Markus im Regen

Die Erlebnisse des Tages aus anderer Sicht

16.02.2007

Es regnet!

Um 10 kommt die Nachricht von Ann, daß es regnet.
Jetzt fragt man sich: ¿Ist das eine Nachricht wert?
Bei uns schon!

Der letzte Regen ist immerhin schon einige Monate her und als halber Rheinländer ist man ja daran gewohnt, daß nicht immer die Sonne scheint wie im sonnigen Süden Deutschlands.

Schon morgens sahen die Wolken ungewohnt bedrohlich grau aus und hingen gerade mal um die 200m über den Hochhäusern. Aber das haben wir schon hin und wieder erlebt und ein paar Stunden später hat sich die Sonne doch durchgesetzt. Da es dazu aber heute auch noch bitter kalt ist (nur um die 16°C) habe ich ausnahmsweise lieber mal einen Pulli angezogen. Welch weiser Entschluss, wie sich herausstellen sollte!

Naja denke ich mir, es regnet halt, nichts besonderes. Ich rufe vormittags wie immer Patricio, meinen Taxifahrer, an, da ich noch zur NCR musste und danach zu einem anderen Kunden in der Stadt. Der kommt schon ein bißchen verspätet und die Autoscheiben sind alle total von innen beschlagen. Die Heizung funktioniert nicht richtig, ist ja auch albern im Sommer die Heizung anzumachen. Wir haben ja immerhin den deutschen August! Heizen im Sommer, HAHA!
Es regnet inzwischen schon richtig stark!
Die Straße füllt sich
Durch den Nebel (auf den Scheiben) tasten wir uns die nasse Strasse entlang. Die Kanalisation funktioniert hier und da nicht richtig und kleine Bäche kommen uns bereits entgegen. Hin und wieder bildet sich ein kleiner See und wir fahren munter hindurch. Das Wasser spritzt in alle Richtungen. Doch hat da nicht der Motor ein komisches Geräusch von sich gegeben?? Mir schwant Böses als dem Motor die Kräfte schwinden und wir mitten in der Kreuzung anhalten müssen, unfähig den geradezu lächerlichen Hang (Steigung ca. 4%) hinaufzufahren.
Wir stehen erst einmal. Patricio flucht leise vor sich hin, irgendetwas von Söhnen und Prostituirten.... Nach einigen Versuchen melden sich die Zylinder einzeln zurück, der Motor läuft sogar ohne hektisches Gas geben von selbst, doch die Kraft ziert sich noch ein bißchen, wir kommen den "Berg" einfach nicht hoch. Es fehlt noch mindestens ein Zylinder! Ich schlage vor Anlauf zu nehmen und es nochmal zu versuchen. Unter wildem Hupen drehen wir um, nehmen etwas Anlauf und schaffen es den Berg hinauf. Puh, jetzt geht's nur noch gerade weiter!
Der Wasserspiegel steigt...
Wir kommen stotternd voran und biegen in die Straße "El Salto" (der Wasserfall) ein! Ich hatte die Kollegen schon einmal gefragt "warum heißt diese Straße ausgerechnet El Salto?", da weit und breit kein Wasser zu sehen ist. Spätestens jetzt wird mir klar warum der Name doch gerechtfertigt ist... Die Strasse ist weg, der Salto ist da und wir bleiben mittendrin stehen! Die anderen Autofahrer finden das weniger lustig und decken uns mit Hupkonzerten und Wasserfontainen ein. Patricio ist so unvorsichtig und öffnet ein Fenster, und wird prompt für seinen Leichtsinn bestraft. Ein Schwall Wasser ergießt sich als nette Geste im Vorbeifahren von einem anderen Autofahrer über Patricio. Er ist patschnass, ebenso das Armaturenbrett und ich habe auch noch was abbekommen. Wenn die Autos vorbeifahren spüre ich jetzt schon wie das Wasser unten gegen den Boden des Autos schwappt! Ausserdem regnet es immer stärker und der Wasserspiegel des Salto steigt unbekümmert weiter an. Ich warte minütlich auf Wassereinbruch an der Tür oder irgendwo am Boden.
El Salto: Der Bordstein ist eigentlich 20cm hoch
Patricio wartet wieder darauf, daß sich der Motor bequemt anzuspringen um soviel Kraft zu sammeln, daß wir aus dem See herausfahren können. Nach einigen bangen Minuten, ich hatte mir schon das Umsteigeprozedere in ein anderes Taxi bei 30 cm Wasserstand ausgemalt, springt der Motor endlich wieder an und wir stottern uns aus der trüben Misere. Wir kommen nach einigen weiteren Ausfällen schließlich doch noch bei der NCR an. Ich bin zu spät zum Meeting, es hatte aber noch nicht angefangen, Patricio ist fertig mit den Nerven!

Es schneit!

Im 17. Stock bei der NCR schaue ich etwas später aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht: Schneeflocken! Die Kollegen belächeln mich amüsiert, "Schnee im Februar?, vielleicht in Deutschland...aber nicht hier". Der bekloppte Deutsche wieder... Sie sind auch nicht leicht auszumachen, aber mit meinen geübten deutschen Schneeadleraugen habe ich sie sofort entdeckt. Als sich wenig später die Wolken etwas auflösen starren alle gebannt in Richtung Berge, als ich ihnen die schneebedeckten Hänge zeige. Die Schneefallgrenze liegt vielleicht 200m über den höchsten Stadtteilen von Santiago!
Neuschnee im August
Das Foto haben wir aus dem Zug aufgenommen, daher das unschöne Kabel im Vordergrund. Im Hintergrund erkennt man dafür die Anden im Schneekleid mit tiefhängender Wolkendecke.

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