hinweg je nach Baumbestand die Straßenseite wechseln müssen. Neben vielen Ständen mit Artesanía und ersten Gelegenheiten zum Weihnachtseinkauf, ist auch in diesem Jahr die internationale Futtermeile der Besuchermagnet. Die deutsche Vertretung glänzt übrigens durch Abwesenheit, denen waren sicher die tollen WM Hüte ausgegangen (siehe 2006). Die Wahl fällt schwer, aber wir einigen uns auf einen Caipirinha mit Häppchen aus Brasilien, einen indonesischen Satéspieß und zwei uruguayanische Choripáns: Grillwürste im Brötchen mit Chimichurri. So gestärkt laufen wir heim, kühlen uns eine Weile auf erträgliche Temperaturen ab und packen das Auto für unseren Ausflug.

Gegen Abend fahren wir in den Cajón de Maipo, zwar nur etwa 100 Kilometer südöstlich von Santiago gelegen, aber dank einspuriger Strecke und zum Schluß ausgefahrener Piste benötigen wir 2 Stunden. Wir suchen uns abseits des Wegs in das Valle de las Arenas einen Übernachtungsplatz und packen den Grill aus. Kaum ist die Sonne hinter den Bergen verschwunden wird es ziemlich kühl, schließlich sind wir hier schon auf 2.200 Metern. Im Auto schlafen wir aber trotz der Kälte wie immer gut.
Sonnenuntergang im Cajón de Maipo Einstieg ins Valle de la Engorda
Am nächsten Morgen ist es in der Sonne schon angenehm warm, aber dafür bläst uns ein fieser Wind den Staub in die Augen. Wir frühstücken im Windschatten hinter dem Auto und freuen uns kurz beim Anblick der ausgelaufenen Olivenölflasche, deren Inhalt sich quer durch unsere Küchenkiste mit allen Utensilien ergossen hat. Eine Stunde später parken wir den Jeep in der Nähe der Ziegenhirten, die hier oben während der Saison in einer improvisierten Hütte unter einem großen Felsen hausen und sich um die Herde kümmern. Dem Ziegenpfad folgen wir steil bergauf und werden schon auf 2.500 Metern etwas kurzatmig. Zum Glück erreichen wir bald das Valle de la Engorda und queren es einmal längs über steinige Flussbetten und diverse Bäche.
heute brauchen wir nicht barfuss durchs Eiswasser Pause vor dem 2. Aufstieg
Am Ende erkennen wir schon "die Wand" (siehe Fotos ganz unten) durch die unser weiterer Weg führt, darüber thront der San José (ca. 5.850m). Hier gilt es, auf relativ kurzer Strecke gut 500 Höhenmeter zu erklimmen, was aufgrund zunehmend dünnerer Luft nicht gerade ein Spaziergang ist. Jedenfalls für mich...
Valle de la Engorda von oben zahlreiche Bachquerungen
Diverse Pausen und Fruchtriegel später, ein letztes Stück über loses Geröll, dann haben wir auch diesen Teil geschafft und ein etwas milderer Anstieg wartet. Immer langsamer geht es voran und das Ziel ist immer noch nicht in Sicht.
Blik zurück ins Tal
Das GPS zeigt seit einer Ewigkeit "nur noch 800m Luftlinie" an, aber wir laufen wohl im Zirkel um das Ziel herum. Als ich schon nicht mehr damit rechne und den Lebenswillen eines Zombis auf immerhin schon 3.000 Metern besitze, geht Markus vor und hält nach der Hütte Ausschau. Ich harre der Dinge und lege noch eine Sauerstoffpause ein.
endlich oben! verdienter Verdauungsschlaf
Endlich pfeift er zweimal, das Zeichen dafür, dass er sie entdeckt hat. Ich stapfe also mit neuem Lebensfunken weiter und tatsächlich wartet nur ein letztes Schneefeld auf Querung, dann stehen wir auf 3.160 Metern luftiger Höhe am alten Refugio Plantat, das bereits 1937 errichtet wurde.
Blick von der Terrasse
Refugios in der Kordillere sind eine absolute Seltenheit und noch dazu in diesem guten Zustand. Das Refugio ist für die Besteigung des Vulkans San José eingerichtet, der kahlgefegt vom Schnee über uns thront (linkes Foto ganz links oben). Soweit wollen wir heute jedoch nicht.
Abstieg bei Wind und Wolken runter geht's immer so viel einfacher
Nach ausgiebigem Mittagessen und -schlaf brechen wir eine gute Stunde später wieder auf, denn es zieht sich zu, kühlt ab, der blaue Himmel weicht dicken grauen Wolken und der Gipfel des San José ist schon nicht mehr zu sehen.
am Rand des Abstiegs... ...nur 500 Höhenmeter bis hinunter ins Tal
Auf dem Rückweg ist von der Höhe nichts mehr zu spüren und ziemlich schnell erreichen wir bei heftigem Gegenwind das Valle de la Engorda. Das letzte Stück durch das Flusstal, in dem man entweder endlos über große Steine steigen muss oder sich in den stacheligen Büschen verhakt, zieht sich lange hin. Gegen 17 Uhr, nach 8,5 Stunden aber nur 14,8 Kilometern, sind wir endlich wieder am Auto.
ein winziger Markus vor großer Kulisse
Zum Abschluß der Vergleich: links am Morgen herrscht blauer Himmel über dem San José (die abgeflachte Kuppe in der Bildmitte), rechts nach dem Abstieg ist vom Vulkan nichts mehr zu sehen, es sieht ziemlich ungemütlich aus. Das Refugio liegt übrigens in etwa knapp oberhalb des schneefreien Teils der Berge, etwas links von der höchsten Spitze (Dort wo auf dem rechten Bild bereits die Wolken hängen).
San José mit blauem Himmel San José in bedrohlichen Wolken


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