Schneeschuhwandern in den Anden

18.07.2010 - ein letztes Mal Winter vor dem Sommer!

(von Gastschreiber Markus)

Endlich haben wir Zeit, unsere neu gekauften Schneeschuhe auszuprobieren. Neben all den Umzugsvorbereitungen, Verabschiedungen und sonstigen Ausflügen wären wir fast nicht mehr dazu gekommen. 

Am Sonntag, nicht ganz so früh, ordnen wir uns in die Autoschlange Richtung Skigebiete ein. Wir hoffen, dass wir noch rechtzeitig an der Polizeistation vorbeikommen, da diese um 13 Uhr den Verkehr Richtung Skigebiete sperrt und nur noch ins Tal gefahren werden darf. Auf dem Hinweisschild stehen zwar anderen Zeiten, aber mit Polizisten streiten bringt auch in Chile nichts. Grenzwertig um 12:58 Uhr passieren wir die Station und mühen uns mitten im Pulk die Serpentinen rauf. Am Anfang der Schlange fährt wie so oft ein untermotorisierter Kleinbus, durch die gelbe Farbe leicht als Schulbus zu erkennen, der mit 15 Erwachsenen besetzt versucht, die Steigung irgendwie zu meistern. 

Nach dem Abzweig zum Valle Nevado fangen rechts und links der Strasse schon die "Schlittenpisten" an. Dies wird von den Betreibern der Skigebiete nicht gern gesehen. Da hier meist einfache Leute ohne den nötigen finanziellen Hintergrund zum Skifahren ihre Kinder spielen lassen, kann man kein Geschäft mit ihnen machen. Das machen dafür die vielen Ausrüstungsausleiher auf dem Weg ins Skigebiet. Dementsprechend ist es eigentlich verboten zu rodeln, was aber keinen interessiert, und die Hänge sind in keinster Weise präpariert. Sie sind durch und durch mit tiefen Fussstapfen und grossen Löchern übersäht, von den Felsen, die hin und wieder rausragen, nicht zu reden. Mit einem normalen Schlitten könnte man hier nicht fahren. 
Wie immer wird die ganze Familie am Strassenrand mit einem Asado oder auf dem Gaskocher zubereiteter Suppe bei Laune bzw. warm gehalten. Die Kinder haben ihren Spass und man sollte bedenken, dass ein Grossteil der in Santiago wohnenden Bevölkerung noch nie im Leben richtigen Schnee berührt hat. Und das, obwohl die Berge vor der Stadt liegen.

Leider laufen viele Lifte in Farellones mit Dieselmotoren. Die resultierende Russwolke erkennt man im Schnee als grauen Schleier und riecht sie noch 2 km entfernt, je nach Windrichtung. Das ist eigentlich das einzige Manko dieses Ausflugs.  

Wir lassen all das hinter uns und parken etwa einen Kilometer weiter an der Strasse. Ich prüfe kurz den Schnee und er ist sogar noch pulvrig, also genau richtig für die Schneeschuhe. Ich schnalle mir zuerst die Schuhe an und bekomme dann Clara in ihrer Trage. Es läuft sich anfangs schon komisch mit den Dingern, aber da es zunächst bergab geht und der Schnee nicht allzu tief ist, kommen wir gut voran. Wir gehen durch eine kleine Senke und hinter dem nächsten Hügel ist es auf einmal komplett still. Nach dem permanenten Geräuschpegel von Santiago ist das erstmal ungewohnt. Sogar Clara sagt kurz "OOOHOOO", schläft aber dann ein. Der Weg zurück führt leider bergauf, und wir verlieren Dank der Höhe von 2.800m schnell den Atem. Insgesamt sind wir gute 2 Stunden unterwegs und die letzten Meter zum Auto sind uns sehr lang vorgekommen. Clara hat fast den ganzen Weg verschlafen und hatte dann natürlich sofort Hunger.

Nach einem kleinen Imbiss im Auto (Ann versorgt Clara, Ich versorge Ann, wer versorgt mich?) geht es wieder in der Schlange ins Tal. Alles in Allem ein gelungener kleiner Sonntagsauflug. 

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