Im Valle de Colchagua

Santa Cruz und die Laguna Torca

Hacienda in El Huique

24.-25.11.2007

Samstag

Ein weiteres Wochenende, das sich durch frühes Aufstehen auszeichnet. Nach dem Frühstück und eiligem Packen befinden wir uns gleich auf der Ruta 5 gen Süden. Nach relativ kurzer Fahrt biegen wir bei San Fernando bereits in Richtung Küste ab und sind im Valle de Colchagua, dem wichtigsten Weinbaugebiet Chiles. Etwa 15 Weingüter liegen hier verstreut, nicht im Tal, wie man dank des Namens annehmen könnte, sondern auf einer ziemlich flachen Ebene am Río Tinguiririca. Aber deswegen sind wir heute gar nicht hier. Markus verspürt schon einen leichten Vormittagshunger und wir finden den scheinbar einzigen Empanadaimbiss auf dem Weg nach Santa Cruz, wo wir den Zwischenhunger stillen und meinen Vater in die Welt der Empanadas einführen können.
das Eingangstor zur Casa Patronal Kapelle der Hacienda
Wenige Kilometer hinter Santa Cruz biegen wir nach San José del Carmen El Huique ab, ein langer Name für einen winzigen staubigen Ort. Hier findet sich aber ein sehenswertes Monumento Nacional, eine komplett mit sämtlichen Einrichtungsgegenständen erhaltene traditionelle Hacienda, deren Casa Patronal von 1829 stammt. Die Besitzer kamen ursprünglich aus dem Baskenland und die großen Ländereien wurden durch die Heirat von Federico Errazuriz Echaurren (chilenischer Präsident 1896-1901) mit Gertrudis Echenique zusammengeführt. Jede Generation nahm ihre Modernisierungen vor aber nichts wurde radikal verändert, sodaß heute noch weitgehend das Mobiliar und die Installationen aus dem 19. Jahrhundert erhalten sind.
Schlafzimmer reichverzierte Kapelle
Wohnzimmer des Präsidenten das Speisezimmer
(Fotos: www.museoelhuique.cl)
Die Bilder der Familie hängen an der Wand, der Tisch im Eßzimmer ist festlich gedeckt und man könnte sozusagen sofort wieder einziehen. Die dazugehörige Kapelle wird sogar heute noch genutzt. Nachdem Ende des 20. Jahrhunderts keine Nachkommen mehr existierten, wurde die Hacienda 1975 von ihren letzten Besitzern der chilenischen Armee zur Verwaltung übergeben, die es trotz eines Hochwasserschadens in einwandfreiem Zustand erhält.
Innenhof mit alten Weinstöcken der Küchentrakt von außen
Die Ländereien fielen der Agrarreform von 1967 zum Opfer, nur die vielen Innenhöfe und die Obstgärten blieben erhalten. Wie immer sind wir die einzigen Besucher und bekommen eine ausgiebige Privatführung durch die verschiedenen Gästezimmer, Wohnräume, altmodischen Badezimmer, das Eßzimmer, einige der insgesamt 16 Patios und die Kapelle.
Tren del Vino Hotel Santa Cruz Plaza
Im Anschluß an die Führung fahren wir zurück nach Santa Cruz um dort erst einmal stilvoll im Hotel Plaza etwas zu trinken. Das Hotel, das angrenzende Museo de Colchagua und der "Tren del Vino", ein kleiner Zug mit restaurierter Dampflok von 1907, der das Tal und die Weingüter abfährt, gehören einem findigen Geschäftsmann, der diese Gegend damit zu einem Anziehungspunkt für Touristen gemacht hat. Freundlicherweise schnaubt der Zug unterwegs malerisch an uns vorbei. Ihm voraus "eilen" drei Männer im Auto, die jeweils den nächsten Bahnübergang sperren und nebenbei die Gleise säubern.
Das Museo de Colchagua ist die größte private Sammlung Chiles und zeigt von diversen Fossilien, Silberschmuck der Mapuche, Keramiken alter Andenkulturen, über eine Sammlung alter Autos, Kutschen, und einem ganzen Eisenbahnwaggon bis hin zum Klavier Bernardo o'Higgins hunderte von interessanten Artikeln.
Kaffeepause Café beim Museo
Nach einem Kaffee auf der Terrasse des angrenzenden Cafés geht es weiter über das Örtchen Lolol in Richtung Küste zur Laguna Torca, an der wir zelten wollen. Die Laguna ist Teil einer Reserva Nacional, in der über einhundert Vogelarten geschützt werden, die auffälligste darunter der Schwarzhalsschwan. Das Tor ist bereits zu, aber nicht verschlossen und wir suchen uns einen Platz auf dem wie ausgestorbenen Campingplatz. Wir bauen schnell die beiden Zelte auf und Markus kümmert sich schon mal um den Grill, um unsere 1,2kg Rinderfilet samt bunter Beilagen aufzulegen.
Campingplatz der Reserva Nacional unser Grillgut mit der Hälfte des Filets
Nach dem Essen wird es relativ schnell kühl und so verschwinden wir bald in die Zelte. Nachts tönt um uns herum ein halber Zoo von Fröschen, Hähnen und Hühnern, Pferden und Kühen und einigen anderen nicht zu identifizierenden Viechern, sowie das Schnarchen meiner beiden Mitzelter.

