Río Los Cipreses y Termas de Cauquenes

Papageien und Marmorbäder

1.-2.03.2008

Samstag morgen fahren wir nach einem kurzen Einkauf auf dem Markt zu dritt in Richtung Süden. Eine gute Stunde Fahrt östlich von Rancagua liegt die Reserva Nacional Río los Cipreses. Gegen Mittag treffen wir ein und werden von den Guardaparques in Campingplatz und Wanderwege eingewiesen. Ersterer ist riesig und sogar ganz komfortabel mit Grill- und Wasserstellen, Tischen und Bänken und einem Waschhaus. Zweiteres kommt hier etwas zu kurz. Es gibt nur wenige Wege und der interessanteste ist viel zu lang für ein Wochenende, man benötigt drei bis vier Tage um ins Tal des Río los Cirpreses und zurück zu gelangen.
die Papageienschlucht Blick zum Tal des Río los Cipreses
Ein kurzer, sogar rollstuhl- und blindengerechter Weg mit Infotafeln in Brailleschrift, führt uns zu einem Aussichtspunkt über den Río Cachapoal. In den felsigen Wänden über dem Fluss nisten hunderte Loros Tricahue (Felsensittiche), eine chilenische Papageienart. Die ziemlich scheuen Felsensittiche sind vom Aussterben bedroht, da ihr Lebensraum schrumpft und sie zudem auch noch für den Verkauf gejagt werden. Man kann es ihnen also nicht verdenken, dass sie uns und der Kamera nicht allzu nahe kommen. Sie drehen aber als Entschädigung unter lautem Gekreische immer mal wieder Runden über dem Campingplatz.
Loro Tricahue

(Foto: www.papageien.org)

Nachdem wir die Zelte aufgebaut haben, laufen wir den anderen der beiden kurzen Wanderwege zu einem Wasserfall. Markus kommt auf die Idee, uns durch das Dickicht oben neben den Bach zu scheuchen, um dann ein tolles Foto zu machen. Dieses Vorhaben scheitert an dem steilen, Pfad über Sand und Geröll, auf dem Valeria und ich wohl etwas von der gewünschten Richtung abkommen und unter Staubwolken und mit völlig verdreckten Händen und Knien wieder hinunterrutschen müssen.
Zwei Grazien am Wasserfall
Der Aussichtspunkt ist einfacher zu erreichen, von hier sieht man den Beginn des Flusstals des Río los Cipreses, das aber noch ein ganzes Stück entfernt liegt. Zurück am Campingplatz bereiten wir das Abendessen vor, eine ganze gegrillte Corvina mit Gemüse. Zum Glück bleibt es heute noch lange warm, denn beim etwas gehetzten Packen heute morgen haben Markus und ich vergessen, einen Pulli mitzunehmen und bisher wurde es in den Bergen abends immer empfindlich kalt. Nach diversen Partien Rommé, bis endlich jeder einmal gewonnen hat, gehen wir in die Zelte. Leider hat eine etwas entfernt zeltende Gruppe das Autoradio entdeckt und beschallt den gesamten Campingplatz. Irgendwann aber geben auch sie auf und es wird ruhig.
unser Zeltplatz Corvina und Gemüse
Am Sonntag morgen wache ich schon um 7 Uhr auf und überlege, noch einmal auf Papageienbeobachtungstour zu gehen. Markus ist erst gar nicht angetan, kommt aber dann doch mit. An der Papageienschlucht ist nicht viel los, obwohl der Guardaparque sagte, um diese Zeit seien sie besonders aktiv. Dafür beobachten wir einige andere Vögel, die sich weniger von uns stören lassen. Zurück am Zeltplatz frühstücken wir ausgiebig und genießen die Ruhe, denn außer uns ist noch niemand auf.
Río Cachapoal Weg zum Thermalbad
Am späten Vormittag machen wir uns auf den Rückweg, da wir noch am altehrwürdigen Thermalhotel Termas de Cauquenes auf ein Bad vorbeifahren wollen. Der Weg dorthin ist wieder äußerst ländlich-verlassen und wir zweifeln einige Male ob wir richtig sind. Nach einer halben Stunde und einer letzten Kurve finden wir uns jedoch plötzlich genau vor der Einfahrt zum Hotel. Es liegt wie eine Oase in den grünen Ausläufern der Berge und die Umgebung wirkt schon etwas herbstlich. Wir bezahlen unsere Badewannen und bekommen in der Therme jeweils eine uralte Wanne aus Carraramarmor zugewiesen. Die Bademeisterin läßt das Wasser ein und dann darf jeder in seinem eigenen Badezimmer untertauchen. Das Thermalwasser kommt allerdings mit fast 50°C aus dem Hahn, sodass man noch ein bisschen temperieren muss.
Termas de Cauquenes die Badezimmer
Anschließend erholen wir uns im Garten bei Himbeersaft und schauen den Kolibris zu. Die Heimfahrt unterbrechen wir kurz darauf, um bei einem Haus Pan Amasado zu kaufen, was allerdings für uns erst frisch gebacken wird. Die Wartezeit sitzen wir also im Garten und trinken Mote con Huesillo, neben unserem Auto wartet das Maultier auf seinen Reiter, der am Nachbartisch schon mittags die Rotwein-Tetrapacks leert. Wenigstens findet der Muli den Weg wohl selber nach Hause, und es heißt ja schließlich "don't drink and drive" und nicht "don't drink and ride".
die Badewanne Erholung im Garten
Kurz vor der Ruta 5 machen wir noch einen kleinen Abstecher durch Machalí, ein typisches altes Huasodorf, in der Hoffnung auf Artensania en cobre (Kunsthandwerk aus Kupfer), werden aber nicht fündig. Zum Glück habe ich Lesezeichen aus Kupfer schon oben am Hotel erstanden.
braungefleckte Eidechse

Zurück zur Startseite