San Antonio

Ein verregneter Feiertag

21.05.2008

Seit unserer Rückkehr aus Peru zeigt sich das Wetter in Chile nicht von seiner besten Seite. Vor drei Tagen fegten beachtliche Sturmböen durch Santiago, die einige Bäumen abknickten und auf der uns gegenüberliegenden Baustelle kräftig "aufräumten". Seit letztem Sonntag regnet es, erst zögerlich, dann ganztägig. Allerdings ist der Regen dringend nötig, um die Wasserspeicher aufzufüllen, die von der Trockenheit lahmgelegte Landwirtschaft zu retten und - ganz wichtig für Markus - die Skipisten rechtzeitig zum Saisonbeginn im Juni ausreichend zu beschneien.
Der andauernde starke Regen hat allerdings auch seine Schattenseiten: das vom wiedererwachten Vulkan schon mit einer dicken Ascheschicht unbewohnbar gemachte Städtchen Chaitén wurde nun zu 90% wegen des über die Ufer getretenen Flusses endgültig zerstört und in vielen Regionen südlich von Santiago sind ebenfalls einige Siedlungen von Hochwasser betroffen.
die reissenden Fluten des Mapocho
Auf unserer heutigen Fahrt ans Meer konnten wir sehen, dass das Regenwasser vielerorts vom völlig ausgetrockneten Boden nicht mehr aufgenommen wurde und in Sturzbächen die Hänge hinuntergeströmt war. Auf dem Weg hatte es Schlamm und Steine mitgerissen und unbefestigte Strassen mit tiefen Furchen versehen, in denen man besser nicht mit den Rädern hängen bleibt. Vom Vieh gänzlich abgegraste "Weideflächen", auf denen schon lange kein Halm mehr den braunen Boden ziert, haben dem Wasser natürlich auch nichts entgegensetzen können und damit den Schlammfluss noch begünstigt. In San Antonio lief innerhalb eines Tages eine riesige Baugrube voll, in der ein Casino entstehen soll, und der vergessene Bagger schaut nur noch mit der Spitze heraus. Überall waren Leute beschäftigt, die Straßen und Wege vom Schlamm zu befreien.
der Mapocho und die verschneiten Anden
Auf dem Rückweg erschreckte uns dann noch der Anblick des Río Mapocho in Santiago: so voll und reissend haben wir ihn noch nie erlebt. Normalerweise fliesst ein wenige Meter breites, flaches Rinnsal durch das vermeintlich überdimensionierte Flussbett. Im Tunnel der Schnellstrasse hatten wir vorher noch Witze über die herabfallenden Tropfen gemacht, der Tunnel verläuft streckenweise unterhalb des Mapocho...
feiertägliche Ruhe schaukelnde Kormorane
Trotz des unbeständigen Wetters hatten wir beschlossen, den Ausflug an die Küste zu machen. In Chile wird heute mit einem Feiertag der Seeschlacht von Iquique gedacht, dazu passte das viele Wasser eigentlich auch. Kaum hatten wir die Autobahn verlassen und befanden uns kurz vor dem Ziel, fing es heftig an zu regnen, sodass Meer und Himmel fast nicht mehr zu unterscheiden waren.
Fischerboote im Hafen Fischerboote vor San Antonio
Von dem als einem der exklusivsten Badeorte Chiles gepriesenen Rocas de Santo Domingo sahen wir durch den Regenvorhang nicht viel und ein mutiger Strandspaziergang wurde uns durch waagerecht wehenden Regen verleidet. Wir beschlossen daher, zum Mittagessen nach San Antonio zu fahren, was gleich auf der anderen Seite der Flussmündung des Río Maipo liegt und Chiles umschlagskräftigster Hafen ist. Die überschaubare Restaurantauswahl machte es leicht, sich für den im Turistel angepriesenen "mejor mesa" (besten Tisch) zu entscheiden.
brüllende Seelöwen vor dem Fischmarkt Mittagschlaf auf dem Felsen
Nach dem Essen klarte es tatsächlich auf und wir konnten die Hafenpromenade begutachten, nur unterbrochen von einem kurzen Schauer. Am angrenzenden kleinen Fischmarkt entdeckten wir die übliche hungrige Meute aus Pelikanen, Möwen und Kormoranen, sowie eine ganze Schar brüllender Seelöwen, die sich auf den unbequemen Felsen breit gemacht hatten.
eine dicke Fettschicht als Polster auch Seelöwen haben Zehennägel
Nur ein kleiner Zaun trennte uns von ihnen und so wurden wir bald von einem durchdringenden Geruch umhüllt, als dessen Ursache wir eindeutig mangelhafte Mundpflege auf Seiten der Seelöwen feststellen konnten. Weiterhin konnten wir noch erkennen, dass auch Seelöwen Zehennägel haben und sich mit diesen hingebungsvoll kratzen. Nachdem Mittagessen und Verdauungsspaziergang erfolgreich abgehakt waren, konnten wir guten Gewissens die 100 Kilometer Heimweg antreten.