Sonntag

Dank vielstimmigem Hahnengeschrei sind wir recht früh wach. Zum Frühstück gibt es frische Landeier, die hier ein dunkelorangefarbenes Dotter haben. Beim Zeltabbau erwischt uns der Ranger, der sichtlich überrascht ist, hier jemanden vorzufinden. Er hat wohl ein schlechtes Gewissen, denn hier hätte schon länger mal wieder jemand aufräumen können. Wahrscheinlich wird der Platz nur im Hochsommer benutzt.
Spazierweg durch die Laguna Schwarzhalsschwäne
Wir machen uns auf den Weg zur Laguna und laufen den auf wackligen Holzplanken angelegten Weg durch hohes Schilf entlang. Überall hört man die Wasservögel, aber man sieht sie kaum, denn das Schilf steht übermannshoch. Von einem Aussichtspunkt erkennen wir dann doch noch jede Menge Enten, Taucher und die allgegenwärtigen Schwarzhalsschwäne, alle in sicherer Entfernung, dafür außerordentlich zahlreich. Leider ist die Umgebung touristisch völlig unbrauchbar, kahle Berghänge und neue Aufforstungen für die Holzschnipselindustrie bestimmen das Bild.
Pazifikküste bei Boyeruca zum Trocknen ausgelegte Cochayuyo-Algen
Wir fahren ein kleines, nicht in der Karte verzeichnetes Sträßchen und gelangen tatsächlich an die Küste. In einem winzigen Ort, der wohl nur im Hochsommer zu Leben erwacht machen wir einen kleinen Strandspaziergang und entdecken dabei mehrere Strandhühner mit und ohne Nachwuchs. Hinter den Häusern liegen Massen von Meeresalgen, Cochayuyo, zum Trocknen ausgelegt, um anschließend verkauft zu werden.
Herr und Frau Huhn beim Strandspaziergang Mutter Huhn mit Nachwuchs
Hinter dem Ort fahren wir durch die Salinen von Lo Valdivia, hier werden ein- oder zweimal im Jahr vom Meer die flachen Becken überschwemmt und mehrere Monate später das Salz geerntet. Natürlich kaufen wir einen Sack: 3 Kilo für 500 Peso (75 cent) an einem kleinen Stand an der Straße.
Salinen bei Lo Valdivia der Salzverkaufsstand
Die Küstenstraße führt immer wieder durch Kiefernanpflanzungen und mittendrin entdeckt Markus wieder eine Vogelspinne auf dem Weg. Es ist ein eher kleines Exemplar, beeindruckt aber trotzdem. Markus rettet sie offensichtlich gegen ihren Willen und führt sie an einem Stock über die Straße bis ins angrenzende Gebüsch.
klein und pelzig Markus führt eine Vogelspinne spazieren
Kurz vor Pichilemu halten wir noch kurz am Punta Lobos, einem ziemlich windigen Aussichtspunkt auf einen von Unmengen von Pelikanen besetzten und versch… Felsen im Pazifik. Es riecht sogar etwas unangenehm nach Pelikanhinterlassenschaften.
Punta Lobos keine Lobos sondern Pelikane
In Pichilemu suchen wir die Turistelempfehlung für das Mittagessen, aber die Informationen scheinen etwas veraltet. So landen wir im nächstbesten Fischrestaurant und sitzen bald vor riesigen Portionen Muscheln, Fisch und Salat. Markus meint er hätte sich nun einen Pisco verdient und schläft hinterher auf der Rückbank sofort ein. Wir machen noch einen Stop an der großen Staumauer des Lago Rapel, dem größten künstlich angelegten See Chiles, der größtenteils dank der vielen Privatgrundstücke am Wasser überhaupt nicht zugänglich ist.
der Lago Rapel Abfluss des Stausees
Kurz darauf fahren wir auf die Autobahn und sind am späten Nachmittag wieder in Santiago.

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